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Chabad unter die Lupe genommen

Das Heer des Rebben

War Chabad vor einigen Jahren in noch ein Phänomen das deutsche Juden aus dem Ausland kannten (Wollen Sie Tefillin legen?), so sind heute zahlreiche Emissäre (die sog. Schluchim) von Chabad auch in Deutschland aktiv und das mit beachtlichen Erfolgen, während andere Bewegungen nicht richtig von der Stelle kommen, oder in weitaus kleinerem Maße wachsen. Sieht man von Lauder ab. In 15 Städten ist Chabad aktiv und weltweit tun etwa 4000 dieser Schluchim mit ihren gesamten Familien den Dienst.
Was ist das Erfolgsgeheimnis von Chabad? Warum kopieren andere Strömungen nicht einfach Teile davon? Wie finanziert sich Chabad? Was sind die häufigsten Vorwürfe gegenüber Chabad? Weiterlesen

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Neue Torah in Düsseldorf


In Düsseldorf wurde eine neue Torahrolle eingeführt.Chabad Düsseldorf hat am Sonntag die letzten Buchstaben durch die Spenderfamilie Tugendhaft in die Torahrolle schreiben lassen und sie dann in das Chabad-Bildungszentrum gebracht.
Die Großeltern bzw. Vorfahren der Familie Tugendhaft war eine in Düsseldorf ansässige Familie, die es nur zum Teil geschafft hat, der Schoah zu entrinnen. 50 Nachkommen der Familie nahmen an den Feierlichkeiten teil und widmeten sowohl Torah, als auch die Veranstaltungen Schaul Dov haKohen und Paka Tugendhaft.

Hier zeigte sich im konkreten Ergebnis, wie gut es die Rabbiner bzw. Schluchim von Chabad verstehen, Menschen für ihre Aktionen zu begeistern und sie so letztendlich auch davon überzeugen, sich finanziell zu engagieren. Das Rezept scheint kein geheimes zu sein, denn man kann ihrer Arbeit ja zusehen. Desto mehr verwundert es, dass andere jüdische Gruppen/Organisationen/Gemeinden dieses Konzept nicht für ihre eigene Outreach/Kiruv Arbeit nicht aufnehmen und beginnen, Interessierte zu sammeln und einzubinden. In Düsseldorf funktioniert das ohne riesiges Zentrum (wenngleich ein größeres entsteht), sondern von einer bescheidenen Basis aus.
Nach sorgfältiger Vorbereitung und unter Aufmerksamkeit, nicht nur aller Chabad Rabbiner Deutschlands, sondern nahezu aller (nichtliberalen) Rabbiner der Region, ein großes Event organisiert.

Düsseldorfs Rabbiner Julian Soussan

Düsseldorfs Rabbiner Julian Soussan

Zur Einführung kamen jedoch nicht nur die Rabbiner der Region, sondern auch interessierte Juden aus den umliegenden Städten und Gemeinden. Zum späteren Konzert mit Avraham Fried kamen auch ganze Gruppen aus Dortmund und Köln und diese bestanden zum größten Teil aus jüngeren Leuten. Hier spiegelt sich offenbar die Aktivität der Rabbiner in Dortmund, Düsseldorf und Köln wider, die einen guten Draht zu ihren jüngeren Gemeindemitgliedern haben und diesen für inhaltliche Arbeit zu nutzen wissen. Als der Name des Düsseldorfer Rabbiner Julian Chaim Soussan auf der Bühne fiel, brandete großer Applaus im Publikum auf und das war sicher kein Höflichkeitsapplaus.

