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Als Schmulik die beste Synagoge des Landes entdeckte

tallit_stapel

Schmulik schreckte hoch.
Er war jetzt hellwach. Er hörte absolut nichts.
Gar nichts.
Jetzt hörte er irgendwo das Flattern eines Vogels.
Gespenstische Ruhe lag über seiner Suite.
Die absolute Ruhe war dafür verantwortlich, dass er am frühen Morgen hochschreckte. Am Tag zuvor hatte noch Lena mit ihrem gleichmäßigen Schnarchen dafür gesorgt, dass Schmulik sanft weiterschlummern konnte. Sie war dann aber am Nachmittag abgereist. Obwohl das ein großes Wort ist. Schmulik hatte sie in ein Taxi gesetzt, dass sie für viel Geld nach München brachte. Die Ruhe, die Schmulik suchte, war nichts für Lena.
»Wir hören in uns hinein« hatte Schmulik angekündigt und für die Suite im Landhotel ein kleines Vermögen auf den Tisch gelegt.
Im Hotel hatte Lena hatte das gemacht, was Schmulik verlangt hatte – in sich hineingehört. Aber das war einfach nichts. Es war genau so ruhig, wie vor Schmuliks Suite.
Es antwortete niemand. Das war nichts für Lena. Sie verließ das kleine Städtchen. Es war wirklich sehr klein – aber sehr beliebt bei anderen »in-sich-hinein-hörenden« Gutverdienern. Zuletzt hatte Schmulik es mit Schloss Elmau versucht. Gebaut von jemandem, der meinte, nur durch Taufe sei mit Juden überhaupt irgendetwas anzufangen, war es heute regelmäßig Convention-Center der Anhänger des feuilletonistischen Judentums.
Da musste doch etwas dran sein?
War es nicht.
Warum musste man sich mit Kultur vom Pöbel unterscheiden, wenn man das hier schon über das Geld machte?
Und so landete Schmulik in diesem Kaff. Weiterlesen

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Mitgliederstatistik – noch weniger Mitglieder

Mitgliederstatistik der ZWST für 2014: Mitglieder der Jüdischen Gemeinden in Deutschland

Mitgliederstatistik der ZWST für 2014: Mitglieder der Jüdischen Gemeinden in Deutschland

Eine gewisse Dynamik ist zu erkennen – leider keine positive. Die jährliche Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden für das Jahr 2014 bestätigt den negativen Trend der vergangenen Jahre.
901 Mitglieder haben die Jüdischen Gemeinden gegenüber dem Jahr 2013 verloren. Von 2013 zu 2012 waren es 797 Mitglieder weniger. Davor 662 Mitglieder weniger. Bei einer kleineren Gesamtanzahl steigt also die Summe der Verluste. Die Tragik dieses Trends werden auch Nicht-Mathematiker erkennen.

Die wichtigsten Eckdaten direkt im Vergleich zu 2013:

2013 2014
Geburten 250 243
Sterbefälle 1244 1335
Übertritte 70 68
Austritte 418 528
Einwanderer 444 652
Auswanderer 150 169

Die Tabelle zeigt uns ein ganz interessantes Detail: Die Anzahl der Auswanderer ist nicht signifikant gestiegen. Trotz der schlechten Lage 2014 und der Massenauswanderung in Frankreich.

Hier eine Tabelle mit Zugängen und Abgängen. Bemerkenswerte Auffälligkeiten (positiv oder negativ) sind hervorgehoben. Potsdam verzeichnet ein Mitgliederwachstum von 6 Prozent und Saar eine Schrumpfung von 4%.

