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InDesign: Schriften verwenden ohne Installation

Unter culmus.sourceforge.net gibt es eine Reihe von frei verwendbaren hebräischen Schriften.
Das ist sicher auch für alle interessant, die InDesign nicht verwenden und mit Word oder anderen Programmen unterwegs sind.

Culmus Fonts

Für InDesign gilt aber: Es ist nicht unbedingt notwendig, diese alle zu installieren, wenn man sie für ein spezielles Dokument ausprobieren möchte. Es ist möglich, nur in einem Dokument mit einer Schrift zu arbeiten (oder mehreren Schriften).
Man muss dazu nichts konfigurieren, sondern legt einfach einen Ordner namens »Document fonts« in dem Verzeichnis an, in dem die InDesign Datei liegt (Mac und Windows):

indd Datei mit Ordner »Document fonts«

indd Datei mit Ordner »Document fonts«

Öffnet man nun die Datei, dann steht im Menü SchriftSchriftart ein zusätzlicher Unterordner zur Verfügung »Nur Dokument«:

Ordner »Nur Dokument«

Ordner »Nur Dokument«

Hier mit der Schrift Hillel CLM. Diese liegt im Ordner »Document fonts«. Es können auch weitere Schriften dort abgelegt werden.

Und die Schrift kann dann tatsächlich auch verwendet werden:
Schriftauswahl

Wie man hebräischen Text in InDesign verwenden kann, auch ohne ME Version, erfährt man hier.

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Viel verändert und dennoch nahezu unbekannt

Rafael FrankSeine Verdienste für die jüdische Welt sind nicht gering, dabei zählt er zu den deutschen Juden, die einiges bewegt haben, wenngleich auch nicht in religiöser Hinsicht. Die Rede ist von Rafael Frank. »Rafael wer??« möchten vielleicht einige fragen und da teilt er vielleicht das Schicksal mit vielen seiner, nur einem Fachpublikum bekannten, Kollegen. Rafael Frank ist nämlich der Schöpfer der allgegenwärtigen hebräischen Schrift Frank-Rühl. Nach dieser Schrift haben sich viele viele nachfolgende orientiert und auch die Schrift selber wurde in zahllosen hebräischen Publikationen verwendet. Während einer kleinen Recherche für die Auflistung der populärsten hebräischen Schriften bin ich darauf gestoßen, dass man dieses Wirken fast nirgends ausgiebig würdigt. Es existiert kaum eine Internetseite (eine kleine Ausnahme) auf der man sich eingehend über Rafael Frank informieren könnte, trotz seines Verdienstes für die Kultur des Judentums – was hiermit ja praktisch geändert wird.
Detailansicht der Schrift Er wurde am 11. März 1867 als drittes Kind der Familie von Gerson Frank in Ichenhausen (zwischen Ausgburg und Ulm) geboren. Wenngleich die Familie offenbar materiell nicht besonders gut gestellt war, so lernte er früh Klavier und Violine und wurde auf Drängen seines Musiklehrers nach München zum Musikstudium geschickt. Dieses jedoch musste Frank auf Drängen des Vaters aufgeben, er konnte es sich einfach nicht leisten. Statt dessen wurde er an ein Lehrerseminar in Köln geschickt und zum Religionslehrer ausgebildet. Nach Tätigkeiten in Neuss und Halle kam er in dieser Funktion schließlich nach Leipzig. Weil er während seiner Zeit in Köln seine musikalische Ausbildung nicht vernachlässigte und ein hervorragender Kantor war, erfüllte er in Leipzig die Funktion des Kantors und des Religionslehrers. Sein Interesse galt jedoch auch der hebräischen Sprache und der Kunst und so galt er schon als Autorität auf dem Gebiet des Schriftwesens als er in Leipzig seine Stelle antrat. So wurde er 1909 zwei christlichen Theologen der Leipziger Universität gebeten, eine hebräische Druckschrift zu entwerfen. Diese wurde dann in der Gießerei »Rühl« angefertigt.
Bei der Erschaffung der Schrift hatte er jedoch nicht nur ihre Verwendung für religiöse Schriften im Blick, sondern dachte bereits an die »zionistische Bewegung, die sich zur Befruchtung und Verbreitung der nationaljüdischen Idee des Mittels der hebräischen Sprache und Schrift bedienen will« wie er seinem begleitendem Werk »Über hebräische Typen und Schriftarten.« schreibt.
Im März 1920 erkrankte Rafael Frank schwer und starb im Alter von nur 53. Jahren.
Wie eingangs erwähnt: Seine Schrift hat jeder (der regelmäßig mit Hebräisch zu tun hat) bereits gesehen oder am Computer benutzt, dass der Schöpfer der Schrift nicht Frank Rühl hieß, wissen nicht viele, dabei ist sein Verdienst kein geringer.

