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Slichot

Seit Beginn des Monats Elul sprechen Sefardim Slichot und später stoßen auch die Aschkenasim dazu, genauer gesagt am Sonntagmorgen/Samstagnacht (09.09.2012).
Oben im Video kann man in einen sefardischen Ritus hineinhören.
Damit steuern wir immer weiter auf die Hohen Feiertage zu. Einen kleinen Erklärungstext zu den Slichot (von mir) gibt es in der Jüdischen Allgemeinen. Den Text kann man hier im Volltext lesen.

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Der Monat Elul

Der Monat Elul ist nun schon ziemlich genau in der Mitte angekommen. Zeit für einen Text, der in diese Zeit passt. Ich lasse also Franz Kafka zu Wort kommen. Genau die richtige Lektüre für die Zeit um die Hohen Feiertage:

Warum klagen wir wegen des Sündenfalls? Nicht seinetwegen sind wir aus dem Paradiese vertrieben worden, sondern wegen des Baumes des Lebens, damit wir nicht von ihm essen.
Wir sind von G-tt beiderseitig getrennt: Der Sündenfall trennt uns von ihm, der Baum des Lebens trennt ihn von uns.
Wir sind nicht nur deshalb sündig weil wir vom Baum der Erkenntnis gegessen haben, sondern auch deshalb weil wir vom Baum des Lebens noch nicht gegessen haben.
Sündig ist der Stand in dem wir uns befinden, unabhängig von Schuld.

Baum des Lebens Herr des Lebens.
Wir wurden aus dem Paradies vertrieben, aber zerstört wurde es nicht. Die Vertreibung aus dem Paradies war in einem Sinne ein Glück, denn wären wir nicht vertrieben worden, hätte das Paradies zerstört werden müssen.
Wir wurden geschaffen um im Paradies zu leben, das Paradies war bestimmt uns zu dienen. Unsere Bestimmung ist geändert worden, die des Paradieses nicht.
Nur die Menschen sind verflucht worden, der Garten Eden nicht.
Nach G-tt sollte die augenblickliche Folge des Essens vom Baume der Erkenntnis der Tod sein, nach der Schlange (wenigstens konnte man sie dahin verstehn) die göttliche Gleichwerdung. Beides war in ähnlicher Weise unrichtig. Die Menschen starben nicht, sondern wurden sterblich, sie wurden nicht G-tt gleich, aber erhielten eine unentbehrliche Fähigkeit, um es zu werden. Beides war auch in ähnlicher Weise richtig. Nicht der Mensch starb, aber der paradiesische Mensch, sie wurden nicht G-tt, aber das göttliche Erkennen. Aus den Oktavheften, Dezember 1917

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Schanah Tovah!

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Schanah Tovah allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs!

und weil auch in diesem Jahr der Beginn von Rosch haSchanah mit Beginn des Ramadan zusammenfällt, wünsche ich auch noch Ramadan Mubarak! Ich denke, es wird auch im kommenden Jahr, im Jahr der Schmittah, genügend Begebenheiten und Themen geben wird, über die hier geschrieben werden wird.
Die Paraschah Haasinu in der Torah
Direkt an die zwei Tage von Rosch haSchanah fügt sich der Schabbat Schuwah mit der Paraschah Ha’asinu an.
Eine Paraschah über die übrigens auch Franz Kafka schrieb. In seinen Tagebüchern heißt es für den 19 Oktober 1921 (die Woche nach Ha’asinu):

Das Wesen des Wüstenwegs. Ein Mensch, der als Volksführer seines Organismus diesen Weg macht, mit einem Rest (mehr ist nicht denkbar) des Bewußtseins dessen, was geschieht. Die Witterung für Kanaan hat er sein Leben lang; daß er das Land erst vor seinem Tode sehen sollte ist unglaubwürdig. Diese letzte Aussicht kann nur den Sinn haben, darzustellen, ein wie unvollkommener Augenblick das menschliche Leben ist, unvollkommen, weil diese Art des Lebens endlos dauern könnte und doch wieder nichts anderes sich ergeben würde als ein Augenblick. Nicht weil sein Leben zu kurz war kommt Moses nicht nach Kanaan, sondern weil es ein menschliches Leben war. Dieses Ende der 5 Bücher Moses hat eine Ähnlichkeit mit der Schlußszene der Education sentimentale.

Besprechung zu Haasinu Wer mehr über den großen Mann Mosche erfahren möchte, kann während der Feiertage, in müssiger Stunde gerne zur Jüdischen Allgemeinen greifen lesen, woher Mosche die Kraft hatte, angesichts seines Todes ein Lied zu dichten.
Wie Regen träufle meine Lehre, es riesele gleich dem Tau mein Spruch, wie Regenschauer auf das Grüne, wie Wolkengüsse auf das Gras. Ein Fels ist er, sein Tun vollkommen ist der poetische Beginn des 43 Verse langen Liedes von Mosche, das einen großen Teil der Paraschah ausmacht. Die Torah wechselt hier von der dritten in die erste Person. Zuvor wurde berichtet, erzählt und instruiert. Nun spricht Moses direkt zu den Kindern Israels, sowohl damals zu seinen direkten Zuhörern, aber auch durch die Torah direkt zu uns, den heutigen Lesern und Zuhörern in der Synagoge und am Schabbat Schuwah mag das noch eine viel gewichtigere Bedeutung haben! Feedback willkommen!
Mögen wir alle eingeschrieben werden in das Buch des Lebens!