Mitglieder Zugang Abgang Prozent
Baden 5.282 748 627 2%
Bayern 8.923 125 328 -2%
Berlin 10.157 178 326 -1%
Brandenburg 1.082 49 32 [highlight]2%[/highlight]
Bremen 962 16 32 -2%
Frankfurt/M 6.753 245 331 -1%
Hamburg 2.481 78 107 -1%
Hessen 4.861 94 130 -1%
Köln 4.176 79 129 -1%
Meck-Pom 1.450 14 30 -1%
München 9.434 145 108 0%
Niedersachsen 6.993 91 170 -1%
Niedersachsen/lib 1.200 20 7 1%
Nordrhein 16.649 196 334 -1%
Potsdam 376 40 16 [highlight]6%[/highlight]
Rheinland-Pfalz 3.277 44 82 -1%
Saar 966 7 45 -4%
Sachsen 2.609 45 69 -1%
Sachsen-Anhalt 1.443 18 59 [highlight]-3%[/highlight]
Schleswig-Holstein 1.260 10 43 [highlight]-3%[/highlight]
Schleswig-Holstein lib. 713 37 20 2%
Thüringen 769 17 6 1%
Westfalen 6.583 92 227 -2%
Württemberg 2.939 50 81 -1%
Summe 101.338 2438 3339 -1%

Der Blick in die Zukunft ist über einen Blick auf die Altersstruktur möglich. 45% aller Gemeindemitglieder sind älter als 60 Jahre:

Alterrstruktur der Jüdischen Gemeinden 2014

Alterrstruktur der Jüdischen Gemeinden 2014

Die Arbeit an einer Bereitstellung einer kleineren und effektiven Infrastruktur müsste also langsam beginnen.
Als man optimistisch in die Zukunft sah, schuf man Infrastrukturen für wachsende Gemeinden. Die schrumpfende Gemeinden werden vermutlich nicht die gleichen Mittel aufbringen können, um diese Strukturen langfristig zu erhalten.

Anhand der Darstellung oben kann man ganz gut erkennen, dass die Gemeinden nun so viele Mitglieder haben, wie in den Jahren 2002/2003.

Alle Daten kann man in der Statistik der ZWST nachlesen.

Zitat

Fraenkelufer

»Keine Synagoge muss leer sein. Wo Leute die Initiative ergreifen, sich nicht bremsen lassen, dranbleiben, auch wenn es schwierig wird, da bewegen sie auch etwas. Und das spornt dann wieder andere an«, so Jonathan Marcus. Das sei der Schlüssel für ein lebendiges Gemeindeleben: aktiv sein von unten und nicht institutionalisiert von oben.

Jonathan Marcus zur Belebung der Synagoge Fraenkelufer in der Jüdischen Allgemeinen(hier)

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Wieder Neues aus Berlin

Am 27. Januar 2014 konnte über die neue Gemeinde Kahal Adass Jisroel berichtet werden. Diese ist unabhängig von der Einheitsgemeinde. Nur zwei Monate später gibt es eine weitere unabhängige Gemeinde. Die »Unabhängige Synagogengemeinde Berlin – Bet Haskala«, die sich ganz klar im Reformjudentum positioniert. Damit wären zwei große Pole des Judentums abgedeckt. Die Orthodoxie und das Reformjudentum.
Wenngleich es Reformangebote unter dem Dach der Einheitsgemeinde gibt, ist wohl der Kurs der Einheitsgemeinde ursächlich für die zweite Neugründung in diesem Jahr. Nun ist sogar der ehemalige Vorsitzende der Einheitsgemeinde Albert Meyer ausgetreten. Der Vorsitzende der neuen Gemeinde ist Benno Simoni.

Auf der Facebookseite der Initiative wird dies auch deutlich formuliert:

Facebook-Seite der Unabhängigen Synagogengemeinde

Facebook-Seite der Unabhängigen Synagogengemeinde

»Unabhängig von der Willkür übergeordneter Organe, Synagogengemeinde auch über den Schabbat hinaus, Berlin als Ursprung des Reformjudentums- unser Auftrag!« (siehe hier)

Die Frage ist offen, ob die neue Gemeinde dynamisch gewachsen ist, oder ob sie eine Struktur schaffen will für einen Inhalt, der erst noch hineingefüllt werden soll. Aber es ist ein starkes Symptom dafür, dass sich diejenigen, die aktiv sein wollen, nicht mit den Strukturen auseinandersetzen wollen, sondern sich andere Wege suchen. Für eine Gemeinde natürlich keine günstige Entwicklung.