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Hickhack in Hamburg

Eine Villa in Hamburg sorgt für eine Reihe von Verwicklungen. Zunächst warf sie jahrzehntelang ein recht ungutes Licht auf die GEW, nun fällt ein kleiner Schatten auf die jüdische Gemeinde.
Doch der Reihe nach: Die Villa an der Rothenbaumchausse 19 (nicht die schlechteste Hamburger Lage) befand sich bis 1935 in jüdischem Besitz und wurde in diesem Jahr für einen lächerlich niedrigen Preis für ein Lehrervereinshaus gekauft und nach 1945 der GEW zugesprochen und erst seit 2005 wurde überprüft, ob es nicht vielleicht doch Arisierung gewesen sein könnte, die dazu führte, dass die früheren Besitzer sich für einen recht kleinen Betrag vom Haus trennten. In diesem Jahr begannen auch die Diskussionen darüber, ob das Haus nicht ein geeigneter Ort für ein jüdisches Museum sein würde. 2006 wurde dann diskutiert, am Haus eine Informationstafel zur Geschichte anzubringen und 2007 wurde dann beschlossen, die Arisierungsthese sei doch nicht richtig und das Haus rechtmäßig in Besitz der GEW. Der gesamte Prozess wiederholte sich dann, mit einigen Änderungen in den Details, bis ins Jahr 2010 und jetzt -endlich- ist die GEW bereit, das Gebäude unter Preis zu verkaufen (also irgendwie moralisch handeln wollend und zugleich doch nicht anerkennend, dass es sich um Arisierung handelte). Und siehe da! Jetzt hat die Gemeinde den schwarzen Peter gezogen. Ein Investor wollte einspringen und die vergünstigte Immobilie kaufen und das Erdgeschoss mindestens zehn Jahre kostenlos der jüdischen Gemeinde überlassen. Die restlichen Stockwerke sollten an eine Akademie der Weltreligionen vermietet werden. Dies geschieht in Absprache mit der jüdischen Gemeinde und der Investor soll auch aus der Gemeinde kommen. Zunächst war Chabad Hamburg interessiert an einem Ankauf, die jüdische Gemeinde allerdings nicht an einem Verkauf an Chabad. Die Welt berichtete bereits darüber und auch die lokale Presse. Zu einem Artikel über den Nicht-Verkauf in der lokalen Presse, auf der Seite shz.de meldete sich allerdings nun Daniel Killy zu Wort, der von 2005 bis 2007 Pressesprecher der Jüdischen Gemeinde Hamburg war:

Der “jüdische Unternehmer”, der die immobilie “Ro 19” zum Schnäppchenpreis erwerben möchte, ist Burton Feingold, der Ehemann der stellvertretenden Gemeindevorsitzenden Karin Feingold. von hier

Das gibt der Sache natürlich einen anderen Dreh, wenn in der taz Chabad-Rabbiner Bistritzky sagt, die Sache sei nicht koscher. Im gleichen Artikel wird Ruben Herzberg, der Gemeindevorsitzende zitiert:

Auch Rabbi Bistritzky habe bei der GEW ein Interesse am Kauf der Villa angemeldet, sagt Herzberg. Er habe sie für sein Zentrum kaufen und mit seiner Familie selbst dort einziehen wollen. Mit der Vorstellung, dass streng orthodoxen Chabad-Leute in die GEW-Villa ziehen, sei er aber nicht glücklich gewesen. In Hamburg hätte es dann geheißen: “So sind die Juden”, sagt Herzberg. von hier

Hickhack in Hamburg eben.

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Torah für Düsseldorf

Gute Nachrichten aus Düsseldorf. Chabad Düsseldorf wird im November eine neue Torahrolle einführen. Chabad baut derzeit auch noch an einem großen Bildungs- und Familienzentrum. Eigenfinanziert, während die Jüdische Gemeinde Düsseldorf vor massivsten, ja existentiellen finanziellen Problemen steht (siehe hier die Darstellung in der Gemeindezeitung). Zwar gibt es Überschneidungen zwischen Einheitsgemeinde und Chabad, beide Organisationen entwickeln sich aber noch unabhängig voneinander. Während Chabad an Zentrum arbeitet, welches sich selber tragen muss, muss die Gemeinde wohl umfassend umorganisieren und sich vielleicht an diesem Modell orientieren. Am 14. November 2010 werden in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, die letzten Buchstaben in die Torahrolle eingetragen. Anschließen wird sich dann eine Parade mit Hakafot mit der Torarolle, sowie die Einführung der neuen Torarolle ins ChabadZentrum. Am Nachmittag wird Avraham Fried in der Stadt auftreten.

