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Mobile Sukkah in Dortmund

Mobile Sukkah in Dortmund

Statt auf Gäste zu warten, bringt Chabad Dortmund (auch in anderen Städten) die Sukkah zu den Gästen. Rabbi Menachem Mendel Vilenkin hat eine Sukkah auf ein Pick-up gestellt und dorthin gefahren, wo jüdische Leute wohnen.
Und es funktioniert: In der Zeit, in der ich bei Rabbi Vilenkin stand, kamen zahlreiche Leute vorbei und schauten neugierig. Einige kannte er und schüttelte Hände. Aber es gingen auch Leute vorüber, von denen er annahm sie sprächen Russisch. Er lag immer richtig. Die meisten ließen sich auf eine Brachah in der Sukkah, über Lulaw und Etrog und ein Stück Kuchen (oder ein LeChajm mit Wodka) ein.
Eine gute Idee, praktisch um die Leute zu erreichen, aber auch ein Hingucker.

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Jüdische Medizinethik in Gelsenkirchen

Rabbiner Soussan in Gelsenkirchen

Rabbiner Julian Chaim Soussan ist einer der besten Redner zu jüdischen Themen, den wir derzeit in Deutschland haben. Das kann man einfach mal so festhalten. Er ist eloquent, setzt Humor an den richtigen Stellen ein und reagiert smart auf Rückfragen. Der Zuhörer merkt schnell, dass hier jemand gerne über das erzählt, was ihm wichtig ist. Eloquenztechnisch und vielleicht auch ein wenig äußerlich bewegt sich Rabbiner Soussan Richtung (Sir) Jonathan Sacks. Das verraten wir ihm aber nicht, sonst beeinflusst ihn das…

Obwohl das Wort »Ethik« in Zusammenhang mit dem gelebten Judentum schwierig ist, weil sie ja untrennbarer Bestandteil des jüdischen Lebens ist, stand ein Vortrag in der Synagoge Gelsenkirchen mit Rabbiner Soussan unter der Überschrift »Jüdische Medizinethik«. In knapp zwei Stunden gab er einen knappen Überblick über die aktuell wichtigsten Themen:
Wann beginnt das Leben?
Was ist mit Präimplantationsdiagnostik?
Wie schaut es mit In-vitro-Fertilisation aus?
Wann endet das Leben?
Darf man lebensverlängernde oder lebenserhaltende Systeme abschalten oder deren Nutzung nicht in Anspruch nehmen?
Wie sieht es mit Schmerzen aus?
Was ist mit Organspenden – darf man oder darf man nicht? Sollte man vielleicht gar Organe spenden?

Natürlich konnten viele der Themen nur angeschnitten und nicht ausführlich ausdiskutiert werden. Während des Vortrags wurde deutlich, dass sich das, leider recht kleine, Publikum (vielleicht 15 Personen) zum größten Teil aus nichtjüdischen Zuhörern zusammensetzte. Diese haben eine andere Auffassung von Halachah als Juden und haben mehrfach danach gefragt, wie Rabbinatsgerichte Verstöße gegen die Halachah ahnden und so ging leider wertvolle Zeit verloren. Im Umgang mit solchen Zwischenfragen wurde deutlich, dass Rabbiner Soussan reichlich Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt hat und diese Zielgruppe gerne mitnimmt, vielleicht sogar etwas zu gerne. Aber es ist für Rabbiner häufig erfrischend, sagte man mir zumindest, ausnahmsweise vor einem Publikum aufzutreten, das ihm gebannt an den Lippen klebt.
Es ist schade, dass nicht mehr Juden aus dem Ruhrgebiet die Gelegenheit wahrgenommen haben, sich ein wenig Hintergrundwissen zu diesem wichtigen Themenkomplex zu beschaffen. Es besteht aber zweifellos Bedarf danach, sich auch mit den fundamentalen Fragen des Lebens zu befassen. Die medizinischen Möglichkeiten werden immer vielfältiger und die Gesellschaft immer im Zusammenhang mit Fragen zu Tod und Leben immer pragmatischer und kostenorientierter. Die totale (eigene) Freiheit, alles tun zu können und zu dürfen, gilt als grenzenlos und bildet nicht selten die oberste Maxime des Handelns. Dem kann man nachlaufen , oder klare Prinzipien formulieren – wie es das Judentum tut. Das wäre eigentlich bei vielen ethischen Fragen eine interessante Stimme in den allgemeinen Diskussionen – etwa zum Thema Sterbehilfe. Dementsprechend wichtig wäre es also, die Themen auch in die Öffentlichkeit zu bringen.

Ein Wort zur Präsentation durch die einleitende Person der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit: Es wirkt souveräner, wenn man den Namen des einzigen Gastes nicht vom Zettel ablesen muss und auch den Rest der fünf Sätze weniger als Frage formuliert, als vielmehr als Vorstellung des Gastes. Man sollte biographische Angaben vielleicht beim Gast einfordern und nicht einen Wikipediaeintrag vorlesen.