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Weiter weniger Mitglieder

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden; Zahlen von der ZWST

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden; Zahlen von der ZWST

Die jährliche Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden ist da! Leider ist diese nicht besonders vielversprechend. Der Trend ist weiter negativ. Die Anzahl der Gemeindemitglieder geht weiter zurück.

Kurz gesagt: Von 102.135 auf 101.338 sank die Anzahl der Mitglieder. Das sind 797 Mitglieder weniger. Im Vorjahr waren 662 Mitglieder weniger. Es sind also wieder mehr weniger Mitglieder – um das einmal kompliziert zu formulieren. Weiter kratzen die Mitgliederzahlen also von oben an der Grenze von 100.000 Mitgliedern.

Die harten Fakten für 2013:

  • 250 Geburten und 1244 Todesfälle
  • 70 Übertritte und 418 Austritte
  • 444 Zuwanderer und 150 Auswanderer

Einer Geburt stehen also (leider) etwa fünf Todesfälle gegenüber. Übertritte sind natürlich kein Werkzeug, um die weitere Schrumpfung aufzuhalten. Eine Maßnahme wäre vielleicht eine Verminderung der Austritte.
Helfen, ohne etwas auf die Entwicklung auszuwirken, dürfte eine Anpassung der Infrastrukturen an kleinere Gemeinden sein. Viele wurden eingerichtet mit dem Blick auf die steigenden Mitgliederzahlen zwischen 1999 und 2004. Kleine Infrastrukturen dürften einfacher in ihrem Erhalt sein.
Kleine bis mittlere Gemeinden werden das vermutlich nicht durchhalten und jüdisches Leben wird sich auf bestimmte Zentren in Deutschland und Europa konzentrieren. Weniger auf viele kleine Gemeinden.

Die Altersstruktur spricht nicht für den Umkehr des gegenwärtigen Trends:
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JüdischesBerlin! Warum?

Innerhalb Deutschlands gibt es nur wenig Gemeindeblätter, die sich wirklich von der Masse abheben. Frankfurt hat ein hervorragendes, glänzendes, Magazin und Berlin hatte ebenfalls ein glänzendes, kurzweiliges Gemeindemagazin.
Dass man die Formate mit der Zeit ein wenig anpasst und Layouts an den Geschmack der Leser anpasst, versteht sich (hoffentlich) von selbst. Auch große Printmagazine unterliegen ja einer gewissen Evolution. Die Lesegewohnheiten der Zielgruppe ändern sich ja auch.

Nun hat Jüdisches Berlin die Gemeindezeitung/das Gemeindemagazin der Jüdischen Gemeinde Berlin gleich mehrere Stufen genommen und präsentiert sich vollkommen anders.

Bisher sah eine durchschnittliche Seite so aus:
jberlin_alt_uebersicht

Also eine leicht leserliche Serifenschrift, die Überschrift im Text. Text in vier Spalten – dreispaltig wäre vermutlich optimal gewesen. In diesem konkreten Beispiel steht der deutsche Text auf der gegenüberliegenden Seite.
Auf der Außenseite findet man die Seitenzahl mit der Nummer der aktuellen Ausgabe. So ist oben Platz für die zweisprachige Angabe dessen, was sich inhaltlich auf der Seite abspielt.

Das hat man nun geändert:
jberlin_neu

Das Layout ist nun zweispaltig und offensichtlich in Helvetica (und Arial) gesetzt. Die Seitenzahl steht dick unten auf der Seite. Hinzu kommt, dass der Text in den zwei Spalten nicht immer auf der gleichen Höhe liegt und dadurch ein wenig unruhig wirkt. Die Überschrift ist in blauer Schrift über die Spalte gesetzt. Zusätzlich ist man von einem Magazinformat (230×297) zum Format DIN A4 übergegangen. Natürlich muss dann natürlich auch der Satzspiegel nachgezogen werden. Die aktuelle Überarbeitung wirkt jedoch ein wenig radikal und macht einen weniger professionellen Eindruck als zuvor. Die Zeitschrift wirkte wertiger. Warum also die Umorientierung? Immerhin ist das eines der Gesichter, mit denen sich die Gemeinde präsentiert. Bei den eigenen Mitgliedern, aber auch nach außen.

