Artikel

Ihre Sendung wurde antizionistisch geöffnet

Kassenzettel statt Geschenk

Es schadet nicht, rechtzeitig vor Chanukkah noch Sendungen aus Israel nach Deutschland auf den Weg zu bringen. Das dachte auch die Freundin von F. Also packte die Freundin ihr kleines Chanukkah-Geschenk ein, zusammen mit zwei Kinderbildern. Dann ging der Umschlag auf den Weg.

In Deutschland freute sich F. auf den Umschlag. Als er dann endlich eintraf, klebte auf dem Umschlag ein Aufkleber des Zolls in Frankfurt und war zudem in eine Plastikhülle eingepackt. Das kann passieren. Wer häufiger Sendungen aus dem Ausland erhält, weiß, dass der Zoll vereinzelt in Sendungen hineinschaut. Das ist in der Regel auch kein Problem. Zuweilen klebt auch ein mehrsprachiger Hinweis auf der Umverpackung. Der informiert darüber, dass die Sendung beschädigt wurde und deshalb von der Deutschen Post neu verpackt wurde. Auch dies ist meist recht freundlich von der Post.

Auf F. wartete jedoch eine ganz besondere Überraschung zu Chanukkah. In Deutschland muss jemand das eigentliche Geschenk gegen ein Mickey-Maus-Heft und drei Tankquittungen aus Norddeutschland getauscht haben. Denn diese Dinge steckten nun, zusammen mit den Kinderbildern, in dem Umschlag Alle vier Sachen mit Botschaften bekritzelt die sich offensichtlich gegen den Staat Israel richten:

»Ask Laws – Den Haag – Holland« und »§ Ask land crimes« steht etwa auf den Zetteln. Es ist also offensichtlich, dass die neue Füllung des Umschlags aus Deutschland stammt und sich inhaltlich gegen den Staat des Absenders richtet. Umso absurder erscheint es, dass die Post nach einer Mailanfrage eine Standardantwort versendet, in der es heißt, dass internationale Sendungen nicht überprüft werden könnten. Eine telefonische Anfrage von F. beim Internationalen Sendungszentrum in Frankfurt brachte ebenfalls nichts. Die Person am anderen Ende der Leitung legte einfach auf. Kurzum: Die Post möchte sich nicht darum kümmern, hat aber anscheinend ein Problem, wenn irgendwo zwischen zollamtlicher Abfertigung und Zustellung Dritte sich einfach am Inhalt von Sendungen zu schaffen machen und für besondere Chanukkah-Geschenke sorgen. Eigentlich ein kleiner Skandal.

Disclaimer: Die Deutsche Post fertigt jeden Tag unfassbare viele Sendungen ab – in der Regel auch zur Zufriedenheit der Empfänger. Das ist bekannt und steht außer Frage.

Artikel

ARD strahlt Antisemitismus-Doku aus

Die Bildzeitung zur Antisemitismus-Doku

Jetzt läuft sie doch, die Antisemitismus-Dokumentation für arte und WDR »Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa« – die zunächst zurückgehalten wurde, um dann von der BILD geleakt zu werden. Übrigens zog arte zwischenzeitlich den Nutzungsvertrag zurück, so dass nur noch der WDR übrig ist. Auf bild.de konnte man sich die Doku 24 Stunden lang anschauen – zudem berichtete die Zeitung, für ihre Verhältnisse, ausführlich über den Inhalt der Doku.
Die BILD wird sich das sehr genau überlegt haben. Nicht aus Gründen der Courage, sonder viel mehr aus juristischen Gründen. Aber offenbar konnte sich die BILD das durchaus leisten. Die Aufmerksamkeit war riesig und zwischendurch wurde die Redaktion der Zeitung regelrecht gefeiert. Teilweise von den gleichen Leuten, die sie zuvor angegriffen hatten, weil die BILD einen Polizisten ehrte, der nebenbei noch Kriegsverbrecher war. Die Realität ist eine komplexe Angelegenheit.

