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Kulüp – der Club – eine jüdische Serie aus Istanbul

Netflix hat erneut eine Serie mit jüdischem Inhalt in sein Angebot aufgenommen. Dieses Mal ist der Rahmen jedoch komplett anders als das, was wir so gewohnt sind. Nicht New York, nicht Jerusalem und aschkenzentristische Sichtweise. Dieses Mal schauen wir als Zuschauer nach Istanbul. Genauer gesagt, wir schauen auf das Istanbul der 60er Jahre. Ähnlich wie bei Primes »The Marvelous Mrs. Maisel« (spielt 1958), erleben wir also auch den Style der späten 50er und der beginnenden 60er Jahre. In dieser Hinsicht gab es wohl schlimmere Epochen.

Die Figuren Mordo und Raşel (Alle Rechte am Bild: Netflix)

Gleich die erste Szene macht klar, dass die Serie keine ethnografische Betrachtung wird, sondern ein Drama: Wir sehen eine Szene auf dem Dach eines Hauses. Eine Frau richtet eine Waffe auf einen Mann und drückt ab.

Siebzehn Jahre später wird Matilda Aseo (gespielt von Gökçe Bahadir) im Rahmen einer Generalamnestie durch die türkische Regierung aus dem Gefängnis entlassen (interessant, wie wenig historisches Wissen über die Türkei man so als Durchschnittsmensch hat). Wir erfahren, dass sie wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde und ihr erster Weg führt sie zu David (Murat Garibagaoglu), den Leiter eines örtlichen jüdischen Gemeindezentrums für Frauen. Das ist übrigens die erste Begegnung mit einer Welt, die dem mitteleuropäischen jüdischen Zuschauer nicht unbedingt bekannt ist. Denn hier wird Ladino gesprochen. Einige sprechen ausschließlich Ladino miteinander, andere ein Gemisch aus Türkisch (oder der aktivierten Synchronsprache) und Ladino. Matilda will nach Israel gehen und im Verlauf des Gesprächs lernen wir, dass ihre Tochter Raşel (Asude Kalebek) in einem Waisenhaus aufwachsen musste. David möchte die beiden zusammenbringen, doch Matilda zögert, ja zerreißt sogar ein Foto von Raşel ohne es zu betrachten. Nach einem Szenenwechsel lernen wir dann auch Raşel kennen, während sie sich um den Taxifahrer Ismet (Baris Arduç) bemüht. Mit seinem Vater Ali Seker (Istar Gökseven) hat der offenbar ein schwieriges Verhältnis. Auf dieser Grundlage entfaltet sich die Geschichte in sechs Folgen – es soll ja hier nicht gespoilert werden und es geht (natürlich) um einen »Club«.

Bei der, bereits genannten, Mrs. Maisel wurde oft bemängelt, dass es in Details an Genauigkeit und Sorgfalt fehlte. Eine Melodie aus der Synagoge sei erst später aufgekommen, ihr Fleisch kaufte sie sicher nicht bei irgendeinem Metzger etc. Wir kennen das auch von deutschen Produktionen – manchmal sind gewisse Zutaten einfach zu großzügig verwendet worden. Bei »Kulüp« scheint man etwas genauer gearbeitet zu haben. Die jüdischen Figuren sind nicht überzeichnet oder einseitig. Kleine Details, wie das beiläufige Küssen der Mesusah, oder Szenen von einem Schabbatessen stimmen einfach. Bei der Geschichte und der dramaturgischen Zeichnung der Protagonisten muss man jedoch Einschränkungen machen. Sie folgen natürlich den Gesetzen einer dramatischen Serie und sind deshalb zuweilen nicht so fein gearbeitet.
Definitiv ist die Serie eine Bereicherung und bietet Einblicke, die wir sonst nicht haben. Interessant, wie die Serie bei der nichtjüdischen Community mit türkischen Wurzeln ankommt.

Die Serie ist mit deutscher Synchronisation oder im türkischen Original (mit Untertiteln, wenn gewünscht) verfügbar.

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Ida

Besser spät als nie ein Hinweis auf den großartigen Film »Ida« von Regisseur Pawel Pawlikowski (er war schon 2014 in einigen Kinos zu sehen). Ein Film zu einem jüdischen Thema über dem kein großes leuchtendes Schild »hier jüdischer Content« hängt. Die Beschreibung enthält spoilernde Elemente.

