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Radiointerview zu Tischa BeAw

Zum Thema Tischa beAw gibt es etwas verspätet nichts schriftliches, sondern etwas zu hören. Ich hatte das Glück, dem WDR ein Interview zu diesem Tag geben zu dürfen. Was macht Tischa beAw aus? Ist es der schwärzeste Tag, den das Judentum kennt? Welche Bedeutung messe ich diesem Tag heute zu?
Das Interview lief dann in zwei Sendungen in zwei unterschiedlichen Längen. Eines wurde am Vorabend von Tischa beAw ausgestrahlt (leider ein Schabbat) und eine an Tischa beAw (der in diesem Jahr wegen des Schabbats ein Tag später begangen wurde).

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Die Zeit dazwischen

Mit dem 17. Tammuz, dem Fastentag der vielleicht weniger populär ist als Tischa beAw, beginnt eine Zeit, die auf Hebräisch Bejn haMetzarim genannt wird. Das könnte man ungefähr mit »zwischen den Bedrängnissen« übertragen. Wenngleich überall in Europa Sommerferien sind und die Zeit eigentlich leicht sein sollte, so haben wir hier einen schweren Gegenentwurf. Damit umzugehen, fällt mir recht schwer.

In allen Phasen der Geschichte hat das jüdische Volk ähnliche Erfahrungen gemacht. Manchmal sogar zu ähnlichen Zeiten im Jahr. Ereignisse kehren immer wieder. Die Verfolgungen mit der Absicht das gesamte Judentum auszulöschen etwa.
Deshalb würde ich die Geschichte des Judentums als eine Art Helix betrachten, wie die Wendeltreppe unten. Bestimmte Arten von Ereignissen wiederholen sich – sogar zu ähnlichen Zeiten im Jahr. Das alles läuft besonders in der Zeit Bejn haMetzarim zusammen.

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von Das Original wurde von Ralf Roletschek in der Wikipedia auf Deutsch hochgeladen (Übertragen aus de.wikipedia nach Commons.) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Bereits die Mischnah nennt tragische Ereignisse dieser Zeit (siehe hier Ta’anit 4,6).
In diese Zeit fielen etwa die Pogrome zu Beginn des ersten Kreuzzugs (1095), bei denen Tausende Juden aus Frankreich und dem Rheinland getötet wurden. Es folgte die Vertreibung der Juden aus England (1290), das Ultimatum, bis zu dem alle Juden Spanien zu verlassen hatten (31. August 1492) und zuletzt das Terrorattentat auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994 mit 86 Todesopfern. In der charedischen Welt ist Tischa beAw auch ein Tag des Gedenkens an die Schoa.
In einem Artikel für die Jüdische Allgemeine (im Volltext hier) beschreibe ich den Charakter dieser Zeit. Es geht nicht nur um Trauer und das zurückschauen, sondern auch um das »nach-vorne-schauen« und die Frage, was ich als Einzelperson tun kann, um die Welt zu ändern.

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Kinot



Kinot, ursprünglich hochgeladen von Chajm

Donnerstag ist Tischa beAw, ein Live Webcast der Kinnot wird es hier geben yutorah.org/tishabav/ . Es ist schon längere Zeit her, dass ich in einer Synagoge war in der wir bei Kerzenlicht auf dem Boden sitzend Kinot gesprochen haben. Danach waren es eher konventionelle Gebete zu Maariw und Schacharit… Wer die Möglichkeit hat, diese Form des Maariw besuchen zu können, der sollte das unbedingt auch wahrnehmen…