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Hamburgs liberale Gemeinde

Wenn Rabbiner Walter Rothschild eine zusätzliche Superhelden-Identität hätte – ich bin mir nicht sicher, ob er nicht vielleicht eine hat – wäre er vermutlich »Machlojkes-Man«. 
Nicht weil er streitsüchtig wäre, sondern weil er jemand ist, der alles grundsätzlich hinterfragt. Wenn ihm jemand sagt: »Das ist der Status Quo«, wird Rabbiner Rothschild antworten: »Warum?«.Das ist eine hervorragende Eigenschaft für einen Rabbiner, aber eine unangenehme für diejenigen, die es gerne gemütlich und statisch haben. Es wäre euphemistisch zu behaupten, Rabbiner Rothschild wäre damit »angeeckt« (siehe etwa den Tagesspiegel). »Angekantet« oder »angepfostet« wären bessere Begriffe dafür.
In einer rabbinergeführten Gemeinde, wie es sie zuweilen außerhalb Deutschlands gibt, könnte er sein gesamtes Potential entfalten.

Zuletzt wurde er nach Hamburg ge- oder berufen. In die »Liberale Jüdische Gemeinde«, die sich als »Nachfolgegemeinde des Neuen Israelitischen Tempelverein(s) von 1817 (5578)« betrachtet (laut Homepage). 2017 zunächst als »Assistenz-Rabbiner« seines Reform-Amtskollegen Mosche Navon. In diesem Jahr dann als »Vertretung«.
Dieser war zu diesem Zeitpunkt noch Rabbiner dieser Gemeinde und wurde (ernsthaft) krank. Er musste ins Krankenhaus und zog Rabbiner Rothschild ins Vertrauen. Das könnte man durchaus als »verantwortungsbewußt« bezeichnen.
»Machlojkes Man« sollte also den Rabbiner vertreten. Er kam dann auch, allerdings nur für kurze Zeit, denn er erhielt Hausverbot in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg.
Ist das die ganze Geschichte?
Natürlich nicht. Wie in jeder Geschichte über Superhelden, treten sie dann auf den Plan, wenn ihr eigentliches Ich eine Ungerechtigkeit aushalten musste. Hier allerdings ohne einen großen Triumph.
Rabbiner Rothschild ließ nämlich nicht locker, obwohl es nicht mehr nur um ihn ging:

Noch während Navon im Krankenhaus war, meldete der Evangelische Pressedienst am 18. Juni, dass man einen neuen Rabbiner für Hamburg gefunden hätte.

Rabbiner Daniel Alter sei der Nachfolger von Navon bzw. von Rabbiner Rothschild. Das fand schnell den Weg auf »Welt«-Online. Zu diesem Zeitpunkt war die Nachricht allerdings so nicht ganz richtig. Es war wohl geplant, dass Rabbiner Alter die Krankheitsvertretung übernimmt. Irritierend daran war, dass sowohl die Gemeindevorsitzende, als auch Dritte, die es besser hätten wissen müssen, die Meldung über die sozialen Medien weiterreichten. Und zwar in der Form: Rabbiner Alter kommt nach Hamburg. Der Pressedienst hat die Meldung später übrigens geändert und daraus eine Krankheitsvertretung gemacht.

Unbeteiligte haben spätestens jetzt gemerkt: Hier stimmt etwas nicht.

Am 3. Juli, also nur etwa zwei Wochen später, sendet die Gemeinde, besser gesagt, die Vorsitzende, eine Mail aus:

» […] unsere Gemeinde hat heute nach 5-jähriger Tätigkeit den Landesrabbiner Dr. Moshe Navon in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Rabbiner Dr. Navon hat sein Rentenalter bereits im April 2020 erreicht, somit wurde laut Vertrag sein Dienst bei der LJGH e.V beendet.«

Rundmail an Mitglieder des Freundschaftsvereins

Zu diesem Zeitpunkt war Rabbiner Navon noch krankgeschrieben.

Im NDR erfahren wir von Rechtsanwalt Felix Meschenmoser, der Rabbiner Navon mittlerweile vertritt, dass dieser eine Kündigung erhalten habe und vier Monate rückwirkend durch die Gemeinde von der Krankenversicherung abgemeldet wurde – wir erinnern uns – Rabbiner Navon lag im Krankenhaus. Sicherlich kein günstiger Spaß.
Anwalt Meschenmoser berichtet auch, dass ihm eine Zusicherung aus der Vergangenheit vorliege, in der die Gemeindevorsitzende Galina Jarkova, dem Rabbiner verspricht, ihn auch nach dem Eintritt ins Rentenalter weiter zu beschäftigen. Dazu ist es dann aber doch nicht gekommen. Der Anwalt hält das für unzulässig.

