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Reaktionen auf Antisemitismus-Bingo

Der Anschlag von Halle jährte sich fast gerade und nun kam in Hamburg ein weiterer Übergriff auf einen Synagogenbesucher hinzu. Die Herausforderung für die Politik war dementsprechend groß: Wie würde man adäquat darauf reagieren? Die Herausforderung lautete: Darauf reagieren ohne die Phrasen »ein Angriff auf uns alle«, »wehret den Anfängen«, »… darf nicht toleriert werden« zu verwenden. Dieses Mal war eigentlich etwas konkretes gefordert. Leider war es dieses Mal wieder Phrasenzeit. Phrasen, die eigentlich hinlänglich bekannt sein sollten – sollte man meinen. Also Jüdinnen und Juden kennen sie. Deshalb wird es Zeit für eine vereinfachte Version von Bingo (Spielplan kann man sich unten herunterladen).

Jüdinnen und Juden können dieses Bingo spielen, indem sie die auftauchenden Phrasen markieren. Natürlich sind sie im Vorteil, sie haben das alles schon sehr oft gehört. Die Regeln sind gelockert. Wer vier Kästchen markiert, hat verloren und kann sicher sein: Hier wird konkret überhaupt nichts passieren. »Ein Angriff auf uns alle…« hat den Status »Ultraabgegriffen« und zählt doppelt.

Politikerinnen und Politiker können dieses Bingo spielen, indem sie schauen, welche Phrase in ihrer Rede auftaucht. Hat man einen Treffer, dann wird dringend empfohlen, entweder ehrlich zu sagen: »Ich weiß jetzt auch nicht weiter« oder lieber etwas konkretes zu tun. Wenn das nicht geht: Warten, bis einem etwas einfällt.

Zu Hamburg noch ein Satz

Für Hamburg wurde im Februar 2017 eine Meldestelle für antisemitische Vorfälle gefordert. Die CDU forderte »Juden müssen sich hier sicher fühlen«. Dafür sollte natürlich auch ein wenig Geld in die Hand genommen werden. Wenn die Gesamtgesellschaft ihre Verantwortung ernst nimmt, dann wäre es von der Forderung nach einer solchen Meldestelle ein kurzer Weg zur Umsetzung. In Hamburg war es jedoch nicht so. Dort beriet sich der Sozialausschuss und der Plan wurde nicht zur Umsetzung angenommen. Mit den Stimmen von SPD und Grünen. Die beiden (in Hamburg) damals regierenden Parteien waren der Meinung, eine »Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt« reiche aus. Dabei hat die einen anderen Fokus als der Vorschlag der CDU Hamburg (siehe Post von 2017 dazu: Gegen Antisemitismus? Ach nö Digga).

Update

Über Twitter (Danke @SexyKroellwitz) gab es noch eine Ergänzungen:
»…ist ein Weckruf…«, »…war ein Alarmzeichen…«, »… in unserer Stadt ist für Antisemitismus kein Platz…« und »…Versöhnung…«. Diese Punkte sind in Version 2 eingegangen. Die gibt es unten ebenfalls zum Download_

Bingo herunterladen? Kann man hier: