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Juden und Muslime in Frankreich liefern ab

Ein Schlag ins Gesicht aller, die so gerne hätten, dass sich Muslime und Juden nicht mögen (es soll da bestimmte nichtjüdische Strömungen geben, die das herbeifantasieren). In Frankreich entstanden jetzt unabhängig voneinander zwei Projekte mit jeweils zwei Künstlern. Einem jüdischen und einem muslimischen:

Der algerische Rapper l’Algerino gemeinsam mit Tal (Benyerzi):

Der marokkanische Rapper La Fouine zeigt sich zusammen mit Patrick Bruel.
Das Video scheint so gut anzukommen, dass die GEMA es schon geschafft hat, es den deutschen Zuschauern vorzuenthalten. Wer nicht aus Deutschland kommt (oder sonst an die Clips kommt), kann also hier das entsprechende Video sehen:

Natürlich kann man einwenden: »Das sind doch nur zwei Projekte!« Aber die beteiligten Rapper sind keine Unbekannten und gehen mit gutem Beispiel voran. Eventuell werden ein paar Fans mächtig sauer sein, aber das Signal ist nicht das schlechteste.

Zitat

Fremde Sicht auf die Beschneidung

Es handelt sich dabei auch nicht um irgendein Gebot, sondern um eines der zentralen. Wenn jüdische Eltern ihre Jungen beschneiden lassen, folgen sie diesem Gebot, loben sie G-tt. Können wir Christen uns anmaßen, Juden dies abzusprechen? Sie daran hindern zu wollen, diesem Gebot G-ttes zu folgen? Oder noch schlimmer, ihnen erklären zu wollen, wie sie G-tt zu loben, seine Gebote zu befolgen haben? Haben wir uns nicht vielmehr mit aller unserer gesellschaftlichen Kraft an ihre Seite zu stellen?
Aus einer evangelischen Predigt zum Israelsonntag

als Beitrag zur unendlichen Debatte über die Beschneidung.

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An allem sind die Juden schuld!

Eine Polemik

Hoch ging die Diskussion im deutschen Blätterwald! Endlich wieder ein Aufregerthema! Vorbei die Diskussion um Ministerpräsidenten, die ihr Land schädigen und das Parlament ausschalten, um eine Politik, deren Nutzen, in Zweifel gezogen werden darf, contra legem durchzusetzen. Vorbei die Aufregung um (nutzlose) Rettungspakete:

