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Die jüdische Buchhandlung Jarden in Düsseldorf – ein Besuch

Düsseldorf – hier hat sich in den letzten Jahren eine große, aktive, jüdische Gemeinde gefestigt. Und wo es aktive Jüdinnen und Juden gibt, da muss es zwangsläufig auch jüdische Buchläden geben. Buchläden für Seforim.
Jarden ist so eine Buchhandlung.
Hinein kommt man, nachdem Doniel, der Besitzer, auf einen Knopf drückt und die Tür freischaltet. Sichtkontrolle. Das wars, leider notwendig.
In der Buchhandlung sitzen zwei jüngere Männer, trinken Tee aus Pappbechern und fragen, ob man Interesse hätte, am Minchah teilzunehmen. Keine Frage! Natürlich.

Auf meine Frage, was ein Tee kostet, winkt Doniel, der übrigens selber noch weit unter 40 ist, ab. Der Tee kostet nichts. Man könnte eine Münze in das Fach neben dem Behälter mit dem heißen Wasser werfen. Das sei eine Serviceleistung für Kunden.
Neben dem Tee gibt es natürlich noch Bücher. Weiterlesen

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Von Amsterdam nach Düsseldorf

von Ariel Palmon (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

von Ariel Palmon (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Rabbiner (Dajan) Raphael Evers aus Amsterdam (Jahrgang 1954) war seit 1990 Rabbiner in den Niederlanden und DAS Gesicht der niederländischen Juden in den dortigen Medien. Nun nimmt er eine neue Herausforderung an: Er wird Rabbiner in Düsseldorf. Am Dienstagvormittag unterzeichnete er seinen Vertrag mit der Jüdischen Gemeinde. Ein Vertreter der Gemeinde kam dafür nach Amsterdam.
Rabbiner Evers wird ab dem 1. September 2016 seine Arbeit aufnehmen.
Das scheint ein riesiger Schritt für den Rabbiner zu sein, denn er ist eng mit der Gemeinde in Amsterdam verbunden. Während seiner Tätigkeit dort hat er viel bewegt. Einige seiner Beiträge erschienen in den größten Tageszeitungen des Landes. Er gilt in der Gemeinde als jemand mit einem umfassenden Wissen über alles was das Judentum betrifft.
Nicht nur deshalb ist er seit 2008 Richter (Dajan) beim Europäischen Bejt Din. Damit dürfte Deutschland (und Düsseldorf) nun einen einflussreichen Rabbiner gewinnen. Vermutlich ein guter Fang für die Düsseldorfer.
Seine Frau Channa kehrt damit nun zurück in das Land aus dem ihre Mutter stammte. Die Mutter wurde nach der Pogromnacht von ihren Eltern in die Niederlande geschickt.

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Bejt Din für Nordrhein-Westfalen

Seit Januar gibt es in (und für) Nordrhein-Westfalen ein Bejt Din (ein rabbinisches Gericht). Eine entsprechende Mitteilung wurde heute (10. April 2016) veröffentlicht. Allerdings ist dieses Bejt Din kein Bejt Din von Gemeinden oder Organisationen, sondern mit Rabbinern mit verschiedenen Hintergründen besetzt sein. Einer von ihnen ist Rabbiner Chaim Barkahn, der in Düsseldorf Chabad aufgebaut hat. Derzeit dürfte er der dienstälteste Rabbiner in Düsseldorf sein. Seine Kollegen aus der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wechselten in den letzten Jahre einige Male. Wer die anderen Rabbiner sind, wird wohl nach Pessach offiziell bekannt gegeben.
Das Bejt Din hat angekündigt, sich mit allem zu beschäftigen, was ein Bejt Din so zur Aufgabe hat:
Scheidungen, Klärungen des jüdischen Status, Kaschrut-Aufsicht, monetäre Angelegenheiten sowie Konversion zum Judentum.
Die Neueröffnung eines neuen koscheren Restaurants in Düsseldorf in diesen Tagen (Rimon) steht schon unter der Aufsicht dieses Bejt Din.
Die 30.000 Juden des Bundeslandes könnten sich also nun an eine zentrale Anlaufstelle in Düsseldorf wenden und wären theoretisch nicht mehr darauf angewiesen, sich durch die Gemeinden und Gemeinderabbiner zu fragen – zumal nicht alle Gemeinden einen eigenen Rabbiner haben. Die Zusammensetzung soll wohl auch sicherstellen, dass kein Geschmäckle entsteht, wenn Gemeinderabbiner X sich mit seinem Gemeindemitglied Y beschäftigen soll, oder Jude X kein besonders gutes Verhältnis mit der Gemeinde hat, bei der Rabbiner Y angestellt ist. Das soll schon vorgekommen sein.

