Artikel

Bimah

Old Jerusalem Hurva Synagogue Bimah
Die Bimah in der Hurva Synagoge: By Utilisateur:Djampa – User:Djampa (Own work – Travail personnel) [GFDL or CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Die Bimah befindet sich in Deutschland bei nicht wenigen Syangogen vorne. Direkt vor dem Schrank, in dem die Torahrollen aufbewahrt werden. Das ist für Gäste ein false friend, wie das im Bezug auf Sprachen heißt: Etwas, was so ähnlich ausschaut, wie eine Sache, die man kennt. Also wird die Bimah nicht selten als Altar bezeichnet.
Diese Raumaufteilung geht auf die Anfänge des Reformjudentums zurück und ist aus mehreren Gründen nicht sonderlich optimal. Die Aufmerksamkeit und der Fokus dürfte bei einer Torahlesung inmitten der Menge etwas größer sein, als ein Ereignis, welches irgendwo vorne stattfindet. In einigen neueren Synagogen wurde dies (wieder) berücksichtigt. So etwa in Bamberg, Dresden oder Bochum.

Eine ausführliche Darstellung ist diese Woche in der Jüdischen Allgemeinen zu finden, den Text findet man hier.

Artikel

Die Synagoge

Einweihung der Synagoge Bochum - Dedication of the Bochum synagogue Es hat einige überrascht, dass die Synagoge nicht DAS (institutionelle) Gebäude jüdischen Lebens einer jüdischen Gemeinde ist. Einfach, weil es uns vielfach anders begegnet.Im gelebten Judentum stehen ja eigentlich das eigene Haus und die Familie im Mittelpunkt, deshalb hat auch der Bau einer Mikwe Vorrang vor dem Bau einer Synagoge. Um die Errichtung einer Mikwe bezahlen zu können, darf die Gemeinde sogar eine Synagoge oder eine Torarolle verkaufen. Warum die Synagoge aber doch auch ein Zentrum des Gemeindelebens, auch ohne Minjan, ist, steht in meinem aktuellen Artikel für die Jüdische Allgemeine. Hier kann man den Volltext online lesen.

Artikel

Das jüdische Jahr in Glas

Die Fenster des alten Betsaals der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen schilderten das jüdische Jahr in nucem und gaben die wichtigsten Symbole des Jahres sehr gut wieder.
Nach dem Umzug der Gemeinde in das Gebäude der Neuen Synagoge, hängen sie nun direkt vor dem eigentlichen Synagogenraum und haben dort, bei entsprechender Ausleuchtung noch eine ganz andere Wirkung. Ein Bericht in der Lokalzeitung (und eine daraus resultierende Anfrage) erinnerte mich daran, dass sie natürlich auch für eine breitere Öffentlichkeit interessant sein könnten. Vor einige Zeit schon habe ich ein paar Fotografien davon gemacht:

Gesamtansicht:
Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen

Details:
Man beachte, dass man bei den Jamim Noraim auch zwei Hände aufgenommen, die einander gereicht werden wie es in dieser Zeit auch sein sollte. Dies als wichtiges darstellendes Element der Festtage, neben dem Schofar, aufzunehmen, fand ich bemerkenswert.

Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen

Windows from the old synagogue in Gelsenkirchen

Artikel

Neu gebaut und umgezogen?

SynagogeDuisburg Atrium

Die Duisburger Synagoge ist ein Vorzeigeprojekt auf das immer wieder gerne hingewiesen wird. Architekt Zvi Hecker schuf ein ein ungewöhnliches Gebäude an Duisburgs Innenhafen. Sie wurde am 21. Februar 1999 eingeweiht und sollte als Zentrum der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen dienen. Die Gemeinde zog damals von Mülheim an der Ruhr nach Duisburg. 9 Millionen Euro hat das Projekt damals gekostet.
Jetzt überlegt man, laut Rheinischer Post, den Standort zu wechseln:

Die jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen überlegt, aus ihrem derzeitigen Domizil am Innenhafen auszuziehen. “Wir haben zwar keine konkreten Pläne, aber es gibt solche Überlegungen”, sagt der Geschäftsführer der Gemeinde, Michael Rubinstein. von hier

Warum?
Dazu gibt es gleich mehrere Antworten. Zum einen liest man:

Die jüdische Gemeinde Dusiburg-Mülheim-Oberhausen will sich von der Synagoge am Innenhafen trennen. Grund: Der Neubau sei zu klein und zu weit abseits gelegen. Man habe bereits ein neues Domizil im Auge, verrät Vorstandsmitglied Patrick Marx. von hier: Der Westen

