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Heeb und Berlin und die deutsche Provinz

Da kommen wir der Sache schon näher, aber wir bleiben im Metabereich. Fabian Wolff, dessen Rezension von Der gefrorene Rabbi ich schon angemerkt habe, dass sich da was aufgestaut hat, darf im Heeb Magazine nachlegen und er gibt sich Mühe, auch kräftig auf den Tisch zu hauen, damit man ihm zuhört:

But there is certainly no real sense of Jewish identity in Berlin, that is, beyond religion and nightmarish memory. The Jewish culture is at worst jocular, at best, spectral. Its painful but, at least, I live.
von hier – heeb magazine

Sich in Berlin zu beschweren, ist schon Klagen auf allerhöchstem Niveau, denn hier in der Provinz besteht folgendes Problem nicht unbedingt

Problem is: There are not that many actual Jews around to satisfy all Hebrew needs auch von hier – heeb magazine

Aaußerhalb von Berlin – in der richtigen Diaspora, scheint an einigen Orten zu gelten: Je weniger desto besser. Einige Akteure leben ganz gut damit, dass man sie hofiert und beobachten wachsam, dass andere Juden sich nicht zwischen das wärmende Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit und die eigene Person schieben. Das macht es aber auch für diejenigen Nichtjuden, die ein Interesse an der Entwicklung des Judentums haben und sich freuen, dass es wieder wächst, übersichtlicher.
So sind alle zufrieden – mit Ausnahme von denjenigen, die das Problem erkannt haben, welches Fabian Wolff für Berlin beschreibt. Lass Dir gesagt sein, Fabian: Es geht schlimmer.

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Berlin: Es könnte weitergehen

Wie man auch mit wenigen Menschen eine lebendige Gemeinde schafft, zeigt Rabbiner Joschua Spinner in Berlin. Er kam nach Berlin, vermisste jüdisches Leben und baute es deshalb einfach auf. Das ist, überspitzt und äußerst knapp dargestellt, die Geschichte von Rabbiner Spinner und der Arbeit von Lauder in Berlin.
Hier erschien heute ein Artikel über die Arbeit von Rabbiner Spinner in Berlin. Nahezu 200 Mitglieder kann Lauder zählen:

There are about 200 believers now and it’s growing fast: There are several weddings a year and the nursery school has become so overcrowded that parents have to register their children soon after birth if they want to get one of the coveted spots. von hier

und es sind keine passiven Gemeindemitglieder, sondern jene, die sich bewusst für diesen Weg entschieden haben. Outreach war auch hier der Schlüssel zum Erfolg.
Hier ist der Film zum Artikel:

Dank an den Shabbes-Goi für den Hinweis, Dank an Yankel für den Hinweis auf den kurzen Film

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Limmud ist die neue Jahrestagung

Früher war die Jahrestagung der Union Progressiver Juden ein Event, dass man eigentlich nicht verpassen durfte, wenn man wissen wollte was in Deutschland an aktuellen Entwicklungen passiert. Wer zuhause blieb hatte möglicherweise sogar das Gefühl etwas verpasst zu haben. Da kamen Einladungsmails, man verabredete sich locker, man traf sich, man diskutierte, man knüpfte Kontakte und man hatte Spaß.
Heute weiß ich nicht einmal mehr, wann die Veranstaltung ist. Tatsächlich ist sie immer zum gleichen Termin. Im Juli: 09. Juli – 12. Juli 2009 (hier).
Übermorgen beginnt Limmud Deutschland, mit mehr Aufwand angekündigt (wenngleich nicht perfekt, aber eine stetige Verbesserung ist zu spüren), mit einem riesigen Programm und einer Auswahl von Gebeten, die man üblicherweise nicht mal in den großen Städten vorfindet:
Programmausriss Schacharit Schabbat Limmud

Da wird getwittert, gefacebookt und hoffentlich auch geflickrt . Und: Die Veranstaltung ist ausverkauft. Keine Plätze mehr verfügbar und alle reden darüber. Die Euphorie ist spürbar und die Berichte vom letzten Jahr waren durchweg positiv. Von der Jahrestagung war da schon keine Rede mehr. Noch weniger hörte man vom Tarbut-Kongress auf Schloss Elmau. Der war wohl so eine Art Limmud (das es ja in Großbritannien schon viel länger gibt) für die oberen 10 000 der deutschen und schweizerischen Gemeinden. Keine Homepage, keine große Öffentlichkeitsarbeit und große Nähe zur Münchner Gemeinde. Das stellt zumindest teilweise sicher, dass man keinen Vertretern irgendwelcher anderer Strömungen begegnet als der Orthodoxie (einen Bericht habe ich hier gefunden). Limmud wird der stärkere Motor sein, denn hier wurden Vernetzungspotentiale erkannt und genutzt. Diejenigen, die am innerjüdischen Austausch interessiert sind, werden Limmud wahrscheinlich der Jahrestagung vorziehen und so das Spektrum der Jahrestagungsteilnehmer etwas eindämmen auf Mitglieder der progressiven Gemeinden. In der Vergangenheit traf man dort ja nicht ausschließlich auf Mitglieder dieser Gemeinden oder Gruppen.
Vielleicht wird man das Netz nutzen um diejenigen zu informieren, die neidisch zuhause bleiben wollen/müssen/sollen… und so auch die Energie von Diskussionen und Prozessen ein wenig verstärken und länger erhalten.