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Löwen im Talmud

Der Löwe ist für die Einrichtung von Synagogen nicht ganz unbedeutend. Entweder findet man welche auf dem Vorhang des Toraschranks, auf dem Mantel der Tora oder auf einem bunten Glasfenster. Oft halten zwei Löwen die »Tafeln« mit dem Zehnwort fest. Auf dem Bild aus der Synagoge Essen (als sie noch nicht »alt« war) liegen die Löwen und schauen herunter.

Parochet der Synagoge Essen (kurz nach der Eröffnung, als sie noch nicht die »Alte Synagoge« war) – Mehr Bilder gibt es hier.

Schon in der Tora wird der Stamm Jehuda (1. Buch Mose 49,9) mit einem Löwen verglichen: »Ein junger Löwe bist du, Jehuda. Wenn du von der Beute, mein Sohn, empor dich reckst. Er kauert nieder wie der Löwe. Und lagert sich der Löwin gleich; wer wagte da ihn aufzuschrecken!« Dies macht den Löwen zum Wappentier Jehudas.

Den gesamten Text zu Löwen im Talmud gibt es auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen, hier.

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Lot und Noach

Sedom

Zum Wochenabschnitt WaJera habe ich die Geschichten von Noach und Lot betrachtet:
Die Gesellschaft ist durch und durch schlecht. Sie ist nicht zu retten. Ihre Zerstörung von außen steht deshalb kurz bevor, und nur eine Familie bleibt übrig. Eine, die sich der schlechten Welt – so gut es geht – entziehen kann. Die Familie überlebt, doch der männliche Protagonist unserer Geschichte kommt danach in sexuellen Kontakt mit seinen Töchtern.
Der Inhalt ist ähnlich? Auch sprachlich nehmen die Texte Bezug aufeinander.

Der Artikel ist als Volltext bei der Jüdischen Allgemeinen lesbar, hier.

Bild: Jan Luyken, 1708

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Der Hahn im Talmud

Darüber, wie man einen Satz aus den Birkot haSchachar, den Segenssprüchen am Morgen, übersetzt, kann man hervorragend diskutieren. Wird er übersetzt mit »der dem Hahn Verständnis schenkte, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden« oder »der dem Herz Verständnis schenkte, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden«. Beides ist möglich. Jedenfalls dürfte dies der bekannteste Hahn des jüdischen Lebens sein (mal abgesehen vom Kaporesschlagen, für das hoffentlich möglichst wenig Hähne herhalten müssen).

Für die Jüdische Allgemeine habe ich betrachtet, was im Talmud über den Hahn zu finden ist. Den Text gibt es hier im Volltext.

Bild von Albertus Verhoesen, 1855

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Neuer Machsor von Chabad Berlin

Für die Feiertagsausgabe der Jüdischen Allgemeinen durfte ich einen neuen Machsor, oder ein Machsor-Set, genauer betrachten, das erst kurz vor Rosch haSchanah erschienen ist: Es besteht aus einem Machsor für Rosch haSchanah und einem für Jom Kippur. Hier wurde der Machsor von Chabad allerdings nicht nur ins Deutsche übertragen, sondern auch eine Transliteration hinzugefügt. Die Gewichtung der Transliteration wird jede befragte Person anders einschätzen. Sie reicht von »Sehr wichtig! Mitmachen ist sehr entscheidend!« über »Wichtig wäre eine Übersetzung, einige Stellen sollten transliteriert sein« bis hin zu »Niemand braucht Transliterationen! Macht die Leute nicht faul.«

Das Herausgeber-Team um Joshua Frank (Berlin) hat hier eine Entscheidung getroffen: Es wurde der gesamte Text übersetzt und es wurde der gesamte Text transliteriert. Allerdings wurde der transliterierte Text dem hebräischen Text gegenübergestellt. Die Übersetzung liest man, wenn man das Buch von links nach rechts öffnet. Die Seitenzahl stimmen mit dem hebräischen Teil überein.

Hier einige Details:

Ein Blick auf den hebräischen Teil. Die Idee dahinter wird klar.
Al Chet im Detail. Das Schriftbild ist klar und gut lesbar.

Der Artikel in der Jüdischen Allgemeinen kann hier gelesen werden – im Artikel findet man auch noch etwas zum Minhag von Chabad, denn der passt nicht zu jeder Gemeinde, hat aber den Charme, dass nur das gebetet wird, was im Machsor steht.

Vielleicht eine Aufgabe, oder ein Auftrag für lokale Machsorim? Die aktuelle Technik macht es immer einfacher.

Je ein Band kostet 25 Euro und kann über die Website des Verlages juedisches.org bestellt werden.

(Schanah Towah übrigens!)

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Hashtag Vorbild

»Diskussionen« in den sozialen Medien gleichen mehr Auseinandersetzungen und es kommt schon vor, dass einige Menschen hier Fassung und Kontrolle verlieren. So wurde ich Zeuge davon, dass ein Hochschulprofessor, mit zahlreichen Titeln und Funktionen, bei Facebook jemandem antwortete: »Du hast ja wohl den ****** auf.« Dass das ein schlechtes Bild auf denjenigen wirft, der da die Fassung verliert, ist ja offensichtlich. Für die Jüdische Allgemeine habe ich aufgeschrieben, was gute Leitlinien für das Verhalten in den sozialen Netzwerken sein könnten. Den Volltext findet Ihr hier: #Vorbild.

