Artikel

Adah und Schimon

Schabbat 13a – unten

An den Tagen, an denen der Wind aus dem Süden Sand und Hitze durch das Tal drückte, wartete Adah mit Wasser vor dem Haus. Wenn Schimon kam, küsste er sie auf die Stirn, nahm ihre rechte Hand und lächelte sie an.
Er trank und sie erzählte von ihrem Tag und wer in die Schneiderei gekommen war. Und üblicherweise blickte Schimon auf den Boden und sagte »Wenn ich ein Rabbi bin, dann musst du das nicht machen. Dann handele ich mit Stoffen, so wie mein Vater. Du sollst es gut haben. Nicht mehr lange. Aber wenn ich mich bemühe, werde ich vielleicht eines Tages so gut, wie du es bist.«
Und Adah antwortete »Ich habe nicht gedacht, jemanden wie dich zu finden.«

Er ging früh aus dem Haus, half den jüngeren Studenten, diskutierte mit den Rabbinern und bemühte sich, ebenfalls Vorbild zu sein. Dann kehrte er schnell zurück zu Adah.
Sie gingen dann gemeinsam ins Haus und aßen. Schimon sprach immer gemeinsam mit Adah das Tischgebet. Und oft ging Schimon noch zur alten, fast blinden, Hannah und bereitete ihr Feuerholz vor. Erst nachdem er das getan hatte, sprachen Adah und er über das, was er während des Tages diskutiert hatte. Dann küsste er sie sanft und sie liebten sich. An den Tagen, an denen sie Niddah war, stellte sie das Wasser auf einen Tisch vor dem Haus und beide wussten, dass sie einander nicht berühren würden und warteten ungeduldig auf die Zeit nach der Mikwe.
Dann kam die bleibende Hitze des Sommers und die Regenfälle des Winters. Schimon ging zum Lehrhaus und wurde am Abend von Adah empfangen. Dass sie noch kein Kind hatten, bedauerten sie nicht. Sie hatten einander und genossen die Zeit. Dann kam der Frühling und aus dem Süden kam der Wind auf und Adah wartete vor dem Haus. An einem Tag, an dem der Wind sich legte, kam nicht Schimon den Weg zum Haus herauf.

Als Schimon aus dem Lehrhaus kam, hatte der Wind sich gelegt und alle genossen den kurzen Moment der Entspannung. Die anderen Studenten, die Rabbiner, Kinder liefen wieder umher, die Bäume standen still und man konnte das Wasser des nahen Baches hören. Eine gute Idee, sich hier kurz aufzufrischen, um nicht vollgeschwitzt zuhause anzukommen.
Es war leicht, sich kurz neben den Bach zu knien. Der Boden war fest.
»Schmeckt dir das Wasser mein Freund?«
Schimon wollte sich umschauen, konnte aber nicht, weil ihm die Stimme eine Hand auf den Rücken drückte. Die Stimme erwartete keine Antwort:
»Das Wasser kostet nichts. Aber ich brauche auch etwas zu essen. Gib mir eine Münze mein Freund! Wo ist dein Geldbeutel?«
»Ich habe keinen. Ich war im Lehrhaus.«
»Im Lehrhaus? Wandelt auf dem Pfad des Friedens. Gut ist, wer Torah verbindet mit richtiger Arbeit. Hättest du eine ehrliche Arbeit, dann hättest du mir eine Münze geben können.«

Nicht Schimon stand vor der Tür, sondern zwei seiner Studienfreunde. Sie trugen ein Bündel bei sich. Wortlos reichten die beiden ihr das Bündel. Sie brauchte nicht hinzusehen. Adah wusste, was in dem Bündel war. Sie erinnerte Schimon jeden Tag daran, es nicht zu vergessen.