Die Juden lassen ihre Kinder beschneiden! Kein anderes Thema hat im Gefolge des un- und (nach Meinung des Verfassers) blödsinnigen Urteils einer Kammer des LG Köln die deutschen Gemüter so sehr bewegt wie die Frage: Dürfen die das?
Solange ich als Jurist beruflich tätig war, waren Termine am LG die Ausnahme, und ich wußte warum die Oberlandesgerichte die Bühne waren, auf der ich aufgetreten bin! Das klingt hochmütig, ist es auch, denn ich habe erleben müssen, daß deutsche Landrichter nur dann bereit sind, nachzudenken wenn jedes ihre Urteile am OLG aufgehoben wird, weil Polemik und Vorurteile kein rechtlich sauberes Denken ersetzen.
Was macht nun die deutsche Öffentlichkeit aus dem Urteil der Landrichter? Zunächst einmal dieses: Das Urteil des LG entfaltet Gesetzeskraft, wer dagegen opponiert oder das nicht anerkennt, dem wird nahegelegt, das Land zu verlassen, nötigenfalls, indem Goethe zitiert wird. Niemand kennt den Rechtssatz, nachdem das Gesetz des Landes unser Gesetz (Recht) ist, aber: Haut die Juden!
Das alles hatten wir schon einmal. Heute werden wir nicht mehr vergast, das ist durch, aber man arbeitet daran, uns klar zu machen, daß wir hier unerwünscht sind. Wir sind an allem schuld, am Sozialismus, am Kapitalismus, am Kommunismus, an dem Bürgerkrieg in Syrien und nun auch an der Beschneidung! Die erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung.
Wie diffus dieser Begriff ist, mag eine Begebenheit aus meinem Leben verdeutlichen. 1988 war ich zur Kur in einer Fachklinik für Stoffwechselkrankheiten. Selbstverständlich wurden zur genauen Diagnose Blutproben benötigt und (freiwillig) gegeben. Zwei Tage später wurde mir mitgeteilt, ich hätte kein Aids. Daran hatte ich keinen Zweifel, denn ich hatte nur meine Frau erkannt, die ich damals seit 24 Jahre kannte. Gleichwohl habe ich dem Chefarzt eröffnet, daß er sich der Körperverletzung schuldig gemacht habe und (damals) mit Wonne seiner Verurteilung beigewohnt. Heute denke ich differenzierter!
Beschneidung ist bei den Muslimen Brauch, bei uns conditio sine qua non. Wer medizinische, kinderschützende, rechtliche, historische oder sonstige Gründe dagegen ins Feld führt, will jüdisches (und muslimisches) Leben in Deutschland unmöglich machen. Selten sind sich orthodoxe und liberale Rabbiner einig, hier schon, denn wer an der Beschneidung rüttelt, rüttelt an den Grundfesten unserer Religion. Es fällt uns Männern schwer genug, anzuerkennen, daß der Umstand, daß die Frau nach dem Mann geschaffen wurde, ein Wertigkeitaussage enthält. Entsprechendes gilt für die Beschneidung. Die Frau ist, so wie sie geschaffen ist, in Seinem Bilde geschaffen, bei uns Männern besteht Korrekturbedarf, erfüllt durch die brith!

Erstaunlich, daß die Richter am LG Putzke gefolgt sind, dessen Arbeit daran krankt, daß sie nur die Argumente berücksichtigt, die er hören will. Entgegenstehende Statistiken und Empfehlungen wurden schlichtweg ignoriert. So verstehe ich wissenschaftliches Arbeiten nicht, frage mich viel mehr nach den Motiven!
Schade, daß die Grünen in dieser Frage gekniffen und sich im Parlament enthalten haben. Lag das daran, daß eine Führungspersönlichkeit den Namen Cem trägt und daher Abgrenzung opportun schien? Egal, das finden wie nie heraus.
Wichtig ist und bleibt nur das: Wir treten für die Beschneidung ein und lassen nicht zu, daß Deutschland endlich judenfrei ist. Vor einigen Jahren habe ich diese Schlagzeile im Archiv der Zeitung meiner Heimatstadt ausgegraben und geschworen Nie wieder!

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Die Sache mit den Totentaufen

Vielleicht hat es mit dem Wahlkampf in den USA zu tun, dass die stellvertretende Taufe für Verstorbene (sog. Totentaufe die in Tempeln der Mormonen durchgeführt wird) plötzlich wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät (siehe etwa Spiegel Online). Einer der Kandidaten ist Mormone.
Man könnte von mangelndem Fingerspitzengefühl sprechen, wenn plötzlich Opfer der Schoah getauft werden, weil dies eine herablassende Haltung ausdrückt: Wir haben die Wahrheit ihr nicht. Aber das war es auch schon. Das ist kein Aufreger. Juden sollte das wenig kratzen.
Warum? Wichtig wird die Taufe erst dann, wenn ich ihr irgendeine Bedeutung beimesse und dieses Ritual als verbindlich betrachte. Das tun Juden jedoch nicht.
Ende der Diskussion.