Die Sendung wird nun also am 21.6.2017 (22:15 Uhr) gezeigt werden. Gefolgt von der Sendung »Maischberger« in der über den Film gesprochen werden wird. Vielleicht genauso, wie über den Film bei facebook und twitter gesprochen wurde:
Über seine Art und Weise zu erzählen. Darüber, dass der Film polemisch sei, mitunter sarkastisch – viel zu wenig faktisch. Ja – und das scheint skandalös zu sein – geradezu »Nicht-Anti-Israelisch« und vielleicht sogar »proisraelisch«. Was dementsprechend wenig Beachtung fand und findet, ist die Tatsache, dass dort etwas über den Antisemitismus in Europa erzählt wird und wie er sich heute auf den »Nahost-Konflikt« bezieht, aber dort nicht seine Wurzeln hat. Geradezu sprachlos macht der Film, wenn Bewohner Gazas recht abgeklärt in die Kamera sagen, dass sie ihre Situation der Hamas zu verdanken haben – während man in Europa vor Wut schäumend die Israelis dafür zur Verantwortung zieht.
Es konnte so weit kommen, dass ein jüdischen Junge aus Berlin-Friedenau, der von Mitschülern in gemobbt wurde, die Schule verlassen musste. Und wer war Schuld an dieser Situation? Natürlich der Staat Israel. In einem offenen Brief wandten sich die Eltern der Schule an die Öffentlichkeit. Es ging ihnen um den Ruf der Schule. Die Ausrede: Die Stadt »kann vor den Auswüchsen internationaler Konflikte, wie des Nahostkonflikts, nicht verschont bleiben«. Die Eltern des Jungen kamen übrigens aus Großbritannien und die Unterzeichner des Briefs haben übrigens offensichtlich keinen Migrationshintergrund. Dies nur der Vollständigkeit halber.
Und an anderer Stelle schrieb ich es bereits: Solange sich Juden in Deutschland nicht offen auf der Straße als solche zu erkennen geben können, hat dieses Land ein massives Problem. Der Film zeigt das und darauf sollte man seinen Blick lenken. Die Diskussion um die Erzählweise kann man führen, aber das sollten keine Nebelkerzen werden.

Und die Diskussion? Was dürfen wir erwarten?
Vielleicht wird man Volker Beck einladen, der Grünen-Politiker ist überall da, wo über Antisemitismus gesprochen wird, eingeladen und darf etwas dazu sagen. Ich persönlich bin mir unsicher, ob er von sich in dieser Rolle mittlerweile nicht etwas zu selbstüberzeugt ist.

Vielleicht wird man auch Mirna Funk einladen, die sich schon im Vorfeld gegen die Doku in Stellung gebracht hat, natürlich nicht, ohne ausführlich über sich selbst zu sprechen und ein wenig über Antisemitismus dennoch bleibt nach ihrem Text lediglich hängen: Israelische Propaganda sei der Film.

Wen erwarten wir noch? Shahak Shapira. Der kann dann etwas freches zum Thema sagen und auf Stellen warten, an denen er seine Pointen rausfeuern kann.

Vielleicht wird man die Chuzpe haben, einen »Nahostexperten« einzuladen, weil das alles ja irgendwie etwas mit dem »Nahen Osten« zu tun hat. Etwa Michael Lüders?

Man könnte Michel Friedman eingeladen – auch wenn das den Mob draußen zum Kochen bringen würde. Er ist eloquent und durchschaut die rhetorischen Strategien seines Gegenübers. Mein Wunschkandidat wäre Serdar Somuncu, der einen guten Blick auch für antisemitische Diskurse und keine Furcht hat, etwas dazu zu sagen.

Aber vielleicht wird es auch alles viel viel schlimmer…

Update 20. Juni 2017; 21:00

Die tatsächliche Gästeliste wurde nun veröffentlicht – der Titel der Sendung lautet übrigens »Gibt es einen neuen Antisemitismus?« und die verspricht keinen Abend bei dem man gebannt vor dem Fernseher sitzt. Wer statt dessen etwas spannenderes machen will, schaut einer Aspirin-Tablette dabei zu, wie sie sich langsam im Wasser auflöst.

