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Hamburgs liberale Gemeinde

Wenn Rabbiner Walter Rothschild eine zusätzliche Superhelden-Identität hätte – ich bin mir nicht sicher, ob er nicht vielleicht eine hat – wäre er vermutlich »Machlojkes-Man«. 
Nicht weil er streitsüchtig wäre, sondern weil er jemand ist, der alles grundsätzlich hinterfragt. Wenn ihm jemand sagt: »Das ist der Status Quo«, wird Rabbiner Rothschild antworten: »Warum?«.Das ist eine hervorragende Eigenschaft für einen Rabbiner, aber eine unangenehme für diejenigen, die es gerne gemütlich und statisch haben. Es wäre euphemistisch zu behaupten, Rabbiner Rothschild wäre damit »angeeckt« (siehe etwa den Tagesspiegel). »Angekantet« oder »angepfostet« wären bessere Begriffe dafür.
In einer rabbinergeführten Gemeinde, wie es sie zuweilen außerhalb Deutschlands gibt, könnte er sein gesamtes Potential entfalten.

Zuletzt wurde er nach Hamburg ge- oder berufen. In die »Liberale Jüdische Gemeinde«, die sich als »Nachfolgegemeinde des Neuen Israelitischen Tempelverein(s) von 1817 (5578)« betrachtet (laut Homepage). 2017 zunächst als »Assistenz-Rabbiner« seines Reform-Amtskollegen Mosche Navon. In diesem Jahr dann als »Vertretung«.
Dieser war zu diesem Zeitpunkt noch Rabbiner dieser Gemeinde und wurde (ernsthaft) krank. Er musste ins Krankenhaus und zog Rabbiner Rothschild ins Vertrauen. Das könnte man durchaus als »verantwortungsbewußt« bezeichnen.
»Machlojkes Man« sollte also den Rabbiner vertreten. Er kam dann auch, allerdings nur für kurze Zeit, denn er erhielt Hausverbot in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg.
Ist das die ganze Geschichte?
Natürlich nicht. Wie in jeder Geschichte über Superhelden, treten sie dann auf den Plan, wenn ihr eigentliches Ich eine Ungerechtigkeit aushalten musste. Hier allerdings ohne einen großen Triumph.
Rabbiner Rothschild ließ nämlich nicht locker, obwohl es nicht mehr nur um ihn ging:

Noch während Navon im Krankenhaus war, meldete der Evangelische Pressedienst am 18. Juni, dass man einen neuen Rabbiner für Hamburg gefunden hätte.

Rabbiner Daniel Alter sei der Nachfolger von Navon bzw. von Rabbiner Rothschild. Das fand schnell den Weg auf »Welt«-Online. Zu diesem Zeitpunkt war die Nachricht allerdings so nicht ganz richtig. Es war wohl geplant, dass Rabbiner Alter die Krankheitsvertretung übernimmt. Irritierend daran war, dass sowohl die Gemeindevorsitzende, als auch Dritte, die es besser hätten wissen müssen, die Meldung über die sozialen Medien weiterreichten. Und zwar in der Form: Rabbiner Alter kommt nach Hamburg. Der Pressedienst hat die Meldung später übrigens geändert und daraus eine Krankheitsvertretung gemacht.

Unbeteiligte haben spätestens jetzt gemerkt: Hier stimmt etwas nicht.

Am 3. Juli, also nur etwa zwei Wochen später, sendet die Gemeinde, besser gesagt, die Vorsitzende, eine Mail aus:

» […] unsere Gemeinde hat heute nach 5-jähriger Tätigkeit den Landesrabbiner Dr. Moshe Navon in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Rabbiner Dr. Navon hat sein Rentenalter bereits im April 2020 erreicht, somit wurde laut Vertrag sein Dienst bei der LJGH e.V beendet.«

Rundmail an Mitglieder des Freundschaftsvereins

Zu diesem Zeitpunkt war Rabbiner Navon noch krankgeschrieben.