Chabad Berlin hat vorgemacht, wie man ein DIN A4 Format mit Leben füllen könnte. Nicht sehr spektakulär, aber solide.

Falls es weitere Evolutionsschritte geben wird, wäre es vielleicht überlegenswert, einige Elemente des alten Layouts wieder zu reaktivieren?

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Rosch haSchanah – Rückschau

Shofar on Rosh haShanah - #roedelheim #machzor

An Rosch haSchanah ist auch Rückschau angesagt. Hier im doppelten Sinne. Auf das persönliche Rosch haSchanah und insgesamt auf das gesamte Jahr im Allgemeinen. Dass man am Ende des Jahres zurücksieht, ist ansonsten keine besondere Neuigkeit.
Man schaut, was das vergangene Jahr gebracht hat, aber man sollte nicht vergessen zu schauen, wo man vielleicht selber vollkommen daneben gelegen hat. Im Idealfall kommt man über diesen Weg darauf, was man im Folgejahr verbessern müsste. So baut man an sich selber weiter. Im Sinne von Rabbiner Josef Soloveitchik, der schreibt, dass Teschuwah ein aktiver Akt des Menschen sei. Der Einzelne erschaffe in diesem Prozess der »Teschuwah« ein vollkommen neues »Ich« und deshalb ist sie individuell.

Im schlechten Fall schreibt säuert man formelhafte Entschuldigungen zwischen Rosch haSchanah und Jom Kippur ab – über facebook, twitter oder per Mail »Ich entschuldige mich bei allen, denen ich bla bla bla«. Möglichst unpersönlich und wenig anlassbezogen.

Aber auch im größeren, organisatorischen, Rahmen: Was kann man verbessern und ändern? Wie kommen wir alle besser weg? Strukturelle Veränderungen?

Und wenn wir über strukturelle Veränderungen, mit Bezug auf das Judentum in Deutschland, sprechen, kommen wir um einen großen Spieler nicht herum: Chabad.
Deshalb habe ich die Aussicht darauf, einer von 10 Betern zu Schacharit in einer nicht so sehr kleinen Synagoge zu sein, kurzerhand gegen eine kleine Chabad-Synagoge eingetauscht.
Die kleine Synagoge war bis auf den letzten Platz besetzt und nahezu alle Beter machten aktiv mit und vermissten keinen Einsatz in den Pijutim oder sonst überall, wo Interaktion mit dem Vorbeter/Schaliach Tzibur gefragt ist. Es gab sogar Birkat Kohanim und bei Mussaf war ich der einzige, der nicht vollständig auf dem Boden kniete – obwohl dieser mit Teppich ausgelegt war. In den letzten Jahren wäre ich der einzige gewesen, der das gemacht hat und irgendwie kommt man sich dann doch freaky vor, wenn einen die anderen Beter fragend beobachten. Der Nussach Ari (Machzor zum anschauen) weicht in Bezug auf die Schmoneh Essre und Mussaf nicht gravierend vom aschkenasischen Ritus ab. Die Psukej de’Zimrah sind jedoch ein wenig verwirrend, wenn man mit einem aschkenasischen Machzor mitbetet.
Die Atmosphäre war dicht, dem Tag angemessen und offen. Deshalb war es kein Problem, sich unter die Stammbeter zu mischen. Durch die kleine Synagoge hatte alles auch irgendwie einen informellen Charakter – möglicherweise würde dieser in einem größeren Gebäude auch verloren gehen.
Kurzum: Als Beter fühlte man sich wohl. Sicher ist dies ein(!) Mosaiksteinchen des Erfolges von Chabad, aber natürlich ist eine solche Atmosphäre nicht nur durch Chabad oder den lokalen Abgesandten von Chabad, herstellbar.
Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, die Anwesenden würden dort ihre Zeit absitzen.
Ein angenehmer Beginn von 5774 – auch in der Rückschau.