Lis (Dawid Ogrodnik) und Ida (Agata Trzebuchowska) Copyright Opus Film

Die Hauptfigur des Films trägt zunächst auch nicht dazu bei, hier ein jüdisches Thema zu erkennen. Anna, so heißt sie, ist nämlich Nonne. Anscheinend steht sie vor der Entscheidung, sich fest für das Leben im Kloster zu entscheiden. Bevor sie das tut, erfährt sie von der Leiterin des Klosters (Priorin heißt das wohl), dass sie ihre Tante Wanda besuchen muss – ihre einzige lebende Verwandte. Die Reise geht nach Warschau und Wanda entpuppt sich als kettenrauchende, trinkfeste, eher promiskuitive Frau und – überraschend – Richterin.

Sie offenbart Anna, dass ihr eigentlicher Name Ida sei, Ida Lebenstein. Tochter von Róża and Haim Lebenstein. Juden, die während der Schoah ermordet wurden. Ida wurde von Nonnen aufgenommen und als Waise in einem Kloster aufgezogen. Wanda war kommunistische Widerstandskämpferin und später eine berüchtigte Staatsanwältin, die »blutige Wanda« (Krwawa Wanda).

Hier nimmt der Film zunächst eine, vielleicht etwas konventionelle, Wendung:

Wanda rät Ida (natürlich), einige der Verlockungen der Welt »draußen« zu probieren, bevor sie sich entscheidet, definitiv im Kloster zu bleiben. Prompt trifft Wanda den Anhalter Lis (»Fuchs«), ein Jazzmusiker, der zum gleichen Zielt möchte. Nun versucht Wanda noch Ida, sie zum Konzert von Lis zu bringen. Klar, Lis interessiert sich für Ida.

Aber an dieser Stelle wird der Film ungemütlicher und weicht von der »weltliche Versuchungen Geschichte« doch (im wahrsten Wortsinne) dramatisch ab , denn Ida möchte die Gräber ihrer Eltern besuchen, oder sehen, wo sie umkamen. Doch das ist nicht genau bekannt. Wanda fährt mit ihr zu ihrem Elternhaus. Diesen wird jetzt von einem polnischen Bauern bewohnt. Hier zeigt sich, dass seine Familie das Haus schon während des Krieges übernahm und die Lebensteins zunächst vor den Deutschen versteckt hat. Der Vater erinnert sich an Róża, erzählt aber nicht viel. Auch Wandas Sohn habe in diesem Haus gelebt, erzählt sie. Er konnte natürlich als Neugeborener nicht mit in den Widerstand. Nach einer Diskussion erklärt der Bauer sich bereit, den Frauen zu zeigen, wo die Toten begraben sind – wenn diese ihren Anspruch auf das Haus aufgeben. Im Wald stoßen sie auf die Überreste von Idas Eltern und Wandas Sohn. Es stellt sich heraus, dass der Bauer sie getötet hat und Ida nur hat leben lassen, weil sie offenbar »nicht jüdisch« aussah. Die Frauen nehmen sich also der Überreste an und nehmen sie mit. Hier folgt keine Quentin Tarantino Wendung der Geschichte – Paweł Pawlikowski erzählt in seinem eigenen Tempo die Geschichte der Frauen weiter. Das Ende wird natürlich nicht verraten.

Der Schwarzweißfilm ist eine Art Roadmovie, allerdings bewegen sich die Akteure in die Vergangenheit, die zugleich nur implizit präsent ist. Niemand nennt die Schoah und die Täter beim Namen. Das politische System Polens der 60er Jahre wird nicht auserklärt – die Konflikte mit der Vergangenheit ebenfalls nicht. Die Geschichte von Ida soll hier offensichtlich exemplarisch sein. Jede Einstellung des Films erzählt diese Geschichte eines Landes, das ein Fünftel seiner Bevölkerung im Krieg gegen Deutschland verloren hat. Drei Millionen Jüdinnen und Juden waren darunter. Riesige, graue, leere Himmel, nahezu leere Dörfer. Schöne und zugleich beunruhigende Bilder. Auf der anderen Seite eine gewisse Wärme von schicken jungen Leuten, die sich zur Musik treffen. Und in diese Szenerie hat der Regisseur die zwei Frauen gesetzt. Jede der beiden beeindruckend besetzt und wenngleich Ida/Anna an einem Kreuz am Wegesrand aussteigt um zu beten, so behandelt er ein jüdisches Thema. Das muss man denjenigen auch nicht erklären, die den Film gesehen haben. Die Vergangenheit, die zugleich die Gegenwart durchwirkt natürlich und wenn Wanda auf den Bauern trifft, blitzt auch kurz die Möglichkeit von Rache auf. Die 80 Minuten entfalten eine interessante Wirkung.