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Sag zum Abschied leise Tschüß

»Sag zum Abschied leise Tschüß« war der Titel eines kurzen Talks in der Alten Synagoge Essen, im Rahmen von Limmud Essen (besser: Limmud Ruhrgebiet). Dort stellte ich die aktuelle Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden vor. Einen besonderen Blick richtete ich natürlich auf die lokale Situation im Ruhrgebiet und diskutierte mit den anwesenden Leuten aus den verschiedensten Gemeinden die, eher ungute, Entwicklung der Mitgliederzahlen der Gemeinden.
Alle kannten oder kennen die Situation bereits, aber dass der Mitgliederrückgang so schnell voranschreitet, ist erst dann offensichtlich, wenn man ihn visualisiert und sich die Konsequenzen bewusst macht.

Allem voran stand die Behauptung meinerseits, dass es die, oft beschworene, Renaissance des Judentums in Deutschland nie gegeben habe. Es entstand nicht an jedem Ort lebendiges jüdisches Leben, schon gar kein Anknüpfen an eine Tradition. Es war vielerorts neues jüdisches Leben, mancherorts ein kurzes Aufblitzen. Ob es Bestand hat, zeigt sich gerade jetzt.
Jahrelang stiegen die Mitgliederzahlen, nun fallen sie wieder.
Dieses Aufblitzen belebte auch Gemeinden, die irgendwie noch existierten, aber in einer Art Winterschlaf. Eine Teilnehmerin meldete sich zu Wort und berichtete von Gemeinden in Ostdeutschland, die während der DDR formal noch bestanden, aber praktisch keine Mitglieder hatten und erst mit dem Zuzug von Kontingentflüchtlingen wieder Mitglieder hatten. Formal gab es diese Gemeinden natürlich, aber praktisch nicht.

Chajm bei Limmud Essen/Ruhr

Wir haben gemeinsam betrachtet, dass die Mitgliedszahlen sowohl in den kleinen, als auch in den großen Gemeinden zurückgehen. Die Zahlen der großen Gemeinden dienen hier als Beispiel.

Entwicklung der Mitgliederzahlen – Berlin

Entwicklung der Mitgliederzahlen – Frankfurt am Main

Entwicklung der Mitgliederzahlen – Düsseldorf

Hier lautete eine Frage aus dem Plenum, ob Juden einfach zu wenig Kinder bekämen. Offenbar haben Juden in Deutschland durchschnittlich viele Kinder (also nicht sehr viel), aber selbst wenn sie viele hätten, stünde dem die Altersstruktur gegenüber.

Altersstruktur der Mitglieder 2015

Wir haben uns gemeinsam gefragt, ob jüdische Infrastruktur wie Kindergarten, Grundschule und Gymnasium die Mitgliedersituation verändert. Messbar wäre das erst dann, wenn die Zahlen vor einer entsprechenden Einrichtung hätte und dann schauen könnte, wie die Zahl der Zuzüge sich dann verändert. Überhaupt wäre es interessant zu erfahren, ob das ein Argument für einen Umzug wäre. Dazu fehlen derzeit die Zahlen und Daten.

Eine weitere Frage war, was mit Übertritten sei. Wie fallen die ins Gewicht?
Gar nicht.

Sind Übertritte die Rettung?

Schon gar nicht, wenn man ihnen die Zahl von 400 Austritten aus den Gemeinden gegenüberstellt:

Austritte und Übertritte in Relation

Die Anzahl der Gemeindemitglieder insgesamt sinkt, aber die Anzahl der Austritte bleibt nahezu konstant. Theoretisch müsste auch diese Zahl etwas sinken. Auch hier das Problem: Wir wissen nicht, warum die einzelnen Personen ausgetreten sind. Vielleicht um Geld zu sparen? Vielleicht kein Interesse an der konkreten Gemeinde? Vielleicht die Hinwendung zu einer anderen Religion?

Wie groß sind die anderen Gemeinden? Das wissen wir nur dann, wenn sie auch im Zentralrat organisiert sind. Die meisten liberalen Gemeinden machen keine genauen Angaben zu ihren Mitgliedern, aber die Statistik dürfte es nicht retten.
Die neue Kahal Adass Jisroel gibt ihre Mitgliederanzahl mit »über 300« (hier) an.

Was wir wissen ist, dass kleine Gemeinden – die ja auch gebraucht werden – eigentlich nur kleine Chancen, auch in zwanzig Jahren noch zu existieren.

Was nun?