Im NDR erfahren wir von Rechtsanwalt Felix Meschenmoser, der Rabbiner Navon mittlerweile vertritt, dass dieser eine Kündigung erhalten habe und vier Monate rückwirkend durch die Gemeinde von der Krankenversicherung abgemeldet wurde – wir erinnern uns – Rabbiner Navon lag im Krankenhaus. Sicherlich kein günstiger Spaß.
Anwalt Meschenmoser berichtet auch, dass ihm eine Zusicherung aus der Vergangenheit vorliege, in der die Gemeindevorsitzende Galina Jarkova, dem Rabbiner verspricht, ihn auch nach dem Eintritt ins Rentenalter weiter zu beschäftigen. Dazu ist es dann aber doch nicht gekommen. Der Anwalt hält das für unzulässig.

Nahezu zeitgleich meldeten sich zwei Mitglieder des Vorstands und berichteten, dass sie von den Vorstandssitzungen ausgeschlossen worden seien. Am Anfang des Jahres seien sie zuletzt bei einer solchen Sitzung anwesend gewesen. Danach seien alle Beschlüsse, inklusive des Haushaltsplans, durch die Vorsitzende und einen Schatzmeister getroffen worden.

Rabbiner Rothschild hat sich also nicht zurückgezogen, sondern machte die Sache dann publik. Der NDR hat, wie beschrieben, darüber berichtet. Die Sache beschäftigt nun ein Gericht.
Offen dürfte noch sein, ob der oder die Vorstandsvorsitzende einfach andere Mitglieder des Vorstands abberufen kann. Wenn das in der Satzung steht, wäre das wohl zulässig, aber irgendwie natürlich eine seltsame Konstruktion.

Der Vorstand hat unterdessen Kontakt zu den Mitgliedern und den »Freundschaftskreis« (der Freundschaftskreis ist offenbar eine Gruppe nichtjüdischer Unterstützer) der Gemeinde aufgenommen: Es wurde deutlich gemacht, dass nur Mails von bestimmten Absenderadressen für die Gemeinde sprechen dürften. Andere seien nicht befugt, zu kommunizieren.

Einer dieser Rundbriefe enthielt ein bemerkenswert offenes Statement und eigentlich hätte man diesen Artikel nur auf dieses Statement herunterbrechen können:

»Es ist zu beachten, dass es in unserer Gemeinde noch immer einzelne Personen gibt, die von persönlichen Interessen geleitet sind, unterschiedliche Meinungen und Aussagen zulassen und damit Spannungen im Kollektiv erzeugen.«

Zitat aus einem Rundbrief

Augenblicklich ist noch alles offen. Machlojkes-Man hat also nicht gewonnen, aber dem Vorstand hätte vermutlich klar sein müssen (siehe etwa den Bericht in der Welt), auf was er sich da einlässt. Einer Auseinandersetzung geht er nicht aus dem Weg. Offenbar geht es Machlojkes-Man nicht um den Sieg, sondern irgendwie um Gerechtigkeit. Was Rabbiner Navon betrifft: Hier ist bis zur gerichtlichen Klärung alles offen. Vielleicht erklärt sich die Gemeinde zuvor noch öffentlich. Der Schaden geht über das hinaus, was Rabbiner Navon passiert ist.

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Eine neue Synagoge für Hamburg

Die Bornplatzsynagoge in Hamburg hatte 1.200 Sitzplätze und war mit ihrer 40 Meter hohen Kuppel vermutlich ganz gut im Stadtbild sichtbar. Die Synagoge wurde erst zwei Tage nach dem Novemberpogrom in Brand gesteckt und obwohl das Gebäude so exponiert war, gab es dafür keine Zeugen. Ist das nicht seltsam? Der Abriss begann einige Monate später, am 14. Juli 1939.

Natürlich hat das eine Lücke hinterlassen – eine sichtbare. Der Platz ist bis heute nicht wieder bebaut worden und in Joseph-Carlebach-Platz umbenannt. Eine klaffende Wunde in der Stadt und eine Erinnerung an den Abriss der Synagoge.

