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Majn Alef Bejs

Majn Alef Bejs

Abbildung aus »Majn Alef Bejs« – © Riva Kaminsky Danzig, Marc Kaminsky, Urszula Palusińska

Vielleicht eines der bestgestalteten jüdischen/jiddischen Kinderbücher der letzten Zeit:
»Majn Alef Bejs« von Jehoszue Kaminski und Illustrationen von Urszula Palusińska. Ein Buch mit dem Alef-Bejt und kurzen Texten dazu – in jiddischer Sprache und polnischer Übersetzung. Die Illustrationen sind zeitlos und erinnern vielleicht ein wenig an Zeichnungen aus den 50er Jahren. Sie kommen ohne Kitsch aus und verzichten auf pseudomoderne Elemente. Die Gedichte sind eingängig und dürften, mit jiddischen Grundkenntnissen, für deutschsprachige Leser zu bewältigen sein.
Herausgegeben wurde das Buch von der Czulent Jewish Association in Krakau.
Und für die potentiellen Leser nicht so schlecht: Man kann es auf der Seite von Czulent herunterladen.
Schon seit 2012 gibt es das Buch, es verwundert, dass man nicht schon damals überall darauf hingewiesen wurde. Auf einer Kinderbuchmesse in Bologna hat es nun den »Bologna Ragazzi Preis« erhalten. Vielleicht wird dies das Buch nun noch mehr Aufmerksamkeit erhalen – die ihm auch zusteht.

Aber nicht nur das! Czulent veröffentlichte auch das Buch »Jontew Lider«, aus dem die folgende Abbildung stammt:

Abbildung aus »Jontew lider«

Abbildung aus »Jontew lieder« © Sheva Csesler, Irving Massey, Urszula Palusińska

Mit Gedichten von Ida Maze und Szmuel Cesler. Auch hier wieder mit Illustrationen von Urszula Palusińska. Wirklich beeindruckend sind die Abbildungen und der Text für דעם טאג צו געדענקען »Der tog cu gedenkn«. Dieses Buch kann man ebenfalls bei Czulent herunterladen.

Misha Beletsky war so freundlich, darauf hinzuweisen.

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Der Hobit – דער האביט

Der Hobit Kapitel 19 Nicht falsch geschrieben, nur Jiddisch umschrieben. Der Hobit ist die jiddische Übersetzung von J. R. R. Tolkiens Der kleine Hobbit. Diese hat Barry Goldstein im Alleingang erstellt, wie er im Podcast des Yiddish Book Centers erzählt (hier). Auf den Film, der nahezu zeitgleich startet geht er nicht ein. Vielleicht ist es tatsächlich ein Zufall, dass das Buch mit der Übersetzung in zeitlicher Nähe zum Kinostart des Films abgeschlossen wurde. Jedenfalls hat Barry Goldstein mit seiner Übersetzung, oder besser Übertragung, gezeigt, dass der Stoff eine ganz andere Wirkung entfaltet, wenn man ihn in die Sprache einer vollkommen anderen Kultur überträgt. Ein Kapitel aus Herr der Ringe, welches Goldstein online gestellt hat, zeigt dies schon ganz gut: Baumbart, oder Jiddisch Bojmbord ??????- hier als pdf.
Im Podcast wird auch gefragt, wer die mögliche Zielgruppe einer solchen Übertragung sein könnte und das ist natürlich nicht in erster Linie die charejdische Welt, in der Jiddisch zum Großteil noch die erste Sprache ist. Ob dort das Buch entdeckt werden wird, ist übrigens eine interessanter Aspekt. Weniger auch die älteren Sprecher, wie das Heeb-Magazine schon feststellt. Vielmehr dürfte die Zielgruppe die Generation sein, die sich wieder mehr mit Jiddisch beschäftigt und irgendwie als kulturellen Wert erkannt hat. So wie die Organisatoren der Jiddisch Farm.
Man kann also nicht behaupten, Barry Goldstein hätte es des Geldes wegen gemacht. Vielmehr hat er es gemacht, weil es eine interessante Aufgabe für ihn war und das ist das großartige an der Entstehungsgeschichte dieser Übertragung.
Im Podcast hören wir übrigens auch, was Gollum in Jiddisch statt Mein Schatz vor sich hin murmelt und das ist schon nicht schlecht.

