Artikel

Eine Schwarze Liste mit Rabbinern

Israels Oberrabbiner David Lau
Wini [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Oberrabbinat des Staates Israel – man kann es nicht oft genug sagen: Es ist das Rabbinat des Staates Israel. Es ist nicht das Oberrabbinat der Welt und diese Konstruktion wäre dem Judentum auch fremd. Jedenfalls hat dieses Oberrabbinat (s)eine schwarze Liste (Trejfe-Liste?) veröffentlicht. Auf ihr stehen Rabbiner, die in Sachen »jüdische Identität« – nach Ansicht des israelischen Oberrabbinats – nichts zu entscheiden haben und deren Schützlinge (Konvertiten oder Personen, deren Status geklärt werden musste) deshalb in Israel nicht jüdisch heiraten können. Wie das Rabbinat über einen Brief später mitteilte (siehe hier), ohne das Wissen von Oberrabbiner David Lau. In dem zitierten Brief heißt es, Angestellte des Rabbinats dürften solche Entscheidungen nicht allein treffen.

Auf der Liste stehen charedische Rabbiner, Rabbiner von Chabad (etwa Baruch Goodman) andere orthodoxe Rabbiner, konservative und Reform-Rabbiner. Es sind auch Schüler von Rabbi Mosche Feinstein auf der Liste – der steht nicht gerade in Verdacht, ein Reformer zu sein. Außerdem Rabbiner, die an der Yeshiva University unterrichten. Ebenfalls kein Hort der radikalen Reformer.
Ha’aretz hat sie in englischer Sprache veröffentlicht (siehe hier).

Wenn man sieht, wie viele Rabbiner in Deutschland arbeiten, dann ist die Liste recht kurz (6 Namen werden genannt). Es könnte natürlich bedeuten, die genannten Rabbiner wären zumindest als Rabbiner (durch das Oberrabbinat des Staates Israel) anerkannt und das wäre bereits eine große Sache. !Mazal Tov!
Dass Rabbiner auf der Liste stehen, die keine Vertreter des orthodoxen Judentums sind, das ist natürlich klar und keine Überraschung. Genannt werden etwa Rabbiner Sievers, Rabbiner Walter Rothschild und ein Rabbiner Neuman (gemeint ist vermutlich der frühere Ost-Berliner Rabbiner Jitzchak Neumann). Überraschend vielleicht, wer alles nicht auf der Liste steht? Man weiß es nicht.

Aber es gibt auch eine Überraschung. Rabbiner Dov Levi Barzilay – immerhin Mitglied der orthodoxen Rabbinerkonferenz – wird genannt.

Rabbiner Jonathan Sacks, der frühere Oberrabbiner Großbritanniens, steht hingegen nicht auf der Liste. Das zeigt wohl Großmut. Rabbi Sacks hat nämlich derartige Entscheidungen des (israelischen) sefardischen Oberrabbiners wiederum nicht anerkannt.

Die Veröffentlichung der Liste ist ein Indikator dafür, dass die Konflikte zwischen den Gemeinden außerhalb Israels und dem Rabbinat zunehmen werden. Das wird letztendlich kein Problem des Rabbinats sein, sondern ein Problem der israelischen Regierung. Eine zunehmende Entfremdung der Diaspora vom Land Israel wäre eine katastrophale Entwicklung.

Artikel

Petition für Religionsfreiheit in Israel

Die Sache um die es geht ist keine simple Angelegenheit. Anat Hoffman steht dem Israel Religious Action Center der Reformbewegung vor und engagiert sich für die Women of the Western Wall. Dieser Verbund von Frauen organisiert Treffen und Frauengebetsgruppen vor der Kotel – nicht immer im Bereich des Legalen, denn solche Versammlungen sind eigentlich für Frauen untersagt. Die konservative Bewegung hat deshalb schon seit einiger Zeit einen eigenen Bereich etwas abseits geschaffen.
Am 5. Januar wurde Anat Hoffmann von der Polizei befragt, sie habe an der Kotel einen Tallit getragen – was nicht erlaubt ist (einen kurzen Bericht über die Befragung findet man auf jewschool). Nun bewegt sich das Thema durch die Reformmedien. Vielleicht ein wenig schleppend, einen großen Aufschrei gab es bisher jedenfalls nicht.
Hier ein Bildbericht

Seit heute gibt es nun eine Petition an Benjamin Netanjahu in der gefordert wird, man solle den aktuellen Zustand beenden und den Platz vor der Kotel nicht zu einer ultra-orthodoxen Synagoge machen. Die Chancen dafür stehen schlecht, denn die orthodoxe Schas Partei ist für die Erhaltung der Regierungsmehrheit recht wichtig und kann nicht so einfach übergangen werden. Der Text der Petition ist hier übersetzt verfügbar:

Aktuelle Ereignisse in Israel sind symptomatisch für die andauernde Bevorzugung von Rechten und Wünschen der ultra-orthodoxen Minderheit auf Kosten der Mehrheit. Ob durch die Gesetzgebung der Regierung oder durch Entscheidungen von Gerichten, es scheint so, dass die israelische Demokratie ausgehöhlt wird. von hier

Mag sein, dass die nichtorthodoxen Juden in Israel und der Welt in der Minderheit sind, aber sie machen ihren Einfluss nicht spürbar. Das hat die verschiedensten Gründe, aber sie verhindern bislang natürlich ein Vorwärtskommen in dieser Frage. De facto bestimmt derweil das Israelische Oberrabbinat die Regeln des Spiels.

Artikel

Einfluß in welcher Menge?

Also ist das Israelische Oberrabbinat doch so etwas, wie der Vatikan für die katholische Bevölkerung? Wenn in Madrid eine Statusfrage geklärt werden soll, dann wird das nicht vor Ort erledigt, sondern, wie vor einiger Zeit die Jerusalem Post berichtete, in Jeruschalajim. Bei dieser unrühmlichen Geschichte ging es um die Bestattung eines kleinen Jungen auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde Madrid. Da der Junge mit seiner Mutter vor einem konservativen Bejt Din übertraten, war der dortige Rabbiner Mosche Ben Dahan sich nicht sicher, was zu tun war und rief das Rabbinat des Staates Israel an. Von dort aus wurde entschieden, der Junge dürfe nicht auf dem Friedhof beigesetzt werden, sondern ein eigenes, separiertes Grab bekommen. Wie Rabbiner Andrew Sacks berichtet, schob anschließend ein Rabbiner die Schuld auf den anderen und nahm es dabei mit der Wahrheit wohl nicht so ganz genau.
Soweit Madrid. Wie sieht es hier aus? Ähnlich? Wie es heißt, wurde der Bejt Din Deutschland der Orthodoxen Rabbinerkonferenz in Zusammenarbeit mit dem israelischen Oberrabbinat aufgebaut (siehe hier). Von drei Dajanim, würden zwei vom Oberrabbinat gestellt werden. Zur Amtseinführung des Rabbiners von Köln reiste der aschkenasische Oberrabbiner Metzger an (siehe hier), um sich vor Ort zu überzeugen. Erhält das israelische Oberrabbinat also doch langsam den Status einer obersten rabbinischen Instanz?