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Noll ist gedanklich noch in Essen

Während die meisten observanten Juden den Monat Elul und die Hohen Feiertage dazu verwendet haben, introspektiv tätig zu werden und noch einmal das eigene Tun kritisch zu hinterfragen und zu schauen, wo man den Nebenmenschen verletzt haben könnte, geht der Schriftsteller Chaim Noll lieber mit anderen ins Gericht. Über die Achse des Guten wiederholt er seine Polemik gegen den Islam, die er auch schon in der Alten Synagoge Essen an den Mann bzw. die Frau bringen durfte und einen wichtigen Beitrag zur Diskussion Wie man nicht über Antisemitismus im Islam spricht leistete. Gar mitten in Brennpunkt wie dem Ruhrgebiet. Hier ist die Frage, ob und wie man gegen Antisemitismus vorgeht, der sich ein religiöses Mäntelchen überstreift, keine theoretische, die man in feuilletonistischen Texten abhandeln kann, sondern eine ganz reale. Hier vor Ort haben wir es mit Jugendlichen zu tun, die durch arabischsprachige Fernsehsender mit Antisemitismus geimpft werden und für die Jude schon Schimpfwort an sich ist. Im Mai kritisierte ich die Veranstaltung, vor allem aber ihre Platzierung. Wenig glücklich damals auch die (Über-)Reaktion des muslimischen Vertreters in der ganzen Geschichte.

Nach diesem Durcheinander übergab man praktischerweise den Schlüssel an Uri Kaufmann, der neue Leiter der Alten Synagoge. Der fasste die Aktionen, die zwar nach seiner Einstellung, aber vor Amtsantritt stattfanden, ganz unaufgeregt aber pointiert in einem Interview zusammen und zeigte, dass man einen Satz wie einen Torpedo einsetzen kann. Wenig Lärm und dann Treffer:

Wenn jemand über den Koran spricht, sollte er schon eine gewisse fachliche Kompetenz mitbringen, zum Beispiel Arabisch, und den Koran lesen können. Dazu reicht eine Sozialisation in Ostdeutschland nicht aus. von hier

Chaim Noll hingegen meint,

Inzwischen hat die Stadt Essen das Problem auf ihre Weise gelöst, durch Appeasement der militanten muslimischen Funktionäre. Da die Leiterin der Alten Synagoge Edna Brocke nach 23 Jahren in den Ruhestand ging, lag es in der Logik des Oberbürgermeisters, einen anschmiegsameren neuen Leiter zu suchen. Er fand ihn in dem Schweizer Historiker und Ausstellungsmacher Uri Kaufmann
von hier

Etwas weiter vorher schreibt er im seinem Text:

In diesem Sinne war offenbar auch sein Brief gemeint. Über meinen Vortrag hinaus zu dem Herr Balaban eingeladen war, aber nicht erschien versuchte er Einfluss auf die künftige Arbeit der Alten Synagoge zu nehmen.
auch von hier

Das ist schön polemisiert. Geht aber an den Fakten vollständig vorbei. Die Stadt Essen schrieb die Stelle von Kaufmanns Amtsvorgängerin bereits Ende 2010 aus und stellte Kaufmann schon zu Beginn des Jahres 2011 ein und keinesfalls nach der Noll-Lesung im Mai. So extrem wichtig war der Auftritt Nolls wohl doch nicht. Eine Podiumsdiskussion mit Noll und richtigen Experten in diesem Themenfeld wäre vielleicht ein interessanter Ansatz gewesen.
Nicht, dass etwa der Eindruck entsteht, man müsste den selbsternannten Kritikern per se den Mund verbieten.
Chaim Noll sollte vielleicht auch mal loslassen können. Andere Themen gibt es genug.

