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Luach für 5782 und 5783

Luach 5782 und 5783

In eigener Sache: Es gibt (wieder) einen Luach für zwei Jahre.
Der Anspruch für den Luach war: Günstig, übersichtlich und vernünftig gestaltet. Die Reihenfolge der Begriffe ist zufällig.
Für die letzte Ausgabe gab es verwertbares Feedback von Nutzerinnen und Nutzern, so dass diese aktuelle Ausgabe (hoffentlich) noch besser ist:

  • Zwei Wochen je Seite (für zwei Jahre)
  • Das weltliche Datum auf der linken Seite, das jüdische auf der rechten Seite
  • Nennung des Wochenabschnitts und besonderer Schabbatot
  • Eine Tabelle mit den Torahlesungen, auch für Feiertage
  • Tabelle der Haftarot für Aschkenasisch, Frankfurt am Main, Chabad, Sefardisch, Italienisch, Jemenitisch
  • Natürlich die Fasten- und Feiertage (und Rosch Chodesch)
  • Molad-Zeiten (soweit ich weiß, gibt es das in deutscher Sprache sonst nicht)
  • Daf Jomi in der Mitte der Seite
  • Schabbatzeiten für Basel, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Wien
  • Daten für Birkat HaChamah
  • Wie man errechnet, ob ein jüdisches Jahr ein Schaltjahr ist
  • Ein Schema zum Anzünden der Chanukkah-Kerzen
  • Eine Hilfe zur Omerzählung (wie man sie auch in Siddurim findet) mit Angabe des Datums

Im Anschluss an den Kalenderteil findet man noch eine Liste der Daten für jüdische Fest- und Fastentage bis ins Jahr 2026 und einen kurzen Text dazu, wann eigentlich Schabbat beginnt. Nicht enthalten sind Adressen jüdischer Organisationen etc.

Der Luach kostet 6 Euro (inklusive Versand) Bezugsquellen wären (oder ein Buchladen Eurer Wahl mit der ISBN 978-3754311998):
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Der kleine Gewinn, der dabei abfällt, wird genutzt, um die Kosten für den Betrieb des Blogs und talmud.de zu decken.

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Koren-Siddur auf Deutsch

Titelbild Korensiddur

Der Markt für deutschsprachige Siddurim ist nicht extrem groß, deshalb war die Nachricht, dass der Koren Verlag den (großartigen) Koren-Siddur mit dem Kommentar von Rabbiner Jonathan Sacks in deutscher Sprache veröffentlicht hat, eine sehr gute. Jedenfalls, wenn Interesse an ästhetischen Siddurim hat. Da haben die Orthodoxe Rabbinerkonferenz (ORD) und der Verlag eine großartige Arbeit geleistet. Es verwunderte allerdings, dass die ORD die Publikation nicht offensiver kommuniziert hat. Anscheinend wurden Exemplare an die Mitglieder verteilt, aber derzeit ist mir kein Bestellformular bekannt (der Siddur kann auch direkt bestellt werden) und auch kein offizieller Hinweis auf den Siddur. Bei Koren heißt es übrigens »das« Koren-Schalem-Siddur, ich schreibe stets »der« Siddur, weil es ein Neutrum im Hebräischen nicht gibt. Vielleicht bezieht sich »das« auf Gebetbuch – ich weiß nicht, was nun tatsächlich richtig ist.

Die vollständige Rezension für die Jüdische Allgemeine kann hier als Volltext gelesen werden. Zusätzlich gibt es aber hier noch etwas »Bonus-Content« und einen genauen Blick hinein.

Blick in den Koren-Siddur
Blick in den Koren Siddur

Alles stimmt. Die Haptik des Einbandes, die Papierqualität, die Bindung scheint etwas länger zu halten – jedenfalls tut sie das in den Originalausgaben. Das muss man erwähnen, denn es gibt einen deutschsprachigen Siddur, dessen Cover sich schon nach wenigen Monaten vom Buchblock löst.

