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Sehbefehl für diese Woche

Im Frühjahr lief die Serie auf arte und ich besprach sie hier; nun wird sie Freitagsabends in der ARD laufen (wer Schomer Schabbat ist, könnte die Folgen aufzeichnen) und somit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Wer ein wenig Russisch versteht, hat natürlich den Bonus, nicht auf die Untertitel achten zu müssen. Jedenfalls ergeht hier der Sehbefehl für eine der besten deutschen Serien der letzten Jahre! Die ARD hat eine Sonderseite erstellt, sie findet man hier.

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Einschalten und es läuft etwas über Judentum

Am Tag nach Jom Kippur (sollen alle gut eingeschrieben werden) ist es ganz gleich, wann man 3SAT einschaltet, es läuft immer etwas über das Judentum. Der 19. September ist Thementag über jüdisches Leben heute. Einige Filme, Dokumentationen (Programm hier). Natürlich meine ich, dass die Dokumentation Die Welt gehört Chaim (Beschreibung hier) den passendsten Titel hat tatsächlich wird ein Ausschnitt aus dem Leben eines charejdischen Jungen. Ein Highlight ist für mich das Konzert von Aviv Geffen, welches erst um 01:40 Uhr gezeigt werden wird. Natürlich läuft auch unvermeidlicherweise Alles auf Zucker (warum wird nicht Zores gezeigt?). Empfehlenswert ist aber unbedingt Alles ist erleuchtet (Offizielle Homepage hier), der um 22:25 Uhr läuft. Der Film ist schön fotografiert, stellenweise recht bizarr, aber eine großartige Geschichte.

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Ein Land sieht Marek zu

Ab morgen Abend kann das ganze Land zuschauen, wie Marek Gorsky, Sohn baltisch-jüdischer Einwanderer, in Berlin den Kampf gegen die russische Mafia in Berlin führt. Natürlich sind auch darunter einige Juden. arte Der Medienrummel ist enorm (Jüdische Allgemeine, FAZ, Die Welt, Der Tagesspiegel, Die Zeit, WAZ), selbst im Radio wurde für die Krimiserie geworben, die bereits auf der Berlinale gezeigt wurde und dort anscheinend gut ankam. Wie viele Zuschauer arte auf ihren Fernsehgeräten finden werden, ist unklar, aber bisher sieht es so aus, als würde mehr als eine Hand voller Zuschauer dem jüdischen Polizisten aus Berlin am Dienstagabend zusehen. Wenn Juden fiktionale Figuren in deutschen Fernsehproduktionen sind, ringen bei vielen kritischen (und zufällig jüdischen) Zuschauern hierzulande alle Alarmglocken. Wir sind also gespannt und warten darauf, was das Feuilleton (im Querschnitt) als Qualitätsfernsehen bezeichnet hat. Morgen, Dienstag 27. April 2010, 22.05 Uhr kommen die ersten beiden Folgen der Serie auf arte. Erst im Herbst in der ARD.
Alle Termine hier.

Update:
Update nach den ersten zwei Folgen: Eine, für deutsche Standards, sehr solide Produktion. Die Szenen waren erstaunlich schnell geschnitten, einzelne Szenen sogar situationskomisch, die Charaktäre nicht zu hölzern. Keiner der Akteure hat eine weiße Weste, auch nicht bei der Polizei. Dass der Polizist jüdisch ist, war eher ein Nebenelement und wurde in den ersten zwei Folgen nicht über Gebühr ausgeschlachtet.
Für deutsche Fernsehzuschauer dürfte es anstrengend sein, dass recht viel Russisch gesprochen wird und sie auf Untertitel angewiesen sind. Dankenswerterweise hat der Regisseur hier darauf verzichtet die Personen mit einem Pseudoakzent sprechen zu lassen, damit auch der letzte Zuschauer bemerkt Aha, ein russischer Mann. Statt dessen wir halt Russisch gesprochen. Einige Schauspieler nuscheln richtig (auch deutsche Sprechrollen), oder berlinern. Das ist nicht leicht zu verstehen, aber ein wenig authentischer. Schon jetzt zeichnet sich auch ab: Marek Gorsky ist kein Superheld. Auf mich wirkte er sogar ein wenig lemechhaft.

Einen Trailer gibt es auch:

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So ein Schlamassel

Am Freitag den 28. Januar steht den jüdischen Videorekordern (der Film läuft nach Schabatbeginn, am Freitag um 20:15 Uhr) vermutlich schlimmes bevor. Eine Produktion der Degeto für die ARD namens So ein Schlamassel kommt auf uns zu (Infos zum Film hier). Bisher konnte kaum eine allgemein gelobte Produktion über das Jüdische Leben in Deutschland auch nur ansatzweise das jüdische Publikum begeistern. Große Ausnahme bietet der nahezu (leider) unbekannte Film Zores (siehe auch hier). Die Geschichte von So ein Schlamassel ist im Prinzip schnell erzählt: Nichtjude trifft Jüdin. Liebe. Er gibt den Juden für die Familie. Familie trifft auf Familie. Alles wird gut.
Dazwischen wird natürlich jiddisch gesprochen (von Focus Herausgeber Helmut Markwort) und ein wenig ironielos geschaut, wie sich jüdische Familien in Deutschland wohl so verhalten.
Unvermeidbar also die Situation in der sich ein Nichtjude plötzlich im Mittelpunkt jüdischer Rituale sieht. Gut, dass es eine chassidische Lesbe gibt, die dem Mann die wichtigsten Eckpunkte erklärt. Damit ist er gegenüber Victor Buntspecht im Vorteil. Das ist der Mann, der in Die Abenteuer des Rabbi Jakob von Louis de Funs, ebenfalls in einer ähnlichen Lage ist.
Oder es kommt alles ganz anders und der Film zeigt auf amüsante Art und Weise, wie Juden in Deutschland leben (?)
Spannend ist, dass Drehbuchautor Daniel Wolf auch das Drehbuch für oben genannten, sehr famosen Film Zores geschrieben hat und auch mal das vorauseilend affirmative Verhalten gegenüber Juden aufs Korn genommen hat.