Es gibt den Film bei einigen Streamingdiensten. An dieser Stelle sei er ausdrücklich empfohlen.

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Shtisel?

Shtisel und Shulem am Tisch

Nicht, dass ich dem Urteil von Sophie Albers Ben Chamo nicht trauen würde, aber lange Zeit hatte ich den Verdacht, »Shtisel« (läuft auf Netflix) sei für die Erfüllung eines voyeuristischen Drangs erschaffen worden. Natürlich behauptet man, man möchte etwas andere Lebensweisen und Lebenswelten lernen, tatsächlich will man Selbstbestätigung für die Wahl, die man selber getroffen hat. »Schaut, wie sie leben!«

»Shtisel« ist eine israelische Serie und erzählt von vier Generationen einer charedischen Familie die in Jerusalem (im Stadtteil Ge’ula) lebt.

Natürlich bezieht die Serie ihre Energie auch über die Herausforderungen, die es mit sich bringt, Teil der charedischen Gemeinschaft zu sein und regelmäßig an Grenzen zu stoßen. Aber es wird nicht so getan, als müssten die Hauptfiguren aus dieser Welt ausbrechen, um wirklich glücklich zu sein (wie viele der Zuschauer?). Statt dessen geht es eigentlich um die Schmerzen und Freuden des Zusammenlebens – nicht darum, dass sie auf ihre Erlösung aus ihrer Gesellschaft warten.

Die Familie, um die es geht, ist die Familie »Shtisel« (mit Samech, also eigentlich »Schtissel«. Die Serie beginnt mit dem Ende der Trauerzeit um die Mutter der Familie. Ihr Sohn, Akiwa, ist etwas, oder sehr, verträumt und steht im Alter von vierundzwanzig schon etwas unter Druck, noch nicht geheiratet zu haben. Er ist Aushilfslehrer an der Schule an, an der auch sein Vater unterrichtet, zeichnet heimlich (und gut) und verliebt sich in Elischewa, eine ältere, (zweifach) verwitwete Mutter eines seiner Schüler. Schulem, der Vater, scheint der Patriarch zu sein und wirkt gleichermaßen sympathisch wie unsympathisch. Ein sehr ambivalentes Gefühl ihm gegenüber machte sich jedenfalls in mir breit. Interessant, wie man das Gefühl bezeichnet.

Gruppenbild von Staffel 2 (Alle Rechte bei Netflix)

Schulems Mutter zieht mit Einsetzen der Handlung in Pflegeheim und in ihrem Zimmer begegnet ihr das erste Mal in ihrem Leben ein Fernseher. Ihre Faszination für das, was dort gezeigt wird, nimmt in gewisser Weise die Faszination der Serie selber vorweg und zum Ende der Staffel wird das sogar in einer kurzen Sequenz thematisiert (soll kein Spoiler sein). Mit ihr spricht Schulem stets Jiddisch. Mit seinen Kindern nur in Ausnahmefällen. Dankenswerterweise hat Netflix keine Synchronisierung über die Stimmen gepackt. Man darf die Serie im hebräischen Original mit Untertiteln schauen. Baruch haSchem möchte man sagen.

Schulems Tochter Giti ist mit Lipa verheiratet, der für einen Metzger in Argentinien arbeitet. Gleich zu Beginn der Staffel verkündet er, sowohl Giti, als auch die charedische Welt verlassen zu wollen, Er lässt Gita mit fünf Kindern allein in Jerusalem. Ruchami, seine älteste Tochter, interessiert sich für Bücher, die außerhalb des charedischen Kanons liegen und verbündet sich zu diesem Zweck mit der Leiterin der Schulbibliothek.

