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Löwen im Talmud

Der Löwe ist für die Einrichtung von Synagogen nicht ganz unbedeutend. Entweder findet man welche auf dem Vorhang des Toraschranks, auf dem Mantel der Tora oder auf einem bunten Glasfenster. Oft halten zwei Löwen die »Tafeln« mit dem Zehnwort fest. Auf dem Bild aus der Synagoge Essen (als sie noch nicht »alt« war) liegen die Löwen und schauen herunter.

Parochet der Synagoge Essen (kurz nach der Eröffnung, als sie noch nicht die »Alte Synagoge« war) – Mehr Bilder gibt es hier.

Schon in der Tora wird der Stamm Jehuda (1. Buch Mose 49,9) mit einem Löwen verglichen: »Ein junger Löwe bist du, Jehuda. Wenn du von der Beute, mein Sohn, empor dich reckst. Er kauert nieder wie der Löwe. Und lagert sich der Löwin gleich; wer wagte da ihn aufzuschrecken!« Dies macht den Löwen zum Wappentier Jehudas.

Den gesamten Text zu Löwen im Talmud gibt es auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen, hier.

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Der Hahn im Talmud

Darüber, wie man einen Satz aus den Birkot haSchachar, den Segenssprüchen am Morgen, übersetzt, kann man hervorragend diskutieren. Wird er übersetzt mit »der dem Hahn Verständnis schenkte, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden« oder »der dem Herz Verständnis schenkte, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden«. Beides ist möglich. Jedenfalls dürfte dies der bekannteste Hahn des jüdischen Lebens sein (mal abgesehen vom Kaporesschlagen, für das hoffentlich möglichst wenig Hähne herhalten müssen).

Für die Jüdische Allgemeine habe ich betrachtet, was im Talmud über den Hahn zu finden ist. Den Text gibt es hier im Volltext.

Bild von Albertus Verhoesen, 1855

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Von Rehen und Hirschen

Der talmudische Artikel dieser Woche (für die Jüdische Allgemeine) führte mich eigentlich zu einem Thema, das zunächst wenig spektakulär klingt, aber in das kulturelle Gedächtnis eingegangen ist: Rotwild. Im Machsor von Worms (aus dem 13. Jahrhundert) findet man eine Jagdszene als Illustration: Ein Jäger bläst das Horn und lässt einen Hund auf ein Reh oder eine Hirschkuh los. Ähnliche Abbildungen findet man auch in anderen jüdischen Handschriften aus jener Zeit. Heute wird angenommen, dass diese Szene eine Metapher für die Judenverfolgung und das Vorgehen gegen die Tora ist. Angelehnt an Psalm 22,17: »Mich umringen Hunde, gleich Löwen umkreist mich an Händen und Füßen eine Rotte Bösewichter.« Wie diese Zuweisung zustande kam, kann man im Artikel nachlesen.

Aber der Artikel könnte uns helfen, hilft er, weitere Bilder zu deuten – diese tauchen (aus Gründen des Platzes) nicht im Artikel auf:

Zum einen hätten wir die, recht berühmte, »Vogelkopf-Haggadah« (ein Ausschnitt unten), in der alle menschlichen Akteure als Vögel dargestellt werden. Es heißt, weil die Illustratoren sich dafür gefürchtet hätten, Menschen abzubilden. Die beiden letzten Sätze sind allerdings nicht richtig. Es tauchen sehr wohl menschliche Menschen im Manuskript auf, etwa Ägypter. Und: Einige Experten sind sich nicht so sicher, ob es sich tatsächlich um Vögel handelt. Aus welchem Grund sollte man Vögel gewählt haben? Die Figuren haben einen Schnabel. Das ist es aber auch schon. Der Rest des Kopfes könnte aber auch von einem Löwen stammen. Eine kleine Erinnterung an die Mischna Awot, die »Sprüchen der Väter«, hilft: »Jehuda ben Tema sagte: Sei mutig wie ein Leopard, behänd wie ein Adler, schnell wie ein Hirsch und heldenhaft wie ein Löwe, den Willen des Vaters im Himmel zu vollbringen.« Eine Charakterisierung derer, die den Willen des Vaters vollbringen. Was läge also näher, als diejenigen, auch so abzubilden?

Ausschnitt aus der Vogelkopf-Haggada (entstanden um 1300) – der ältesten erhaltenen illuminierten aschkenasischen Pessach-Haggada.

Ein weiterer, etwas unerwarteter Aspekt ist »Bambi«. Das Buch, aus dem später der berühmte Film von Disney wurde, stammt von Felix Salten. Er hat es 1922 herausgebracht. Felix Salten hieß eigentlich Siegmund Salzmann, ein Jude aus Pest, der in Wien aufwuchs und dort Journalist wurde und als Felix Salten mehr Chancen sah. Salten war niemand, der die Jagd verabscheute und deshalb vielleicht »Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde« schrieb. Salten war begeisterter Jäger. Anlässlich einer neuen englischen Übersetzung des Buches (hier als Volltext) fragte sich Donna Ferguson vom Guardian (Volltext hier, theguardian.com), ob die Geschichte vielleicht nicht eher eine Metapher für den Antisemitismus der 1920er Jahre sei. Wenn wir in unserer Rotwild-Metaphorik bleiben, dann liegt das vielleicht recht nah.

