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Freiburg: Eine Synagoge wird entsorgt

In der Innenstadt Freiburgs soll ein Brunnen in Form des Grundrisses der ehemaligen Synagoge enstehen. Genau dort, wo die Synagoge bis zum 10. November 1938 stand. Bei den Bauarbeiten wurden dann Mauern der Synagoge im Boden gefunden. Was ab diesem Zeitpunkt passierte, ist ein Lehrstück dafür, wie eine Stadt nicht mit ihrem jüdischen Erbe und der lokalen jüdischen Gemeinde umgehen sollte.
Die Reste wurden während der Hohen Feiertage gefunden. Die Gemeinde sollte ihre Position während dieser Tage an die Stadtverwaltung übermitteln. Ein Treffen mit der Gemeinde sollte dann an Jom Kippur stattfinden. Schließlich beschließt die Gemeinde, dass die Mauerreste erhalten werden sollten. Die Stadt jedoch entscheidet anders und fährt fort mit dem Bau (die Jüdische Allgemeine fasst hier zusammen). Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon hat »emotional Verständnis für die Betroffenheit« der Gemeinde, sieht aber anscheinend keinen Handlungsbedarf. Das Mahnmal muss anscheinend zügig gebaut werden. Ausfälle auf Baustellen kosten Geld. Anscheinend auch gegen den Willen der jüdischen Gemeinde.
Ja, richtig gelesen: Mahnmal sticht lebende Juden.
Nun werden sollen die Steine sach- und fachgerecht (wie es in einem Zeitungsartikel dazu heißt) abgetragen werden um sie zu konservieren. Auf einem Video wird nun dokumentiert, wie vorsichtig und umsichtig das archäologische Fachpersonal dabei vorgeht. Die Reste der Synagoge werden einfach entsorgt:

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Freiburg ausgekühlt

Vor so gar nicht langer Zeit porträtierte eine Freiburger Lokalzeitung den neuen »coolen« Rabbiner der Gemeinde Freiburg. »Außergewöhnlich« sei Avraham Radbil (Artikel von damals hier) und die Titelüberschrift lautete Der neue Rabbiner ist cool.

Zuvor waren im gleichen Blatt viele unschöne Dinge über den alten Rabbiner zu lesen (siehe hier), teilweise so detailliert, dass man sich fragen musste, warum die Zeitung so berichtete, wie sie berichtete und wen das außerhalb der Gemeinde eigentlich interessieren sollte.

Dann folgte der neue Rabbiner. Ein Vertreter der modernen und jungen Orthodoxie. Der coole. Das ist vermutlich keine Übertreibung. Der Arbeitsvertrag von Avraham Radbil wird nun aber nicht verlängert.

Für die Zeitung sieht das Bild heute dementsprechend anders aus und die Berichterstattung beinhaltet nun nicht mehr nur einen kleinen Rückblick, sondern auch Andeutungen und Vermutungen: Gemeindemitglieder sprächen von »sehr unschönen Szenen«, »Spannungen zwischen Vorstand und Rabbiner« oder »von Abmahnung und angedrohter Kündigung ist die Rede« (von hier). Jemand habe gesagt, er habe gehört, wie jemand das irgendwo gehört hätte. Das sind vielleicht Dinge, die man nicht in die Öffentlichkeit bringen muss, wenn es nichts konkretes gibt.
Fragt sich, warum das Blatt so euphorisiert den neuen Rabbiner der Stadt feierte. Das Blatt selbst gibt die Antwort:

Damals wurde sein Dienstantritt unter anderem von der Vorsitzenden Katz publiziert und Radbils vielfältige Kompetenz auch presseöffentlich sehr gelobt, etwa, dass er dank mehrerer Studienabschlüsse und etlicher Sprachen, die er fließend beherrscht, viel zum gelingenden Gemeindeleben werde beitragen können.
von hier

Berichtet hatte damals das gleiche Blatt; nun wird aber nachgeschoben, wer die Euphorie in das Blatt brachte. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sich diese noch ein wenig gehalten hätte. Junge Rabbiner mit Programm gibt es nicht so sehr häufig.

[highlight]Update[/highlight] Die Jüdische Allgemeine vermeldete nun auch den Weggang aus Freiburg, aber auch den Wechsel nach Osnabrück (wie schon ein Kommentator wusste/vermutete).