Eine große Übersicht für den Umgang mit sozialen Netzwerken (und den Umgang miteinander), gibt es übrigens in Tzipporim – Judentum und soziale Medien.

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Von Rehen und Hirschen

Der talmudische Artikel dieser Woche (für die Jüdische Allgemeine) führte mich eigentlich zu einem Thema, das zunächst wenig spektakulär klingt, aber in das kulturelle Gedächtnis eingegangen ist: Rotwild. Im Machsor von Worms (aus dem 13. Jahrhundert) findet man eine Jagdszene als Illustration: Ein Jäger bläst das Horn und lässt einen Hund auf ein Reh oder eine Hirschkuh los. Ähnliche Abbildungen findet man auch in anderen jüdischen Handschriften aus jener Zeit. Heute wird angenommen, dass diese Szene eine Metapher für die Judenverfolgung und das Vorgehen gegen die Tora ist. Angelehnt an Psalm 22,17: »Mich umringen Hunde, gleich Löwen umkreist mich an Händen und Füßen eine Rotte Bösewichter.« Wie diese Zuweisung zustande kam, kann man im Artikel nachlesen.

Aber der Artikel könnte uns helfen, hilft er, weitere Bilder zu deuten – diese tauchen (aus Gründen des Platzes) nicht im Artikel auf:

Zum einen hätten wir die, recht berühmte, »Vogelkopf-Haggadah« (ein Ausschnitt unten), in der alle menschlichen Akteure als Vögel dargestellt werden. Es heißt, weil die Illustratoren sich dafür gefürchtet hätten, Menschen abzubilden. Die beiden letzten Sätze sind allerdings nicht richtig. Es tauchen sehr wohl menschliche Menschen im Manuskript auf, etwa Ägypter. Und: Einige Experten sind sich nicht so sicher, ob es sich tatsächlich um Vögel handelt. Aus welchem Grund sollte man Vögel gewählt haben? Die Figuren haben einen Schnabel. Das ist es aber auch schon. Der Rest des Kopfes könnte aber auch von einem Löwen stammen. Eine kleine Erinnterung an die Mischna Awot, die »Sprüchen der Väter«, hilft: »Jehuda ben Tema sagte: Sei mutig wie ein Leopard, behänd wie ein Adler, schnell wie ein Hirsch und heldenhaft wie ein Löwe, den Willen des Vaters im Himmel zu vollbringen.« Eine Charakterisierung derer, die den Willen des Vaters vollbringen. Was läge also näher, als diejenigen, auch so abzubilden?

Ausschnitt aus der Vogelkopf-Haggada (entstanden um 1300) – der ältesten erhaltenen illuminierten aschkenasischen Pessach-Haggada.

Ein weiterer, etwas unerwarteter Aspekt ist »Bambi«. Das Buch, aus dem später der berühmte Film von Disney wurde, stammt von Felix Salten. Er hat es 1922 herausgebracht. Felix Salten hieß eigentlich Siegmund Salzmann, ein Jude aus Pest, der in Wien aufwuchs und dort Journalist wurde und als Felix Salten mehr Chancen sah. Salten war niemand, der die Jagd verabscheute und deshalb vielleicht »Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde« schrieb. Salten war begeisterter Jäger. Anlässlich einer neuen englischen Übersetzung des Buches (hier als Volltext) fragte sich Donna Ferguson vom Guardian (Volltext hier, theguardian.com), ob die Geschichte vielleicht nicht eher eine Metapher für den Antisemitismus der 1920er Jahre sei. Wenn wir in unserer Rotwild-Metaphorik bleiben, dann liegt das vielleicht recht nah.

Auch Art Spiegelmann hat in seinen »Maus« Comics Tiere für die Darstellung von Menschen gewählt. Jüdinnen und Juden sind Mäuse, Nazis Katzen. Die Wahl dieser Zuweisung kann er erklären und die Leser von heute nachvollziehen. Ähnlich könnte es bei der »Reh-Metapher« gewesen sein.

Der Artikel auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen: »Von Rehen und Hirschkühen« juedische-allgemeine.de

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Schawuot – das Fest der Torah. Warum?

Schawuot steht vor der Tür. Allgemein bekannt als das Fest der Torahgebung. In der Torah ist selber ist es das aber nicht. Dort ist Schawuot Chag HaKatzir, das »Fest der Ernte« (2. Buch Mose 23,16), Chag HaSchawuot, das »Fest der Wochen« (34,22) oder Jom HaBikkurim, der »Tag der Erstlingsfrüchte« (4. Buch Mose 28,26).
Wie könnte es also dazu gekommen sein, dass es das heute ist? Ein Blick in den Talmud – den Artikel gibt es als Volltext bei der Jüdischen Allgemeinen (hier).

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Bären

Bären sind stark und der hebräische Vorname Dow scheint auf diese (gute) Stärke zu verweisen. Ein Blick in die klassischen Texte des Judentums zeigt jedoch, dass der Bär nicht immer für eine Mischung aus Kuschligkeit und Kraft steht. Eine (verstörende) Episode mit dem Propheten Elischa zeigt das recht eindrücklich.

Den gesamten Text gibt es in der Jüdischen Allgemeinen, hier online.