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Neue Strömung kündigt sich an

Israel Hayom - Beit Hillel

Israel Hayom - Bericht über Beit Hillel

Vieleicht wird es auch keine eigene Strömung, sondern einfach nur interessant und man kann schon die Reaktionen einiger vorausahnen: Die gehören auf gar keinen Fall zur Orthodoxie bzw. wir meinen nicht, sie gehören zur Orthodoxie. Worum geht es?
HaAretz berichtete, dass es eine neue Vereinigung von modern-orthodoxen Rabbinern (naional-religiös) gibt, die auch Frauen aufnimmt und sie als Talmidot Hachamim bezeichnet, also nicht als Rabbinerinnen. Bereits am Donnerstag soll sich die Gruppe offiziell konstituieren und Beit Hillel heißen. Sie soll eine weitere rabbinische Stimme in die Öffentlichkeit bringen und es wird erwähnt, man würde das tun, um sich gegen Extremismus zu positionieren. In wie weit das ein Marketing-Trick ist, wird sich zeigen. Die Zeitung Israel Hayom berichtete im Dezember 2011 ausführlich über die Gruppe und informierte ein wenig über die Gründer der Gruppe. Mit dabei ist etwa Rabbiner Yuval Cherlow von der Jeschiwah Hesder in Petach Tikwah, er hat an der Jeschiwah Har Etzion studiert, von der Rabbiner Amnon Bazak mit Boot sitzt. Außerdem Tsachi Hershkovitz (Petah Tikva), Ronen Lubitsch von der Uni Haifa und Chaim Navon aus Modi’in (der keine kleine Nummer zu sein scheint). Nach abgeschlossener Konstituierung wissen wir vermutlich mehr.

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Entdeckungen

There was a mesusah

Man parkt den Wagen in der Innenstadt, geht um das Auto herum und wundert sich, dass es in Gelsenkirchen auch ein paar schöne alte Häuser gibt. Ich bewundere eine nette Haustür und entdecke die überspachtelte Stelle oben rechts im Rahmen der Tür. Neigungswinkel und Höhe würden passen. Es könnte die Aussparung für eine Mesusah sein. Ich bin offensichtlich ein Freak, weil ich Dinge uminterpretiere, damit sie in mein Weltbild passen. Dennoch beginne ich vorsichtshalber eine kleine Recherche und finde Bestätigung.
Das Haus Husemannstraße 75 wurde 1921-1922 von einem Architekten namens Josef Franke für den Kinderarzt Dr. med. Max Meyer erbaut und Dr. Max Meyer war orthodoxer Jude. Wenn man hinabtaucht in seine Geschichte, erfährt man, dass er in der Stadt eine Austrittsgemeinde Adass Jisroel gründen wollte:

Geboren am 10. Februar 1884 in Gelsenkirchen, (nach 1969 New York) Dr. med., Kinderarzt, Hindenburgstr. 75. Studiert in Straßburg, München, Berlin, Approbation 1909; Dissertation Berlin 1909.
Mitteilung über die Aberkennung des akademischen Grades veröffentlicht in Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger am 17. Januar 1941, Medizinische Fakultät Berlin.
10.5.1939 Emigration zunächst nach London, 83 Lordship Park, N16. Ehefrau folgt über Belgien im Januar 1940: gemeinsam weiter nach den USA. License 40, Ped. 645 West End Ave., New York City
aus: Jüdische Kinderärzte 1933-1945 von Eduard Seidler, Karger, 2007.

Dort gibt es auch einen Hinweis auf Meyers Aktivitäten in der orthodoxen Vereinigung.
Mehr gab es nicht. Monographien über die jüdische Geschichte der Stadt enthalten fast ausschließlich Informationen über die liberale Gemeinde. Wenn man die Quellen betrachtet ist es klar. Fast alle beziehen sich auf Personen, die früher dort Mitglied waren und wenig über die orthodoxe Gemeinde berichten wollten.
Derzeit suche ich nach der Enkelin von Dr. Meyer, die vermutlich in Monsey lebt und auch Medizinerin sein soll. Wie ich bisher erfahren habe, war das Haus von Dr. Meyer der zentrale Ort für die lokale Orthodoxie. Es gab dort einen Raum für gemeinsame Gebete, er zahlte einen Rabbiner und er organisierte von dort aus zahlreiche Aktivitäten. Übrigens zusammen mit dem Vater von Recha Fröhlich, der Frau des nicht ganz unbekannten Shimon Schwab mit dessen Sohn ich ebenfalls Kontakt aufnahm, um mehr über die lokale Orthodoxie zu erfahren. Die Ergebnisse halte ich laufend hier fest.
So brachte mich eine Haustür zu einem verblüffenden Mann, der mit persönlichen Mitteln und viel Einsatz versuchte, etwas aufzubauen aber dessen Wirken in seiner Heimatstadt vollständig in Vergessenheit geraten ist.