Nahezu zeitgleich meldeten sich zwei Mitglieder des Vorstands und berichteten, dass sie von den Vorstandssitzungen ausgeschlossen worden seien. Am Anfang des Jahres seien sie zuletzt bei einer solchen Sitzung anwesend gewesen. Danach seien alle Beschlüsse, inklusive des Haushaltsplans, durch die Vorsitzende und einen Schatzmeister getroffen worden.

Rabbiner Rothschild hat sich also nicht zurückgezogen, sondern machte die Sache dann publik. Der NDR hat, wie beschrieben, darüber berichtet. Die Sache beschäftigt nun ein Gericht.
Offen dürfte noch sein, ob der oder die Vorstandsvorsitzende einfach andere Mitglieder des Vorstands abberufen kann. Wenn das in der Satzung steht, wäre das wohl zulässig, aber irgendwie natürlich eine seltsame Konstruktion.

Der Vorstand hat unterdessen Kontakt zu den Mitgliedern und den »Freundschaftskreis« (der Freundschaftskreis ist offenbar eine Gruppe nichtjüdischer Unterstützer) der Gemeinde aufgenommen: Es wurde deutlich gemacht, dass nur Mails von bestimmten Absenderadressen für die Gemeinde sprechen dürften. Andere seien nicht befugt, zu kommunizieren.

Einer dieser Rundbriefe enthielt ein bemerkenswert offenes Statement und eigentlich hätte man diesen Artikel nur auf dieses Statement herunterbrechen können:

»Es ist zu beachten, dass es in unserer Gemeinde noch immer einzelne Personen gibt, die von persönlichen Interessen geleitet sind, unterschiedliche Meinungen und Aussagen zulassen und damit Spannungen im Kollektiv erzeugen.«

Zitat aus einem Rundbrief

Augenblicklich ist noch alles offen. Machlojkes-Man hat also nicht gewonnen, aber dem Vorstand hätte vermutlich klar sein müssen (siehe etwa den Bericht in der Welt), auf was er sich da einlässt. Einer Auseinandersetzung geht er nicht aus dem Weg. Offenbar geht es Machlojkes-Man nicht um den Sieg, sondern irgendwie um Gerechtigkeit. Was Rabbiner Navon betrifft: Hier ist bis zur gerichtlichen Klärung alles offen. Vielleicht erklärt sich die Gemeinde zuvor noch öffentlich. Der Schaden geht über das hinaus, was Rabbiner Navon passiert ist.

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Von Amsterdam nach Düsseldorf

von Ariel Palmon (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

von Ariel Palmon (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Rabbiner (Dajan) Raphael Evers aus Amsterdam (Jahrgang 1954) war seit 1990 Rabbiner in den Niederlanden und DAS Gesicht der niederländischen Juden in den dortigen Medien. Nun nimmt er eine neue Herausforderung an: Er wird Rabbiner in Düsseldorf. Am Dienstagvormittag unterzeichnete er seinen Vertrag mit der Jüdischen Gemeinde. Ein Vertreter der Gemeinde kam dafür nach Amsterdam.
Rabbiner Evers wird ab dem 1. September 2016 seine Arbeit aufnehmen.
Das scheint ein riesiger Schritt für den Rabbiner zu sein, denn er ist eng mit der Gemeinde in Amsterdam verbunden. Während seiner Tätigkeit dort hat er viel bewegt. Einige seiner Beiträge erschienen in den größten Tageszeitungen des Landes. Er gilt in der Gemeinde als jemand mit einem umfassenden Wissen über alles was das Judentum betrifft.
Nicht nur deshalb ist er seit 2008 Richter (Dajan) beim Europäischen Bejt Din. Damit dürfte Deutschland (und Düsseldorf) nun einen einflussreichen Rabbiner gewinnen. Vermutlich ein guter Fang für die Düsseldorfer.
Seine Frau Channa kehrt damit nun zurück in das Land aus dem ihre Mutter stammte. Die Mutter wurde nach der Pogromnacht von ihren Eltern in die Niederlande geschickt.