Das war am 17.3.2011. Am 18.3.2011 heißt es dann etwas erhellender:

Aufgrund fehlender thermischer Abschirmung einiger Gebäudeteile ist die Synagoge am Innenhafen bereits nach zehn Jahren in einem schlechten Zustand. Je nach Höhe der Sanierungskosten müsste sich die Gemeinde nach einer Alternative umschauen. von hier: Der Westen

Dem Artikel ist zu entnehmen, dass die Betonfinger, die Architekt Zvi Hecker entwarf, offenbar ein größeres Problem darstellen (auf dem Bild unten zu erkennen). Sie wurden wohl auf Anweisung des Architekten hin nicht ausreichend gegen Umwelteinflüsse abgeschirmt. Das Material arbeitet also. Dehnt sich aus, zieht sich zusammen. Wasser kann in das Material eindringen und weil alles miteinander verbunden ist, wirkt sich das auch auf das Hauptgebäude aus.

Duisburg Jewish Community Center-Zvi Hecker

Die Sanierungskosten dürften erheblich sein. Auf Der Westen.de heißt es weiter:

Damit nicht genug: Der bauliche Grundfehler wäre damit nicht behoben. Dazu müssten die Betonfinger vom Gebäude getrennt werden. Und hier kommen wir in einem Konflikt mit den Urheberrechten des Architekten, so Rubinstein. Von hier: Der Westen

Notbremse also? Nach zehn Jahren erkannt, dass die Lage nicht gut ist, die Bausubstanz schlecht und die Gemeindemitglieder eigentlich woanders leben.

Die Realität schlägt also mit der großen Faust zu.

Der Architekt erkennt aber, laut Rheinischer Post, nicht, wo das Problem liegt:

Insgesamt sei es um eine Summe von 800 000 Euro gegangen, die die Duisburger Gemeinde vom Architekten verlangt hatte. “Die Gemeinde hat nie architektonisches Verständnis gezeigt. Ich war nicht einmal zur Grundsteinlegung und zur Eröffnung eingeladen”, sagt Hecker. von hier: Rheinische Post

Die Gemeinde habe also kein architektonisches Verständnis? Es scheint also eine gewisse Kommunikationsprobleme zu geben. Eine Gemeinde benötigt einen praktischen, sicheren und ausbaufähigen Raum (heute wohl auch ökonomisch und ökologisch anspruchsvoll). Der Architekt wünscht sich ein Projekt, bei dem gezeigt werden kann, was möglich ist. Viel Symbolkraft (ähnlich wie in Mainz) müsste mit praktischen Belangen verschmolzen werden. Ob Duisburg einen Wendepunkt zeigen wird? Man wird das Projekt weiter beobachten müssen.

Artikel

Halloween in Mainz

Neue Synagoge 1

In der Nacht zum Sonntag also jener Nacht die seit einigen Jahren in Deutschland Halloween ist hat jemand versucht, einen Molotowcocktail auf die (neue) Synagoge in Mainz zu werfen. Wie man lesen konnte, prallte der Brandsatz an einem Baum ab und brannte ab, bevor die Feuerwehr eintreffen konnte. In Rheinland-Pfalz ist das nun der zweite Anschlag auf eine Synagoge. Am 18. Mai 2010 hatte jemand versucht, die Synagoge von Worms anzuzünden (siehe auch hier).
Interessanterweise geht man davon aus, dass hier nicht notwendigerweise Antisemiten am Werk sein müssen:

Die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) bedauert mögliche Folgen des Vorfalls: “Wenn sich heraus stellt, dass es einen rechtsextremen oder antisemitischen Hintergrund für die Tat gibt, dann müssen wir alle – Gemeinde, Stadtrat, Polizei und Verwaltung – grundsätzlich überdenken, wie sich die Sicherheit und Unversehrtheit der Synagoge herstellen lässt.” von hier

Alle anderen Reaktionen zeigten das übliche Muster, zeigen aber zumindest die Einsicht, dass hier Antisemiten am Werk gewesen sein :

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einer verabscheuungswürdigen Tat und erklärte: Ich setze darauf, dass sie schnell aufgeklärt wird. Antisemitismus darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. von hier

Man möchte anfügen Ja, wird sicher so schnell aufgeklärt wie der Anschlag von Worms und sicher genauso schnell wieder vergessen.

Artikel

Hurva Synagoge besetzt

Das Innere der Hurva Synagoge

Das Innere der Hurva Synagoge

Seit dem 15. März 2010 strahlt die Hurva Synagoge im jüdischen Viertel Jeruschalajims wieder im alten Glanz. Seitdem die Synagoge 1948 von jordanischen Soldaten gesprengt wurde, stand sie als Ruine in der Altstadt und erst 2005 wurde der Beschluss gefasst, die Synagoge nach den alten Originalplänen wieder aufzubauen. Schon drei Jahre vor Fertigstellung der Synagoge, im Februar 2007 wurde Rabbi Simcha HaCohen Kook zum Rabbiner erklärt.