Synagogenmonument Joseph-Carlebach-Platz (Hamburg-Rotherbaum) von Ajepbah / Lizenz: CC BY-SA

Aber das soll nicht so bleiben. Im Februar 2020 stimmte die Hamburger Bürgerschaft, also das Stadtparlament, einstimmig für Wiederaufbau der Synagoge. Im Gespräch ist sogar ein »Wiederaufbau« der Synagoge nach historischem Vorbild. Also ein Schließen der Lücke und eine Heilung der Wunde?
Zunächst soll eine Machbarkeitsstudie ermitteln, was vor Ort überhaupt technisch möglich ist.
Es ist ohne Zweifel und Einschränkung zu begrüßen, dass lokale jüdische Gemeinden bei ihrer Entwicklung konkret unterstützt werden. Hier entwickeln Prozesse manchmal jedoch eigene Dynamiken, weil alle Beteiligten unterschiedliche Ziele verfolgen und einen eigenen Blick auf die tatsächliche Sachlage haben.

Die nichtjüdische Sichtweise Die Gemeinde wachsen!

In der Wahrnehmung der nichtjüdischen Öffentlichkeit – und da ist vielleicht der Wunsch der Vater des Gedanken – wachsen alle jüdische Gemeinden und grundsätzlich sind die meisten Gemeindemitglieder per se religiös.

Ein Beispiel für diese Überzeugung ist ein Text von Till Briegleb für die Süddeutsche Zeitung in dem es heißt: »…denn die jüdische Gemeinde in Hamburg wächst kontinuierlich, besitzt aber nur beschränkte Räumlichkeiten.«
Da sollte auch tatsächlich etwas passieren: Eine vernünftige Infrastruktur muss her. Eine, die einer Entwicklung einer lebendigen Gemeinde nicht im Wege steht. Das muss aber nicht bedeuten, dass die Mitgliederzahlen kontinuierlich steigen. In Hamburg ist nämlich genau das Gegenteil der Fall. Die Gemeinde schrumpft kontinuierlich. Hatte die Gemeinde 2006 noch 3.086 Mitglieder, sind es heute 2.383.
70% der Gemeinde sind heute Senioren. Perspektivisch muss die Gemeinde sich also darauf einstellen, weniger Mitglieder zu haben. Auch wenn das für eine Stadt wie Hamburg schwer zu glauben ist.
Dabei hat die Gemeinde offenbar vieles richtig gemacht:
Sie hat liberale Strömungen unter ihrem Dach integriert (siehe etwa hier), Chabad mit ihrem Rabbiner in die Gemeinde geholt – also keine Parallelstruktur entstehen lassen und einen recht jungen Vorstand. Etwas unverständlich, dass es daneben übrigens noch eine eigene liberale Gemeinde gibt.
Trotz der, ansonsten recht günstigen, Ausgangslage, ist der demographische Faktor ist ausschlaggebend und gegen den kann man nur wenig tun – außer Leute zu holen. Hamburg gehört nicht zu den unattraktivsten Städten des Landes.

Altersstruktur Hamburg

Die Früchte hängen tief

Die Stadt Hamburg ist bereit, der Jüdischen Gemeinde weit entgegen zu kommen und so scheint alles möglich zu sein. Interessant ist daran, wie die Gemeinde handel wird. Wird sie sich auf die Zukunft ausrichten und ein Gemeindezentrum bauen, welches 2.000 Menschen oder 800 ein Zuhause sein kann?

Oder wird man der Versuchung – und vielleicht den Erwartungen von draußen nachgeben – und eine Synagoge mit 1.200 Plätzen wiedererrichten und dann mittelfristig vor der Frage stehen, was dann passieren wird?