Natürlich ist die typographische Qualität hervorragend – bis auf wenige Ausrutscher, die wohl daran liegen, dass die Gestalter bestimmte Eigenschaften des deutschsprachigen Satzes nicht kennen. So macht es sensible Gemüter (wie mich) wahnsinnig, dass die Gestalter hier einem Bug in der Schriftart (gibt es auch) auf den Leim gegangen sind:

Wie man sieht, sind die einführenden und endenden Anführungszeichen unterschiedlich groß. Diesen Fehler gibt es in einigen Schriftarten. Übrigens ist auch die deutsche Ausgabe von Tehillat HaSchem in diese Falle getappt.

Zur Übersetzung steht schon einiges im Artikel in der Jüdischen Allgemeinen. Tatsächlich hätte man hier vielleicht noch einmal eine zusätzliche Runde mit einigen Testlesern drehen können. Auch sind noch ein paar Seitenverweise nicht mit richtigen Seitenzahlen belegt (»Siehe Seite xyz« heißt es etwa).
In der Produktbeschreibung bei Koren heißt es, die »Paginierung« sei »auf das übliche Koren-Sacks-Siddur abgestimmt«. Nun, das stimmt nur für die ersten Seiten. Schnell weichen die englischsprachige und die deutschsprachige Ausgabe voneinander ab. Das sind kleine Kritikpunkte angesichts dieser großen Aufgabe, die hier bewältigt wurde. Deshalb ist diese Ausgabe eigentlich ein »Muss«.

Wer befürchtet, dass die Vielzahl unterschiedlicher Siddurim in den Gemeinden zu Missverständnissen führen könnten – bezüglich der Seitenzahlen, der kann sich hier (bei talmud.de) eine (wachsende) Liste herunterladen. Diese beinhaltet die Bestandteile der einzelnen Gebete und ihre Seitenzahl in den unterschiedlichen Siddurim mit deutscher Übersetzung.

Wo gibt es den Siddur?

Zu bestellen gibt es den Siddur bei amazon, auf der Website des Verlages direkt, oder der britischen Seite bookdepository.com, die anscheinend den besten Preis anbietet.

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Simcha – Das Buch zur Freude

Besondere jüdische Bücher gibt es inhaltlich viele. Wenn wir dann Inhalt und Form betrachten, sind es nicht wenige. Aber wenn wir schauen, wie es diesbezüglich auf dem deutschsprachigen Markt ausschaut, dann wird die Liste schon wesentlich kürzer. Der Zeitraum vor der Schoah ist nicht inbegriffen.

Nun legt der Verlag »Books ‘n Bagels« ein spannendes und hervorragend gestaltetes Buch vor: »Simcha Das Buch zur Freude (aus der Sicht des Chassidismus)« von Rabbiner Shloma Majeski (Link zum Verlag). Rabbiner Majeski gehört zur Chabad-Bewegung.
Gestalterisch stimmt hier alles. Die Typografie ist interessant und stammt von De Jong Typografie, das Buch hervorragend gestaltet und eingebunden.

Auch der Blick auf das Buch zeigt, auf welche Details geachtet wurde.

Zum Inhalt Freude im Chassidismus

Beginnen wir einmal mit etwas, was sich die meisten Menschen anscheinend Wünschen: »Glück«. »Glück« findet im Internet überall dort statt, wo Menschen versprochen wird, es zu finden. »Gib mir Geld und ich zeige dir, wie du glücklich sein kannst.« Können wir uns vorstellen, dass in erster Linie Person glücklich wird, die am Ende einen Blick auf ihren Kontoauszug wirft? Ja. Natürlich. Spiritualität boomt.