Die Stimme drückte etwas fester auf den Rücken von Schimon. Er konnte dem Druck nicht lange standhalten. Die Stimme musste nun mit dem gesamten Körper auf Schimons Rücken drücken. Er versuchte, dagegen zu drücken. Seine Arme schmerzten und zitterten und schließlich lag sein Oberkörper auf dem Boden. Wasserspritzer kühlten sein Gesicht. Schimon konnte die Augen nicht geöffnet halten, kleine Wassertropfen drangen in sein Auge. Es fiel ihm schwer zu atmen. Die Stimme musste sich auf seinen Rücken gesetzt haben.
»Mein Freund – du wirst ja ganz nass. Dabei ist der Bach nicht einmal tief. Jonah, mein Freund. Jonah. ›Ströme umgeben mich, all deine Brandungen und deine Wogen, sie fahren über mich her‹ – wie wird sich Jonah wohl gefühlt haben?«
Jetzt schrie Schimon mit der Kraft, die ihm noch geblieben war. Aber sein Schrei endete in einem Gurgeln. Schimon versuchte seinen Kopf mit aller Gewalt nach oben zu drücken, aber hielt nicht lange durch. Er schluckte Wasser.

Adah starrte die beiden an und drückte das Bündel gegen ihren Körper. An den Äderchen ihrer Arme konnte man erkennen, wie fest sie es an sich presste.
»Wir haben einen Schrei gehört – als wir am Bach ankamen, haben wir Schimon gefunden.«

An das, was folgte, konnte sich Adah nur noch schwach erinnern. Daran, dass sie die beiden ihr hilflos zusahen, wie sie sich vor Schmerz auf dem Boden krümmte. Daran, dass Schimon am gleichen Abend noch beerdigt wurde. Daran, dass Frauen zu ihr kamen um sie zu trösten und dass sie immer wieder geschrien hatte, als wollte sie das ganze Tal mit ihrem Schmerz füllen.
Tagelang aß sie nichts, wartete vor dem Haus, ging spät schlafen. Wachte in der Nacht auf, weil sie hoffte, er käme doch wieder. So vergingen Tage und in die Trauer mischte sich Wut. Das Bündel, das sie seit der Nachricht ständig bei sich trug, brachte sie nun ins Lehrhaus.

Als Adah eintrat, saßen um die beiden Rabbiner ein paar Studenten herum. Sie diskutierten lebhaft und niemand bemerkte sie, bis sie in die Mitte trat und sie ansah. Kaum war sie im Blickfeld, verstummten die Stimmen der Studenten und die Rabbiner suchten mit ihren Augen nach Halt irgendwo an der Rückseite des Raums. Die Blicke der Studenten waren auf das Bündel gerichtet. Adah griff hinein und zog die Tefillin ihres Mannes heraus.
»Steht nicht geschrieben, dass derjenige, der Tefillin anlegt, ein langes Leben hat? Steht nicht geschrieben, dass derjenige, der sich mit der Torah beschäftigt, ein langes Leben haben wird?«
Niemand antwortete.
»Mein Mann hat mit euch studiert, er hat Torah gelernt, er hat die Mischnah gelernt, er hat den Rabbinern geholfen – warum ist er also so früh gestorben? Habt ihr eine Antwort für mich?«
Noch immer antwortete niemand. Die Rabbiner sahen in die Leere. Die Studenten ebenfalls. Einer sah sie voller Mitleid und Tränen in den Augen an und lief hinaus. Sie folgte seinem Beispiel und ging ohne eine Antwort in ihr Haus zurück.

»Das, meine Damen und Herren, ist die Tragik einer Geschichte aus dem Traktat Schabbat. Im Talmud hat sie nur wenige Verse, aber sie verdient es erzählt zu werden. Es ist nämlich nicht nur die Geschichte von Adah und Schimon. Es ist auch meine Geschichte. Auch mein Mann hat studiert, hat mich und die Familie geliebt. Er hat das Judentum ebenso so unerbittlich geliebt und keine Kompromisse gemacht. Und dennoch wurde er in seinen besten Jahren umgebracht. Ich kenne die Wut dieser Frau und ich kenne die Wut und die Trauer der Generationen zwischen ihr und mir. Ich befürchte, es wird auch in folgenden Generationen Frauen und Männer geben, die sich die gleichen Fragen stellen.
Warum ist das Versprechen der Torah nicht wahr?
Ist es nicht wahr?
Warum leiden gute Menschen?«