  • Michael Wolffsohn Ist oft und gern im Fernsehen. Ein JmFP, ein Jude mit Fernsehpräsenz. Ein anderer JmFP ist Henryk M. Broder, aber seine Präsenz hat abgenommen. Michael Wolffsohn ist kalkulierbarer. Hat bei Maischberger schon zu Trump und zu Putin diskutiert.
  • Norbert Blüm Der frühere Arbeitsminister könnte eigentlich seine sichere Rente genießen (die Punchline bot sich an,
    Leute über 30 werden sie verstehen), aber hat bei Youtube dadurch Bekanntheit erlangt, dass Antizionisten ein Video von ihm mit einem Ausschnitt aus der Sendung hart aber fair gepostet haben. Das Zitat ist ein »gerade wir Deutsche« Klassiker: »Gerade weil wir Deutschen ebenjene Verbrechen begangen haben, müssten wir umso klarer anprangern, wie die Palästinenser heute von Israel schikaniert, gequält und gedemütigt werden.« Ansonsten wird seine Präsenz es nicht gerade einfacher machen, am späten Mittwochabend wach zu bleiben.
  • Ahmad Mansour Hätte sich eigentlich am Film beteiligen sollen und war wohl beratend tätig. Er soll offenbar für den Teil muslimisch/arabischer Antisemitismus den Kopf hinhalten und erklären.
  • Gemma Pörzgen Tatsächlich! Hier haben wir eine Vertreterin mit klarer Fokussierung auf den »Nahost-Konflikt« – zudem jemanden, der den Film als proisraelische Propaganda sieht. Siehe hier ein entsprechendes Interview mit dem Deutschlandfunk
  • Rolf Verleger Er arbeitet sich an der »Okkupation« ab. Wir können nicht erwarten, dass er speziell auf einen Antisemitismus eingeht, der sich zwar auf die Existenz des Staates Israel bezieht, aber nicht aufhört zu existieren, wenn der Staat aufhört zu existieren. Er wird vermutlich über die Politik des Staates Israel sprechen wollen.
  • Jörg Schönenborn Der Fernsehdirektor des WDR. Er hat jetzt den Ärger, weil das Thema die sozialen Netzwerke verlassen hat und in den großen Zeitungen diskutiert wurde. Es ist nicht zu vermuten, dass er die eigene Herangehensweise kritisch beleuchten wird. Vielmehr wird er die Linie des Senders verteidigen.
Artikel

Mit einem Boykott zwei Gruppen schädigen

So wie es aussieht, wird der Boykott Israels so langsam konkret. Die Grundsteine sind gelegt – es wird eine Kennzeichnung israelischer Produkte mit konkreter Herkunft geben. Das macht es den Hassern einfacher, die Produkte zu meiden.
Aber vermeiden die nicht ohnehin alle jüdischen oder israelischen Produkte?
Richtig gelesen. Jüdisch. Die Zeit hat die politische Korrektheit mal Korrektheit sein lassen und hat getitelt: »Obst aus jüdischen Siedlungen wird markiert.«

Die Vorgehensweise der EU-Handelskommission ist mir jedoch noch nicht ganz klar:

  • Entweder hat die Kommission bereits alle gravierenden Probleme der Europäischen Union und der dort lebenden Verbraucher gelöst, wonach es aber derzeit nicht ausschaut, oder
  • die Kommission hat priorisiert und das allerwichtigste Problem identifiziert: Israel.
    Der europäische Verbraucher muss die Möglichkeit haben zu erkennen, ob ein Produkt innerhalb der Vor-1967-Grenzen hergestellt wurde, oder nicht. Ich weiß nicht, welchen Nachteil der Verbraucher hat, wenn die Möhren und Kartoffeln aus israelischer Erde 100 Meter weiter links oder 100 Meter weiter rechts kommen.

Bei landwirtschaftlichen Produkten aus dem Westjordanland kann es natürlich sein, dass sie durch die Hand arabischer Arbeitern gepflückt wurden.
Kann es etwa sein, dass die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström die Verbraucher davor schützen will, nichts mehr aus arabischer Hand essen zu müssen?
Das wäre doch unvorstellbar. Man stelle sich einmal vor, man riefe dazu auf, nichts mehr aus jüdischer Hand zu essen.
Obwohl, wartet mal, hat die EU-Kommission jetzt nicht beide Fliegen mit einer Klappe geschlagen?