Detailblick ins Buch


»Glück« ist aber im Judentum nie so ein Modethema gewesen, oder eine plakative Werbung um Mitglieder zu gewinnen, sondern es ist tatsächlich »nur« eine Mizwa, von der wir in der Torah lesen: »Und du sollst dich vor HaSchem, deinem G-tt, freuen« (5. Buch Moses 16,11). Hier ist es also Freude – Freude und Glück verschwimmen hier. Aber das soll man nicht allein tun, sondern »Du und Dein Sohn und Deine Tochter, Dein Knecht und Deine Magd und der Levi, der in Deinen Toren weilt, auch der Fremde und die Witwe, die in Deiner Mitte sind […]«.

Der Baal Schem Tow, der Gründer des Chassidismus (1700–1760) – da kommen wir langsam zum Thema – erzählt dazu: »Der Allmächtige hat dich in diese Welt mit einem Auftrag entsendet. Es ist sein Wille, dass Du diesen Auftrag in einem Zustand der Freude tust. Traurigkeit würde bedeuteten, dass man diesem Auftrag nur ungern tut oder nicht bereit ist dafür.«
Nur: Die Tora liefert keine »schlüsselfertige« Gebrauchsanweisung dafür, wie wir auf jeden Fall glückliche und erfüllte Menschen werden könnten. Diejenigen, die der Lehre des Baal Schem Tow folgen, hießen früher auch die »Frejlachen«, die Fröhlichen. Darauf weist auch Rabbiner Majeski hin. Denn eine Grundlage der chassidischen Idee ist, dass alles, was auf der Welt geschieht, von G-tt genau so gewollt und bestimmt ist. In jeder Sekunde, in jedem Moment. Da alles G-ttliche gut ist, muss folglich auch alles, was geschieht, gut sein. Entweder präsentiert es sich so offen, wir erkennen es sofort, oder versteckt, wir sehen erst einmal nicht den Sinn oder das Glück darin. Aber alles ist zum Guten, wie es schon verschiedene talmudische Weisen ausdrückten, also gibt es keinen Grund, traurig zu sein. Im Gegenteil. Soweit eine jüdische Antwort – die chassidische, die Rabbiner Majeski uns eingehend schildert und erklärt.

Weitere Detailsicht ins Buch

Für mich ergeben sich hier ein paar Fragen zu dieser Sichtweise – diese bespricht Rabbiner Majeski zwar, ergeben aber bei mir weitere Fragen: Ich muss natürlich an die großen Katastrophen des Judentums denken (und die nennt Rabbiner Majeski) und mir ist die Antwort »es ist gut, nur es ist uns verborgen« zu wenig. Hier hat sich also meinerseits noch Lernbedarf ergeben.
Das Buch war eine kleine Reise in eine Philosophie von der ich wusste, dass es sie gibt, aber Rabbiner Majeski hat sie anschaulich und gut zugänglich erklärt. Der Text ist so annotiert, dass er mit Verweisen auf erklärungsbedürftige Begriffe im Anhang (Glossar) verweist. Wer also hier also einen Einblick erhalten möchte, dem sei dieses Buch natürlich empfohlen.

Simcha – Das Buch zur Freude (aus der Sicht des Chassidismus)
Rabbi Shloma Majeski
ISBN(s): 978-3-9524212-4-6
Verlag: Books&Bagels
184 Seiten
Link

Talmud Übersetzung online

Ein kleiner Meilenstein ist erreicht worden! Die Übersetzung des Talmud von Lazarus Goldschmidt ist nun online verfügbar. Sie begann am 1. Januar mit Pessachim und Megilla – die übrigen Traktate liegen bereits als »Texte« vor, müssen aber noch fit für die Publikation gemacht werden. Alles über das Projekt findet man auf einer kleinen Übersichtsseite auf talmud.de:
Übersetzung des Talmud ist online

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Reclams Sprüche der Väter

Reclam. Die meisten Schülerinnen und Schüler, die in Deutschland zur Schule gegangen sind, kennen die kleinen gelben Heftchen von Reclam. Dort gab und gibt es die große Literatur. Den »Woyzeck«, die »Die Leiden des jungen Werthers«, aber auch den »Jerusalemer Talmud« (in sieben ausgewählten Kapiteln) und nun »Die Sprüche der Väter«, auf Hebräisch »Pirkej Awot«. Sie sind Bestandteil der Mischnah und sind ein beliebter Steinbruch für Zitate »Wenn nicht ich, wer dann?«, »Sprich wenig und tue viel!«, »Sage nicht, wenn ich frei sein werde, werde ich lernen; vielleicht wirst du nicht frei werden.« Die Liste kann lange fortgesetzt werden.