Der Atmosphäre der Serie kann man sich schwer entziehen – die Frage ist, warum das so ist. Die Serie scheint, natürlich nicht das Drehbuch, konventionell gemacht zu sein. Innerhalb einer einzigen Episode werden Konflikte aufgelöst. Sie sind abgeschlossen und hangeln sich nicht von Cliffhanger zu Cliffhanger. Tatsächlich scheint es auch nur so: Traumsequenzen sind geschickt eingestreut und Gespräche mit Verstorbenen. Also doch nicht so konventionell erzählt. Die Figuren sind so angelegt, dass man recht schnell eine »Beziehung« zu ihnen aufbaut und vielleicht lieber nicht wissen möchte, wie profan die Schauspieler dahinter ausschauen.
In das Magnetfeld zwischen Schulem und Akiwa gerät also schließlich auch der Zuschauer. In vielen Einstellungen sitzen sie zu zweit an ihrem Küchentisch und essen. Oder sie sitzen auf ihrem Balkon und rauchen. Schon lange wurde in keiner Serie übrigens so viel geraucht. Dafür gibt es keinen Sex und keine offene Gewalt. Gar kein voyeuristisches Element – außer vielleicht, wenn Elischewa für einen Moment ihr echtes Haar zeigt. Das ist ein interessanter Gegensatz zu den Serien, bei denen alles gezeigt wird – weil dieser Moment auch vom Zuschauer als Intimität verstanden wird.

Akiwa sagt in einer dieser Szenen am Küchentisch »Die Zeiten ändern sich, Abba« und Schulem antwortet »Für die Juden bleibt alles gleich« und so Unrecht hat er nicht.

Der Staat Israel taucht in der Serie übrigens nur als Ahnung auf. Selbst am Jom ha’atzamut. Schulem möchte sich Respekt verschaffen, indem er versucht, strenger zu wirken, als er tatsächlich ist, verbietet seinen Schülern, draußen die Flugshow zu sehen und Akiwa lässt die Schüler heimlich zusehen. Der Zuschauer erhascht nur kurz einen Blick. Im Zentrum stehen hier andere.

Also zum Beginn der dritten Staffel auch definitiv ein Sehbefehl von meiner Seite.

Trailer (Englische Untertitel, bei Vimeo)

Alle Bildrechte: Netflix

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Hunters

Ein paar der Jäger/Hunter | Copyright: Christopher Saunders für Amazon Studios, Prime Video

War nicht vorhersehbar, dass man in Deutschland auf eine Serie über »Jüdische Rache« mit einer Mischung aus Genugtuung, Ablehnung und Grusel reagieren würde?
Genugtuung (mal sehen, welches Feuilleton uns zuerst einen Text dazu schenkt) , weil dann die »Opfer« Gewalt einsetzen. Ablehnung, weil das das Verhältnis zum Personal des Vernichtungsapparats ja noch immer irgendwie komplex ist. Grusel: Ja, Nazis taugen halt immer als Gruselfaktor. In Dead Snow hat man das potenziert und Zombie-Nazis auf die Reise geschickt.

Ablehnung war auch aus einem anderen Grund vorhersehbar: Fiktive Geschichten aus den Konzentrationslagern. Als hätte es das zuvor nicht gegeben. »Der Junge im gestreiften Pyjama« (grenzwertiges Buch und furchtbarer Film), oder »Les Bienveillantes« (»die Wohlgesinnten« gutes Buch, schwer auszuhalten) von Jonathan Littell, »The Dance of Genghis Cohn« von Romain Gary und Georgia Hunters »We Were the Lucky Ones« sind einige literarische Beispiele.
Filme (gibt es nicht auch eine X-Men Folge mit Schoahbezug?) gibt es ebenfalls einige. 2007 hat man in Deutschland darüber diskutiert, ob Helge Schneider Hitler in »Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler« spielen darf und damit von der Tatsache abgelenkt, dass der Film nicht der allerbeste Streifen von Dani Levy war.
Besonders heraus sticht natürlich »Inglourious Basterds«. »Hunters« knüpft genau da an. Wie Tarantino, beziehen sich Serienautor David Weil und Regisseur Jordan Peele stark auf die B-Movies der 70er Jahre – in der die Serie auch spielt. Das ganze ist angefüllt mit Verweisen auf Comics, Science-Fiction und sogar Broadway-Musicals jener Zeit. Referenzen auf jüdische Popkultur sind zahllos. Wer mit diesem Stil nichts anzufangen weiß, wird natürlich mit »Hunters« nicht glücklich und sowieso mit keinem Tarantino-Film. Wenn also eine Ermittlerin in der Schublade eines Arztes herumkramt, wird sie natürlich Zähne finden und Fotografien aus dem Lager. So funktioniert der Plot nach den Konventionen jener Zeit. Wer also einen Arthouse-Film mit Diskursen über Schuld erwartet, wird keine gute Zeit haben und stattdessen mit überzogenen Dialogen und Einspielern beschenkt.