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Rabbiner wechseln die Städte

Nicht nur mit Bundesligastart gab es ein paar interessante Transfers. Auch einige Rabbiner auf dem deutschen Markt haben die Gemeinden gewechselt, oder sind neu:

  • Schlomo Freyshist wechselt von Kassel in die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg (hier). Die Gemeinde Kassel habe mit nur 900 Mitgliedern keine finanziellen Mittel für eine Weiterbeschäftigung. In dem entsprechenden Zeitungsartikel heißt es übrigens, die Gemeinde beschäftige zwei Türsteher. Vermutlich meint Autorin zwei Personen, die für die Sicherheit verantwortlich sind und Einlasskontrollen durchführen.
  • 800 Mitglieder hat die Gemeinde Lübeck und stellte nun einen neuen Rabbiner ein: Dr. Yakov Yosef Harety (zuvor Fürth und Hannover; Artikel hier).
  • Schon seit vergangenem Jahr ist Rabbiner Teitelbaum Rabbiner in Bremen (etwa 900 Mitglieder; Artikel hier). Rabbiner Teitelbaum war früher in Köln tätig und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Orthodoxen Rabbinerkonferenz. Derzeit wird er auf der Website der ORD allerdings noch nicht als Mitglied geführt.
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Frag den Rabbiner bei facebook

Es läuft ein interessantes Projekt bei facebook. In der Gruppe »Frag den Rabbiner« können alle Mitglieder (also theoretisch jeder Facebook-Nutzer) Fragen posten und dann darauf warten, dass ein Rabbiner, der Mitglied dieser Gruppe ist, diese Frage beantwortet. Dabei sind keine Leichtgewichte, sondern tatsächlich Rabbiner der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, wie etwa Rabbiner Portnoy oder Rabbiner Folger.
Im Prinzip läuft es folgendermaßen ab: Der Fragende postet einen Text mit dem Wort »Frage« vorangestellt und wartet auf Antwort. Irgendwann findet sich ein Rabbiner, der etwas dazu zu sagen hat und antwortet mit – richtig – »Antwort« und einem kurzen Text.
Um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, findet man hier keine Abbildung einer solchen Konversation.
Die Macher der Gruppe sind engagiert und haben hier vielen Nutzern einen großen Dienst erwiesen und man kann ohne Untertreibung behaupten, dass es eine große Mitzwah war. Die steigenden Mitgliedszahlen der Facebook-Gruppe zeigen das große Interesse.

Der Draht zum Rabbiner ist kurz und tatsächlich wird recht schnell geantwortet. Eine Hürde, sei sie emotional oder technisch, an den Rabbiner heranzutreten, gibt es fast nicht und da kommen wir zu der Frage, ob ein solches Projekt in den sozialen Netzwerken funktionieren kann.
Die Antwort lautet: Vielleicht eingeschränkt.

Die Einschränkungen liegen im »Wesen« von Facebook:

  • Es gibt keine Suche. Woher soll ein Nutzer wissen, ob die Frage nicht eventuell schon vorhanden ist, ohne kilometerlang zu scrollen? Frustrierend ist, wenn ein Rabbiner schreibt. Diese Fragen haben wir doch schon vor drei Monaten beantwortet. [highlight]Update:[/highlight] Tatsächlich gibt es in der Webversion von facebook in den Gruppen eine Suchfunktion. In den Apps jedoch nicht.
  • Andere Nutzer sind schneller. Andere Nutzer beantworten die Frage aus ihrer Sicht, diese muss allerdings keine fundierte sein, sondern vielmehr eine Meinung. Oft gut gemeint, aber nicht produktiv, wenn man auf eine Antwort wartet. Hier könnte nur durch permanente Moderation geholfen werden. Das wiederum könnte Nutzer frustrieren. Sie schreiben Antworten und diese werden dann gelöscht.
  • Andere Nutzer sind nicht immer freundlich. Zuweilen kann es passieren, dass Nutzer die Frage etwas herablassend beantworten und sie einfach finden. Wenn etwa eine Dame fragt, ob sie beim Sport Hosen tragen dürfte und ein Nutzer direkt antwortet »Für Männer ist das Pflicht«, dann ist das vielleicht ein Brüller, für die Fragende allerdings vielleicht nicht so nett.
  • Die Antworten sind auf den Punkt. Die Antworten sind verständlich und kurz. Allerdings fehlt manchmal ein wenig Quelle, so dass man das Thema bei Interesse vertiefen könnte. Dass die Rabbiner sich überhaupt damit beschäftigen, ist aber schon allein eine großartige Sache.
  • Diskussionen explodieren Manchmal hat man vielleicht eine Gegenfrage, aber andere schreiben ebenfalls Kommentare unter den eigentliche Beitrag. Facebook informiert einen fleißig weiterhin darüber. Man will das eigentlich nicht alles lesen müssen und will irgendwann nicht mehr über die Einzelheiten informiert werden.