Ob die Gemeinden begeistert reagieren, wird sich zeigen. Jedenfalls müsste kein ad hoc Bejt Din mehr zusammengerufen oder organisiert werden – wenn Bedarf ist.
Gespannt darf man sein, welche Namen nach Pessach dann noch genannt werden und wie das die Entwicklung der Gemeinden insgesamt beeinflussen wird.

Praktische Information: Anfragen werden in deutscher, russischer, hebräischer, englischer und jiddischer Sprache entgegen genommen.
Zu erreichen wäre der Bet Din NRW Telefon 0211 – 514 4191, Fax 0211 – 514 4190 oder unter der Emailadresse bet.din.nrw@gmail.com

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Stillstand in Köln und Empörung in Düsseldorf

Düsseldorf und Köln. Traditionell keine große Städtepartnerschaft. Nun haben Kunstprojekte in beiden Städten mit Schoah zu tun. Zum Teil gelungen, zum Teil weniger gelungen.

Der Jom haSchoah der israelische Gedenktag an die Schoah ist eindrucksvoll und bewegend. Sirenen heulen und für zwei Minuten steht das Land still. Jeder gedenkt der Opfer der Schoah. Selbst wer im Auto unterwegs ist, steigt kurz aus.

Unter anderem in Köln findet das Festival Impulse statt, eine Theater Biennale, unter dem Dach des NRW KULTURsekretariats irgendwie. Die israelische Künstlerin Yael Bartana durchaus kein no name im Künstlerbetrieb wird ebenfalls performen. Am 28. Juni 2013 inszeniert sie ZWEI MINUTEN STILLSTAND in Köln. Lassen wir kurz die Beschreibung zu Wort kommen:

Inspiriert vom israelischen Gedenktag Jom haShoa, dem Feiertag zum Gedenken der Opfer und Widerstandskämpfer des Holocaust, ist Zwei Minuten Stillstand! ein politischer Akt, eine soziale Skulptur und kollektive Performance im öffentlichen Raum der Stadt Köln, die aktiv in das Projekt einbezogen ist, das vom Kölner Oberbürgermeister Roters ideell unterstützt wird.
von hier

Soweit, so interessant. Das alleinige Nachspielen eines Gedenktages mag nun vielleicht überambitioniert klingen. Tatsächlich steckt aber etwas mehr dahinter. Der Text weiter:

Denn Drittes Reich und Holocaust sind nicht nur historische Ereignisse sie haben weitreichende Wirkungen in unsere Gegenwart hinein: die Gründung des Staates Israel, die Besetzung der palästinensischen Gebiete, Flucht, Vertreibung in Europa und im Nahen Osten. Selbst die finanziellen Ungleichheiten in der EU sind vielfach noch immer Folgen des Zweiten Weltkriegs, so wie es Deutschlands Wohlstand ist.
von hier

Damit wird natürlich eine Argumentationskette bedient, die in Deutschland gerne verwendet wird: Schoah Installation Israels als Besatzer. Dann noch etwas Wirtschaftskritik dazu und fertig ist der Baukasten des israelkritischen Intellektuellen.

In Düsseldorf dagegen fliegen direkt richtig die Fetzen. In der Deutschen Oper am Rhein wird Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg derzeit aufgeführt und die Premiere sorgte für Furore. Der schwülstige Stoff, bei dem es um reine und die von Lust getriebene Liebe geht, wurde von Regisseur Burkhard Kosminski zunächst einmal vollständig dekonstruiert. Worum geht es so ungefähr? Wagner hat sich an Heinrich Heines Elementargeistern orientiert und die Geschichte des Venusbergs erzählt. Im Venusberg wohnt die Dame Venus mit ein paar Nymphen und Nixen und lässt sich dort angenehm feiern. Ganz unattraktiv ist die Dame wohl auch nicht und lockt durch ihre Schönheit Menschen zu sich. Dort können sie dann ihrem Sexualtrieb nachgehen und ordentlich feiern. Ohne die Hemmnisse jeglicher moralischen Ordnung. Ganz klar fallen sie danach aber trotzdem der Verdammnis zum Opfer. Tannhäuser, der Held der Oper, kehrt dennoch von dort zurück und soll bei einem Minnewettstreit über Liebe und Begehren singen. Er kennt das aus dem Venusberg, seine Mitstreiter haben jedoch nur von den Begriffen gehört. Sei Outing bringt ihn gesellschaftlich dementsprechend nicht weiter. Die Moralvorstellungen sind andere. Er büßt dann dafür mit einer Pilgerreise. Vergebung erhält er aber nicht. Dafür muss sich erst eine Frau mit ihrem Leben für ihn einsetzen.