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Aufgepasst Klezmer-Menschen

Wann hat man die nichtjüdischen Deutschen eigentlich zur Seite genommen und ihnen erklärt, dass Klezmer die jüdische Musik sei?
Deshalb hier noch einmal auf den Punkt gebracht: Es ist die Musik der osteuropäischen Juden. Keinesfalls zogen Klezmorim früher durch deutsche Städte und besuchten die Synagogen. Vermutlich hätten die Besucher des Tempels von Hamburg sich eher gewundert über die seltsame Musik.
Es ist vermutlich nicht falsch zu behaupten, dass man das Klischee vom osteuropäischen Klezmermusiker im westeuropäischen Judentum vor der Schoah rundherum ablehnte. Heute scheint Klezmermusik zum festen Bestandteil von (durch Nichtjuden organisierten) Gedenkveranstaltungen geworden zu sein. Insbesondere die Veranstalter von Stolpersteinverlegungen haben Klezmer als dramaturgisches Instrument entdeckt, siehe etwa hier, hier, hier, hier, hier oder etwa hier. Das ist noch interessanter, wenn man bedenkt, dass die Musiker sich doch eigentlich mit ihren Stücken und der Art der Musik auseinandergesetzt haben sollten. Meinen sie wirklich, sefardische Juden, oder Juden aus Marokko würden Klezmer hören oder mögen? Chassidische Juden würden sich schön ärgern, wenn man bei einem Anlass zu Ehren eines chassidischen Juden Musik von Komponisten aus der Reformbewegung spielen würde. Ist doch jüdisch? Nicht zufällig heißt ein Kapitel aus Michael Wuligers Koscherknigge: Kein Klezmer bitte, wir sind schon jüdisch.

In Deutschland scheint es anders zu sein. Mit wir meinen es gut räumt man den Einwand zur Seite, man brächte hier osteuropäische Folklore zur Aufführung, wenn es jedoch um etwas ganz anderes geht. Einfach weil man meint, für Juden gehöre sich das so. Ein Vorurteil also. Stereotype die man hegt und pflegt.

Bitte weitersagen und damit aufhören. Danke.

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Limmud.de 2011

Dieses Jahr größer denn je! Rund 500 Teilnehmer, mit vielen bekannten Gesichtern und vielen Neuen, und einem, objektiv gesehen, im Vergleich doch etwas gesenkten Altersdurchschnitt, tummeln sich bei strahlendem Sommerferienwetter in der EJB-Idylle am Werbellinsee. Intensiver Kiefernduft auf der großen Wiese, vom See weht ein laues Lüftchen. Aus den offenen Fenstern des Seminarhauses klingt es angeregt vielsprachig heraus, während mich die Verdauung des exzellenten Mittagessens zu einem Nickerchen in der Sonne verführt. Aus der Disko klingen smirot Schabbat, die für heute Abend schon mal geübt werden.
Die einmalige und so besondere Atmosphäre ist wieder da, die aus anfangs noch vorsichtig-erwartungsvollen Erstteilnehmern überzeugte Limmudniks und Wiederholungstäter macht.
Schon am Donnerstag, gleich nach der Anmeldung bei den fleißigen Freiwilligen und Organisatoren in den Limmud-T-Shirts, geht es direkt rein ins Vergnügen. Während eine musikalisch umrahmte Einführungsveranstaltung die Neulinge einstimmt, wird schon lebhaft gelauscht, gelernt und diskutiert.
Die Organisatoren haben sich wieder mal selbst übertroffen! Das Programm ist so vielfältig, dass es wirklich schwer fällt, sich für jeweils eine Veranstaltung pro Zeit zu entscheiden, und viele der Dozenten sind schon von vorigen Jahren bekannt und beliebt, so dass man allein schon auf Grund des Dozenten eine Entscheidung trifft. Die Kurse und Veranstaltungen in den Kategorien “Religion”, “Geschichte”, “Literatur/Kunst/Musik”, “Gesellschaft”, “Politik/Israel” und “Ethik/Philosophie” sind jeweils gut besucht. Interessenten, die des Deutschen nicht mächtig sind, finden eine große Auswahl an Shiurim in Englisch und Russisch, und die Dolmetscher der letzten Jahre sind auch wieder im vollen Einsatz.