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Gegen Antisemitismus – ach nö Digga

Antisemitismus ist wieder Thema, seitdem bekannt wurde, dass ein jüdischer Junge eine Berliner Schule deshalb verlassen musste (siehe etwa hier). Die Geschichte hat aber zunächst nicht in Deutschland für Aufsehen gesorgt, sondern schwappte aus dem Ausland zurück nach Deutschland. Und wie immer, wenn es um Antisemitismus geht, fragt sich die nichtjüdische Öffentlichkeit: »Wo kommt das her?« Ganz so, als sei das Phänomen neu. Zum Old School Antisemitismus in Deutschland, der sich häufig in abwertenden Kommentaren und Leserbriefen äußerte, manchmal in hässlichen Schmierereien auf jüdischen Friedhöfen und an Wänden von Synagogen, selten in körperlichen Attacken und sogar Morden, kommt seit einigen Jahren ein neuer Antisemitismus hinzu. Der ist Ausdruck und Teil einer schrägen Jugendkultur in der das Wort »Jude« an sich schon ein Schimpfwort ist. Diese Jugendkultur speist sich aus einem importierten plumpen Antisemitismus aus dem Nahen Osten. Oft transportiert durch Medien aus diesen Ländern. Dort gehört Antisemitismus noch zum guten Ton in der Medienwelt – nicht selten staatlich gefördert und nicht immer Ausdruck einer Überzeugung aller Menschen – aber die Propaganda verfestigt sich irgendwann. Das ist ein Antisemitismus, der sich durch Pöbeleien, Beleidigungen oder Übergriffe zeigt. Viele dieser Fälle wurden aber nicht als antisemitische Straftaten eingestuft, sondern als politisch motivierte Straftaten. Ein Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal wurde jüngst nicht als antisemitischer Vorfall eingestuft. Eher als sehr sehr physische Israelkritik.
Sogar ohne diese politischen Vorfälle, wurden 2015 nahezu 1.400 antisemitische Straftaten registriert. Dennoch fragt man sich regelmäßig: »Wo kommt das plötzlich her?« und »Was können wir machen?«
Eine Antwort könnte lauten: Lasst uns das Problem erkennen und dokumentieren. Im nächsten Schritt gehen wir dagegen vor.
Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) ist so ein Projekt. Hier kann jeder einen Vorfall melden, auch wenn er nicht angezeigt wird. Etwa Vorfälle wie diesen:

Am 12. Januar wurde vormittags ein Kippa tragender Mann auf der Karl-Marx-Straße in Neukölln unvermittelt von einem älteren Mann beschimpft. Der Betroffene wurde beim Überqueren der zu dieser Tageszeit stark belebten Straße, nahe des Neuköllner Rathauses, von dem Mann auf arabisch als „sharmota (dt. sinngemäß: Hurensohn) und „yahud“ beschimpft. Von den zahlreich anwesenden Passant_innen reagierte niemand. Der Betroffene ignorierte die Beschimpfung und setzte seinen Weg fort.

Auch für Hamburg wurde im Februar 2017 eine solche Meldestelle gefordert. Die CDU forderte »Juden müssen sich hier sicher fühlen«. Dafür sollte natürlich auch ein wenig Geld in die Hand genommen werden. Wenn die Gesamtgesellschaft ihre Verantwortung ernst nimmt, dann wäre es von der Forderung nach einer solchen Meldestelle ein kurzer Weg zur Umsetzung. In Hamburg war es jedoch nicht so. Dort beriet sich der Sozialausschuss und der Plan wurde nicht zur Umsetzung angenommen. Mit den Stimmen von SPD und Grünen. Die beiden (in Hamburg) regierenden Parteien waren der Meinung, eine »Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt« reiche aus. Dabei hat die einen anderen Fokus als der Vorschlag der CDU Hamburg.
Ist es die Furcht vor den Zahlen, die möglicherweise erhoben werden könnten?

Vor der Bundestagswahl ist das ein Hinweis darauf, wie ernst man den Kampf gegen Antisemitismus tatsächlich meint. Günstiger ist es natürlich zu sagen: »Woher kommt das nur?«

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Hamburg mit neuem- altem Rabbiner?