Ach so, was ist eigentlich die Handlung? 

Eine Gruppe unter der Leitung von Meyer Offerman, gespielt von Al Pacino, deckt in den USA versteckt lebende Nazis auf. Die sind gerade dabei, eine Verschwörung gegen den Staat in Gang zu bringen. Seine Gruppe besteht dabei aber nicht nur aus jüdischen Mitstreitern. Zugleich interessieren sich die Nazis für diejenigen, die da ihre Leute umbringen und die Ermittlungsbehörden wollen natürlich auch wissen, wer da sein Unwesen treibt.

Wer sich in diesem Universum zurechtfindet, wird mit »Hunters« auf eine wilde Fahrt gehen, in der nicht nur eine Geschichte erzählt wird, sondern auch etwas über Rassismus und Antisemitismus. Diese Themen sind noch immer aktuell.

Wenig gelungen sind die Szenen, in denen tatsächlich auf die Schoah rückgeblendet wird und man sich als Zuschauer nicht sicher sein kann, ob die etwas schwache Umsetzung eine Referenz an die 70er sind, eine Form der Distanzierung, oder einfach schlechtes Filmhandwerk – was man sich eigentlich nicht vorstellen will. Hier hätten Erzählungen vielleicht ihren Job auch getan. Der Blick in ein Ghetto verrät auch architektonisch, dass wir uns noch in den USA befinden und die Szenen im Lager wirken befremdlich. 

Schließen wir mit einem typischen Zitat »Bist Du ein Jewper-Held?«

Die Serie läuft seit Februar 2020 bei amazon prime.

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Was denn jetzt?!

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Synagoge Baumweg (Frankfurt am Main) im Juli 2014

Ist es viel, wenn 38,8 Prozent der Flüchtlinge eine antisemitische Einstellung haben und meinen »Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich«?
Das wäre jedenfalls die Prozentzahl derjenigen Menschen, die das in Deutschland annehmen. Wären also etwa ein Drittel der Flüchtlinge Antisemiten, entspräche das dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Jeder Antisemit ist einer zuviel.
Egal aus welcher Gruppe.

Aber das Thema wurde medial entdeckt.
Darüber berichtete der Deutschlandfunk (irgendwiejuedisch hat darüber gebloggt, mittlerweile ist der Artikel aber aus dem Netz des Radiosenders verschwunden) aber auch die Welt »Zentralrat der Juden warnt vor arabischem Antisemitismus«.
Der Tagesspiegel analysiert unter der Überschrift »Sorge vor neuem Antisemitismus wegen Flüchtlingen«: »Viele Flüchtlinge kommen aus Ländern mit juden- und israelfeindlicher Kultur, warnen jüdische Verbände« (hier).
Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung titelt ebenfalls »Juden wegen Flüchtlingen in Sorge um ihre Sicherheit«.
Die NWZ gibt einen Evangelischen Pressedienst als Quelle an und titelt etwas wissender: »Angst deutscher Juden wächst«.
Auf der Website evangelisch.de findet man einen Beitrag, der ähnliches verlauten lässt.
Die Sorge ist plötzlich groß, jetzt wo plötzlich offensichtlich ist, dass die Flüchtlinge aus Ländern kommen, in denen sie »den Antisemitismus mit der Muttermilch eingesogen haben« (wie es in einem Artikel heißt). Rührend.