Und was für Leute trifft man hier so? Alle Sorten!
Die bunte Mischung aus dem ganzen Spektrum jüdischen Lebens ist ein ganz besonders prägendes Merkmal von Limmud. Von orthodoxer Seite hörte ich schon wiederholt, dass Limmud ja eine liberale Veranstaltung sei, und dass man da lieber nicht hingehen sollte, weil man da sowieso nichts lerne, oder jedenfalls wenn dann nicht das “Richtige”. Das scheint diejenigen Orhodoxen, die hier her gefunden haben, nicht abgeschreckt zu haben, und entspricht auch keineswegs der Realität. Ohne hier eine Diskussion des ewigen Konflikts auslösen zu wollen: Limmud ist wirklich für alle da, und in der Durchführung (Kashrut, Schabbat) möglicherweise sogar deutlich orthodoxer, als manche das aus ihrem täglichen Leben kennen. Und so sind hier eben alle richtig, sowohl die Damen mit Hüten, Scheitels und langen Röcken, als auch die Mädels in hot pants und die Frauen mit Kippa. Und natürlich entsprechende männliche Äquivalente. Nur so kann ein lebendiger Dialog zwischen den Welten entstehen!

Jetzt noch schnell auf dem Weg zum Caf am Shuk vorbei (Bücher, Gummibärchen, Krimskrams), und dann ist auch schon Zeit für den nächsten Workshop!

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Spaßbefreit

Videos von religiösen Fanatikern erkennt man stets an ihrer kompletten Spaßbefreitheit und der Absenz jeglicher Selbstironie. In islamistischen Videos spricht meist ein Mann mit imposantem Bart und fuchtelt häufig mit einer Hand und einem ausgestreckten Zeigefinger belehrend im Vordergrund herum.
Wenn andere Personen zu sehen sind, dann schauen die meist grimmig und steif in die Kamera – manchmal sind sie auch verhüllt. Scheinbar lächeln Menschen nicht, die einem gewissen Fundamentalismus frönen – sei er politisch oder religiös.

Ein Rabbi namens Rabbi Levin hat es geschafft, diesen Stil nahezu perfekt zu kopieren. Allerdings sind auf dem Video eine ganze Reihe von Personen zu sehen, die allerdings keinerlei Funktion haben und das Anliegen einfach nur wichtig aussehen lassen:

Bis zum Schluss weiß man nicht, ob das nicht vielleicht doch eine böse Satire ist. Offenbar nicht.

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Der Islam mit antisemitischem Fundament

Böse Zungen behaupten, ich hätte mit einem Glas Wein auf die Nachricht reagiert, dass Frau Brocke die Einrichtung Alte Synagoge Essen verlassen würde. So ist es natürlich nicht. Ich habe den Korken einer Sektflasche knallen lassen. Jetzt konnte eine andere Richtung eingeschlagen werden. Die Stadt Essen wollte ein Haus jüdischer Kultur aus dem Haus machen. Wenn man im Ruhrgebiet lebt, hat man große Erwartungen an einen solchen Titel.
Natürlich kommt es immer anders als man denkt und der Kurs, den Frau Brocke eingeschlagen hat, geht irgendwie nun doch weiter. Unter dem kommissarischen Leiter Dr. Schwiderwoski (der die Amtsgeschäfte führt, bis der neue Leiter Dr. Uri Kaufmann im September seine Arbeit aufnimmt) macht das Haus nach dem Personalwechsel nicht mit einem inhaltlich jüdischen Thema Furore, sondern indem man gegen etwas ist. Die Beschäftigung mit Antisemitismus ist übrigens kein jüdisches Thema, es sollte eigentlich Thema der Gesamtgesellschaft sein.

