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Limmud nicht koscher

»Limmud ist nicht koscher« sagt jedenfalls indirekt eine Gruppe von Rabbinern aus Großbritannien. Unter ihnen der recht einflussreiche Rabbiner und Dajan Chanoch Ehrentreu (wer die anderen Rabbiner sind, erklärt Kommentator Yankel Moshe unten). Damit positionieren sie sich eindeutig gegen den neuen britischen Oberrabbiner Ephraim Mirvis. Dieser hatte angekündigt, am britischen Limmud-Festival teilnehmen zu wollen.

Dann erschien das:
Limmud-Schreiben

[…]participation in their conferences, events and educational endeavours blurs the distinction between authentic Judaism and pseudo-Judaism and would bring about tragic consequences for Anglo-Jewry[…]

So wie es ausschaut, wird Rabbiner Mirvis dennoch teilnehmen und die Chance nutzen, zu Juden sprechen zu können, die sonst eben nicht in seiner Reichweite liegen. Weitere Mitglieder der orthodoxen United Synagogue dürften seinem Beispiel dann auch folgen. Die Rabbiner des unterzeichneten Schreibens hatten die Entscheidung zu akzeptieren.

Das dürfte wiederum bedeuten, dass sich auch in Deutschland nichts an der Teilnahme orthodoxer Rabbiner ändern wird – wenngleich Dajan Ehrentreu auch hierzulande respektiert und eingebunden wird. Immerhin ist er Rektor des Rabbinerseminars in Berlin. Die Dynamiken sind schlecht zu durchschauen. Offenbar geht es darum, dass versucht wird, klare Grenzen zu ziehen, während auf der anderen Seite versucht wird, durch Outreach auch Juden zu erreichen, die eine andere Auffassung von dem haben, was Judentum ist. Ein Streit den man bis zum Disput zwischen Rabbiner Samson Raphael Hirsch und Rabbiner Seligmann Bär Bamberger zurückverfolgen kann – jedenfalls in Grundzügen. Der Minikonflikt um das britische Limmud ist also Symptom für eine folgende Richtungsdebatte innerhalb der jüdischen Welt. Abkapselung oder Interaktion?