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Berlin macht weiter

Dass es um die Stimmung in der Berliner Gemeinde nicht so sehr großartig bestellt ist, ist im jüdischen Deutschland so normal geworden, dass man gar nicht mehr genau hinhört, wenn Gegner und Apologeten der jeweiligen und aktuellen Gemeindeleitung berichten (in den eigenen Gemeinden gibt es oft ausreichend eigenen Ärger). Nun werden die Stimmen aber so laut, dass man schon einmal hinhört. Jetzt berichten auch die großen Medien in Deutschland über die Vorgänge in Deutschlands größter Gemeinde. Zu einer handfesten Auseinandersetzung ist es gekommen, eine Prügelei, über die offenbar auch im Ausland berichtet wurde.
Hintergrund? Es gibt finanzielle Probleme. Der Senat Berlins hat die Zuschüsse aus dem Staatsvertrag (5,5 Millionen Euro Personal) auf Eis gelegt. Die Gemeinde hat offenbar keinen aktuellen Wirtschaftsplan vorgelegt. Um überhaupt Gehälter auszahlen zu können, wollte der Vorstand ein Grundstück der Gemeinde beleihen. Ein Plan, der zumindest hinterfragt wurde. Auch weil man wohl wissen wollte, welches Grundstück denn genau. Im Verlauf der Abstimmung muss es dann zu den Tumulten gekommen sein und so betraten die Repräsentanten die Bühne der Weltpresse.
Zuletzt musste auch die Allgemeine Rabbinerkonferenz die Gemeinde daran erinnern, dass die Vorgänge keine inneren Angelegenheiten seien, sondern letztendlich auch auf die Gesamtwahrnehmung des Judentums zurückfielen. Der gesamte Brief ist hier dokumentiert. Ein Bericht der Berliner Zeitung hier.
Aber: Es gibt viele (jüdische) Aktive in der Stadt, die all das nicht beeindruckt. Längst nicht alle Juden sind übrigens auch Gemeindemitglieder.

So ging kürzlich die Initiative Hamakom an den Start (irgenwiejuedisch berichtete direkt), die sich für unterschiedliche Facetten jüdischer Identität und Kultur einsetzen und ein sinnstiftendes jüdisches Leben in Berlin erleben und erlebbar machen will. (Zitat von Website), daneben gibt es auch eine Initiative namens deghetto, die israelischen Netzwerke und natürlich viele kleinere Gruppen für verschiedene religiöse Zwecke. Dazu kommen die größeren Spieler, wie Chabad und Lauder. Ruhig ist es um die Gemeinde Adass Jisroel geworden, die keine öffentliche Förderung erhält. Es ist also überall dort lebendig, wo engagierte Leute sich engagieren dürfen. Berlin macht also weiter, während die Gemeinde augenblicklich noch Schlagzeilen macht.
Zusammen werden die Pfade wohl nicht mehr führen.

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Nach der Renaissance des jüdischen Lebens

Wenn man die jährliche Mitgliederstatistik der Jüdischen Gemeinden betrachtet, kann man eine gute Nachricht vermelden: Die 100.000 Mitgliederschwelle ist 2012 noch nicht unterschritten worden.

Von 102.797 auf [highlight]102.135[/highlight]. Das sind nur 662 Mitglieder weniger.
Im Vorjahr gingen 1227 Mitgieder verloren (von 2010 auf 2011).
Das negative Wachstum ist also abgeschwächt, aber noch vorhanden.
Gesamtstatistik 2012
Bemerkenswert ist die individuelle Betrachtung von Landesverbänden und Gemeinden. Hier gibt es Landesverbände, die weiterhin zulegen und welche, die in einem permanenten Schrumpfungsprozess stecken. Der Landesverband Baden etwa, wächst jährlich um zwei Prozent. Weitere Wachstumskandidaten sind Brandenburg (?), Nürnberg und der liberale Landesverband von Schleswig-Holstein. Negative Spitzenreiter sind Hamburg, Thüringen und Saar. Einige andere Landesverbände setzen ihren Minus-zwei-Prozent-Kurs fort. Westfalen-Lippe oder Würtemberg etwa.
Zugänge und Abgänge
Berlin bleibt ebenfalls interessant. Trotz eines gewissen Zores-Levels, wächst Berlin leicht. 112 Austritten stehen 249 Zuzügler aus dem Ausland, 99 aus anderen deutschen Gemeinden und 27 Übertritte gegenüber. 181 Todesfällen allerdings nur 17 Geburten (Frankfurt, München und Nordrhein sind fleißiger – bei weitaus weniger Mitgliedern).
Die Renaissance war 2004/2005 herum – mit einem Aufbau der entsprechenden Infrastruktur. 2006 war der Scheitelpunkt erreicht und nun müsste man sich vielleicht Gedanken machen, wie man trotzdem eine kleinere Infrastruktur schafft, die auch von kleineren Gemeinden aufrecht erhalten werden kann. Sofern die Notwendigkeit dafür besteht.
Alle Daten kann man in der Statistik der ZWST nachlesen.