So kündigte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Essen einen Vortrag von Chaim Noll im Haus Jüdischer Kultur an, der zunächst unter der Überschrift Antisemitismus heute daherkommt. Das klingt zunächst nach einem Standardthema einer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und für die Alte Synagoge mit altem Profil ohnehin. Der kurze Text der Ankündigung kommt jedoch weniger verschlafen daher:

Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohamed im Islam eine fundamentale Rolle. Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden. Ein Beispiel dafür liefert die im Gaza-Streifen herrschende Organisation Hamas in ihrer Charta. Judenhass wird auf den Staat Israel übertragen, dessen Zerstörung das erklärte Ziel dieser Bewegung ist. Von hier

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Das jüdisch-christliche Abendland?

Im Zusammenhang mit der Hysterie um die Rede von Bundespräsident Christian Wulff zum Tag der deutschen Einheit, kam wieder ein interessanter Begriff im Schlagabtausch der Meinungen auf. Der Begriff von einer christlich-jüdischen Tradition in Deutschland. Um nur ein populäres (leider) Beispiel zu nennen; Hugo Müller-Vogg von der Bild:

Unser Verständnis von Freiheit und Menschenwürde gründet auf unserer christlich-jüdischen Tradition und der Aufklärung. von hier

Mir kommt es ein wenig so vor, als möchte man doch christliche Tradition schreiben, aber neuerdings hat man diese jüdisch-christliche oder christlich-jüdische Tradition entdeckt und niemand kann so recht sagen, woher dieser Begriff eigentlich stammt. Der Begriff Tradition erweckt nämlich den Eindruck, es habe in den letzten zweitausend Jahren eine friedliche Symbiose beider Religionen gegeben. Dabei hat es die auch in der jüngeren Geschichte nicht gegeben. Die jüdische Geschichte in Deutschland ist ja eine jahrhunderte lange Geschichte der Ausgrenzung und zum Schluss dann auch recht einseitigen Liebe. Wie Ramona Ambs schon in ihrem Text Ausgeprägtes Markenbewusstsein feststellt, wird der Begriff aber auch nur dann benötigt, wenn es darum geht, sich gegen eine weitere Partei abzugrenzen:

Als Familienministerin von der Leyen 2006 eine Wertekonferenz (Bündnis für Erziehung) einberief, lud sie dazu nur Vertreter der christlichen Kirchen ein. Das Christentum sei Grundlage, immerhin handle man nach den christlichen Zehn Geboten. von hier

Almut Schulamit Bruckstein oruh stellt dies nun auch im Tagesspiegel fest:

Nein, es gab keine jüdisch-christliche Tradition, sie ist eine Erfindung der europäischen Moderne und ein Lieblingskind der traumatisierten Deutschen. Jüdisch-christlich ist eine Konstruktion, geprägt von einer Genese des Fortschritts, die in der Reformation und in der Französischen Revolution gipfelt. Erst nach der Schoah hat in Deutschland ein jüdisch-christlicher Dialog begonnen. Dabei entsprachen die Trennlinien dieses Dialogs paradoxerweise ziemlich genau den Trennlinien zwischen muslimischen und christlichen Überzeugungen heute. Selten gibt es für die offensichtlichen Gemeinsamkeiten dieser beiden Traditionen auch ein öffentliches Zeugnis, wie etwa zur Zeit, als die Republik über Navid Kermanis Äußerungen zum Kreuz in helle Aufregung geriet und Fürsprecher wie Micha Brumlik am Ende doch, wenn auch eher leise, darauf hinwiesen, dass auch für viele Juden wie soll man es sagen jede Form der Kreuzestheologie letztlich Blasphemie bleibt. von hier

Aber Bruckstein oruh folgert auch etwas daraus:

In Zeiten, in denen muslimische Traditionen unter Generalverdacht stehen, bedarf es einer erneuten Liaison der jüdischen Intellektuellen mit den Muslimen dieses Landes. von hier

Nötig wäre es alleine schon deshalb, weil diejenigen, die gegen den Islam hetzen immer so tun, als würden sie Israel und die Juden toll finden und dabei versuchen, beide als Gegenpol zum Islam zu montieren.