Hadar sah in den Raum. Ihr Vortrag war beendet. Sie hatte keine Antwort auf ihre eigene Frage und wollte die Zuhörer mit dieser Frage hinausschicken. Nachdem das Publikum brav applaudierte und alle sich auf den Weg machten, hielt sie ein junger Mann auf.
»Wissen Sie, dass die Geschichte im Talmud noch einige Zeilen mehr hat?«
»Ja. Ich weiß, der Prophet Elijahu persönlich kümmert sich um die Frau.«
»Warum erzählen sie das den Leuten nicht?«
»Weil Elijahu sich hier nicht kümmert, sondern eine halachische Diskussion führen wird.«
Hadar konnte im Gesicht ihres Gegenübers ablesen, dass er keine Frage gestellt hatte, sondern nur sich selber aufforderte, ihre Ausführung zu kommentieren.
»Wissen sie, der Prophet fragt die Frau, ob sich das Paar an die Reinheitsgesetze gehalten haben und die Frau stimmte zu. Wissen sie das? Dann fragt der Prophet, ob sie sich auch nach der Periode an die Reinheitsgesetze gehalten haben?«
Er räusperte sich beim Wort »Periode« ein wenig. Offenbar war ihm das unangenehm. Aber er fuhr fort:
»Nein und ein klares Nein. Sie gibt dann zu, dass die beiden gemeinsam gegessen und getrunken haben, ja sie haben sogar nah beieinander geschlafen!«
Hadar versuchte einzulenken:
»Sie sagt aber, dass sie sich nicht berührt haben, bis die sieben Tage nach der Menstruation vorüber waren.«
»Ja, ja das kann sein. Aber sie wissen doch, was Elijahu sagt? Er sagt daraufhin ›Gepriesen ist der G-tt der ihn tötete – er zeigte der Torah gegenüber keinen Respekt‹, die Torah hat ja verboten, sich der Frau zu nähern.«
Zum Ende des Satzes wurde der junge Mann ein wenig energischer und auch ein wenig lauter.
Hadar kannte den Text natürlich, war aber schockiert, dass jemand das mit einer solchen Inbrunst verteidigte:
»Sie meinen, Schimon hat seine Strafe erhalten? Ich meine, hier soll nur die Auslegung von Rabbi Akiwah verteidigt werden, denn nur er war der Ansicht, man dürfe in dieser Zeit seiner Frau nicht nahekommen. Wissen Sie, was Raschi schreibt? Ein wahrhaftiger Gelehrter braucht keinen physischen Schutz vor Übertretung eines Gebots. Er hat sich im Griff. Ich wünschte, sie hätten das auch. Haben sie vielleicht daran gedacht, dass Elijahus Antwort auch abschreckend gemeint sein könnte, oder dass er die Frau vielleicht verletzt?«
»So steht es aber geschrieben« sagte ihr Gegenüber und verließ den Raum.

Nach Schabbat 13a/13b
Der Text im Talmud ist knapp gehalten und so liest man ihn schnell herunter und macht sich vielleicht nicht klar, welche Emotionen eigentlich auf den handelnden Personen lasten müssen. Dieser Text ist der Versuch, das zu schildern und es vielleicht ein wenig eindrücklicher zu machen. Ausnahmsweise also keine satirische Geschichte. Feedback ist dementsprechend besonders erwünscht.

Artikel

Der Emessdike Rebbe: Shelly

Der fünfte Abend von Chanukkah.
In Shellys Augen spiegelten sich noch die Chanukkahkerzen. Das sah feierlich aus, aber in Shellys Blickfeld lag auch ein großes Päckchen, eingepackt in blaues Geschenkpapier mit Drejdl-Motiv. Aufmuntern nickten ihre Eltern ihr zu. In der gleiche Sekunde hatte Shelly das Papier bereits heruntergerissen.
»Die Barbie-Skihütte! Danke!«
Die Skihütte ergänzte die Geschenke von den anderen vier Abenden. Den Barbie Sessellift, die Schneefräse, die Slalomstrecke und den Barbie Whirlpool.
Aber dann hielt Shelly einen Moment inne.
»Hoffentlich kriege ich noch das Waldschloss von Barbie!«
»Warte doch. Außerdem wirst in zwei Monaten sechs Jahre alt. Wer weiß, was es dann noch gibt.« Vater Daniel war stolz.
»Wer bringt mir überhaupt die Geschenke zu Chanukkah? Macht ihr das, oder ist wie bei Paul und Klara? Da bringt der Weihnachtsmann die Geschenke?«
»Weißt du, kleine Shelly. Die Geschenke, die bringen die starken Makkabäer. Die ziehen um die Welt und zu Chanukkah bringen sie den Kindern Geschenke, oder manchmal auch Geld. In einigen Familien nur einmal, aber weil die Makkabäer wissen, wie lieb wir dich haben, kommen sie hier an jedem Abend von Chanukkah. Sie haben ja auch weniger zu tun als der dicke Weihnachtsmann. So viele Juden gibt es ja nicht.
Shelly nickte und sah einen Augenblick lang beeindruckt aus. Diese Makkabäer waren starke Kerle.