Auswege?

  • Konsequente Moderation – wie schon gesagt/geschrieben, könnte das schnell den Spaß verderben
  • Dokumentation der bisherigen Beiträge in einer Art Tagwolke. Wer sollte sich eine derartige Arbeit machen?
  • Ein anderes Medium nutzen: Rabbiner Folger nutzt sein Blog (siehe hier sein Erst-Posting zu diesem Thema), um die Beiträge für die breite Öffentlichkeit zu bewahren und auffindbar zu machen. Vielleicht wäre ein Blog tatsächlich das bessere Medium. Man könnte Beiträge mit Tags versehen und so schauen, welche Themen schon behandelt worden sind, bzw. danach suchen.

Hoffen wir, dass das »Wesen von facebook« nicht den Erfolg dieses Projekts schmälert.

Update: Es gibt offenbar Bestrebungen, auch Blogtexte einer Exegese zu unterziehen. Die Nennung der Rabbiner bedeutet nicht, dass es nicht auch andere Schwergewichte gäbe. Präziser gesagt: Da sitzen keine unbeschäftigen Studenten, sondern Gemeinderabbiner vor den Bildschirmen.

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Ein besserer Artikel für Juden?

Artikel aus der Zeit

Hier in der ZEIT treten sie gegeneinander an:
Die bärtigen, unheilvoll schauenden russischen Juden aus Berlin gegen die Konvertitentruppe aus Potsdam.
Die einen sind die sinister schauenden Juden und die anderen irgendwie nicht so richtig jüdisch.
Das ist in Kurzform ein Artikel über den derzeitigen Stand der Rabbinerausbildung in Deutschland und den Markt für Rabbiner hier in Deutschland.

Scheinbar fehlt die Opfergeschichte. Bei beiden Gruppen. Die Autorin, Andrea Jeska, will vielleicht Enkel von Überlebenden (Sie sind Rabbiner ohne eigene Holocaust-Erfahrung schreibt sie) und eine Priese Ablehnung oder Zurückweisung. Immer wieder steuert ihr Artikel auf das Thema Schoah zu. Das ist ein großer Aspekt, wenn wir darüber sprechen, warum das Judentum von Punkt Null anfängt, aber über die religiöse Situation in den Gemeinden zu berichten, wäre in diesem Zusammenhang nicht uninteressant gewesen. Wie viele Rabbiner gibt es tatsächlich? Wie lange waren diese hier tätig? Wer brauchte die Synagogen? Was machen Rabbiner heute in den Gemeinden? Wie ist die derzeitige Situation der Gemeinden?

Und plötzlich brauchte man Synagogen, Glaubensbegleitung und Rabbiner. Wanderrabbiner kamen ins Land, Fly-in-fly-out-Personal aus Israel, den USA, England. Sie reisten von Gemeinde zu Gemeinde, sie taten ihr Bestes es war nicht genug. von hier

Dazwischen ist nichts außer der Stimme der Autorin. Sie bedient sich geschickterweise einer dritten Person, um den wirklich schmutzigen Müll vor die Tür zu tragen. Jedenfalls irgendwie, so halb, ein wenig. Etwa: Broder habe sehr interessante Dinge über Walter Homolka sagen, aber das dürfe sie leider nicht schreiben.
Wenn man beide vorgestellten Varianten der Rabbinerausbildung in dem Artikel gegenüberstellt und als gegenüberliegende Pole versteht, bleibt nicht mehr viel übrig. Die irgendwie zweifelhaften Rabbiner und die Rabbiner, die Lichtjahre von der säkularen und emanzipierten deutschen Gesellschaft getrennt sind, wie Jeska es formuliert und die Rabbiner aus Potsdam, die, wenn man ihre Darstellung (Judentum aus der Retorte) gelesen hat, irgendwie unauthentisch wirken. Beide Gruppen haben eine solche Darstellung nicht verdient.

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Rabbiner Gunther Plaut sel. A.