Diese Frage stand ebenfalls im Raum: Was wäre jetzt zu tun?
An der Situation kann man nicht viel ändern. Neue Gemeindemitglieder zu gewinnen, ist schwierig (siehe hier den Ansatz der Israelitischen Gemeinde Basel), vielleicht kann man ausgetretene bewegen, zurückzukommen. Frankfurt am Main hat den Vorteil, dass immer wieder neue Einrichtungen und Firmen dorthin ziehen. Mit ihnen auch vielleicht jüdische Mitarbeiter.

Einige Punkte wurden kurz andiskutiert, für viele war einfach keine Zeit mehr. Deshalb hier eine Liste, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit Anspruch auf Polemik. Gerne darf widersprochen werden. Es geht in erster Linie darum, ein neues Denken zu ermöglichen und die Perspektive zu wechseln.

  • Daten sammeln. Klingt langweilig. Ist es aber nicht. Je mehr man über die Mitglieder weiß, desto besser kann man verstehen, welche Entwicklungen gerade vor sich gehen. Natürlich wäre es interessant zu erfahren, warum jemand ausgetreten ist. Ein Fragebogen wäre hervorragend. Zudem fehlt es an Daten darüber, warum jemand nicht an Gemeindeangeboten teilnimmt, oder auch, warum er eigentlich teilnimmt. Maßnahmen sind ansonsten nur schwer zu messen. Wer kennt die Gemeinde? Wer ist über Angebote informiert?
    Wer erwägt eine Mitarbeit? Was hat ihn oder sie bisher davon abgehalten? Alle anderen Einschätzungen sind lediglich Bauchgefühle: »Ich habe das Gefühl, das Gebet ist zu langweilig.« Kann sein, aber es ist nur eine Einzelwahrnehmung. Die kann man nicht generalisieren.
    Das müsste in regelmäßigen Abständen erfolgen.
  • Ein Ende der Politik in den Gemeinden Ein beliebte Beschäftigung ist der Streit über Gemeindeangelegenheiten. Dafür ist keine Zeit mehr. Mitglieder können nicht nur verwaltet werden und um Eitelkeiten kann es nicht mehr gehen. Es geht um Kompetenzen. Wer kompetente Gemeindemitglieder hat, sollte diese als Ressource auch nutzen. Viele Projekte werden scheitern, aber unter 15 könnte eines funktionieren.
    Um dieses geht es.
    Übrigens bringen sich zahlreiche Menschen gerne auch ehrenamtlich ein. Sie müssen es nur wissen, dass ihre Hilfe gebraucht wird.
  • Gemeinden öffnen und Freiräume schaffen Die Infrastrukturen könnten für Gruppen zur Verfügung stehen, die sich ad hoc und nach Interessenlage bilden. Häufig werden Gruppen geplant organisiert. Wo es möglich ist, sollten auch Freiräume für ein einfach so entstehen.
  • Große Infrastrukturen skalieren Meint: Große Synagogen durch Gebäude oder Räume ersetzen, die auch bespielbar sind. Synagogen sind und waren immer auch Symbole an die Außenwelt: Hier gibt es jüdisches Leben. Große Infrastrukturen erzeugen aber auch hohe Kosten. Zudem liegen Synagogen heute häufig in Zentrumsnähe und nicht immer sind dies die Orte, an denen die meisten Gemeindemitglieder wohnen. Die Jüdische Gemeinde München liegt im Herzen der Stadt. Ein schönes Zeichen. Wer aber in Gehweite wohnen möchte, muss ein paar Scheinchen auf den Tisch legen. In der Vergangenheit sind Synagogen dort entstanden,
    wo ihre Mitglieder und Beter lebten.
  • Zum jetzigen Zeitpunkt keine großen Bauprojekte mehr durchführen. In der Diskussion wurde berichtet, dass es vergleichsweise einfach sei, Gelder für Neubauten zu beschaffen, einfacher als Gelder für konkrete Projekte wie Religionsunterricht oder Jugendarbeit. Oft kommen die Kommunen und Städte den Gemeinden entgegen. Natürlich freut man sich, dass jüdische Gemeinden sichtbar existieren (siehe den Punkt über diesem), aber die Belastung beginnt erst richtig mit dem Unterhalt des Gebäudes.
    In Baden-Baden (2016 720 Gemeindemitglieder, im Jahr 2012 waren es 736); soll demnächst eine Synagoge gebaut werden. Sie soll 140 Plätze haben. Das wären etwa 20% der gesamten Gemeindemitglieder. Es ist unwahrscheinlich, dass die jemals alle besetzt werden. Es gibt größere Gemeinden mit Minjanproblemen. Die Statistik zeigt, dass viele Gemeindemitglieder eher Senioren sind. Hier müsste etwas entstehen, um diese zu versorgen. Ein kleiner Betsaal dürfte hier vermutlich ausreichen – wie auch in vielen anderen Gemeinden. Regensburg (2016 999 Mitglieder) ist ebenfalls im Bau.
    Eine Infrastruktur vorzuhalten und zu hoffen, dass sie gefüllt wird, dürfte nicht der Königsweg sein.
  • Es wird zahlreiche ältere Gemeindemitglieder geben. Man könnte einen günstigen Mittagstisch anbieten. So bleiben die Senioren nicht alleine und haben eine Anlaufstelle. Andere Einrichtungen werden vermutlich auch benötigt.
  • Synagogenführungen? Gibt es Synagogenführungen mit kompetenten Gemeindemitgliedern? Sofort damit aufhören und diejenigen, die Ahnung haben, für die Mitglieder der Gemeinde nutzen. Es kann passieren, dass das Angebot zunächst nur von sehr sehr wenigen Menschen in Anspruch genommen wird, aber wenn man nur eine Person erreichen kann, ist das schon viel. In zahlreichen Städten gibt es andere Organisationen die ebenfalls Führungen zum Judentum anbieten können. Im Ruhrgebiet gibt es die Alte Synagoge Essen und das Jüdische Museum Dorsten. In der Regel finden Synagogenführungen nicht während des laufenden Betriebes statt, so dass die Geführten ohnehin nicht viel vom echten jüdischen Leben mitbekommen. Das kann man also ruhig an Profis delegieren.
    In meiner Gemeinde gibt es im Rahmen einer anderen Veranstaltung die Möglichkeit, an einem Kabbalat Schabbat teilzunehmen. Das wird gut angenommen, wird groß aufgezogen und ist immer sehr nett. Dieses Vorgehen kann man durchaus empfehlen.
    Schwierig wird es, wenn Besucher immer bei Gemeindeaktivitäten anwesend sind. Für weitere Schritte sollte gelten: Innerreligiöses Gespräch hat Vorrang vor dem interreligösen. Nur wenn die Basis stimmt, kann man auch nach außen kommunizieren.
  • Gleichgesinnte sammeln. Massives Netzwerken auch außerhalb und zwischen den Gemeinden und Gemeindemitgliedern um Gemeinsamkeiten besser abgleichen zu können und sich zu spontanen Gruppen zusammentun zu können.