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Schanah Tovah und Ramadan Mubarak!

Schanah Tovah!
Allen bekannten und unbekannten Leserinnen und Lesern dieses Blogs (und talmud.de) auch auf diesem Wege Schanah Towah!
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Und weil auch in diesem Jahr Rosch haSchanah mit Ramadan zusammenfällt, wünsche ich denjenigen die es betrifft deshalb auch Ramadan Mubarak!
Vielleicht gelingt es uns in den kommenden, wichtigen, Tagen auf gemeinsame Werte zu besinnen und diese herauszustellen. Im vergangenen Jahr habe ich versucht, die Wichtigkeit dieses Dialoges zu unterstreichen und die Ereignisse in den Fokus zu rücken, die dafür wichtig waren. Umso erfreuter war ich natürlich, dass mein Artikel über die Verleihung des Muhammad-Nafi-Tschelebi-Preises an Rabbiner Dr. Henry Brandt in der Jüdischen Zeitung und auf talmud.de, so gut rezipiert worden ist. Selbst in Israel konnte man offenbar darüber lesen.
Preisverleihung an  Rabbiner Dr. Brandt

Ich bewundere die observanten Muslime (kann man das so schreiben?), dass sie ihre Religion tatsächlich leben und das vollständig in ihren Alltag einfließen lassen. Sie zeigen das, selbstverständlich, auch nach außen und empfinden das nicht als ein belastendes Paket ihrer Vorfahren. Ich würde auch gern mit meiner Kippah auf die Straße gehen, leider geht das meist nicht, was wiederum an denjenigen liegt, die ihre Reliogon wohl besonders streng nehmen und mich deshalb nicht tolerieren können und angespuckt zu werden, hier einen der kleineren Zwischenfälle darstellt. Wann übernehmen endlich wieder diejenigen das Ruder und die bestimmen diejenigen das Alltagsbild, mit denen ich in dieser Dialogarbeit zusammengetroffen bin? Diejenigen, die möchten das man ihre Überzeugung ernst nimmt und deshalb auch andere Überzeugungen ebenso ernst nehmen und respektieren. Leider wird nur allzu bereitwillig der Platz freigeräumt für diejenigen, die am lautesten rufen und schreien. Offenbar ist es ein falsch verstandener Respekt der besonders gutmeinenden, wenn man seine eigenen Grenzen nicht zu ziehen vermag. Als ich vor einiger Zeit in einer Moschee eingeladen war, zu einer Trialog-Veranstaltung, um dort über meine heiligen Schriften zu referieren, war ich einer von drei Referenten. Ein junger Mann von der Moschee und eine Dame von einer theologischen Fakultät hier im Ruhrgebiet waren die anderen Referenten. Nach mir (wenn ich mich richtig erinnere), war die Dame an der Reihe, die über die heiligen Schriften des Christentums erzählen sollte. Leider hat sich das nicht getan, sondern sich fortwährend entschuldigt, dass man ja die Schriften des Judentums vereinnahmt habe und darüber erzählt, dass man sich der jüdischen Wurzeln der ganzen Sache bewußt geworden sein. Vermutlich fiel sogar der Satz Jesus war ja auch Jude (mein Tipp an christliche Leser: Vermeiden Sie solche Phrasen bitte- Danke!). Ihr ganzer Vortrag war eine einzige Entschuldigung. Von einer Grenzziehung oder von eigener Substanz keine Spur. Wir wissen doch aber, wie das mit den Zäunen und den Nachbarn ist. Letztendlich empfand ich das Gespräch mit den muslimischen Teilnehmern interessanter und bereichernder, weil sie sich der Grenzen genau so bewußt waren, wie der ähnlichen Alltagsprobleme die man hat, wenn die Religion jeden Bereich des täglichen Lebens durchwirkt.

Vielleicht schaffen wir es im kommenden Jahr 5767 den Schreihälsen weniger ein Forum zu geben als denjenigen die tatsächlich etwas wichtiges zu sagen haben und vielleicht lernen die Gutmenschen endlich zwischen Islam und Islamismus endlich zu unterscheiden und helfen somit uns allen die Konflikte tatsächlich zu lösen. Man muß dazu aber die Dinge beim Namen nennen: Selbstmordterroristen sind keine Widerstandskämpfer und terroristische Milizen sind keine Truppen irgendeines Landes das überfallen worden ist. Wenn man Juden auf der Straße anspuckt oder verprügelt, dann ist das kein soziokulturelles Problem von Jugendlichen, sondern tradierter Antisemitismus, den man auch so nennen darf. Man tut niemandem einen Gefallen, wenn man diese Dinge zugunsten eines Dialoges mit zugekniffenene Augen, unter den Tisch fallen lässt. Jemand anderer wird unsere Probleme nicht lösen. Reden wir mit denen, die auch reden wollen. Alle anderen wollen nicht Teil einer Gesellschaft sein, in der alle gleichberechtigt miteinander leben.
Übrigens verweist Velveteen Rabbiauf einen sehr guten Artikel über den Fastenmonat Ramadan: The tent of Abraham – The Meaning of Ramadan.

Im Buche des Lebens, des Segens, des Friedens und gesegneter Erhaltung mögen wir bedacht und vor dir eingeschrieben werden wir und dein ganzes Volk, das Haus Jisrael, zu glücklichem Leben und zum Frieden!