Auch Art Spiegelmann hat in seinen »Maus« Comics Tiere für die Darstellung von Menschen gewählt. Jüdinnen und Juden sind Mäuse, Nazis Katzen. Die Wahl dieser Zuweisung kann er erklären und die Leser von heute nachvollziehen. Ähnlich könnte es bei der »Reh-Metapher« gewesen sein.

Der Artikel auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen: »Von Rehen und Hirschkühen« juedische-allgemeine.de

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Bären

Bären sind stark und der hebräische Vorname Dow scheint auf diese (gute) Stärke zu verweisen. Ein Blick in die klassischen Texte des Judentums zeigt jedoch, dass der Bär nicht immer für eine Mischung aus Kuschligkeit und Kraft steht. Eine (verstörende) Episode mit dem Propheten Elischa zeigt das recht eindrücklich.

Den gesamten Text gibt es in der Jüdischen Allgemeinen, hier online.

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Der Esel in Torah und Talmud

Bil'am und der Esel

Es ist bemerkenswert, dass man einen erstgeborenen Esel bei einem Kohen »auszulösen« muss. Anscheinend ist er ja etwas besonderes. Schauen wir, welche besondere Rolle er in der Torah und Talmud spielt:

Der Artikel für die Jüdische Allgemeine ist hier im Volltext verfügbar.

(Oben auf dem Bild – Bil’am, der Esel und ihre Begegnung mit dem Engel – Bild entstanden zwischen 1594 und 1635)

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Die Taube im Talmud

Abbildung einer Taube aus dem 17. Jahrhundert (anonymer Maler)

Nicht nur in der Geschichte von Noach spielt die Taube eine Rolle. Tatsächlich spielt sie auch im Talmud und in den späteren jüdischen Schriften eine Rolle. Allerdings ist sie nicht das Symbol, für das man sie gemeinhin hält.
Spoiler: im Judentum ist die Taube KEIN Friedenssymbol

Der Artikel für die Jüdische Allgemeine ist hier im Volltext verfügbar.

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Der Fuchs im Talmud

Drei Fuchsköpfe, von Bernard Willem Wierink

Durch die Fabeln des antiken griechischen Dichters Aesop haben viele Tiere die Eigenschaften erhalten, die wir ihnen heute zuschreiben: Der Hase ist vorsichtig, aber auch vorlaut, der Löwe mächtig und königlich, und der Fuchs ist schlau, aber durchtrieben. Fabeln mit Füchsen gibt es auch im Talmud, nicht mehr so viele, wie den Weisen des Talmud bekannt waren, aber immerhin noch ein paar. Mehr über den Fuchs im Talmud findet man hier:

Der Artikel für die Jüdische Allgemeine ist hier im Volltext verfügbar.

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Sechs Jahreszeiten

Sechs Jahreszeiten? Wenn man sich bewusst macht, dass die vier Jahreszeiten eine menschliche Einteilung dessen sind, was in der Natur beobachtet wurde, wundert es nicht, dass es tatsächlich noch andere Systeme der Einteilung gibt. Um es kurz zu machen: Der Talmud kennt (zumindest in einer Diskussion) sechs Jahreszeiten. Abgeleitet werden diese aus der Geschichte von Noach. Nach der Geschichte der großen Flut beschloss nämlich G-tt, dass »Fortan, alle Tage der Erde, sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter und Tag und Nacht nicht gestört sein« (1. Buch Mosche 8,22). Diese Diskussion habe ich etwas genauer beleuchtet. Den gesamten Text findet man hier:

Jüdische Allgemeine – Die sechs Jahreszeiten: Saat, Winter, Frost, Ernte, Sommer und Hitze

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Geboren werden – oder lieber nicht?

Man kann buchstäblich erwarten, dass jede und jeder mit Wurzeln in einem der Länder der ehemaligen Sowjetunion den Film »Ironie des Schicksals – Ирония судьбы« kennt. Dieser Film läuft in jedem Jahr am 31. Dezember im Fernsehen. Der dreistündige Film ist voller Balladen und eine davon klingt recht zynisch: »Wenn du kein Haus hast, dann kann es nicht abbrennen. Wenn du keinen Hund hast, kann der Nachbar ihn nicht vergiften.« Es folgen weitere Abwägungen. Das Lied endet mit »Wenn du niemals lebst, dann kannst du nicht sterben.« Auch dieses Lied dürften nahezu »alle« kennen.
Hillel und Schammaj haben im Talmud diskutiert, was besser ist: Nicht geboren zu werden, oder eben doch geboren zu werden. Den gesamten Text (von mir) dazu findet man auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen.

Talmudisches – Geboren werden – oder lieber nicht?