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Gut gemeint aber nicht optimal gelöst

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz hat einiges bewegt, so konnte man hier kürzlich über einen neuen Machzor lesen, der rechtzeitig zu den Hohen Feiertagen fertig wurde und der, zu Recht, allgemeine Verbreitung finden wird. Ein neuer Siddur in gleicher Machart wurde angekündigt, vermutlich werden wir jedoch noch ein wenig darauf warten müssen, denn die Erstellung neuer Siddurim muss ja mit großer Sorgfalt entstehen. Immerhin muss man Respekt dem Leser gegenüber zeigen und dem heiligen Text mit dem arbeitet, zudem haben die modernen Nutzer hohe Ansprüche an Printpublikationen. Diese sind durch die zahlreichen Siddurim und Werke vom US-amerikanischen Markt geweckt worden.
Da überrascht es schon ein wenig, dass man diesen Standard unterläuft, wenn es um die Torah geht. Kürzlich fand das Büchlein Von Bereschit bara Elokim et ha Schama’im bis …ascher assa Mosche e’nei kol Israel seinen Weg in die Gemeinden. Es enthält die Paraschot der regulären Wochentagsabschnitte in einer Zusammenfassung und zwar Aufruf für Aufruf – es ist also eine notwendige Ergänzung für diejenigen, die sich kurz eine Übersicht über die aktuelle Paraschah verschaffen wollen und auch in nucem wissen möchten, worum es in der Haftarah geht. Einige Anmerkungen zum Text der Torah sind ebenfalls dabei. Eine ausführliche, tabellarische, Liste der Wochenabschnitte geht dem Ganzen voran. Eine Publikation also auf die man gerne zurückgreifen wird. Leider hält die Form nicht, was der Inhalt eigentlich verdient hätte und es entsteht schnell der Eindruck, das Heft sei eilig zusammengestellt worden, so finden sich einige Fehler die man auf den ersten Blick erkennt und das untergräbt leider etwas den Wert dem diese Publikation zukommen sollte.
Beginnen wir auf der letzten Seite. Dort endet der letzte Satz mit

Und G’tt sprach zu Moscheh: dies ist das Land, das ich Awraham, Jizchak und

nach und geht es nicht weiter, die nächste Seite in dem Büchlein ist schneeweiß und es endet damit.
Paraschah-Buch der ORT
Dazu ist der gesamte Text in Arial gesetzt, was nicht gerade zur Lesbarkeit der Texte beiträgt und es schaut auch nicht sonderlich beeindruckend aus. Einige Satzteile sind noch in Times New Roman, offenbar wurde dort einfach die Formatierung nicht umgesetzt. Auf eine Navigationshilfe wurde ebenfalls verzichtet, es gibt weder ein Inhaltsverzeichnis, noch eine Kopfzeile die darüber informiert, wo man gerade ist. Im Text tauchen Verweise auf Fußnoten auf, diese werden jedoch nicht wieder aufgegriffen. Im Unterkapitel Anmerkungen wird jedenfalls nicht auf die Fußnotennummerierung Bezug genommen; vermutlich stehen sie aber in Zusammenhang. Hebräischer Text wurde etwas unbeholfen in das Dokument eingefügt, so dass die Schreibrichtung den Rest der Zeile etwas durcheinander brachte
Detailansicht
und die Klammerung dementsprechend nicht mehr stimmt. Wer schon häufiger Dokumente mit Word und lateinisch-hebräischen Fonts verfasst hat, wird diesen Effekt vielleicht kennen.
Hinzu kommt der unterschiedliche Abstand zwischen den Überschriften welche die einzelnen Wochenabschnitte markieren:
Abschnittsüberschriften
Hinzu kommen einige Trennstriche mitten im Text, unterschiedliche Handhabung von Anführungszeichen und einige weitere Patzer die den Eindruck erwecken, hier wurde ein Dokument mit der heißen Nadel gestrickt. Bei einer Weiterverbreitung über das Internet bzw. pdf wäre das ja auch kein Thema, denn man könnte kurzerhand das Dokument einfach fehlerfrei abliefern. Von diesem jedoch wurde bereits eine nicht unerhebliche Zahl gedruckt und es wäre schön gewesen, wenn die Form dem Inhalt gerecht geworden wäre.
Bevor es heißt, ich könne mich nur darüber beschweren, aber es nicht besser machen, wäre hier mein Alternativvorschlag, den ich auch als Word-Template bereitstellen könnte:
Entwurf zum Paraschahbuch
Serifenschrift, eine passende und gefällige hebräische Schrift, Navigationshilfe in der Kopfzeile und Fußnoten direkt auf der entsprechenden Seite. Vielleicht ist Feedback ja erwünscht für eine eventuelle Neuauflage des Büchleins…