Da es sich hier um ein historisches Monument handelt, war recht schnell klar, dass auch der israelische Staat sich an den Baukosten beteiligen würde, ursprünglich sollte der Staat Israel etwa 5 Millionen Euro beitragen, was in etwa 85% der Baukosten abdecken sollte. Federführend war die Company for the Reconstruction and Development of the Jewish Quarter Tatsächlich beschränkte sich die Summe dann auf etwa 2,3 Millionen Euro. Die restliche Summe zahlte der Geschäftsmann Vadim Rabinovich. Theoretisch der Grundstein für eine grandiose Geschichte und einen weiteren Magneten für jüdische Besucher Jeruschalajims. Tatsächlich ist es aber etwas anders gekommen, wie die Jerusalem Post berichtet.
Einige charejdische Juden nutzen die Synagoge nun für sich und sind nicht besonders begeistert über Besucher. Obwohl die Synagoge mit öffentlichen Mitteln bezahlt wurde, bestimmen sie nun, wer zu welcher Zeit die Synagoge anschauen darf und erheben eine Eintrittsgebühr von etwa 6 Euro. Allerdings gibt es auch hier eine Einschränkung: Zu sehen ist die Synagoge nur vom Frauenbereich aus. Der Bereich für Männer bleibt verschlossen.
Die Charejdim gehören zur Gemeinde von Jitzchak Schlomoh Zilbermann, der 2001 verstarb. Etwa 90 Familien gehören zu dieser Gemeinde in der Altstadt und etwa 20 Männer studieren nun den Tag über in der Hurva Synagoge, die nun anscheinend ihre Synagoge ist. Ein ähnliches Vorgehen wurde ja bereits an der Kotel beobachtet (siehe hier).

Creative Commons License Das Bild der Synagoge fällt unter die Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported License. Es stammt von Ranbar.

Artikel

Botschaft von Worms

Das Innere der Synagoge Worms

Das Innere der Synagoge Worms


Ein Brandanschlag auf eine Synagoge ist ein besonders perfides Verbrechen, weil es in Deutschland in einer gewissen Tradition steht, aber das benötigt hier keiner weiteren Erklärung. In Worms hat man versucht, an mehreren Stellen die Synagoge in Brand zu stecken. Zudem wurde ein Bekennerschreiben gefunden (dessen Echtheit noch nicht zweifelsfrei geklärt ist):

Sobald ihr nicht den Palästinensern Ruhe gibt, geben wir euch keine Ruhe.

Mit anderen Worten: Da hat jemand gleich in mehreren Schulfächern massiv seinen Schlafmangel ausgeglichen. Orthografie? Syntax? Geschichtsunterricht? Wann wurde die Synagoge von Worms erstmalig erwähnt und was haben die Palästinenser damit zu tun? Wurden die 1034 vom Gelände vertrieben und seitdem von den Wormser Juden geärgert?

Eine andere Option ist: Da hat jemand vorsätzlich ein wenig an der Orthografie gebastelt.

Artikel

Potsdamer Synagoge weiter im Gegenwind

Über das Projekt Synagoge Potsdam wurde hier bereits einige Male berichtet, etwa hier und hier. Schon 2007 ging es darum, ob das Konzept Bestand hat und das Judentum dort eine Zukunft hat.
Heute erschien in den Potsdamer Neuesten Nachrichten ein Interview mit Ud Joffe, der kurzerhand alle religiösen Personen zusammensammelte um mit einem Minjan zu beten, also Gemeindeaufbau so betreibt, wie er üblicherweise funktionieren sollte.

Aber das jüdische Konzept der zumeist russischstämmigen Juden Potsdams ist nicht stark genug?

Es sind viele russische Bürger nach Israel und Deutschland gekommen, die ich sehr respektiere. Aber wenn ihnen nicht geholfen wird, die Frage nach ihrem Jude sein zu beantworten, ist spätestens in ein zwei Generationen Schluss mit dem Judentum in Deutschland.
Ein Jolkafest in der Synagoge, ist das der Stein des Anstoßes?
Mitglieder unserer Betergemeinschaft Minjan haben solche Aktivitäten in der jüdischen Gemeinde sogar an Jom Kippur erlebt, dem wichtigsten jüdischen Feiertag. Oder gerade am letzten Wochenende zum Purim-Fest. Die Gemeinde muss sich stärker bewusst werden, was es heißt, eine jüdische Gemeinschaft zu sein. von hier

Das gesamte, interessante, Interview findet man hier.