Wird das ein Modell auch für die Gemeinde der Stadt Düsseldorf? Das könnte man sich nach dem Weggang des beliebten Rabbiners Soussan fragen: In Hamburg besetzt die jüdische Gemeinde den vakanten Rabbinerposten mit einem Rabbiner der sowieso schon in der Stadt aktiv ist. Nämlich mit Rabbiner Schlomo Bistritzky von Chabad Hamburg, das vermeldet eine Nachrichtenseite von Chabad. In Düsseldorf hat sich Chabad ebenfalls gut etabliert und ist nicht einmal ein paar Schritte vom Gemeindezentrum entfernt. Interessant dürfte sein, wie es später in der Praxis ausschauen wird. Wird das Chabad-Zentrum schließen und die Gemeinde nun die Aufgaben übernehmen? Wird Rabbiner Bistritzkys Stelle durch einen anderen Abgesandten von Chabad ersetzt? Wie groß wird die Teilmenge sein?

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Strömungscopyright

In Hamburg gibt es eine Kehila Beit Shira, die sich als Jüdische Masorti Gemeinde bezeichnet. Nun steht Masorti (traditionell) gemeinhin für die konservative Bewegung. Häufig kann man die Zuordnung zu einer Gruppe, wie liberal, orthodox oder konservativ anderen gegenüber nennen, damit diese wissen, mit wem man es zu tun hat. Nicht immer bedeutet liberal zu sein, dass man auch einem entsprechenden Dachverband angehört. Weder als Einzelperson, noch als Gemeinde. Nicht immer passt das Verständnis des Einzelnen oder einer Gemeinde vom Wesen einer Strömung, mit dem Verständnis des Dachverbandes zusammen. Das gibt es im liberalen Umfeld ebenso, wie im orthodoxen.
Zurück zu Hamburg, der Masorti-Gemeinde:

Unsere Gemeinde gehört einem europäischen Dachverband an und repräsentiert das Judentum im Sinne von Masorti/Conservative Judaism.
von hier

Auf der Website der deutschen Masorti-Bewegung lesen wir auch:

Auf dieser Grundlage distanziert sich Masorti e.V. von Kehilat Beit Shira in Hamburg. Kehilat Beit Shira erfüllt diese Kriterien nicht und führt den Namen “Masorti Gemeinde” OHNE die Zustimmung von Masorti e.V. und trotz wiederholter Aufforderung, den Namen Masorti aus ihrem Namen zu streichen. Ebenfalls gehört Kehilat Beit Shira NICHT dem europäischen Masorti Dachverband “Masorti Europe” an.
von hier

Das scheint zunächst auf einen tiefer liegenden Konflikt hinzuweisen, auf den keine der beiden Parteien (löblicherweise) in der Öffentlichkeit eingeht, aber Potential scheint vorhanden zu sein. Es weist aber auch auf ein interessantes Phänomen hin: eine Strömungs(selbst)zuweisung wird zum Politikum und verlangt bei naiver Lesart scheinbar doch die Zugehörigkeit zu einem Dachverband. So wird es vermutlich nicht sein, denn man muss betrachten, dass die Hamburger Gemeinde erklärt, dass sie zu einem Dachverband gehöre. Nur zu welchem, wird nicht deutlich. Diese Erklärung macht dann aber die Gegenerklärung auf der deutschen Masorti-Website verständlich und plausibel. Oder?