Die erste Frage nach dem Reclam-Text lautete also: Welche Übersetzung haben sie verwendet? Marcus Lehmann, Lazarus Goldschmidt oder Bamberger? Das deutschsprachige Judentum hat zahlreiche gute Übersetzungen (und Kommentare) hervorgebracht.
Keine von den vielen, die verfügbar sind, wurde verwendet. Der katholische Theologe Professor Bernhard Lang hat die Übersetzung und den Kommentar verfasst. Leider merkt man eine große Distanz zur jüdischen Sicht auf den Text recht schnell bei der Lektüre.

Eine neue Übersetzung Warum?

Wo Mosche die Torah vom Sinai [miSinaj] empfing, so die meisten anderen Übersetzungen, erhält Mose hier das »Tora(-Amt)« am Sinaj. Wo das Judentum von der Weitergabe der Mesorah spricht, wird hier von der Weitergabe eines »Amts« gesprochen. Der »Zaun um die Lehre«, der ja nahezu sprichwörtlich geworden ist, wurde zur »Hecke um die Tora«.

Die Sprache ist offenbar absichtlich etwas altertümlich gehalten und die Syntax etwas verkomplizierend umgestellt. Anscheinend soll die Satzstellung des hebräischen Satzes nachgestellt werden. Interessant sind Reime in der Übersetzung, während im hebräischen Original keine vorhanden sind: »Einen Lehrer dir nimm, einen Kameraden gewinn« macht Lang aus dem Satz »aseh lecha raw, ukene lecha chawer« – kein Reim. Der Satz bedeutet, wörtlich übersetzt, etwa »Mache dir einen Lehrer, erwirb dir einen Freund«. Der »Kamerad« führt recht weit weg von der ursprünglichen Bedeutung. In seiner Anmerkung zu dieser Textstelle weist Lang darauf hin, dass das »Studium zu zweit bis heute in orthodoxen Talmudschulen üblich sei«. Als Beispiel nennt er dann Anschel und Avigdor aus Singers »Jentl, der Talmudstudent«…

Übersetzerische Missverständnisse lassen sich einige zusammentragen. Die meisten scheinen darin begründet zu sein, dass bei der Übertragung der Kontext ausgeblendet wurde. Es fehlen an dieser Stelle Platz und Ausdauer für eine detaillierte Aufzählung. Aber eine Stelle schauen wir uns noch an. Sie ist recht bekannt: »Im ejn Torah – ejn derech erets«. Jüdische Übersetzer und Kenner der Mischnah übertragen in diese Richtung: »Wer keine Torakenntnis besitzt, der hat keine Humanität« (Bamberger), man könnte es vielleicht auch mit »angemessenem Verhalten« übertragen. Lang übersetzt »keine Tora, kein Alltagstun.«. Hier gehe es, laut Kommentar darum, sich an »Sponsoren zu wenden« – in dem Satz gehe es um Lebensmittel.