Warum ich das erzähle? Weil dann vielleicht klar wird, war Regisseur Burkhard Kosminski da im Hinterkopf hatte. Er hat nämlich den Venusberg schonungs- und gnadenlos in die Zeit des Nationalsozialismus übertragen. Eine Umgebung, die gängige Moralvorstellungen aushebelte und den Akteuren das Gefühl gab, über ihnen zu stehen. Später dann die Nachkriegszeit: Andere Moralvorstellungen gelten. Der Einzelne muss sich (zurecht) rechtfertigen. Gnadenlos, weil der Regisseur dafür Gaskammern auf die Bühne bringt. Das hat direkt nichts damit zu tun, dass Wagner Antisemit war, sondern hat etwas mit der Übertragung des Stoffes auf ein konkretes Ereignis in der deutschen Geschichte zu tun. In der Adenauerzeit gelten andere Regeln als noch wenige Jahre zuvor. Gibt es dafür Vergebung? Wohl kaum!

Elena Zhidkova (Venus), Daniel Frank (Tannhäuser) -  Hans Joerg Michel/Deutsche Oper am Rhein

Elena Zhidkova (Venus), Daniel Frank (Tannhäuser) – Hans Joerg Michel/Deutsche Oper am Rhein

Dem medialen Echo kann man entnehmen (die meisten Artikel zum Thema sind fast wortgleich, Agenturmeldung nachgedruckt?), dass das Publikum erbost tobte. Wohl aber nicht, weil man sich um die Darstellung der Nazi-Opfer sorgte, sondern wohl, weil man das mit dem Tannhäuser nicht macht. Selbst der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wird dementsprechend von der ZEIT zitiert. Man tue Wagner unrecht. Wagner hätte mit der Schoah nichts zu tun gehabt. Das hat nur mit der Inszenierung der Oper nichts zu tun. Man hat ja Wagner keine SS-Uniform angezogen.
Das Publikum lehnt die Inszenierung ab, weil man daraus nichts hässliches machen darf. Die Sünde muss irgendwie prickeln.
Die einzige Frage die man stellen muss, lautet: Wurde das Anedenken der Opfer herabgesetzt?
Für Köln kenne ich die Antwort. Bei Düsseldorf bin ich mir unsicher.

[highlight]Update:[/highlight] Die Oper in Düsseldorf wurde abgesetzt (siehe etwa hier) – eine bedauerliche Entscheidung. Die richtige Entscheidung für die falsche Stadt in dieser Geschichte hier.

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Düsseldorf hat einen neuen Rabbiner

Es ist, als würde man mit dem Auto von der Einfahrt an die Straße heranrollen. Man schaut nach Links, man schaut nach Rechts und sieht ein Fahrzeug kommen. Dann wartet man, bis es vorbeigefahren ist, fährt raus und dann kracht von der anderen Seite der LKW ins Auto. Ich war vollkommen auf die Vermutung fixiert, dass das Hamburger Modell sich in Düsseldorf durchsetzt und der bereits vorhandene Rabbiner von Chabad Rabbiner der Stadt Düsseldorf wird. Nun hat die Jüdische Gemeinde aber genau dies nicht entschieden.

Er wird die Stelle ab 2012 nicht übernehmen. Das Amt wird Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky (Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz) bekleiden.
Rabbiner Vernikovsky wechselt damit aus dem beschaulichen Wuppertal (über 2000 Mitglieder aber keine Website?) in die große Gemeinde am Rhein.
Er wurde in Petach Tikwah geboren, kam als Jugendlicher aber bereits nach Berlin. Seine jüdische Ausbildung durchlief er dann aber wieder in Israel. Offenbar spricht Rabbiner Vernikovsky kein Russisch, die Betreuung der russischsprachigen Gemeindemitglieder verbleibt also vermutlich bei einem Rabbiner der einen russischen Hintergrund hat. Eine Überraschung.

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Jüdische Welten – das Filmfestival


Vom 11. bis zum 16. Dezember findet in Düsseldorf (wieder) ein jüdisches Filmfestival statt.
In diesem Jahr werden die Filme Fünf Tage ohne Nora, Hey hey its Esther Blueburger, Just Like Home, The Loners, Black Bus, Simon Konianski, Gainsbourg Der Mann, der die Frauen liebte und Jaffa (im Original ??? ???
) gezeigt. Dieser Film dürfte für eine interessante Diskussion sorgen. Viele der Filme laufen im Original mit Untertitel. Für Cineasten, die sich für jüdische Filme interessieren, also eine lohnenswerte Veranstaltung.