Update: Rabbiner Nachum Presman im Interview und warum er die Pläne nicht besonders gelungen findet: hier.

Artikel

Neue Synagoge im März

In der Diskussion und schon im Text zur gegenwärtigen Situation des Judentums in Deutschland wurde immer wieder gefragt, warum einige Gemeinden große Synagogen bauen, obwohl der Kurs und der Ausblick für die nächsten Jahre nicht ganz klar ist.
Es scheint Einigkeit darüber zu herrschen, dass Synagogen aus einer lebendigen Gemeinde heraus wachsen sollen und dementsprechend angemessen proportioniert sein müssen.
Im kommenden Monat (Mitte März 2010) wird eine Synagoge eröffnet, von der noch nicht ganz klar sein dürfte, wie es in den nächsten Jahren weitergeht. Die Synagoge wird 90 Plätze haben, die bauende Gemeinde, nämlich Herford hat etwa 100 Mitglieder. 2002 waren nur etwa 11 Gemeindemitglieder unter 21. Die Frage nach der Zukunftsperspektive steht also im Raum, auch wenn die Gemeinde durch ein paar Personen unterstützt wird, die der Gemeinde in Bielefeld den Rücken gekehrt haben (siehe hier), die selber nur etwas mehr als 280 Mitglieder zählt. Ambitioniert wäre also eine passende Bezeichnung für das Gesamtprojekt.
Auf den Internetseiten des Jüdischen Kulturzentrums Bielefeld findet man auch eine Kurzdarstellung des Projekts Synagoge Herford
Die Synagoge selbst ist nach dem Vorbild der Vorkriegssynagoge gestaltet worden und gleicht ihr äußerlich; das dürfte für einen Synagogenneubau in Deutschland einmalig sein. Architektonisch ist es also ein interessantes Projekt. Nebenan befindet sich das Gemeindehaus.
Die Baukosten belaufen sich auf 1,7 Mio. , wobei jeweils ein Drittel von der Gemeinde, der Kommune und dem Land NRW getragen wird.

Artikel

Erfurt hat die älteste Synagoge

Ende Oktober 2009 wurde in Erfurt in einer alten Synagoge eine Dauerausstellung eröffnet. Das mag unspektakulär klingen – schließlich sind einige Synagogen heute Museen oder kulturelle Begegnungsstätten, aber Erfurt kann auf eine Synagoge zurückgreifen, die über 900 Jahre alt ist. Die Geschichte um die Wiederentdeckung der Synagoge ist spannender, als man sich so eine Geschichte ausdenken könnte. Erbaut wurde sie wohl um das Jahr 1100. Nach einem Pogrom im Jahre 1266 entstand das Gebäude etwa um das Jahr 1270 neu und wurde in der Folge immer wieder umgebaut. Nach einem Pogrom 1349 wurde sie fast 500 Jahre lang als Lagerhaus benutzt und verschwand langsam hinter und zwischen anderen Häusern. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude mittelalterliche Gebäude durch eine Gaststätte genutzt – da war die Synagoge im Gedächtnis der Stadt schon lange vergessen, bis 1992 Bauuntersuchungen die mittelalterliche Substanz des Gebäudes erforschten und auf die Synagoge selbst stießen. Dann wurde sie aus der Bausubstanz geschält und so wurde ein beachtliches Zeugnis für das jüdische Leben im Mittelalter geborgen.

Alte Synagoge Erfurt
Weitere und eingehende Informationen gibt es auf einer Website der Stadt Erfurt, die auch recht anschaulich die verschiedenen Bauphasen zeigt.
Man beschränkt sich jedoch, bemerkenswerterweise, nicht auf die Darstellung des jüdischen Lebens im Mittelalter, sondern zeigt auch etwas zu den anderen Synagogen, die es in Erfurt heute gibt und die es einmal gab. So gibt es heute noch die Kleine Synagoge.
xti_0073
und die Synagoge der heutigen jüdischen Gemeinde .
16-200dpi

Die Verdichtung jüdischer Geschichte dürfte die Stadt interessant für einen jüdischen Kurzausflug machen. Ach ja, bei der Gelegenheit kann man sich gleichen den jüdischen Schatz aus dem Mittelalter anschauen. 28 Kilogramm Wertsachen, 3141 Silbermünzen, 14 Silberbarren, 600 Schmuckstücke und ein goldener Hochzeitsring aus dem 14. Jahrhundert mit der Aufschrift Mazel Tov