Missverständnisse? Talmud und Weise

Der Untertitel des Buches ist übrigens »Das Weisheitsbuch im Talmud«. Das ist deshalb interessant, weil es von Pirkej Awot »nur« eine Mischna gibt. Diese Mischna hat keine Gemarah, ist also in den meisten Ausgaben des Talmud überhaupt nicht enthalten und gehört auch eigentlich nicht dazu. Die Begründung ist nicht sehr überzeugend, zumal der uninformierte Leser nichts über den Talmud erfährt:

»Der Talmud umfasst in seiner deutschen Übersetzung zwölf Bände (Der babylonische Talmud, übersetzt von Lazarus Goldschmidt, Berlin 1929-36). Als Teil des Talmuds – zu finden in Band 9 (1934) – sind die Vätersprüche in der jüdischen Literatur etabliert, so dass sie ununterbrochen studiert und kommentiert werden.«

Sprüche der Väter, Seite 129

Die Talmud-Ausgabe von Lazarus Goldschmidt hatte den Anspruch alle Mischnajot und alle Traktate des Talmuds zu präsentieren. Ein Blick in »Primärliteratur« wäre vielleicht erhellender gewesen. In einem Talmud-Band von Goldschmidt sind mehrere Traktate des Talmuds und die Mischnajot zusammengefasst.

Neben Anschel und Avigdor aus Jentl treffen wir auch Shakespeare. Er habe in »Coriolanus« (entstanden um 1608) ein Zitat aus den Pirkej Awot verwendet (hier mal in der Übersetzung von Schlegel zitiert):

Schreit gegen den Senat, der doch allein,
Zunächst den Göttern, euch in Furcht erhält;
Ihr fräß’t einander sonst. Was wollen sie?

Shakespeare, Coriolanus, 1. Akt, 1. Szene

In den Pirkej Awot heißt es (Bamberger):

»Rabbi Chanina, der Vorsteher der Priester, sagte: 
Bete stets für das Wohl der Regierung, denn wäre nicht die Furcht vor ihr, so würde einer den andern lebendig verschlingen.«

Mischna Awot 3,2

Dazu schreibt Lang: »Hat der Autor das Wort aus dem Mund eines jüdischen Zeitgenossen gehört?« Das wird schwierig gewesen sein, wurde doch die jüdische Bevölkerung 1280 aus England vertrieben und erst 1655 wurde gestattet, sich wieder auf englischem Boden niederzulassen. Mehr Projektion als Fakt.
Das bezieht sich auch auf die Exkurse über die Mischna Awot und die »Rabbinen«, die anhand der Lektüre des Traktats Awot als »Asketen« dargestellt werden sollen – was große Teile des Talmuds einfach komplett ignoriert, in dem die Weisen teilweise einfach auch mal Männer sind. Bei der Charakterisierung kommt übrigens Hermman Hesse zu Wort, der nicht nur freundliche Dinge über Juden gesagt hat (etwa »Juden wie Deutsche haben neben ihrer rohen dummen und feigen Mehrheit auch eine feine, weise und tapfere Minderheit, mag sie noch so klein sein.«). Als Untermauerung soll auch eine Gegenüberstellung von Sätzen aus den Sprüchen der Väter mit der »Benediktsregel« (der Bendediktiner-Mönche) dienen.

Alles in allem: Wer sich mit den »Sprüchen der Väter aus katholischer Sicht« befassen möchte, kann zu diesem Band greifen. Wer sich dem Judentum über einen jüdischen Text annähern will, der greift bitte nicht zu dieser Übersetzung und nicht zu diesem Kommentar.

Die Sprüche der Väter
Das Weisheitsbuch im Talmud
Neuübersetzung
Reclam 2020
Übers. und Hrsg.: Lang, Bernhard
138 S.
ISBN: 978-3-15-014042-0
(Link zu Reclam mit Leseprobe)

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Luach für 5780 und 5781

Gerade war noch Sommer, schon ist das jüdische Jahr vorbei. Obwohl es mittlerweile recht gute jüdische Kalender online gibt, greifen einige auch gerne auf gedruckte Büchlein zurück. Ein solches gibt es nun auch für die Jahre 5780 und 5781, also für die nächsten zwei jüdischen Jahre. Der Kalenderteil gilt also von September 2019 bis September 2021.
Enthalten sind alle jüdischen Feier- und Gedenktage, die Wochenabschnitte (Torahlesungen) und Hinweise zum jüdischen Jahreskreis, jeweils nach dem weltlichen Kalender organisiert.