Und dann betrachtet man, wie, teilweise die gleichen Medien, über die Situation vor Ort (im weitesten Sinne) schreiben. Dort, wo sich Menschen mit ähnlicher Erziehung (wenn man den Medienberichten vertraut) mit dem Staat Israel auseinandersetzen.
Hier müsste man nun Verständnis für den Staat erwarten, der, von Antisemiten umgeben, um seine Existenz kämpft. Weit gefehlt.
Hier ist das Schema genau umgekehrt.
Israel ist der Aggressor. Das geht sogar soweit, dass Spiegel Online titelte »Palästinenser sterben bei Messerattacken auf Israelis«, tagesschau online ist der Meinung, bei der Tötung von Juden gehe es nicht um Hass auf Juden. Die Umkehr des Schemas in der Berichterstattung wurde hier bei lizaswelt ganz passend nachvollzogen.

Da lautet meine Frage: Was denn jetzt??!
Kommen da jetzt Horden von Antisemiten aus dem Nahen Osten? Dann wäre es ja offensichtlich notwendig, wenn sich ein Staat in dem größtenteils Juden leben, dagegen wehrt und geeignete Maßnahmen trifft.
Oder: Die Bewohner der Nachbarländer sind friedliche Menschen – aber werden immer wieder von einem expansiven Land mit Krieg überzogen, dass ein Großisrael will (um mit Jürgen Todenhöfer zu sprechen) und sind deshalb manchmal ein wenig sauer auf den Staat mit den vielen jüdischen Bewohnern. Dann hätten die Juden in Deutschland doch nichts zu befürchten?

Oder: Ist es alles ganz anders? Nicht Schwarz-und-Weiß? Wohl eher das. Kommen da vielleicht einfach Menschen? Einige von ihnen sind bestimmt Antisemiten (weil es die überall auf der Welt gibt) und die gehören ebenso bestraft, wie Antisemiten aus regionaler Produktion. Andere sind es nicht.

Dann benötigen wir aber keine Berichterstattung die so tut, als mache man sich ernsthaft Sorgen um das Judentum in Deutschland. Die gab es kaum zum Beschneidungsurteil und die gab es kaum, als der Mob tatsächlich antisemitisch demonstriert hat.
Könnte es vielleicht sein, dass die Juden hier als Deckmäntelchen dienen, um Vorbehalte so zu formulieren, dass sie so klingen, als machte man sich aufrichtig Sorgen?
Und wie sollte man das nennen, wenn man Juden nur für einen Zweck benutzt?

Update 25. Januar 2016

In diesem Blog (Mandolina) wurde das noch einmal auf den Punkt gebracht:

Denn Antisemitismus ist kein mystisches Spaghettimonster, das sich wahlweise auf verschiedene Bevölkerungsgruppen setzt, dort sein Unheil anrichtet, und dann weiterfliegt, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Antisemitismus ist, in diversen Ausformungen und Facetten, ein integraler Bestandteil des christlichen Abendlandes, und wenn jetzt zur „Antisemitismus-Prävention“ Flüchtlingsunterkünfte und Moscheen brennen, dann schützt der weiße Europäer nicht die hier lebenden Juden, sondern benutzt sie zur Legitimation seines eigenen Rassismus.
von hier – Mandolina| Das Experiment

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Slichot

Seit Samstagnacht – Sonntagfrüh werden Slichot gesagt und das überall auf der Welt.
Instagram sei Dank, kann man das jetzt auch sehen oder zumindest einen Einblick erhalten:

Sao Paulo

#jewish #synagogue #slichot #saopaulo #sinagoga #roshhashana #5776 #judaism #kabbalah

Ein von MMoshe Israel (@mmoshe_israel) gepostetes Video am

Dublin

Manchester

New York

Jerusalem

#selichot #firstnight #elul #5775 #jerusalem #greatsinagogue

Ein von חנה (@michie.m95) gepostetes Foto am

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The Angriest Man in Brooklyn

