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Buch aktuell – oder doch nicht so neu?

Rufus Beck ist ein ziemlich genialer Vorleser. Seine eingelesenen Fassungen von »Harry Potter« oder »Der kleine Nick« sind empfehlenswert. Jetzt hat Rufus Beck die »Bibel« eingelesen, also die christliche Bibel, also »Altes« und neues Testament – in der Übersetzung von Martin Luther. Die Teile die man hören kann, sind gut eingelesen. Ganze 98 Stunden kamen da zusammen.
Natürlich wird diese Ausgabe nun auch beworben und so ist es klar, dass das Buchmagazin »Buch Aktuell«, mit welchem die Buchhandlungen auf Neuerscheinungen hinweisen (erreicht nach eigenen Angaben 750.000 Leser), natürlich dieses Mammutwerk thematisiert hat. Der Text erklärt dem Leser zunächst einmal, was die Bibel eigentlich ist, aber dann wird es interessant:

Buch Akuell, Ausgabe 4/2019, Seite 12

Die Zuhörer werden Zeugen des Wandels vom strafenden Gott im Alten hin zum barmherzigen G-tt im Neuen Testament.

Hier wird also ein ziemlich altes Motiv des Antijudaismus aufgewärmt. Hier das Judentum mit dem zornigen, strafenden G-tt – dort, das Christentum des barmherzigen G-ttes. Auf der einen Seite stehen die friedliebenden Christen und auf der anderen Seite stehen die rachedurstigen Juden. Gerade die Formel Ajin tachat Ajin ~ Auge für Auge (Schemot 21,24) wird gerne in diesem antijüdischen Diskurs missbraucht und ausgeblendet, dass die Anwendung dieses Satzes einen materiellen Schadensersatz meint (Bava Kamma 83b-84a). Man sollte durchaus annehmen, dass sich das heute herumgesprochen hat. 2019 sollte dieser Klassiker eigentlich nicht mehr veröffentlicht werden.

Eine kurze Recherche hat dann ergeben, dass der redaktionelle Text von »Buch aktuell« in groben Zügen dem Beschreibungstext von »Der Audio Verlag« entspricht. Auch hier heißt es:

Vom Sündenfall im Garten Eden, über Moses Auszug aus Ägypten, bis hin zur Auferstehung Jesu – im Hörbuch mit Rufus Beck wird die Heilige Schrift hautnah erfahrbar. Die Zuhörer werden Zeugen der Schöpfung, der Leidensgeschichte Jesu Christi, dem Wandel vom strafenden Gott im alten -, hin zum barmherzigen Gott im neuen Testament.

Eigentlich ist der Text also durch mehrere Hände gegangen – es ist also noch viel Arbeit zu tun, wenn diese alt-tradierten Antijudaismen einfach so hingenommen werden.

Update 20.11.2019 »Der Audio Verlag« hat unmittelbar reagiert und den Satz von der Website gestrichen.
Update 03.12.2019 Die Deutsche Bibelgesellschaft hat sich ebenfalls dazu geäußert und sich von dem Text distanziert, der so nicht hätte erscheinen sollen.
»Buch aktuell« hingegen, hat sich nun ebenfalls entschuldigt und versprochen, den Text auf der Website und im Blätter-PDF zu aktualisieren.