Der Kalenderteil enthält zudem die Molad-Zeiten für die jeweiligen Monate, im Anschluss an den Kalender findet man noch eine Liste der Daten für jüdische Fest- und Fastentage bis ins Jahr 2026, die Schabbatzeiten für Basel, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Wien, eine Tabelle mit den Kapiteln der Torahlesungen und eine Liste mit den Haftarot des Jahres. Ach so, die Blattangabe für Daf Jomi ist ebenfalls enthalten, also die Angabe des täglichen Talmud-Blatts.

Bei Google-Books kann man in das Büchlein hineinschauen (hier).

Ach so, der Kalender kostet 5,50 Euro und ist, nach Bestellung im Buchhandel, nach zwei bis drei Tagen bei Euch. Mit dem Kauf unterstützt Ihr übrigens die Aufrechterhaltung dieses Blogs und talmud.de…

Bezugsquellen, neben dem lokalen Buchhandel:

Zusatzinformation: Der Kalender enthält keine Liste von Adressen jüdischer Gemeinden oder Organisationen.

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Die Legende von Rabbi Akiwa

Pünktlich zu Lag BaOmer ist es verfügbar!
Ein e-Book mit dem Titel »Die Legende von Rabbi Akiwa«. In diesem Büchlein (darf man ein e-Book »Büchlein« nennen?) erzählt Emil Bernhard Cohn (er war Rabbiner in Bonn, Essen, New York und später Dozent für Hebräische Literatur an der Stanford University in Palo Alto), das Leben von Rabbi Akiwa spannend nach. Von seiner »Erleuchtung«, bis zu seinem grausamen Tod durch die Römer. Cohn hangelt sich dazu an den Stellen aus Midrasch und Talmud entlang, die etwas über ihn verraten. In einem kleinen Anmerkungsteil habe ich diese Stellen identifiziert und angemerkt. So könnte der geneigte Leser im Talmud diese Stellen finden. Zusätzlich gibt es die Schilderung seines Martyriums als übersetzten Text aus dem Talmud. Da es das Buch bisher nicht (mehr) zu kaufen gab, habe ich nun diese »erweiterte« und Fassung veröffentlicht. Die Orthografie wurde stellenweise etwas aktualisiert. Ich denke derzeit nicht, dass es für eine gedruckte Version ausreichend Nachfrage gäbe.

Moment! Das e-book kostet ja Geld?! Ja. Manchmal gibt es kommerzielle Projekte. Die ermöglichen dann den Betrieb von talmud.de und dieses Blogs. Das finde ich etwas smarter, als schnöde Werbung zu schalten. Direkt nach Geld werde ich sicher nicht fragen.
Sicher wird es den Text auch auf talmud.de geben. Aber in der Aufbereitung und Bearbeitung steckte auch ein wenig Zeit.

In Kürze sollte es das Buch in allen deutschsprachigen Shops für e-Books geben.
Ihr findet es etwa hier:

Danke für Eure Aufmerksamkeit für diesen kleinen Werbeblock.

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Ein Siddur als Begleiter

Siddurim, also Gebetbücher, habe ich mehr als eines. Viele von ihnen lassen »Siddur Sefat Emet«, den Siddur, der lange nahezu der einzige im deutschsprachigen Bereich war, tatsächlich antiquiert erscheinen. Sie sind einfacher zu verwenden und zeitgemäßer gestaltet. Neuere Siddurim enthalten sogar »mehr« Text, also Kommentare und Verweise auf Quellen. In einigen sind sogar Bakaschot abgedruckt, also »persönliche« Gebete.