Rabbiner Gunther Plaut sel. A.

Rabbiner Gunther Plaut sel. A.

Rabbiner Gunther Plaut, geboren in Münster (am 1. November 1912), verstarb am 8. Februar 2012 in Toronto (siehe hier).
Rabbiner Gunther Plaut war der Autor des einflussreichsten, liberalen, Kommentars zur Torah, der 1981 erschien, 2005 vollständig überarbeitet wurde und seit einigen Jahren in einer deutschen Übersetzung vorliegt. Lange Zeit war sein Werk der verbreitetste nicht-orthodoxe Torahkommentar. Wenngleich er wohl nicht davon ausging, dass G-tt der Autor der Torah ist/war, so war das sein Lebensthema, auch wenn zunächst nicht viel darauf hindeutete. Studierte er doch zunächst Jura in Berlin, promovierte auch, durfte dann aber nicht als Jurist tätig werden. Übrig blieb ihm das Studium des Judentums und so kam er in die USA, um sich dort zum Rabbiner ausbilden zu lassen.

Als ich ihn 2001 erlebte, sprach er etwa 20 Minuten frei, ohne Manuskript oder Notizen zum Wochenabschnitt. In einem persönlichen Gespräch bedauerte er die schlechte Behandlung von alten Menschen in Nordamerika. Als unproduktive Mitglieder der Gesellschaft sei eine Marginalisierung eingetreten. Er sprach aber auch darüber, wie er als Soldat der US-Army ein Konzentrationslager befreite und wie sich die Eindrücke bei ihm festbrannten und ihn prägten.
Seine Eltern Jonas und Selma Plaut leiteten in Münster zunächst die Marks-Haindorf-Stiftung, später das Auerbachsche Waisenhaus in Berlin und wie es heißt, wuchs Rabbiner Plaut unter den Kindern dort auf. Sein soziales Engagement in Kanada speiste sich offenbar auch aus diesen vielen Eindrücken.
Man kann ohne Übertreibung behaupten, Rabbiner Plaut hatte Einfluss durch seine Publikationen und er hat als einzelner recht viel bewegt.
Schauen wir, ob Münster dies anerkennen wird.

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Wuppertal hat einen neuen Rabbiner

Bergische Synagoge

Im November hieß es hier, der Wuppertaler Rabbiner ginge nach Düsseldorf. Das tut er tatsächlich auch und hinterlässt so einen freien Platz für einen nachrückenden Kandidaten.
Dieser steht offenbar nun fest.
Es ist Rabbiner Dr. David Vinitz, Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, der bisher im Landesverband Westfalen-Lippe, unter anderem, die Gemeinden Bochum und Recklinghausen als Wanderrabbiner betreut hat. Dr. Vinitz stammt aus Sibirien, hat in Irkutsk zunächst Geschichte studiert und sich dann später in Israel dazu entschlossen Rabbiner zu werden. Für die Organisation Shavei Israel kümmerte er sich zunächst um Subbotniki und kam dann nach Dortmund, um von dort aus die übrigen Gemeinden des Landesverbandes zu versorgen. Mit einem festen Bezugspunkt wird er die Möglichkeit haben, ein wenig mehr Energie in einen konkreten Ort investieren zu können.
Viel Erfolg in Wuppertal!

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Münster hat einen neuen Rabbiner

Seit letztem Schabbat hat Münster in Westfalen einen neuen Rabbiner und der neue Rabbiner der Stadt kommt aus Münster. Efraim Yehoud-Desel ist jedenfalls bereits so lange in Münster, dass man behaupten kann, er ist nicht neu in der Stadt. Wie die Westfälischen Nachrichten berichteten, kommt Yehoud-Desel zwar ursprünglich aus Rischon Le-Zion, ist aber schon länger für den Religionsunterricht in der Stadt verantwortlich und amtiert dort als Vorbeter. Zudem hat er mit alefbet.de eine Seite zum Jüdischen Religionsunterricht geschaffen.
Wie dem Artikel zu entnehmen war, hat Yehoud-Desel in Amsterdam/Hilversum studiert und von Rabbiner Tzvi Marx seine Ernennungsurkunde erhalten. Rabbiner Tzvi Marx ist für die Stichting PaRDeS (früher Folkertsma Stichting) tätig und unterrichtet Talmud am Liberalen Levisson Instituut, welches liberale Rabbiner für die Niederlande ausbildet. Rabbiner Marx hat seinerseits eine Smichah der Yeshiva University.