Die Diskussion hat gezeigt, dass es weiteren Gesprächsbedarf gibt. Es gibt Bedarf über jüdische Inhalte zu reden, über kulturelle Anlegen, über Kinder und Erziehung, über Schule etc. Auch dafür könnten übrigens Gemeinden Räume schaffen.

Vielleicht, oder hoffentlich, wird die Dringlichkeit dieses Themas immer mehr Menschen bewusst.

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Limmud Ruhrgebiet 2018

Für alle (jüdischen) Bewohnerinnen und Bewohner des Judentums, egal ob religiös oder nicht religiös dürfte »Limmud Essen« ein interessanter Termin werden. Wie 2015 (siehe hier die Rückschau) und 2017 steht die Alte Synagoge Essen einen Tag lang im Zeichen des Austauschs von Jüdinnen und Juden untereinander. Es wird zusammen gelernt, diskutiert, vielleicht auch gemeinsam Musik gemacht. Abhängig davon, für welche Workshops man sich entscheidet. 2015 gab es politische Themen, psychologische, religiöse oder einfach nur kulturelle.

Alle Informationen zur Veranstaltung am 11. Februar 2018 gibt es hier.

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War Luther Antisemit?

Titelblatt von Luthers: Von den Jüden und Iren Lügen

Diese Frage taugt nicht einmal dazu eine rhetorische zu sein: »War Luther Antisemit?«
Das fragt sich der »Arbeitskreis Christlicher Kirchen« in Gelsenkirchen tatsächlich und lädt unter dem Titel »Martin Luther und die Juden« und dem zitierten Untertitel am 25. April zu einem Vortrag des (freikirchlichen) Theologen Prof. Dr. Wolfgang Heinrichs. In der Ankündigung heißt es übrigens auch, die Einstellung Luthers gegenüber sei »sicher fragwürdig« gewesen. Vielleicht geht der Vortragende schonungslos mit dem Thema um. Zitiert vielleicht die größten Hits aus Luthers antisemitischem Schaffen? Damit ist aber eher nicht zu rechnen, wenn schon die Ankündigung so tut, als ginge es um eine Fußnote in der Geschichte des Reformators – der übrigens am 9. November Geburtstag hat. Ein Datum, dass man sich gut merken kann, wenn man sich für die Geschichte des Judentums in Deutschland interessiert.