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Torahtreue Juden in Brandenburg

Zeitung der Torahtreuen in Brandenburg
Sukkot-Artikel auf talmud.de

In einem Kommentar zum Artikel »Wann ist Religion erfolgreich« wurde von der erfolgreichen Klage einer Gruppe aus Potsdam berichtet, die sich Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde im Land Brandenburg nennt und gewissermaßen in Konkurrenz zur Jüdischen Gemeinde Potsdam steht, die ebenfalls orthodox ist und unter der Ägide von Chabad steht. Es wurde, zurecht, gefragt, wer oder was sich hinter dieser Selbstbezeichnung verbirgt (hier).
Als erster Anlaufpunkt bot sich die Internetseite an. toratreu.de ist die entsprechende Adresse unter der sich viele Informationen zum Streit mit dem Landesverband finden, aber wenige zum religiösen Selbstverstandnis. Gibt es also ein tägliches Schacharit und Gebete zum Schabbat? Vorerst nicht, teil die Website der Gruppe mit, die es seit 1999 gibt und die ja die orthodoxen Juden der Stadt repräsentieren soll.
Bemüht man einerseits die Gerichte, so hat man zum Urheberrecht ein recht laxes Verhältnis. So entdecke ich in der Zeitung der Gemeinde mit dem übersetzten Namen Wiederauferstehung direkt in der aktuellen Ausgabe Nummer 70/71 einen deutschsprachigen Text zu den Hohen Feiertagen und Sukkot. Seltsam vertraut in der Formulierung war der und siehe da, es handelt sich um zusammenkopierte Texte von talmud.de freilich ohne Einverständnis. Bilder sieht man oben.


Der Rest der Texte ist dann sogar ohne Umarbeitung übernommen worden, siehe hier und hier die Texte von talmud.de zu Jom Kippur.
Von jemandem, der sich selber torahtreu nennt, hätte man das nicht angenommen.

Werfen wir einen Blick auf die Geschichte der Gemeinde. Diese ist im April 1998 entstanden, allerdings hie? die Gruppe damals noch ?Arbeitsgruppe der J?dischen Emigranten im Land Brandenburg? (J?dische Allgemeine Nr.20 vom 19. Mai 2005). Es waren allesamt Personen, die aus Protest gegen den damaligen Potsdamer Vorsitzenden einen eigenen Vorstand w?hlten und sich fortan als ?Arbeitsgruppe? organisierten.
Mitte Mai folgte dann der Etikettenwechsel durch die Gr?ndung des ?Bundes Gesetzestreuer J?discher Gemeinden in Deutschland?. Vorsitzender des Verbandes wurde damals ein Europaabgeordneter von J?rg Haiders FP?, Peter Sichrovsky, der sich selber als nicht besonders observant bezeichnete und dies auch gegen?ber Rabbiner Isaak Hakohen Halberstadt ?u?erte, wie damals DER SPIEGEL berichtete.

Als er Halberstadt gestanden habe, erz?hlt Sichrovsky, gar kein frommer Jude zu sein, habe der nur geantwortet: ?Der Gesch?ftsf?hrer des Deutschen Fu?ball-Bundes ist auch nicht der beste Torsch?tze.? (Der Spiegel, Nr. 14, 1999, Seite 60 – hier online)

Anschlie?end machte der Verband, der sich als Funktionsnachfolgerin des ?Halberst?dter Verbandes? sieht, nur noch dann Schlagzeilen, wenn es um die Verteilung von Geldern ging und weniger um inhaltliche Arbeit.