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Chabad nearby – So geht Digitalisierung

Die App Chabad Nearby – Kathmandu

Chabad ist fast schon synonym mit »überall vorhanden« – wie andere bekannte Franchise-Unternehmen. Du weißt, dass du ein Zentrum von Chabad »irgendwo« finden wirst und wenn Du eines kennst, weißt Du, was dich erwartet. Immerhin gibt es so ungefähr 4.500 solcher Zentren weltweit. Das können ganz kleine Wohnungen eines Schaliach, Gesandten, von Chabad sein, oder wirklich große Komplexe wie in Berlin oder gar riesig in Dnepropetrovsk. Und auch diejenigen, die nicht die Philosophie von Chabad teilen, sind hier und da froh, wenn ihnen jemand mit Matzot helfen kann, oder weit weg von zuhause etwas hejmisches anbieten kann.
Natürlich ist Chabad auch an Outreach interessiert, also daran, neue Zielgruppen und Interessierte zu erschließen. Um auch hier die Hürde niedrig zu halten, gibt es nun »Chabad Nearby«. Eine App für Smartphones. Diese kann entweder über die Standortbestimmung des Telefons, oder über manuelle Eingabe, ein Chabad-Zentrum in der Nähe finden und anzeigen. Entweder auf einer Karte, oder in einer Liste. Hat man eines gefunden, kann man sich alle Details anzeigen lassen. Ansprechpartner (mit der Möglichkeit direkt Mails zu versenden), Einrichtungen oder Veranstaltungen. Veranstaltungen sind nicht für jedes Zentrum in Deutschland gepflegt, aber die großen Zentren haben zahlreiche Veranstaltungen eingetragen:

Detailansicht mit Ereignissen in der App Chabad Nearby

Einige (der größte Teil) der Zentren in Deutschland haben keine vollständige Adresse eingetragen, so dass die App in Deutschland sehr ungenau ist. Für die größeren Städte passt es, aber Chabad Essen wird auf einem Golfplatz angezeigt. Das stimmt vermutlich nicht. Für das Ausland sieht es schon besser aus. Für die leichtere Kontaktaufnahme ist nicht nur die Telefonnummer angegeben, sondern auch die Ortszeit.
Zum einen ist es erstaunlich zu sehen, wo die Bewegung überall präsent ist, zum anderen hilft die App, einen Ansprechpartner zu finden. Für Reisende jedenfalls ein sehr hilfreiches Werkzeug. Großartig wäre eines solche Anwendung für jüdische Gemeinden. Wer unterwegs ist, müsste nicht erst im Internet aufwändig recherchieren. Übrigens wäre auch hier Chance recht groß, an ein Zentrum von Chabad zu geraten – denn auch bei google sind die Zentren ganz gut platziert. Aus dem Projekt »Shulshopper«, welches leider nicht mehr online ist, hätte sich eine solche App entwickeln können. Bei »Shulshopper« konnte man Synagogen und Gemeindezentren eintragen und zugleich auch bewerten, wie gut einem der Besuch gefallen hat. Das machte es möglich, schnell zu recherchieren, welche Gemeinde es in welchem Ort gibt.

Keine Ahnung, wie viel Budget in die Entwicklung der App investiert hat, aber sie kann sich sehen lassen.

Die App gibt es für iOS und Android.

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Abschalten

Vorbereitungen für Schabbat
Immer online. Dass man sich darüber überhaupt noch Gedanken macht, ist schon vollständig altbacken.
Das muss man jetzt gar nicht bashen. Informationen und Benachrichtigungen sind jederzeit und nahezu überall verfügbar. Das, was über facebook, twitter und feedly eintropft kann nützlich sein – wenn man die Quellen vernünftig zusammengestellt hat und nicht ständig Selfies in der Timeline hat.
Derartiges kann natürlich auch eine Verweigerungshaltung auslösen. Ein »Zurück-zum-Telefon-ohne-Zusatzfunktionen«. Kann man machen, aber es hält den Fortschritt nicht auf. Eine andere Seite dieser Medaille ist die Rückkehr zur Haptik. Die Vernetzung und die schnelle Übermittlung von Informationen, die Möglichkeit schnell Gleichgesinnte finden zu können, bringt neue Offline-Medien hervor. Der Markt mit Magazinen (also gedruckten) wird vielfältiger. Immer mehr spezielle Themen werden behandelt und immer aufwändiger wird die Produktion. Hochwertiges Papier, schöner Druck. Etwas für die Hand.