Einführung einer Torah in Düsseldorf

Eine vollkommen andere Beobachtung: Fällt jemandem der Fehler auf, der auf dem Plakat zur Einführung einer neuen Torahrolle gemacht wurde? Man könnte meinen, die Abbildung zeigt eine Nahaufnahme aus einer Torahrolle. Aber in einer Torahrolle hat der Name Achaschwerosch nichts verloren. Sieht also so aus, als hätte man da eine Megillah abgebildet.

Update: Bericht über die Veranstaltung hier.

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Die 50 einflussreichsten Rabbiner der USA

Die Newsweek hat eine Liste der 50 einflussreichsten Rabbiner der USA zusammengestellt. An der Spitze der Liste steht Rabbiner Yehuda Krinsky von Chabad, der eine ganze Reihe von Ämtern innerhalb von Chabad inne hat. Unter anderem ist er Director des Chabad-Verlages Kehot. An zweiter Stelle steht Eric Yoffie. Er steht der amerikanischen Reformbewegung vor. Auf den Plätzen 3 und folgende liegen allerdings nicht die Vertreter des konservativen Judentums und der Rekonstruktionisten, sondern viel mehr Rabbiner mit politischem Einfluss und einige modern orthodoxe Rabbiner. Allerdings liegt auch eine besonders hervorschillernde Person im Mittelfeld. Sharon Kleinbaum (Platz 25) ist Rabbinerin von Beth Simchat Torah, einer Gemeinde die von schwulen, lesbischen und transsexuellen Mitgliedern getragen wird. Insgesamt bildet sich also (fast) das gesamte Spektrum ab. Eine Ausnahme gibt es: Von den vielen Rebben der charejdischen Welt ist keiner dabei. Offenbar bleibt diese Welt in sich geschlossen und hat keinerlei Strahlkraft nach draußen. Die gesamte Liste ist hier.

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Der Kurs von Chabad in Bezug auf arabische Nachbarn?

Das Moment Magazine hat eine Kolumne, in der Rabbiner verschiedener Strömungen Antwort auf eine Frage geben, so kann man lesen, was Rekonstruktionisten, Reformer, Konservative, odern Orthodoxe oder Chabadrabbiner zu einer Fragestellung sagen. Ein interessantes Projekt. Nun wurde für die Mai-Juni Ausgabe gefragt, wie man mit arabischen Nachbarn umgehen sollte (hier):

How Should Jews Treat Their Arab Neighbors?

Für Chabad antwortete Rabbiner Manis Friedman:

The only way to fight a moral war is the Jewish way: Destroy their holy sites. Kill men, women and children (and cattle). von hier

Das verursachte einen Sturm der Entrüstung. In einem Blogeintrag versucht er, die Dinge etwas mehr ins rechte Licht zu rücken, lässt aber verstörte Leser zurück. Die Jewish Week aus New York brachte einen längeren Artikel über die Reaktionen (hier). Zumindest von offizieller Seite der Chabadbewegung hieß es, man sei nicht einer Meinung mit Friedman:

Chabad-Lubavitch headquarters said, We vehemently disagree with any sentiment suggesting that Judaism allows for the wanton destruction of civilian life, even when at war. [All] human life is G-d given, precious, and must be treated with respect, dignity and compassion. von hier

Hitzige Diskussionen brachen los, auch über das Menschenbild, dass der ganzen These zugrunde liegt. Vielleicht hätte man sich lieber den anderen Kommentatoren der ursprünglichen Anfrage zuwenden sollen. Mit der Bekanntheit des Falles steigt auch der Beifall und die Zustimmung von falscher Seite, aber auch die Einsicht, dass man vielleicht genauestens hinsieht, wenn man einen knappen Kommentar der Öffentlichkeit übergibt…