Wenn die Verbraucher in Zukunft nämlich tatsächlich Produkte aus den Gebieten meiden, die gemeinhin als besetzt gelten, dann wird es in diesen natürlich wirtschaftliche Probleme geben. Die Firmen werden ihre Produktion entweder woanders aufbauen müssen, oder aufgeben. Es gibt Schätzungen, nach denen etwa 77.000 Palästinenser für israelische Unternehmen arbeiten. In Kernisrael und im Westjordanland. Das ist eine sichere Einkommensquelle und auch ein Ort, an dem sich jüdische Israelis und arabischer Palästinenser zusammenarbeiten und das nicht für einen Hungerlohn.
In der Konsequenz werden diese Menschen ihre Arbeit verlieren und die sicheren Einkommen werden den Familien fehlen. Neue Arbeit wird sich schwer finden lassen. Die Lage wird somit eher schwieriger als besser.
Aber ist das nicht toll für den europäischen Verbraucher? Er kann mit einem Einkaufswagen zwei Gruppen nachhaltig schädigen.

Das ist nicht deren Absicht? Warum dann wird die Kennzeichnung nicht auch für andere Länder eingeführt?
Zypern? Tibet? Transnistrien? Krim? Abchasien? Westliche Sahara? Süd-Ossetien?

Wer die Sache eines palästinensischen Staates aufrichtig unterstützt, dürfte sich also nicht über die jüngsten Aktivitäten freuen. Denn es geht nicht um die Unterstützung eines solchen Staates neben dem israelischen. Es geht gegen den Staat Israel.
Das ist ein großer Unterschied.

2013 war das hier übrigens auch schon einmal Thema

Artikel

Was denn jetzt?!

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Ist es viel, wenn 38,8 Prozent der Flüchtlinge eine antisemitische Einstellung haben und meinen »Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich«?
Das wäre jedenfalls die Prozentzahl derjenigen Menschen, die das in Deutschland annehmen. Wären also etwa ein Drittel der Flüchtlinge Antisemiten, entspräche das dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Jeder Antisemit ist einer zuviel.
Egal aus welcher Gruppe.

Aber das Thema wurde medial entdeckt.
Darüber berichtete der Deutschlandfunk (irgendwiejuedisch hat darüber gebloggt, mittlerweile ist der Artikel aber aus dem Netz des Radiosenders verschwunden) aber auch die Welt »Zentralrat der Juden warnt vor arabischem Antisemitismus«.
Der Tagesspiegel analysiert unter der Überschrift »Sorge vor neuem Antisemitismus wegen Flüchtlingen«: »Viele Flüchtlinge kommen aus Ländern mit juden- und israelfeindlicher Kultur, warnen jüdische Verbände« (hier).
Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung titelt ebenfalls »Juden wegen Flüchtlingen in Sorge um ihre Sicherheit«.
Die NWZ gibt einen Evangelischen Pressedienst als Quelle an und titelt etwas wissender: »Angst deutscher Juden wächst«.
Auf der Website evangelisch.de findet man einen Beitrag, der ähnliches verlauten lässt.
Die Sorge ist plötzlich groß, jetzt wo plötzlich offensichtlich ist, dass die Flüchtlinge aus Ländern kommen, in denen sie »den Antisemitismus mit der Muttermilch eingesogen haben« (wie es in einem Artikel heißt). Rührend.

Und dann betrachtet man, wie, teilweise die gleichen Medien, über die Situation vor Ort (im weitesten Sinne) schreiben. Dort, wo sich Menschen mit ähnlicher Erziehung (wenn man den Medienberichten vertraut) mit dem Staat Israel auseinandersetzen.
Hier müsste man nun Verständnis für den Staat erwarten, der, von Antisemiten umgeben, um seine Existenz kämpft. Weit gefehlt.
Hier ist das Schema genau umgekehrt.
Israel ist der Aggressor. Das geht sogar soweit, dass Spiegel Online titelte »Palästinenser sterben bei Messerattacken auf Israelis«, tagesschau online ist der Meinung, bei der Tötung von Juden gehe es nicht um Hass auf Juden. Die Umkehr des Schemas in der Berichterstattung wurde hier bei lizaswelt ganz passend nachvollzogen.