Diese Ausgaben verwende ich auch gerne, aber einen Siddur trage ich »immer« mit mir herum. Die Kleinausgabe des »Siddur Sefat Emet«.
Noch gedruckt auf dünnem Papier (um das Jahr 1995 herum), sehr handlich, nicht zu dick. Es passt in jede Tasche und kann deshalb überallhin mitgenommen werden.
Bei einem Besuch des Castello di Gradara (in Italien) regnete es in Strömen. In der Außentasche des Rucksacks war der Siddur. Vollständig durchnässt. Im Zimmer wurde das Büchlein dann mit einem Föhn behandelt.
Auf einer anderen Reise stopfte ich eine Flasche Sherry in meinen Rucksack. Eigentlich gut eingerollt in Zeitungen und Papieren. Das Glas der Flasche war jedoch außergewöhnlich dünn. Erst als Menschen auf meinen tropfenden Rucksack zeigten, war klar, die Flasche war zerbrochen. Der Siddur war wieder vollständig durchnässt. Aber Tefillat haDerech das Gebet für die Reise konnte man immer sagen. Das Büchlein roch noch Monate danach nach Sherry, aber verklebte nicht vollständig. Ich würde sogar sagen, dass es heute noch ein wenig danach riecht.
An den Seiten erkennt man natürlich trotzdem, dass sie einmal nass geworden sind.
Für jeden Buchfreund vermutlich der totale Albtraum – aus meiner Sicht verleiht es dem Siddur einen eigenen Charakter. Weil das Büchlein eben auch in die Jackentasche passte, ging es mit auf freudige, aber auch einige traurige Ereignisse.

Irgendwann später habe ich mir die gleiche Ausgabe erneut bestellt. Aber siehe da. Das Papier war etwas anders. Das Buch roch anders und obwohl der Inhalt und die Größe identisch sind, nehme ich doch weiterhin das Original. Man kann es halt nicht einfach so austauschen, auch wenn ansonsten gerne auch andere Ausgaben verwendet. Es ist halt nicht mehr nur eine Wiedergabe von Texten, sondern etwas persönliches. Nicht nur Gegenstand, sondern irgendwie auch Teil von einem.

Natürlich hat auch der Einband stark gelitten und musste schon mehrfach vollkommen unprofessionell geklebt werden. Auch hier gilt: Wer sich mit der Restaurierung und Konservierung von Büchern auskennt, bekommt Schnappatmung. Vielleicht muss halt doch irgendwann ein anderer Einband her – aber das wiederum verändert das Büchlein. Schwierig.

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Designvorschläge von 1720

Um das Jahr 1720 herum entstand in Wien ein Siddur mit »Amsterdamer Buchstaben«. Das großartige Manuskript hat die British Library digitalisiert (hier).

Siddur 1720 Wien mit Amsterdamer Buchstaben

Das Dokument enthält interessante Illustrationen, wie etwa dieses »Schiwiti«, um sich besser auf das Gebet konzentrieren zu können:

Aber nicht nur das! Das Manuskript enthält ein paar interessante Ideen für das Layout eines modernen Siddurs (wie ich finde). Es gibt in der Keduschah für das Mussafgebet verschiedene Hinzufügungen oder Änderungen des Textes. Je nachdem, welcher Schabbat oder Feiertag gerade ist. Das haben Herausgeber durch Kästchen gelöst, oder Varianten auf speziellen Seiten, oder mit Hilfe von Auflistungen.

Hier hat man die Varianten formschön in Kugeln verpackt. Man muss sich nur die entsprechende auswählen: Chanukkah, oder Rosch Chodesch und Schabbat. Einige der Hinzufügungen sind in vielen Siddurim nicht mehr verzeichnet:

Einfügungen in die Keduschah.

Im Detail:

Detailansicht der Einfügungen: Schabbat Bereschit, Schabbat und Rosch Chodesch, Schabbat und Chanukkah

Detailansicht der Einfügungen: Schabbat Nachamu, für einen Feiertag, Schabbat Teschuwah, Chol haMoed Sukkot, für einen Schabbat zu einer Hochzeit, für einen Schabbat mit Milah.

Bei der British Library kann man im gesamten Dokument stöbern und sich inspirieren lassen. Es ist sehr gut lesbar und sehr interessant – wenn man sich für derartige Details interessiert.