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Hickhack in Hamburg

Eine Villa in Hamburg sorgt für eine Reihe von Verwicklungen. Zunächst warf sie jahrzehntelang ein recht ungutes Licht auf die GEW, nun fällt ein kleiner Schatten auf die jüdische Gemeinde.
Doch der Reihe nach: Die Villa an der Rothenbaumchausse 19 (nicht die schlechteste Hamburger Lage) befand sich bis 1935 in jüdischem Besitz und wurde in diesem Jahr für einen lächerlich niedrigen Preis für ein Lehrervereinshaus gekauft und nach 1945 der GEW zugesprochen und erst seit 2005 wurde überprüft, ob es nicht vielleicht doch Arisierung gewesen sein könnte, die dazu führte, dass die früheren Besitzer sich für einen recht kleinen Betrag vom Haus trennten. In diesem Jahr begannen auch die Diskussionen darüber, ob das Haus nicht ein geeigneter Ort für ein jüdisches Museum sein würde. 2006 wurde dann diskutiert, am Haus eine Informationstafel zur Geschichte anzubringen und 2007 wurde dann beschlossen, die Arisierungsthese sei doch nicht richtig und das Haus rechtmäßig in Besitz der GEW. Der gesamte Prozess wiederholte sich dann, mit einigen Änderungen in den Details, bis ins Jahr 2010 und jetzt -endlich- ist die GEW bereit, das Gebäude unter Preis zu verkaufen (also irgendwie moralisch handeln wollend und zugleich doch nicht anerkennend, dass es sich um Arisierung handelte). Und siehe da! Jetzt hat die Gemeinde den schwarzen Peter gezogen. Ein Investor wollte einspringen und die vergünstigte Immobilie kaufen und das Erdgeschoss mindestens zehn Jahre kostenlos der jüdischen Gemeinde überlassen. Die restlichen Stockwerke sollten an eine Akademie der Weltreligionen vermietet werden. Dies geschieht in Absprache mit der jüdischen Gemeinde und der Investor soll auch aus der Gemeinde kommen. Zunächst war Chabad Hamburg interessiert an einem Ankauf, die jüdische Gemeinde allerdings nicht an einem Verkauf an Chabad. Die Welt berichtete bereits darüber und auch die lokale Presse. Zu einem Artikel über den Nicht-Verkauf in der lokalen Presse, auf der Seite shz.de meldete sich allerdings nun Daniel Killy zu Wort, der von 2005 bis 2007 Pressesprecher der Jüdischen Gemeinde Hamburg war:

Der “jüdische Unternehmer”, der die immobilie “Ro 19” zum Schnäppchenpreis erwerben möchte, ist Burton Feingold, der Ehemann der stellvertretenden Gemeindevorsitzenden Karin Feingold. von hier

Das gibt der Sache natürlich einen anderen Dreh, wenn in der taz Chabad-Rabbiner Bistritzky sagt, die Sache sei nicht koscher. Im gleichen Artikel wird Ruben Herzberg, der Gemeindevorsitzende zitiert:

Auch Rabbi Bistritzky habe bei der GEW ein Interesse am Kauf der Villa angemeldet, sagt Herzberg. Er habe sie für sein Zentrum kaufen und mit seiner Familie selbst dort einziehen wollen. Mit der Vorstellung, dass streng orthodoxen Chabad-Leute in die GEW-Villa ziehen, sei er aber nicht glücklich gewesen. In Hamburg hätte es dann geheißen: “So sind die Juden”, sagt Herzberg. von hier

Hickhack in Hamburg eben.

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Unappetitlicheres Hamburg

Im September 2008 waren die Vorgänge in Hamburg unappetitlich, nun sind sie noch etwas unappetitlicher. Wie das Hamburger Abendblatt heute berichtete, hat man nun auch den ehemaligen Gemeindechef vor die Tür gesetzt. Das Argument ein ähnliches wie bei Rabbiner Barsilay. Dieser soll ja kein Rabbiner gewesen sein. Wankum soll dann angeblich kein Jude sein:

Herzberg: “Andreas Wankum ist kein Jude. Wir sind davon überzeugt, dass er unter falscher Flagge gesegelt ist.” Urkunden, die von der Gemeinde geprüft wurden, belegten, dass die Vorfahren von Wankum glaubenslos oder evangelisch gewesen seien. Auch übergetreten sei der Geschäftsmann nicht. Wankum war von 2003 bis 2007 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Hamburg sowie Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland. von hier

Müssen wir auch hier auf ein Wort der Orthodoxen Rabbinerkonferenz warten, die sich zur Causa Barsilay bisher nicht geäußert hat? Eines ihrer Mitglieder hat die Statusentscheidung gefällt…

:update: Stephan J. Kramer zur Causa Wankum hier, ein Interview Hamburger Abendblatts mit Wankum hier (mich persönlich macht es stutzig, wenn jemand auf die Frage Sind sie Jude antwortet Ich empfinde mich als Jude. Das ist ja kein klares Ja.) Ein Interview mit der Hamburger Morgenpost und der taz Artikel zum gleichen Thema.