Da lautet meine Frage: Was denn jetzt??!
Kommen da jetzt Horden von Antisemiten aus dem Nahen Osten? Dann wäre es ja offensichtlich notwendig, wenn sich ein Staat in dem größtenteils Juden leben, dagegen wehrt und geeignete Maßnahmen trifft.
Oder: Die Bewohner der Nachbarländer sind friedliche Menschen – aber werden immer wieder von einem expansiven Land mit Krieg überzogen, dass ein Großisrael will (um mit Jürgen Todenhöfer zu sprechen) und sind deshalb manchmal ein wenig sauer auf den Staat mit den vielen jüdischen Bewohnern. Dann hätten die Juden in Deutschland doch nichts zu befürchten?

Oder: Ist es alles ganz anders? Nicht Schwarz-und-Weiß? Wohl eher das. Kommen da vielleicht einfach Menschen? Einige von ihnen sind bestimmt Antisemiten (weil es die überall auf der Welt gibt) und die gehören ebenso bestraft, wie Antisemiten aus regionaler Produktion. Andere sind es nicht.

Dann benötigen wir aber keine Berichterstattung die so tut, als mache man sich ernsthaft Sorgen um das Judentum in Deutschland. Die gab es kaum zum Beschneidungsurteil und die gab es kaum, als der Mob tatsächlich antisemitisch demonstriert hat.
Könnte es vielleicht sein, dass die Juden hier als Deckmäntelchen dienen, um Vorbehalte so zu formulieren, dass sie so klingen, als machte man sich aufrichtig Sorgen?
Und wie sollte man das nennen, wenn man Juden nur für einen Zweck benutzt?

Update 25. Januar 2016

In diesem Blog (Mandolina) wurde das noch einmal auf den Punkt gebracht:

Denn Antisemitismus ist kein mystisches Spaghettimonster, das sich wahlweise auf verschiedene Bevölkerungsgruppen setzt, dort sein Unheil anrichtet, und dann weiterfliegt, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Antisemitismus ist, in diversen Ausformungen und Facetten, ein integraler Bestandteil des christlichen Abendlandes, und wenn jetzt zur „Antisemitismus-Prävention“ Flüchtlingsunterkünfte und Moscheen brennen, dann schützt der weiße Europäer nicht die hier lebenden Juden, sondern benutzt sie zur Legitimation seines eigenen Rassismus.
von hier – Mandolina| Das Experiment

Artikel

Die Saat geht auf

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Worum geht es bei der Solidarität mit Gaza? Um Frieden? Das wäre schön!

Die Ereignisse in Israel und Gaza sind offenbar Auslöser (aber nicht der Grund!) offenen Antisemitismus zu zeigen. Das Bild oben zeigt die Synagoge Baumweg im Juli 2014.
Das Skandieren von »Kindermörder Israel« gehört natürlich zum Standardrepertoire der Friedensdemonstranten, aber zuweilen bleibt es nicht dabei.
In Essen suchen die Demonstranten die Nähe der Alten Synagoge – siehe Bericht hier.
In Frankfurt am Main wurden Fahnen der Hamas gezeigt: Islamisten demonstrierten gemeinsam mit Linken und Neonazis (siehe Bericht hier). Im Anbetracht dieser Gemengelage wundert man sich aber doch, dass die Demonstranten die Mikrofone der Polizei nutzen durften. Bedeutet: Mit dem Gerät deutscher Polizisten wird hier gegen Israel (und irgendwie auch gegen Juden) demonstriert.

In anderen Städten wie Dortmund, München und Berlin wurde ebenfalls demonstriert. In den seltensten Fällen für Frieden.

Was sich hier offen zeigt, schlummert nicht erst seit Anfang Juli in den Menschen und es wird sich mit großer Sicherheit ausweiten, wenn dem nicht massiv entgegengetreten wird. Bisher wird wenig dagegen unternommen. Besser wird es nicht. Die Saat der antiisraelischen und antijüdischen Propaganda geht auf. Selbst die Positionen von extremen Gruppierungen wie der Hamas werden fraglos übernommen.