Um zu erkennen, dass Luther Antisemit war, bedarf es nicht einmal seinem Werk »Von den Juden und ihren Lügen«:
Juden seien die »Grundsuppe aller losen, bösen Buben, aus aller Welt zusammengeflossen« (Aus: Vom Schem Hamphoras). Sie vergiften Wasser, stehlen Kinder und kundschaften christliche Länder aus. So kann man es jedenfalls in »Vom Schem Hamphoras« nachlesen.
Aber auch sein Dauerbrenner »Von den Juden und ihren Lügen« hat einiges zu bieten:

Was wollen wir Christen nun tun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden? […]
Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich.
Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben.
Zum Dritten, daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten.
Zum Vierten, daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren.
Zum Fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe.
Zum Sechsten, daß man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinode an Silber und Gold nehme.
Zum Siebten, daß man den jungen, starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel, und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nase.

Aus der »Vermahnung wider die Juden«:

Würden die Christen die Juden wissentlich weiter dulden, würden sie sich mitschuldig an ihren Verbrechen machen: Darum sollt ihr Herren sie nicht leiden, sondern wegtreiben.

Darum also ist selbst die rhetorische Frage lächerlich.
Kann das noch unterboten werden?
War Lenin Kommunist? Weiß Günther Jauch wirklich alles? War Mosche Dayan Israeli? War Julius Streicher ein Antisemit?
Vergessen wir nicht das Cover der Titanic vom Juli 2002: »Schrecklicher Verdacht: War Hitler ein Antisemit?«

»Aber schweig still hatender Blogger und politisch korrekter Leser« mag der Veranstalter gedacht haben und schiebt ein Detail nach:
Der Vortragende ist nicht nur akademisch auf dem Gebiet bewandert – Nein! – er ist irgendwie auch Betroffener. So hat man der Ankündigung noch ein weiteres Detail zu Heinrichs Familiengeschichte hinzugefügt:
»Er ist gebürtiger Gelsenkirchener. Seine Großmutter war Jüdin in Gelsenkirchen und überlebte mit ihren drei Söhnen den Holocaust.«
Halachisch also vollkommen irrelevant. Aber der Nimbus des jüdischen ist in der Welt. »Aha« wird man denken »irgendwie ist der dann Jude. Der muss es wissen.«

Die Nürnberger Gesetze waren nicht lange gültig, aber sie haben gereicht um Leute Sätze wie »Ich bin ja auch ein halber Jude« sagen zu lassen (nicht in diesem Zusammenhang). Irgendwie ist da etwas hängen geblieben. Vielleicht auch, dass »jüdisches Blut« auch in der übernächsten Generation kompetent macht. Das spielt eine akademische Karriere (die der Vortragende vorzuweisen hat und die sicher für sich gesprochen hätte) locker aus. Trotzdem man sich zuvor intensiv mit Antisemitismus und dessen Wirkung im Protestantismus befasst hat.

Ist also zu erwarten, dass die »sicher fragwürdige Einstellung« gegenüber den Juden, zu der Einschätzung führt, Luther sei Antisemit gewesen? Wer das glaubt, hat auch gedacht, das Thema würde beim Reformationsjubiläum ein zentrales Thema sein.

Hier das schlecht fotografierte Plakat:

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Gericht entscheidet über Belegung eines jüdischen Friedhofs

Trauerhalle des Jüdischen Friedhofs Essen von Es-Punkt-Ge-Punkt (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

»Soweit ist es nun schon gekommen, dass deutsche Gerichte bestimmen, wer auf einem jüdischen Friedhof beerdigt wird und wer nicht« möchte man laut ausrufen und tatsächlich ist es so.
Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen hat entschieden (siehe hier), dass eine Nichtjüdin auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde Essen beigesetzt werden dürfte. Damit bestätigte das Gericht eine Vereinbarung, die der Ehemann der Frau 1971 schon mit der Jü­dischen Kultusgemeinde Essen getroffen hat. Gegen Zahlung einer Gebühr wurde ein Doppelgrab auf Friedhof der Gemeinde »reservieren« lassen – es wurde sogar der Vermerk aufgenommen »trotzdem Ihre Gattin Nicht­jüdin ist«.
Der Mann verstarb 1996 und wurde dort beigesetzt. Als dann 2011 die Frau verstarb, lehnte die Gemeinde eine Beisetzung ab. Es habe 1998 eine Satzungsänderung gegeben. Der Friedhof sei seitdem ausschließlich Mitgliedern vorbehalten.
Die hinterbliebenen Kinder waren deshalb gezwungen, ihre Stiefmutter auf einem anderen Friedhof beisetzen zu lassen.
Diese Kinder, aus erster Ehe und daher übrigens Juden, klagten anschließend gegen die Jüdische Gemeinde Essen.