Beim Einschlafen dachte Shelly noch darüber nach, bis sie in der Nacht von einem kleinen Lichtlein geweckt wurde. Neben ihrem Bett sah es so aus, als würde eine kleine Kerze brennen. Shelly war fasziniert. Das Licht wurde ein wenig größer und aus dem Licht heraus stieg ein kleiner Rebbe auf ihren Nachttisch. Ein wenig größer als eine Tasse. Der Rebbe sah freundlich aus. Er hatte einen langen, vollen, Bart aus weißen Haaren und wache braune Augen. Auf dem Kopf trug ein Pelzhütchen und trug kleine goldene Schühchen. Seine Kleidung schien aus glänzendem Samt zu bestehen. So genau kannte Shelly das Material nicht. Aber es gut aus. Seine Haut sah flauschig aus – fast wie die ihrer Stofftiere. Ein kleiner Knuddelrebbe.

»Her zi! Weißt Du wer ich bin?« fragte der kleine Rebbe mit einer freundlichen Stimme.
Shellys Herz wurde ganz warm wegen des kleinen knuddeligen Rebbes.
»Nein. Wer bist du denn? Bist du ein Makkabäer«
»Nein kleine Shelly. Ich bin kein Makkabäer. Ich habe keine starken Muskeln. Ich habe keine Rüstung und ich habe keine Waffen.
Ich bin der emessdike Rebbe. Ich besuche in der Nacht jiddische Kinder. Ich bin dein Freund. Möchtest du, dass ich dein Freund bin?«
Shelly nickte schüchtern.
»Ich habe eine Nachricht für dich. Und weil das die Wahrheit ist, nennt man mich auch den emessdiken Rebben.«
»Was denn für eine Nachricht? Von wem?«
Statt einer Antwort, hatte der Rebbe eine weitere Frage.
»Her zi: Deine Eltern haben dir erzählt, die Chanukkahgeschenke bringen die Makkabäer. Richtig?«
Das G von »richtig« hörte sich eher wie ein K an.
Shelly nickte jedenfalls.
Der Rebbe hob den Finger und seine Augenbrauen:
»Das ist Unsinn. Geschichten. Meschugas. Die Geschenke kaufen deine Eltern. Und sie geben viel Geld dafür aus. Mehr Geld, als sie eigentlich haben. Du wirst dich fragen, warum sie das machen. Ich sage es dir. Weil sie viel Geld ausgegeben haben, um dich überhaupt zu bekommen. Und jetzt geben sie noch mehr Geld für dich aus. Damit du dich wohlfühlst. Irgendwann werden sie selber merken, dass sie sich das Haus mit dem Garten und die vielen Geschenke nicht leisten können. Du wirst aber noch mehr wollen. Und deine Eltern werden es dir kaufen. Und sie werden sich streiten. Und sie werden unglücklich. Und sie werden sich trennen. Und dann wirst du bei deiner Mutter in einer kleinen winzigen Wohnung leben müssen. Und die schönsten Chanukkahabende werden die in deiner Erinnerung sein. Das ist die Wahrheit. Deshalb nennt man mich den emessdiken Rebben.«
Shelly schluckte. Tränen standen in ihren Augen.
Das Licht verschwand. Der Rebbe war nicht mehr zu sehen.