Artikel

Populäre Nicht-Fakten über Israel

In vielen hitzigen Diskussionen begegnet man häufig den gleichen Argumenten. Diese beruhen nicht immer auf den tatsächlichen Fakten. Häufig erwischt man sich, wie man immer und immer wieder die gleichen Dinge beschreibt. So wie die Nicht-Fakten immer und immer wieder genannt werden.
Ein paar populäre folgen hier:

Siedlungsbau

Populäre Verwendung:
Die Siedlungen stehen einem Frieden entgegen. Sie verunmöglichen Friedensgespräche.

UN Teilungsplan von 1947

UN Teilungsplan von 1947

Die Tatsache, dass Israel überhaupt als legitimer Staat anerkannt wird, dürfte der wichtigste Grund sein, aus dem die Gegner des jüdischen Staates keinen Frieden wollen.
Der UN-Teilungsplan, der am 29. November 1947 verabschiedet wurde, schuf einen arabischen Staat aus dem Nichts. Denn bis 1946 war das Land noch britisches Mandatsgebiet. Bevor die Briten kamen, gehörte es politisch zum osmanischen Reich.
Als dann aber der Staat Israel seine Unabhängigkeit ausrief, wollte man die Gunst der Stunde nutzen und den neuen Staat (der auf Grundlage des Teilungsplans entstand) und seine Bevölkerung vernichten. Die Niederlage der vereinigten Armeen schuf die Grundlage für die heutige zerfahrene politische Situation. Auch für die Flüchtlingsfrage. Hätte man 1947 keinen Krieg gegen den neuen Staat geführt, wäre die Situation heute eine andere. Man könnte auch sagen: Man hat alles auf eine Karte gesetzt und verloren.
Weiterlesen

Artikel

Boykott? Gute Idee!

Hallo zionismuskritische Aktivisten,
Hallo BDS,
Hallo Boykottfreunde,

wie zu lesen war, fruchten Eure Bemühungen so langsam. Selbst die deutsche Regierung erwägt eine Markierung von Artikel die, Eurer Meinung nach, von Israel besetzt gehalten werden. Diese Maßnahme erleichtert natürlich den Boykott dieser Waren ungemein. Immerhin sollen ja die kritischen Verbraucher nicht auf die Idee kommen, Waren aus Israel oder sogar aus den besetzten Gebieten zu kaufen. Denkbar ist übrigens eine App, mit der man EAN-Codes einscannen kann. Die App würde zunächst zwei Stufen vorsehen: Zionistisches Produkt: Ware kommt aus Israel und Apartheidsprodukt – Ware kommt aus dem Westjordanland. Für die nächste Version kommt dann noch die Stufe Jüdisches Produkt – Finger weg. Die Hersteller könnten mit Israel sympathisieren.

Made in Israel

Made in Israel

Stellt Euch einmmal vor, Ihr setzt Euch durch und die Maßnahme greift wirklich?! Was ja durchaus realistisch ist, denn man könnte man sich ja über den Einkaufswagen auch gleich für die Beschneidung revanchieren.
Wenn Euch das gelänge, dann würdet ihr der Intifada einen riesigen Anschub geben. Denn wenn keiner mehr die Produkte kauft, müssen ja die Fabriken und Unternehmen ihre palästinensischen Arbeitnehmer entlassen und die bleiben dann ohne Geld. Sie können ihre Familien nicht mehr ernähren und sind dann endlich vollkommen auf die Infrastruktur militanter Islamisten angewiesen und dann geht es richtig rund. Eine Zivilgesellschaft, die auf vernünftige ökonomische Verhältnisse angewiesen ist, kann man ja unter diesen Umständen nicht aufbauen. Und das wollt Ihr ja vermutlich auch nicht. Eine Demokratisierung der Verhältnisse würde wahrhaftig nur dafür sorgen, dass sich Israel irgendwie mit einem ordnungsgemäßen Verhandlungspartner einigt und einen Kompromiss eingeht.
Wenn Ihr den vollständigen Aufstand wollt (was man der Formulierung die Besetzung und Kolonisation allen arabischen Landes beendet durchaus entnehmen könnte), dann ist das der Weg, den man einschlagen sollte. Klar, wird sich die soziale Situation der meisten Familien rapide verschlechtern. Aber es geht hier doch ums Prinzip, oder? Man muss auch bereit sein, Opfer für höhere Ziele zu bringen.
In diesem Sinne: Ran an die Einkaufswagen!