Der Fall landete dann vor dem Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen und das sprach den Kindern den Anspruch zu (Aktenzeichen: 19 A 1970/14), ihre Stiefmutter neben ih­rem Vater bestatten zu lassen. Die Kultusgemeinde verstoße mit der Ablehnung »of­fen­sichtlich« gegen die Totenwürde beider Eheleute, in der sich ihre Menschenwür­de als oberstes Verfassungsprinzip nach dem Tod fortsetze. Beide hätten mit dem Er­werb des Grabnutzungsrechts den Wunsch artikuliert, in dem erworbenen Dop­pel­grab als Eheleute gemeinsam die letzte Ruhe zu fin­den. Dieser Belang habe un­ter den Um­ständen des vor­lie­gen­den Einzelfalles Vorrang vor dem ebenfalls be­son­ders hoch zu gewich­ten­den Schutz des Selbstverwaltungsrechts der Kultusgemeinde.

Die Praxis, auch nichtjüdische Ehepartner auf einem »jüdischen« Friedhof zu begraben, ist in Deutschland nicht selten. Die Nachbargemeinde Gelsenkirchen hat das erst neuerdings (2009) erlaubt und hält dafür einen Extrateil des Friedhofs bereits. Auch auf dem Friedhof der Gemeinde Essen gibt es bereits beigesetzte Nichtjuden, unter ihnen die Frau des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Georg Jolles, der den Vertrag 1971 abschloss. Der Friedhof scheint aber für eine gemischte Belegung nicht vorbereitet zu sein. Wenn mich nicht alles täuscht, wären Gräber nebeneinander möglich, wenn der Friedhof insgesamt aus einer Anzahl von einander abgegrenzten (durch kleine Ketten zum Beispiel) Gräbern bestünde. Das ist in Essen derzeit nicht der Fall.
Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, sagte der Vorsitzende Jewgenij Budnizkij, man überlege noch, ob man gegen die Entscheidung des Gerichts vor dem Bundesverfassungsgericht vorgehe.

Die Tatsache, dass bereits Nichtjuden auf dem Friedhof begraben seien, begründete er in der Jüdischen Allgemeinen damit, es handele sich um Frauen, die ihre jüdischen Männer während der NS-Zeit versteckt hätten. Aus halachischer Sicht dürfte das kein Argument sein.

Letztendlich dachte man 1971 in Essen wohl nicht darüber nach, dass die Zeiten sich ändern könnten und bereitete sich später mit der Änderung der Satzung nicht darauf vor, was passieren würde, wenn jemand tatsächlich einen »alten« Vertrag würde einlösen wollen. Dass die Sache nun vor Gericht gelandet ist und anscheinend kein Bejt Din zuvor eine Mediation vornahm, macht die Sache nicht unbedingt besser. Ein Grundsatzurteil vor dem Bundesverfassungsgericht könnte geschlossene Verträge mit Gemeinden thematisieren oder ganz allgemein den Wunsch, gemeinsam begraben zu werden. Wenn dies geschieht, könnte das schwere Auswirkungen auf die Gemeinden haben.

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Bejt Din für Nordrhein-Westfalen

Seit Januar gibt es in (und für) Nordrhein-Westfalen ein Bejt Din (ein rabbinisches Gericht). Eine entsprechende Mitteilung wurde heute (10. April 2016) veröffentlicht. Allerdings ist dieses Bejt Din kein Bejt Din von Gemeinden oder Organisationen, sondern mit Rabbinern mit verschiedenen Hintergründen besetzt sein. Einer von ihnen ist Rabbiner Chaim Barkahn, der in Düsseldorf Chabad aufgebaut hat. Derzeit dürfte er der dienstälteste Rabbiner in Düsseldorf sein. Seine Kollegen aus der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wechselten in den letzten Jahre einige Male. Wer die anderen Rabbiner sind, wird wohl nach Pessach offiziell bekannt gegeben.
Das Bejt Din hat angekündigt, sich mit allem zu beschäftigen, was ein Bejt Din so zur Aufgabe hat:
Scheidungen, Klärungen des jüdischen Status, Kaschrut-Aufsicht, monetäre Angelegenheiten sowie Konversion zum Judentum.
Die Neueröffnung eines neuen koscheren Restaurants in Düsseldorf in diesen Tagen (Rimon) steht schon unter der Aufsicht dieses Bejt Din.
Die 30.000 Juden des Bundeslandes könnten sich also nun an eine zentrale Anlaufstelle in Düsseldorf wenden und wären theoretisch nicht mehr darauf angewiesen, sich durch die Gemeinden und Gemeinderabbiner zu fragen – zumal nicht alle Gemeinden einen eigenen Rabbiner haben. Die Zusammensetzung soll wohl auch sicherstellen, dass kein Geschmäckle entsteht, wenn Gemeinderabbiner X sich mit seinem Gemeindemitglied Y beschäftigen soll, oder Jude X kein besonders gutes Verhältnis mit der Gemeinde hat, bei der Rabbiner Y angestellt ist. Das soll schon vorgekommen sein.

