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Das Phänomen Eli Stefansky

Mit jüdischen Inhalten jüdische Leute erreichen?
Wir sprechen nicht von Mazzeknödel/Chanukkakerzen Content, sondern von Besprechungen des täglichen Talmudabschnitts (Daf Jomi).
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, damit richtig »viele« Menschen zu erreichen?

»Raw« Eli Stefansky (so wird er oft genannt, obwohl er wohl keine Smichah hat) hatte sich 10.000 Abonnenten zum Ziel gesetzt. In den ersten drei Monaten seiner Onlinepräsenz erreichte er schon 2.000 und dann wurden es immer mehr. Vor Ort, also vor der Kamera, begann er in einem kleinen Raum mit ein paar Leuten. Dann wurden Raum und Publikum größer und Eli Stefansky erfahrener und routinierter. Auf YouTube hat er heute 14.900 Abonnenten. Dazu kommen unzählige Menschen, die sich sonst nicht auf YouTube herumtreiben und entweder bei Zoom live dabei sind, oder über Telegram oder WhatsApp die Videos empfangen.
Dabei greifen viele auf seine »8-Minuten-Daf«-Videos und nicht auf die vollen 45 Minuten zu. In beiden Formaten arbeitet er mit Schaubildern und einer Art der Präsentation, die man wohl»lebhaft« nennen könnte. Möglichst viel Information in möglichst kurzer Zeit übermitteln. Ganz Social Media Star, hat er sich schon einen »Signature Satz« zurechtgelegt.
Jeder Schiur beginnt mit einem »Goooooooood morning Rabojsaj«. Alle sind wach, er legt los. Stellt Zuschriften mit Bildern vor (jepp, so funktioniert die richtige Einbindung von Social Media), erzählt etwas dazu. Stellt Sponsoren vor und manchmal Menschen, um deren Genesung man bittet. Auch hier: Hohe Geschwindigkeit. Hier müssen wir etwas zur Sprache sagen: Es ist Englisch, aber Englisch für »jüdische Insider«. Er erklärt talmudische Begriffe, setzt aber ein gewisses Vokabular schon voraus.

Die Leichtigkeit und der Schwung täuschen leicht darüber hinweg, dass er sich mit Sicherheit intensiv und lange auf jeden einzelnen Schiur vorbereitet, denn er präsentiert sehr (sehr) viel Material. Ein gewisses Charisma sollte man ihm auch nicht absprechen. Diese Mischung stimmt also. Natürlich für eine Zielgruppe, die bereits offen für das Thema Talmud ist. Dennoch ist das kontinuierliche Wachstum von Stefanskys Followerschaft ein interessantes Phänomen.

Vor einiger Zeit hat er eine weitere Stufe gezündet: Für jede Person, die sich bereiterklärt, »mitzulernen«, gibt es die Möglichkeit, eine kostenlose Gemarah von Artscroll zu erhalten. Für Artscroll eine gute Gelegenheit, einem enthusiastischen Publikum die eigenen Bücher zu präsentieren.

Wer ist Eli Stefansky? Geboren in Lakewood, New Jersey, wuchs er in New York und Bnej Brak auf und besuchte Jeschiwot in Israel und in den USA. Nach seiner Heirat stieg Rabbi Stefansky in das Immobiliengeschäft ein und schien das auch gut gemacht zu haben. Er baut derzeit das »Daf Yomi Center« oder auch »Mercaz Daf Yomi« – Insider sagen MDY – in Ramat Beit Schemesch auf, in dem den ganzen Tag über Schiurim stattfinden sollen. Das wiederum wird neue Menschen dazu bringen, sich mit Daf Jomi zu beschäftigen.

Ein Influencer und ein Vorbild im guten Wortsinn. Es lohnt, sich das Phänomen einmal anzuschauen, hier für den YouTube-Kanal klicken. Ob es deutsche »Follower« gibt, konnte ich bisher nicht herausfinden.