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Die Lehre aus Halle?

Was könnte die Lehre aus dem Anschlag auf die Synagoge in Halle sein?
Der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff scheint da seine eigene Theorie zu haben.
Christina Feist, die während des Anschlags in der Synagoge von Halle war, hat auf Twitter vom diesjährigen Jom Kippur in der Synagoge von Halle berichtet (hier). Den »Thread« sollte man sich durchlesen, denn er ist nahezu exemplarisch für den Umgang mit lebendigem jüdischen Leben in Deutschland.
Nachdem die Delegation um den Ministerpräsidenten in das laufende Gebet geplatzt war und es deshalb unterbrochen werden musste, sagte dieser in einer kurzen Ansprache:

»Was letztes Jahr geschah, wäre nicht passiert, wenn es mehr Versöhnung gäbe.«

Der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff an Jom Kippur in der Synagoge von Halle Tweet von Christina Feist

Es wäre also an der Zeit, dass Jüdinnen und Juden endlich mal mit den »Deutschen« versöhnen?
Unerwähnt sollte nicht bleiben, dass anschließend (laut Tweet) ein christlicher Vertreter eine Ansprache gehalten hat und den Torahabschnitt von Jom Kippur ausgelegt hat.
Wer also erfahren möchte, dass es eventuell mit der Haltung der Mehrheitsgesellschaft ein Problem gibt, der sollte sich den Thread durchlesen hier (zusammengefasst auf einer Seite).
Man möchte fast Mitleid mit denen haben, die über den Besuch in der Synagoge berichten wollten. Das wären tolle Bilder gewesen. Jüdische Beter, festlich gekleidet, festliche Atmosphäre und in der Mitte der Landesvater, der zu den lieben jüdischen Mitbürgern spricht. Ach nein. Doch kein Mitleid. Jüdinnen und Juden sind keine Dienstleister.

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Eine Gemeinde weniger in der UPJ

Die Union Progressiver Juden in Deutschland muss mit einer Gemeinde weniger auskommen. Die Synagogengemeinde Halle übermittelte am 4. März der Union ein entsprechendes Kündigungsschreiben und kündigte an, nach Pessach den Bundesverband der Juden in Deutschland mitgründen zu wollen, der Gemeinden aufnehmen soll, die weder im Zentralrat der Juden noch in der Union Progressiver Juden Mitglied sein können. Das Schreiben nennt viele Gründe, die für ein Zerwürfnis zwischen der Union und der Synagogengemeinde Halle gesorgt hätten (und dokumentiert nahezu alles auf der Homepage). Darin geht es auch um die Anerkennung von Vaterjuden (was wiederum die Erklärung für einen Artikel in der Jüdischen Zeitung wäre) und die Vorgehensweise bei der Abstimmung zum Vorstand der Union. Laut Schreiben der Synagogengemeinde würden der Vollversammlung nur Wahllisten vorgelegt, aber es sei nicht möglich, aus der Vollversammlung heraus Vorschläge zu machen. Auch von steigenden Mitgliedsbeiträgen für die Union ist die Rede in dem Schreiben.

Mit dem Austritt trifft die Synagogengemeinde Halle die Union wohl nicht ins Mark, aber die Ankündigung eines neuen Verbandes dürfte die Situation interessant werden lassen.