Ob die Gemeinden begeistert reagieren, wird sich zeigen. Jedenfalls müsste kein ad hoc Bejt Din mehr zusammengerufen oder organisiert werden – wenn Bedarf ist.
Gespannt darf man sein, welche Namen nach Pessach dann noch genannt werden und wie das die Entwicklung der Gemeinden insgesamt beeinflussen wird.

Praktische Information: Anfragen werden in deutscher, russischer, hebräischer, englischer und jiddischer Sprache entgegen genommen.
Zu erreichen wäre der Bet Din NRW Telefon 0211 – 514 4191, Fax 0211 – 514 4190 oder unter der Emailadresse bet.din.nrw@gmail.com

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Eine Torah aus Essen

Die Bilder der Alten Synagoge Essen gingen um die Welt. Ebenso die Nachricht, dass es dort nun wieder Gebete gab. Aber auch an einem anderen Ort hat man an der Geschichte der Synagoge angeknüpft: In New York. Der letzte Rabbiner der in der Synagoge amtierte, Rabbiner Dr. Hugo Hahn, floh nach der Reichspogromnacht in die USA und gründete dort mit anderen Essenern (unter anderem) eine neue Gemeinde. Die HaBonim Gemeinde.

Rabbiner Hahn musste in Deutschland miterleben, wie die Synagoge angezündet wurde und ausbrannte. Aus den Trümmern zog Rabbiner Hahn die Überreste einer Torahrolle. Der aktuelle Rabbiner der Gemeinde, Rabbiner Joshua Katzan hat mir nun Fotos dieser Rolle gesendet. Sie ist in ein Kunstwerk eingearbeitet und hängt im Gemeindezentrum.

Torah aus Essen in New York

Torah aus Essen in New York

Neben der Torah erinnert ein Bild an die Tradition an welche die Gemeinde einst anknüpfte:

Torah und Bild der Alten Synagoge Essen

Torah und Bild der Alten Synagoge Essen

Der Kantor, Bruce Halev, berichtete in einer Mail, dass noch einige der Gemeindemitglieder in Essen geboren wurden. Wenngleich er Rabbiner Hahn nicht mehr kennengelernt hat, so wird die Erinnerung an die Synagoge Essen doch weitergetragen – wie man an dem Bild im Gemeindezentrum sehen kann.

Vielleicht kriegen wir noch heraus, ob die Mikweh, die der Architekt in seinem Grundriss eingezeichnet hatte, nicht vielleicht doch gebaut wurde, aber heute vielleicht noch auf ihre Entdeckung wartet. Bei twitter war das ein kleines Thema:

Die Geschichte der Alten Synagoge Essen ist also nicht an ihrem Ende angelangt. Wie immer in der jüdischen Geschichte hat man die Erinnerung an diesen Ort an einen anderen getragen und sie aufbewahrt. Nach nun 71 Jahren gibt es über das Internet eine Brücke. Heute sehen nun auch Menschen außerhalb der HaBonim Gemeinde die Torahrolle aus den Trümmern der Synagoge.
Übrigens bedeutet HaBonim – die Erbauer.

Dank an dieser Stelle erneut an Rabbiner Katzan für die Übersendung der Fotos.

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Morgengebet in der Alten Synagoge Essen

Rabbiner Friberg betet vor. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan (alle Rechte verbleiben bei Ilja Kagan)  Ilja Kagan

Rabbiner Friberg betet vor.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan – hier sein facebook-Profil (alle Rechte verbleiben bei Ilja Kagan)

Im Dezember, zu Chanukkah, beherbergte die Alte Synagoge Essen schon das Limmud-Festival und erlaubte es einen Tag lang, dass Jüdinnen und Juden sich zu Geschichte, Musik, Tradition, Politik, Gesellschaft, Literatur, Kunst und auch Religion austauschen, diskutieren und vielleicht auch ein wenig lernen. Am Abend zündete man gemeinsam die Chanukkah-Kerzen und nach langer Zeit schien wieder der Schein einer Chanukkiah aus diesem Gebäude heraus auf die Straße.

Jetzt, im März 2016, kam hier ein weiteres Lebenszeichen hinzu. Der Anlass war eine Tagung mit Leuten aus dem gesamten Bundesgebiet: Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk wählte Essen als Ort für ein Seminar am 2. und 3. März 2016 in Essen. Im Rahmen der Veranstaltung bot man dann auch ein Schacharit (Morgengebet) an. Im Hauptraum der Synagoge fand also am 2. März 2016 das erste Schacharit seit den Novemberpogromen 1938 statt. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Natürlich historisch, aber auch wenn man sich speziell die Geschichte der »Alten Synagoge« nach 1945 anschaut. Zunächst zweckentfremdet und furchtbar verunstaltet, dann schließlich »Dokumentationszentrum« mit Gedenkstättencharakter und seit einigen Jahren auch »Haus jüdischer Kultur« mit einer starken Öffnung auch in das Jüdische Ruhrgebiet hinein. Und dann noch die Tatsache, dass es da für zwei Tage das Angebot gab, zu einem Werktags-Schacharit zu gehen. Auch wenn nicht wenig Juden im Ruhrgebiet leben, ein Schachachrit an einem Werktag ist immer noch eine absolute Ausnahme (leider – in Dortmund gibt es das noch).

