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Mit einem Boykott zwei Gruppen schädigen

So wie es aussieht, wird der Boykott Israels so langsam konkret. Die Grundsteine sind gelegt – es wird eine Kennzeichnung israelischer Produkte mit konkreter Herkunft geben. Das macht es den Hassern einfacher, die Produkte zu meiden.
Aber vermeiden die nicht ohnehin alle jüdischen oder israelischen Produkte?
Richtig gelesen. Jüdisch. Die Zeit hat die politische Korrektheit mal Korrektheit sein lassen und hat getitelt: »Obst aus jüdischen Siedlungen wird markiert.«

Die Vorgehensweise der EU-Handelskommission ist mir jedoch noch nicht ganz klar:

  • Entweder hat die Kommission bereits alle gravierenden Probleme der Europäischen Union und der dort lebenden Verbraucher gelöst, wonach es aber derzeit nicht ausschaut, oder
  • die Kommission hat priorisiert und das allerwichtigste Problem identifiziert: Israel.
    Der europäische Verbraucher muss die Möglichkeit haben zu erkennen, ob ein Produkt innerhalb der Vor-1967-Grenzen hergestellt wurde, oder nicht. Ich weiß nicht, welchen Nachteil der Verbraucher hat, wenn die Möhren und Kartoffeln aus israelischer Erde 100 Meter weiter links oder 100 Meter weiter rechts kommen.

Bei landwirtschaftlichen Produkten aus dem Westjordanland kann es natürlich sein, dass sie durch die Hand arabischer Arbeitern gepflückt wurden.
Kann es etwa sein, dass die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström die Verbraucher davor schützen will, nichts mehr aus arabischer Hand essen zu müssen?
Das wäre doch unvorstellbar. Man stelle sich einmal vor, man riefe dazu auf, nichts mehr aus jüdischer Hand zu essen.
Obwohl, wartet mal, hat die EU-Kommission jetzt nicht beide Fliegen mit einer Klappe geschlagen?

Wenn die Verbraucher in Zukunft nämlich tatsächlich Produkte aus den Gebieten meiden, die gemeinhin als besetzt gelten, dann wird es in diesen natürlich wirtschaftliche Probleme geben. Die Firmen werden ihre Produktion entweder woanders aufbauen müssen, oder aufgeben. Es gibt Schätzungen, nach denen etwa 77.000 Palästinenser für israelische Unternehmen arbeiten. In Kernisrael und im Westjordanland. Das ist eine sichere Einkommensquelle und auch ein Ort, an dem sich jüdische Israelis und arabischer Palästinenser zusammenarbeiten und das nicht für einen Hungerlohn.
In der Konsequenz werden diese Menschen ihre Arbeit verlieren und die sicheren Einkommen werden den Familien fehlen. Neue Arbeit wird sich schwer finden lassen. Die Lage wird somit eher schwieriger als besser.
Aber ist das nicht toll für den europäischen Verbraucher? Er kann mit einem Einkaufswagen zwei Gruppen nachhaltig schädigen.

Das ist nicht deren Absicht? Warum dann wird die Kennzeichnung nicht auch für andere Länder eingeführt?
Zypern? Tibet? Transnistrien? Krim? Abchasien? Westliche Sahara? Süd-Ossetien?

Wer die Sache eines palästinensischen Staates aufrichtig unterstützt, dürfte sich also nicht über die jüngsten Aktivitäten freuen. Denn es geht nicht um die Unterstützung eines solchen Staates neben dem israelischen. Es geht gegen den Staat Israel.
Das ist ein großer Unterschied.

2013 war das hier übrigens auch schon einmal Thema

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Boykott? Gute Idee!

Hallo zionismuskritische Aktivisten,
Hallo BDS,
Hallo Boykottfreunde,

wie zu lesen war, fruchten Eure Bemühungen so langsam. Selbst die deutsche Regierung erwägt eine Markierung von Artikel die, Eurer Meinung nach, von Israel besetzt gehalten werden. Diese Maßnahme erleichtert natürlich den Boykott dieser Waren ungemein. Immerhin sollen ja die kritischen Verbraucher nicht auf die Idee kommen, Waren aus Israel oder sogar aus den besetzten Gebieten zu kaufen. Denkbar ist übrigens eine App, mit der man EAN-Codes einscannen kann. Die App würde zunächst zwei Stufen vorsehen: Zionistisches Produkt: Ware kommt aus Israel und Apartheidsprodukt – Ware kommt aus dem Westjordanland. Für die nächste Version kommt dann noch die Stufe Jüdisches Produkt – Finger weg. Die Hersteller könnten mit Israel sympathisieren.

Made in Israel

Made in Israel

Stellt Euch einmmal vor, Ihr setzt Euch durch und die Maßnahme greift wirklich?! Was ja durchaus realistisch ist, denn man könnte man sich ja über den Einkaufswagen auch gleich für die Beschneidung revanchieren.
Wenn Euch das gelänge, dann würdet ihr der Intifada einen riesigen Anschub geben. Denn wenn keiner mehr die Produkte kauft, müssen ja die Fabriken und Unternehmen ihre palästinensischen Arbeitnehmer entlassen und die bleiben dann ohne Geld. Sie können ihre Familien nicht mehr ernähren und sind dann endlich vollkommen auf die Infrastruktur militanter Islamisten angewiesen und dann geht es richtig rund. Eine Zivilgesellschaft, die auf vernünftige ökonomische Verhältnisse angewiesen ist, kann man ja unter diesen Umständen nicht aufbauen. Und das wollt Ihr ja vermutlich auch nicht. Eine Demokratisierung der Verhältnisse würde wahrhaftig nur dafür sorgen, dass sich Israel irgendwie mit einem ordnungsgemäßen Verhandlungspartner einigt und einen Kompromiss eingeht.
Wenn Ihr den vollständigen Aufstand wollt (was man der Formulierung die Besetzung und Kolonisation allen arabischen Landes beendet durchaus entnehmen könnte), dann ist das der Weg, den man einschlagen sollte. Klar, wird sich die soziale Situation der meisten Familien rapide verschlechtern. Aber es geht hier doch ums Prinzip, oder? Man muss auch bereit sein, Opfer für höhere Ziele zu bringen.
In diesem Sinne: Ran an die Einkaufswagen!