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Rabbinerordination und Normalität

Das ist ein Stück jüdischer Infrastruktur. Rabbinerseminare, orthodoxe und liberale, die nun regelmäßig Absolventen in die Welt aussenden. Am 23. November wird das Abraham Geiger Kolleg seinen Absolventen wieder feierlich die Smicha überreichen. 2006 gingen die ersten frischen Rabbiner in ihre Gemeinden. Im vergangenen Jahr war erstmals eine Frau dabei, die beachtliches Medienecho fand. Nähmen wir einen Augenblick an, es gäbe so etwas wie eine deutsch-jüdische Normalität, dann bliebe es bei einer Nachricht hier im Blog und einer kleinen Hintergrundinformation in der Jüdischen Allgemeinen oder in der Lokalzeitung der Region aus der einer der Absolventen stammt. Vielleicht aber auch noch in der Lokalpresse der der Stadt, in die sich die Ehrengäste begeben. Aber so ist es noch nicht und ich bin mir nicht sicher, an welchem Kommunikationspartner das liegt.

Im Marketing lernt man schnell, dass man Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten muss. Also Merkmale einer Ware oder einer Veranstaltung, die sie von anderen unterscheiden und besonders auszeichnen. Das interessiert bei besonders gründlicher Arbeit natürlich die Presse. Bei jüdischen Events ist das häufig das erste Mal (der erste Rabbiner in der Stadt, die erste Torahrolle seit, die erste Jeschiwah etc.), oder das erste Mal seit. Fällt dieses Alleinstellungsmerkmal weg, fällt es natürlich schwerer, große Aufmerksamkeit zu generieren.

Tatsächlich waren die ersten beiden ersten Abschlussklassen der orthodoxen und liberalen Rabbinerseminare historische Schritte zu einer Stärkung der jüdischen Infrastruktur und eigentlich war die Aufmerksamkeit der Medien schwer zu überbieten. Werden wir also erstmals eine ganz normale Ordination erleben? Vielleicht nicht ganz:

Erstmals seit dem Holocaust wird mit der 51jährigen Antje Yael Deusel eine deutsche Jüdin in Deutschland zur Rabbinerin ordiniert. (von hier).

Premiere ist auch ein zulässiger Ersatz für das Wort erstmals:

Es ist eine mehrfache Premiere: Zum ersten Mal seit dem Holocaust wird eine deutsche Jüdin zur Rabbinerin ordiniert. Die 1000 Jahre alte Israelitische Kultusgemeinde in Bamberg erhält zum ersten Mal in der Geschichte eine weibliche Vorbeterin. von hier

Wer gutes tut, soll darüber reden. Das ist ein gutes Werkzeug, um auf die eigenen Anliegen und das eigene Tun aufmerksam zu machen. Keine Frage.
Aber wie im vergangenen Jahr, tauchen die anderen (in diesem Jahr vier) Absolventen nicht unbedingt in ähnlicher Präsentation auf. Yann Boissire (wird Rabbiner in Paris), Yuriy Kadnykov (geht nach Mönchengladbach), Jona Simon (wird Rabbiner für den Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen) und Paul Strasko (geht nach Genf) scheinen also wieder im Schatten zu gehen, den die erste wirft.

Auch im kommenden Jahr werden vermutlich wieder Absolventen ihre Smichah erhalten. Wird dies ein Zeugnis für eine deutsch-jüdische Normalität werden, weil nur in jüdischen Publikationen darüber berichtet werden wird? Das macht es nicht weniger interessant.

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Rabbiner aus dem Ruhrgebiet nach Emmendingen

Die Jüdische Gemeinde Emmendingen (unweit von Freiburg Homepage) ist eine recht neue Gemeinde. Sie gibt es erst seit 16 Jahren. Auf der Gemeindeseite des Zentralrats ist zu lesen, die Gemeinde sei orthodox ausgerichtet und so überrascht es vielleicht ein wenig, dass der neue Rabbiner nicht aus diese Ecke kommt. Rabbiner Mosche Navon hat bisher in Bochum gearbeitet, hat dann eine liberale Gruppe in Unna betreut und ist jetzt der neue Rabbiner der kleinen Gemeinde Emmendingen, wie die Badische Zeitung berichtet. Baden scheint ein interessanter Fleck zu werden, auch weil die Mitgliederstatistik dieses Landesverbandes einen positiven Trend zeigt.