Der Tagungsort war also eine gute Wahl für diejenigen, die davon vor Ort hätten profitieren können – denn prinzipiell hätte jeder (Jude) am Schacharit teilnehmen können und speziell Studenten waren, insbesondere bei facebook, dazu eingeladen worden. Leider verpassten einige Ruhrgebietler diesen Meilenstein des jüdischen Ruhrgebiets, der, im Widerspruch zu seiner historischen Bedeutung (großes Wort) ganz leise daherkam. Rabbiner Shaul Friberg betete vor und unterbrach immer wieder ganz kurz für kleine Anmerkungen und Anweisungen. Die präsentierte er mit einem feinen Gespür für Humor und ohne gezwungene Lockerheit. Gerade für Einsteiger dürfte diese Herangehensweise einen guten Zugang zum Schacharit eröffnet haben.

Gerne wieder und häufiger! Es war großartig, dabei gewesen zu sein.
Möglicherweise belebt die Gründung des Hillel-Hubs Ruhrgebiet die Region noch etwas mehr.
Dazu muss man noch sagen: Der Zuzug von Chabad nach Essen war bisher kaum im Umfeld spürbar. Vielleicht, weil Chabad direkt in der Jüdischen Gemeinde Essen wirkt und deshalb nur eine eingeschränkte Ausstrahlung hat?

Schacharit im Hauptraum der Synagoge.  Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan - hier sein facebook-Profil

Schacharit im Hauptraum der Synagoge. Foto mit freundlicher Genehmigung von Ilja Kagan – hier sein facebook-Profil

Wer facebook hat, kann sich dort (hier klicken) ein ganzes Album von Ilja Kagan mit den Bildern anschauen.

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Im Ruhrgebiet wird weitergelernt

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Fenster in der Alten Synagoge Essen

Der vorletzte Tag von Chanukkah war der Tag, an dem es in der Alten Synagoge Essen eine Art Regional-Limmud gab und die Synagoge wieder zu einem aktiven Zentrum jüdischer Kultur machte. Viele Räume wurden wieder genutzt, man stritt etwa darüber, ob man Israel kritisieren dürfe, hatte die Möglichkeit sich musikalisch weiterzubilden und zündete am Abend dann gemeinsam im Vorraum der Synagoge die Chanukkah-Kerzen. Das Spektrum der Workshops war groß und es tat gut, sich auch einmal inhaltlich austauschen zu können. Nicht nur Chanukkah-Feier – auch eine Umgebung die dem Thema des Festes gerecht wird: Eine Re-Aktivierung des Judentums. Klingt pathetisch – ist auch so gemeint.

Programm-LimmudAm späten Nachmittag fand ich mich inmitten einer Gruppe von Leuten, in einem Seitenbereich des riesigen Synagogensaals und diskutierte mit ihnen über die zwei Schöpfungen des Menschen gleich zu Beginn der Torah. Ich erzählte, warum mich die Interpretation von Rabbiner Soloveitchik so extrem fasziniert und schilderte ein wenig die Punkte, die ich für wesentliche Beobachtungen im Schöpfungsbericht der Torah hielt. Andere Anwesende ergriffen die Möglichkeit, sich über den Text auszutauschen und es wurde schnell auch sprachlich (und sehr präzise) argumentiert. Warum wird im Hebräischen jene Formulierung verwendet und nicht eine andere? Woher nehmen die früheren Kommentatoren die Gewissheit, dass der erste Mensch beidgeschlechtlich geschaffen wurde? Was spricht dafür? Was dagegen?
Aber mit dem Ende des Limmud-Tages muss das aber nicht enden: Der Minchah-Schiur, der nun schon seit Ende 2011 existiert, knüpft (also ein paar Enthusiasten und meine Wenigkeit) genau da an: Austausch über jüdische Inhalte in einer entspannten Atmosphäre.
Es geht weiter am 10. Januar 2016 in Gelsenkirchen. Jüdische Bewohner des Ruhrgebiets sind herzlich eingeladen, sich auszutauschen. Details und einen Link zu einer Mailingliste gibt es hier.

Interessant dürfte sein, ob die Person, welche die Idee hatte, die Synagoge an den Hohen Feiertagen mit Leben zu füllen, die Idee weiterverfolgt. Das wäre ein sehr interessantes Projekt.