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Rasant

Formulieren wir das mal mit politischem Vokabular: Wenn wir die Statistik der Juden betrachten, die Mitglieder einer jüdischen Gemeinde sind, müssen wir von einem deutlichen Negativwachstum sprechen. Die Rede ist nur von einem Prozent, aber in absoluten Zahlen ist es beeindruckender: Eine mittlere Gemeinde geht nun jährlich verloren. Von 104.024 im Jahr 2010 auf 102.797 im Jahr 2011. 2012 wird sicher den Trend nicht abschwächen:

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden in Deutschland

Mitgliederentwicklung der Jüdischen Gemeinden in Deutschland

Die Frage ist, ob die 100.000 Marke schon 2012 im negativen Sinne geknackt wird. Eine Wendung wird eher nicht eintreten, wenn man sich die Altersstruktur der Gemeinden von 2010 anschaut:

Wenn man den Prozess für einen Landesverband betrachtet, werden die Zahlen noch deutlicher. Westfalen-Lippe bietet sich an, weil er einige größere und kleinere Gemeinden im städtischen Umfeld umfasst, einige eher im ländlichen Randbereich und eine Gemeinde in einer absoluten Insellage (Münster):
Von 7008 Mitgliedern im Jahre 2009 auf 6789 Mitglieder im Jahre 2011. Vom Jahr 2009 auf das Jahr 2010 gab es ein negatives Wachstum von einem Prozent. In der Folgeperiode sogar von zwei Prozent. Rasant also. Für andere Landesverbände und Gemeinden nachzulesen in der Statistik der ZWST.
Wie wird es also weitergehen? Werden sich kleinere Gemeinden halten können? Welche, die vor wenigen Jahren erst gegründet wurden?

Sergio Della Pergola, Bevölkerungswissenschaftler an der Hebräischen Universität in Jerusalem, schätzt mit Blick auf die derzeitige Entwicklung des europäischen Judentums, dass über kurz oder lang nur noch Gemeinden mit rund 4.000 Mitgliedern eine realistische Überlebenschance haben. Bezogen auf Deutschland hieße dies: Lediglich Gemeinden wie Berlin, Frankfurt, München, Düsseldorf, Hannover und Köln wären auf der sicheren Seite. Julius H. Schoeps, Jüdische Allgemeine vom 19.11.2009

Einige Juden sind nicht in der Statistik erfasst. Wenn sie, aus verschiedensten Gründen, nicht Mitglieder einer jüdischen Gemeinde sind, dann tauchen sie auch nicht auf. Oder wenn die Gemeinde nicht Mitglied im lokalen Landesverband ist und somit auch nicht durch den Zentralrat der Juden in Deutschland repräsentiert wird. In Berlin leben vermutlich und ungefähr 18.000 Israelis. Die wenigsten dürften Mitglied der Gemeinde sein. In anderen großen Städten Deutschland trifft man zuweilen Israelis die länger in Deutschland sind, aber nicht Mitglied der örtlichen Gemeinde. Im Oktober hat sich übrigens ein Artikel in der Jüdischen Allgemeinen mit dem Phänomen beschäftigt (hier).