Alle Informationen und das Programm gibt es unter www.j-fd.de

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Neue Torah in Düsseldorf


In Düsseldorf wurde eine neue Torahrolle eingeführt.Chabad Düsseldorf hat am Sonntag die letzten Buchstaben durch die Spenderfamilie Tugendhaft in die Torahrolle schreiben lassen und sie dann in das Chabad-Bildungszentrum gebracht.
Die Großeltern bzw. Vorfahren der Familie Tugendhaft war eine in Düsseldorf ansässige Familie, die es nur zum Teil geschafft hat, der Schoah zu entrinnen. 50 Nachkommen der Familie nahmen an den Feierlichkeiten teil und widmeten sowohl Torah, als auch die Veranstaltungen Schaul Dov haKohen und Paka Tugendhaft.

Hier zeigte sich im konkreten Ergebnis, wie gut es die Rabbiner bzw. Schluchim von Chabad verstehen, Menschen für ihre Aktionen zu begeistern und sie so letztendlich auch davon überzeugen, sich finanziell zu engagieren. Das Rezept scheint kein geheimes zu sein, denn man kann ihrer Arbeit ja zusehen. Desto mehr verwundert es, dass andere jüdische Gruppen/Organisationen/Gemeinden dieses Konzept nicht für ihre eigene Outreach/Kiruv Arbeit nicht aufnehmen und beginnen, Interessierte zu sammeln und einzubinden. In Düsseldorf funktioniert das ohne riesiges Zentrum (wenngleich ein größeres entsteht), sondern von einer bescheidenen Basis aus.
Nach sorgfältiger Vorbereitung und unter Aufmerksamkeit, nicht nur aller Chabad Rabbiner Deutschlands, sondern nahezu aller (nichtliberalen) Rabbiner der Region, ein großes Event organisiert.

Düsseldorfs Rabbiner Julian Soussan

Düsseldorfs Rabbiner Julian Soussan

Zur Einführung kamen jedoch nicht nur die Rabbiner der Region, sondern auch interessierte Juden aus den umliegenden Städten und Gemeinden. Zum späteren Konzert mit Avraham Fried kamen auch ganze Gruppen aus Dortmund und Köln und diese bestanden zum größten Teil aus jüngeren Leuten. Hier spiegelt sich offenbar die Aktivität der Rabbiner in Dortmund, Düsseldorf und Köln wider, die einen guten Draht zu ihren jüngeren Gemeindemitgliedern haben und diesen für inhaltliche Arbeit zu nutzen wissen. Als der Name des Düsseldorfer Rabbiner Julian Chaim Soussan auf der Bühne fiel, brandete großer Applaus im Publikum auf und das war sicher kein Höflichkeitsapplaus.

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Torah für Düsseldorf

Gute Nachrichten aus Düsseldorf. Chabad Düsseldorf wird im November eine neue Torahrolle einführen. Chabad baut derzeit auch noch an einem großen Bildungs- und Familienzentrum. Eigenfinanziert, während die Jüdische Gemeinde Düsseldorf vor massivsten, ja existentiellen finanziellen Problemen steht (siehe hier die Darstellung in der Gemeindezeitung). Zwar gibt es Überschneidungen zwischen Einheitsgemeinde und Chabad, beide Organisationen entwickeln sich aber noch unabhängig voneinander. Während Chabad an Zentrum arbeitet, welches sich selber tragen muss, muss die Gemeinde wohl umfassend umorganisieren und sich vielleicht an diesem Modell orientieren. Am 14. November 2010 werden in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, die letzten Buchstaben in die Torahrolle eingetragen. Anschließen wird sich dann eine Parade mit Hakafot mit der Torarolle, sowie die Einführung der neuen Torarolle ins ChabadZentrum. Am Nachmittag wird Avraham Fried in der Stadt auftreten.

Einführung einer Torah in Düsseldorf

Eine vollkommen andere Beobachtung: Fällt jemandem der Fehler auf, der auf dem Plakat zur Einführung einer neuen Torahrolle gemacht wurde? Man könnte meinen, die Abbildung zeigt eine Nahaufnahme aus einer Torahrolle. Aber in einer Torahrolle hat der Name Achaschwerosch nichts verloren. Sieht also so aus, als hätte man da eine Megillah abgebildet.

Update: Bericht über die Veranstaltung hier.