»Wo bist du?« flüsterte Shelly und erhielt keine Antwort.
»Kannst du mir noch verraten, ob ich das Barbie Waldschloss bekomme?«

Artikel

Schmulik und die Flüchtlinge aus den USA

Schmulik starrte auf den Monitor. Diese Geschichte hatte die kleine Leah geschrieben? Die Lady, die immer so aussah, als würde sie über Eis laufen, weil die Schuhe zu hoch und ihr Gang zu unelegant war? Wenn sie mit Schmulik sprach, dann höchstens ein paar Sätze.
Er hatte ständig das Gefühl, sie würde sein geheucheltes Interesse durchschauen. Schmulik interessierte sich nicht für alle Qualitäten von Leah.
Auch wenn die beiden bei facebook nicht befreundet waren, wusste er, dass sie sich dort »Leah Gehtdichgarnichtsan« heiß und dass ihr Horizont über Shopping im Wesentlichen nicht hinausging. Keine Kunst herauszufinden, wer sie bei facebook war. Sie likte alle Einträge des Baruch-Goldstein-Gemeindezentrums.
Seitdem verfolgte er Leahs Leben bei facebook. Foto in der Umkleidekabine mit dem grünen Kleid, Foto in der Umkleidekabine mit dem roten Shirt, Foto in der Kabine mit dem blauen Shirt, Foto von Nurit (koksend auf dem Klo vom Gemeindezentrum), Foto im Fitness-Outfit mit Fitnessgeräten im Hintergrund, Foto in der Kabine mit einem rosa Shirt. Da hätte Schmulik fast auf »Like« geklickt. Foto von einem Erdbeer-Smoothie. Foto von einem Erdbeer-Smoothie mit Sekt. Foto in der Kabine mit dem roten Shirt und Tally.
Und jetzt das?! Leah wurde politisch. Eine Geschichte über ihren Gemeinderabbiner: Weiterlesen

Artikel

Als Schmulik die beste Synagoge des Landes entdeckte

tallit_stapel

Schmulik schreckte hoch.
Er war jetzt hellwach. Er hörte absolut nichts.
Gar nichts.
Jetzt hörte er irgendwo das Flattern eines Vogels.
Gespenstische Ruhe lag über seiner Suite.
Die absolute Ruhe war dafür verantwortlich, dass er am frühen Morgen hochschreckte. Am Tag zuvor hatte noch Lena mit ihrem gleichmäßigen Schnarchen dafür gesorgt, dass Schmulik sanft weiterschlummern konnte. Sie war dann aber am Nachmittag abgereist. Obwohl das ein großes Wort ist. Schmulik hatte sie in ein Taxi gesetzt, dass sie für viel Geld nach München brachte. Die Ruhe, die Schmulik suchte, war nichts für Lena.
»Wir hören in uns hinein« hatte Schmulik angekündigt und für die Suite im Landhotel ein kleines Vermögen auf den Tisch gelegt.
Im Hotel hatte Lena hatte das gemacht, was Schmulik verlangt hatte – in sich hineingehört. Aber das war einfach nichts. Es war genau so ruhig, wie vor Schmuliks Suite.
Es antwortete niemand. Das war nichts für Lena. Sie verließ das kleine Städtchen. Es war wirklich sehr klein – aber sehr beliebt bei anderen »in-sich-hinein-hörenden« Gutverdienern. Zuletzt hatte Schmulik es mit Schloss Elmau versucht. Gebaut von jemandem, der meinte, nur durch Taufe sei mit Juden überhaupt irgendetwas anzufangen, war es heute regelmäßig Convention-Center der Anhänger des feuilletonistischen Judentums.
Da musste doch etwas dran sein?
War es nicht.
Warum musste man sich mit Kultur vom Pöbel unterscheiden, wenn man das hier schon über das Geld machte?
Und so landete Schmulik in diesem Kaff. Weiterlesen

Artikel

Nach Ma’aleh Adumim

Ein junger Mann arbeitet in Ma’aleh Adumim, also in einem Ort der gerne als Siedlung beschrieben wird, tatsächlich aber eine Stadt in der Nähe von Jeruschalajim ist. Recht häufig fahren Menschen von dort nach Jeruschalajim um zu arbeiten, unser Mann fährt in die Gegenrichtung. Was hier folgt ist aber kein Bericht, sondern inhaltliches etwas vollkommen anderes als das, was es hier sonst gibt. Eine Kurzgeschichte. Sie ist nicht für das Blog entstanden, wird aber nun exklusiv hier veröffentlicht. Hier als pdf herunterladen: Ma’aleh Adumim.pdf