Für den Buchsatz sollte sich Barry vielleicht Hilfe ins Boot holen, da ist noch einiges optimierbar. Die Verwendung kursiv gesetzter hebräischer Buchstaben, für die Gedichte und Lieder und im Allgemeinen und überhaupt, ist nicht so besonders schön. Aber das Buch ist lesbar. Für diejenigen, die Jiddisch mit hebräischen Buchstaben lesen können.

Eine deutsche Übersetzung hätte es übrigens bereits 1938 geben sollen, also fast unmittelbar nach Erscheinen des englischen Originals. Allerdings verlangte der Verlag Rütten & Loening einen Ariernachweis von Tolkien. Ein Anliegen, welches dieser harsch zurückweist (der großartige Brief ist hier dokumentiert):

But if I am to understand that you are enquiring whether I am of Jewish origin, I can only reply that I regret that I appear to have no ancestors of that gifted people.
von hier

Bleibt noch eine allerletzte Frage: Warum zeigt uns Barry seinen nackten Tuches auf seiner Internetseite?

Das Buch kann über amazon.de erworben werden.

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Klezmerwelten tanzen

Klezmerwelten Tantshoyz

Gelsenkirchen kommt dem Ruhrgebietler im Augenblick wie ein Klezmerhotspot vor. Das Festival Klezmerwelten findet dort statt und die ungewöhnliche Verbindung Gelsenkirchen-Klezmer sorgt dafür, dass auch der kritische Beobachter überrascht ist. So überraschte das zweite Konzert (Bericht hier) mit fulminanten Tönen und einer zeitgemäßen Interpretation dessen, was Klezmer heute auch sein kann. Also auch etwas, womit junge Juden etwas anfangen können.

Tantshoyz - Gelsenkirchen
Am Mittwochabend stand ein weiterer Punkt auf dem Programm. Musiker, die jenseits der Klischees operieren und diese nicht bedienen müssen, um ihre Musik an den Mann (oder die Frau) zu bringen (Stichwort Musikantenschtetl), wie
Michael Winograd, Yoshie Fruchter, Patrick Farrell und Guy Schalom spielten für ein großes Publikum, aus dem unter Anleitung von Deborah Strauss und Andreas Schmitges eine tanzende Menge werden sollte.
Interessant war erneut das Publikum. Einige Jugendliche, einige junge Leute und ein nicht kleiner Anteil von Leuten im Rentenalter. Die Dynamik des Abends und die Art der Präsentation wäre jedoch auch gerade etwas für junge Erwachsene (aus den Gemeinden?) gewesen und hier liegt offenbar eine Art Kernaufgabe.
Die Klezmerwelten präsentieren ein Programm mit vielen progressiven Elementen. Diejenigen die davon profitieren könnten, sind jedoch durch einen Overkill an, sagen wir mal, Gojim naches Klezmer, darauf konditioniert, derartige Projekte und Angebote auszublenden. Das Problem: Die guten Sachen laufen an uns vorbei. In diesem Fall definitiv schade. Bewegung zu guter Musik.
Selbst der Baal haBlog hat sich ein wenig bewegt.

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Neue Klezmerwelten

Doppelkonzert Yiddish Princess und Forshpil in Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen begann am 13. Okotober das Klezmerfestival Klezmerwelten. Im Rahmen dieses Festivals spielten am Sonntag die Gruppen Forshpil und Yiddish Princess. Das Doppelkonzert erzählte einiges über die Wahrnehmung, sagen wir mal, jiddischsprachiger Musik und die entsprechende Erwartungshaltung des Publikums.
Offenbar erwarteten einige Zuschauer, die ins Kleine Haus des Musiktheaters Gelsenkirchen kamen, einen gemütlichen Bus, der sie in den Musikantenstadel (Musikantenschtetl?) bringt und sie bei jiddischen Texten wohlig einlullt. Was tatsächlich vorfuhr, war ein musikalischer Merkavah-Panzer, der erstmal über das hölzerne Wartehäuschen rollte. Weiterlesen

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Muttersprache?

Jiddisches Straßenschild - USA

Jiddisches Straßenschild - USA

Ein Artikel zum Internationalen Tag der Muttersprache für die Jüdische Allgemeine beschäftigt sich in aller Kürze damit, was wohl DIE jüdische Sprache sein könnte. Hebräisch? die häusliche Muttersprache? Jiddisch? Ladino? Ist Englisch doch die Kommunikationssprache für alle Juden. Den Artikel/die Meinung ist hier online verfügbar.