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Neuer Transfer – Ruhe für Freiburg

Bleiben wir einfach in der Analogie zum Transfermarkt zur Bundesliga, wenn wir über die Gemeinden und ihre Rabbiner sprechen:

Ein neuer (kann man durchaus in zwei Lesarten verstehen) Rabbiner bringt jetzt etwas Sicherheit in die Israelitische Kultusgemeinde Freiburg, nachdem diese ihren letzten Rabbiner gekündigt hatte (siehe auch hier). Rabbiner Avraham Radbil (Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz) wechselt von Köln nach Freiburg und steigt in die großen Fußstapfen, die sein Amtsvorgänger dort hinterlassen hat. Ganz gleich, was man ihm hinterher nachgesagt hat insbesondere auch die Lokalzeitung, die äußerst ausführlich über die Angelegenheit berichtete. Diese titelt nun Der neue Rabbiner ist cool und porträtiert den jungen Gemeinderabbiner.

Dank an Yankel Moishe für den Hinweis!

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Unappetitliches Freiburg

Nach Hamburg stellt nun die Israelitische Kultusgemeinde Freiburg einen langjährigen Rabbiner frei. Wie die Badische Zeitung berichtet, habe es gravierende Unregelmäßigkeiten gegeben. Geschäftliche und religiöse. Rabbiner Benjamin Soussan – Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz -sei fristlos entlassen worden. Damit ist es das zweite Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz, welches gewisse Schwierigkeiten hat. Der Webmaster der Gemeinde war jedenfalls fleißig und hat jegliche Spur des ehemaligen Gemeinderabbiners getilgt. Dabei hieß es noch vor kurzer Zeit Unser Rabbiner Benjamin Soussan, Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz und Landesrabbiner von Baden, kümmert sich mit ganzem Herzen um die Freiburger (google cache). Hoffentlich einer der letzten Fälle.

Update: Die Jüdische Allgemeine hat den Fall in einer aktuellen Ausgabe ebenfalls beleuchtet. So heißt es:

Die ORD zeigt sich in einer Stellungnahme entsetzt über die Vorwürfe an Rabbiner Soussan und spricht von einer einseitigen Rufmordkampagne: Landesrabbiner Soussan sei ein ordentliches Mitglied der ORD und als Rabbiner anerkannt als Landesrabbiner bleibe er auch weiterhin im Amt.
Kampagne Noch schärfer reagiert in einer Pressemitteilung der Oberrat sämtliche Vorwürfe seien frei erfunden und entbehren jeglicher Grundlage. Die scharfe Reaktion von ORD und Oberrat erfolgte wohl auch darum, weil der Freiburger Streit via Badische Zeitung auch an die nichtjüdische Öffentlichkeit gelangte. von hier

und die Badische Zeitung kontert:

Was die Anerkennung Benjamin Soussans als Rabbiner angeht, so steht diese für die IRGB außer Frage: “Rabbiner Benjamin David Soussan ist anerkanntes Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz in Deutschland (ORD). Die IRGB anerkennt grundsätzlich alle Rabbiner der ORD.” Die ORD selbst spricht von Rufmordkampagne. Soussan ist Gründungsmitglied der ORD. Die Organisation existiert seit 2003. Seit Dezember 2010 ist Soussans Sohn Julien-Chaim im Vorstand. Dokumente, die die Vorwürfe widerlegen, wurden der BZ auch auf Nachfragen nicht vorgelegt. von hier

Weiter heißt es in dem Artikel

Drei Tage vor den BZ-Berichten hatte der Oberrat schriftlich den sogenannten Restvorstand der jüdischen Gemeinde der Vorsitzende Mikhail Kats war Mitte 2010 zurückgetreten gebeten, diese Vorwürfe nicht öffentlich zu machen und vorgeschlagen, sich auch im Interesse Soussans auf eine Abfindung zu einigen. Zitat: “So könnte es nach außen hin als normaler Übergang dargestellt werden.” Gegenüber der BZ erklärte Fuhl, von dem Plan, Soussan in den Ruhestand zu verabschieden, höre er zum ersten Mal. auch von hier

Wobei mir nicht vollkommen klar ist, warum die Badische Zeitung so sehr ausführlich über den Fall berichtet, der für den Großteil der Leser eigentlich von geringem Interesse sein dürfte.

Update 2 – zum Thema Aufmerksamkeit Die Frage nach dem Interesse für die Leser hat die Badische Zeitung mittlerweile beantwortet. Man berichte über die Vorgänge in der Gemeinde so, wie man auch über entsprechende Vorgänge in einer katholischen oder evangelischen Gemeinde berichten würde. Die angesprochenen Problematiken wären überall Thema und von öffentlichem Interesse.