Man muss dem also nicht vollständig den Rücken kehren, wenn man das Gefühl hat, man muss mal raus aus der ganzen Geschi. Jüdinnen und Juden kommt es entgegen, dass man einmal in der Woche (von Freitagabend bis Samstagabend) die Möglichkeit hat, den Fokus ein wenig zu verschieben. Jetzt könnte man ein brennendes Plädoyer für den Schabbat schreiben, der eigentlich weniger ein Tag off ist, als vielmehr eine Erinnerung daran, dass G-tt der Schöpfer der Welt ist. Ein Plädoyer soll das hier aber nicht werden. Nur ein Satz dazu – von Abraham Jehoschua Heschel: Der Blickwinkel verändert sich von der »world of creation« zur »creation of the world«. Es geht an einem Tag nicht darum, selber produktiv zu sein.
Dass man offline geht, ist ein interessanter Nebeneffekt. Natürlich bedeutet das, dass man plötzlich ablenkungsfrei ist.
Dazu gibt es nun sogar ein Hilfsmittel für das Telefon. Die Friday App sagt dir am Vorabend des Schabbat Bescheid, nicht über eine religiöse Schiene, sondern eher säkularisiert. Die App scheint auszulesen, wann in der Umgebung des Besitzers die Sonne untergeht und erzeugt entsprechend 30 Minuten vor Sonnenuntergang eine Push-Nachricht.

Friday App - Sonnenuntergang

Friday App – Sonnenuntergang

Öffnet man die App, hat man die Möglichkeit, sich mit einem Text auseinanderzusetzen:
Unplug
Ein Archiv der Texte gibt es übrigens hier.

Anschließend wird der Bildschirm schwarz und das Telefon schläft (man kann es natürlich jederzeit wecken). Rund wird die Sache aber nur, wenn man die Datenfunktion seines Telefons deaktiviert oder es gleich vollständig ausschaltet.

Ein nettes Werkzeug, wenn man sich vorgenommen hat, mal etwas kürzer zu treten, aber es dann doch nicht macht weil der Impuls fehlt. Hier also zunächst eine ausdrückliche Empfehlung. Für beides: Einmal ein paar Stunden offline zu bleiben und es sich vielleicht mit der App etwas einfacher zu machen. Erschreckend ist es dann, wenn man nach einem Tag wieder online geht und das Gefühl hat, man habe nichts verpasst. Das ordnet vielleicht viele kleine Dinge wieder etwas anders ein…

Nichtjuden könnten den Sonntag wählen – allerdings ohne smarte App…

Bild oben: Vorbereitung zum Kiddusch im Haus des Baal haBlog. Mit Rödelheim-Siddur – der heute eine besondere Nostalgie ausstrahlt, wird er heute doch kaum noch verwendet.

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App für die Mesusah

Nützlich! Mehr müsste man eigentlich nicht sagen.
Wie der Zustand des Pergaments einer Mesusah ist, ob man für eine Tür eine Mesusah überhaupt benötigt und wie man sie dann befestigt, das erklärt interaktiv eine recht neue App namens Mezuzah Guide:

meusah_guide_screenblog

Der Funktionsumfang geht so weit, dass man mit der Kamera des iPhones oder des iOS-Geräts die Tür erfassen kann und auf dem Bildschirm die optimale Position der Mesusah angezeigt bekommt.

Die App ist kostenlos, aber für den Sofer, der sie herausgebracht hat, ist sie ein neuer Vertriebsweg. Die App kann die Bestellung neuer Mesusot bei ihm, Rabbiner Jitzchok Raskin, anschieben. Die Internetseite findet man hier machonstam.com. Dort findet sich allerdings kein Hinweis auf die App.

Wer demnächst mal die Mesusot überpüfen will, oder überhaupt über eine nachdenkt, findet hier ein sehr nützliches Werkzeug.

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Not, Tugend und Talmud?

Koren digital edition

ArtScroll hat seine Talmud App für iOS Geräte auf den Markt gebracht. Diese bringt den Talmud von Artscroll auf Mobilgeräte und soll zugleich das Lernen erleichtern. Jeder Talmud-Band der Schottenstein-Ausgabe wurde dafür digitalisiert. 73 Bände gibt es. Jeder Band kostet als App $13,99. Zusammen kostet der gesamte Talmud für die iOS Geräte also schlappe $1021.27 und wenn ich das Betriebssystem wechsele, oder ein anderes Tablet oder Mobilgerät, dann habe ich keinen Zugriff auf meine Tausenddollar-Talmud-Bibliothek. Um zwischendurch mal in das Meer des Talmuds zu tauchen, sicherlich nicht uncharmant. Aber irgendwie scheint die Variante auf Papier im dekorativen Einband etwas mehr Charme zu haben. In das Buch kann ich auch nach einem Umzug hineinschauen. Ärgerlich natürlich, wenn man zuhause wenig Platz hat.
ArtScrolls neuer Konkurrent/Marktbegleiter, der Koren-Verlag hat mit seiner neuen (und großartigen) Talmud-Ausgabe, dem Steinsaltz-Talmud, direkt große Käuferschichten erschlossen, aber auch von Beginn an eine App für das iPad angekündigt. Die ist bisher nicht gekommen. Warum ist nicht ganz klar.
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