Filmposter: The Angriest Man in Brooklyn

Filmposter: The Angriest Man in Brooklyn

Der letzte Film mit Robin Williams in der Hauptrolle! Da überdeckt die Emotion über den Verlust des Künstlers schnell den Blick auf den Film.
Dabei oszilliert dieser Film, der eigentlich ein Remake eines israelischen Spielfilms ist, zwischen »ganz gut« und »oj«. Erzählt wird eigentlich die Tragik eines jiddischen Witzes:
»Herr Doktor, sagen sie mir die Wahrheit. Wie steht es um mich? Haben Sie die Ergebnisse?«
Der Doktor nickt. »Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für sie. Zuerst die gute Nachricht: Sie haben noch 24 Stunden zu leben.«
»Was?! Und die schlechte Nachricht?«
»Der Bericht ist von gestern Abend.«

In unserem Film ist es Henry Altmann (Robin Williams also) der äußerst entnervt in einem Krankenhaus in Brooklyn eintrifft, wo ihn, statt seines Arztes, die junge Ärztin Sharon Gill (Mila Kunis) behandlen muss. Weiterlesen

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Kurzer Einblick in eine jüdische Hochzeit

In Montreal wurde jüdisch geheiratet (ja, soll häufiger vorkommen) – Levi Chayo und Mushky Krasnianski, beide aus Chabad-Familien – und das Lokalfernsehen war dabei.

Es gibt Fotos und zwei Videos – es ist nicht sehr lang. Wer also einen Blick auf/in eine jüdische Hochzeit werfen möchte, hat hier die Gelegenheit:

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Begehung der karolingischen Synagoge von Köln

In Köln soll ein Museum entstehen, welches die jüngsten archäologischen Entdeckungen zur jüdischen Präsenz in Köln dokumentiert. Dort wurde eine Synagoge gefunden, von der man sagt, sie sei die älteste bekannte Synagoge nördlich der Alpen. Datiert wird sie in die karolingische Epoche, also noch vor dem Jahr 800 und diese Synagoge habe wiederum auf einer gestanden, die aus dem 4. Jahrhundert stammt. Also aus einer Zeit, in der das Christentum in Köln noch nicht fest etabliert war.
Die Mikweh sei in allen Phasen der Bebauung genutzt worden.
Das Gebäudeensemble wird von der Archäologischen Zone Köln in einer virtuellen Begehung vorgestellt:

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Noa(c)h

Ein Old School Bibelfilm? Willkommen zurück in den 60er Jahren!

Darren Aronofsky (Black Swan hat er gemacht, oder The Fountain) hatte das irgendwie nicht im Sinn, als er »Noah« drehte. Meint man jedenfalls, wenn man den gewaltigen Trailer sieht.
Die Handlung dürfte (hoffentlich) bekannt sein. Deshalb kann man sich auf die Umsetzung konzentrieren und schauen, was er aus dem Stoff gemacht hat.
Sind jüdische Elemente drin, oder ist die Geschichte platt erzählt? Im Trailer jedenfalls kann man schon eine gewisse Tendenz zur Orientierung am tatsächlichen Text erkennen. Da ist kein überdimensioniertes Boot unterwegs (wie dieser Unsinn hier), sondern tatsächlich ein Tewat Noach, ein großer Kasten. Dann regnet es nicht einfach nur stark, sondern ganz textsicher öffnen sich auch die Schleusen der Tiefe schleudern in den Himmel. Sieht toll aus. Mehr kann man noch nicht sagen und ist auf den Trailer angewiesen, oder den Cast. Es gibt eine Figur namens Samyaza. Ein Hinweis, dass man sich auch mit dem Buch Henoch befasst hat. Brian Godawa schreibt in seinem Blog hingegen (er las offenbar das Drehbuch), man solle nicht zuviel erwarten.
Anthony Hopkins hat Aronofsky eingespannt, Russell Crowe, Jennifer Connelly, Emma Watson und Logan Lerman. Die bewegen sich in einer Bildwelt, die ein wenig an 300 erinnert. Dazu jede Menge Tiere, wie man im Trailer bestaunen kann. Alle computeranimiert.

Am Ende des Trailers heißt es »Written by Darren Aronofsky and Ari Handel« und der Zuschauer könnte denken »Von wem war die Geschichte gleich?l«

Der Film soll am 27. März 2014 in die Kinos kommen – dann wissen wir mehr.