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Der Baal haBlog in Köln und bei einem Seminar in Dorsten

Der Baal haBlog (also ich, der Chajm) wird am 8. November 2015 in Köln sein und am 15. November 2015 im Jüdischen Museum Dorsten.

Bevor man jetzt fragt: Häh? Dorsten? Warum sollte ich dorthin fahren, der könnte weiterlesen und dann entscheiden…

Am 8. November wird es im Rahmen der Kölner Literaturtage eine Veranstaltung mit dem Titel »Ich bin der Andere – Über die Wertvorstellungen der monotheistischen Religionen« geben. Dort wird ein Vertreter einen christlichen Teil übernehmen, einer den muslimischen und einer den jüdischen (ja, man spricht hier mal mit Juden). Es diskutieren Prof.Dr. Dr. Josef Freise, Frau Dr. Jussra Schröer und meine Wenigkeit. Das mag zunächst abstrakt klingen, aber es gibt einige aktuelle Debatten bei denen man sich fragt: Wo sind die Beiträge der drei monotheistischen Religionen? Wo zeigen sie klare Kante? Themen gäbe es genug, über die man sprechen könnte.
Veranstaltungsort: Forum VHS im Kulturquartier
08.11.2015 15:00; Cäcilienstraße 29, 50667 Köln, weitere Details hier. Es wäre nett, dort auf ein paar Gesichter hinter den Klicks auf die Inhalte dieser Seite zu treffen.

Im Namen eines G-ttes, den wir den »G-tt des Lebens« nennen, wird getötet, im Namen eines G-ttes, den wir den »G-tt des Friedens« nennen, wird Krieg geführt, im Namen eines G-ttes, den wir den »G-tt der Liebe« nennen, wird gehasst und Gewalt ausgeübt. Vor diesem Hintergrund wird ein Seminar im Jüdischen Museum Dorsten stehen.
»Frieden – Salam – Schalom«
Tatsächlich wird es aber nicht nur darum gehen, dass wir uns gegenseitig erzählen, wie friedlich die eigene Religion jeweils ist. Das Seminar wird Frieden und Gewalt in den abrahamitischen Religionen thematisieren. Sehr lange wird ja darüber spekuliert, etwa von Prof. Jan Assmann, ob Monotheismus und Gewalt einander bedingen und praktisch untrennbar zueinander gehören. Da werden die Teilnehmer ins Gespräch kommen und ich hoffe auf eine bunte Gruppe.

Das Seminar wird sein am Sonntag, den 15. November 2015, von 11.00 bis 16.00 Uhr. Einen Programmflyer gibt es hier. Anmeldeschluss ist der 9. November 2015.

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Jom Kippur und das Opferfest

2015 fallen Jom Kippur und das Opferfest auf einen Tag (den 23. September 2015), wie alle 33 Jahre…
In Israel ist das eine besondere Herausforderung, weil das Land kollektiv still steht und ein Teil der Bevölkerung ausgelassen feiern wird. Der Abraham-Fund in Israel hat unter dem Motto: »Zwei Feste, zwei Völker, ein Tag« ein Video dazu produziert. Hier ist es:

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Die Schöpfung des Menschen – in Kassel

Adam im Chumasch

Adam im Chumasch

Am 10. März (2015) wird in Kassel eine Veranstaltung stattfinden, in der ein jüdischer Autor und ein evangelischer Pfarrer über die Schöpfung des Menschen in der Torah zu sprechen:
Ist der Text heute überhaupt noch interessant?
Was sagt er unserer Generation?
Hat sich diese Geschichte nicht durch die Evolutionstheorie und geologisches Wissen nicht überholt?

Der Leser mag es ahnen, der eine Part wird vom Ba’al haBlog übernommen.
Offiziell kann man also vermelden:
Pfarrer Sven Pernak und Chajm Guski werfen einen Blick auf die zwei Berichte über die Schöpfung des Menschen. Damit sich das Ganze ein wenig so anhört, wie ein Witz (treffen sich ein evangelischer Pfarrer, ein Rabbi/Jude und ein Priester), wird das moderiert von Martin Nitsche – Katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel e.V. Hoffentlich wird es kurzweilig, aber sicher auch interessant.
Wer also in Kassel oder Umgebung lebt, fühle sich eingeladen:

Dienstag, 10. März
19:30 Uhr im
Haus der Kirche
Wilhelmshöher Allee 330, 34131 Kassel

(Organisator ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel e.V.)

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Eisiger Wind

Wir alle sind NRW! Aktion am Landtag gegen DÜGIDA

Die Anzahl der Toten ist erschreckend. In Syrien, im Irak, im Jemen auch noch immer. Im offiziellen Deutschland ist von Solidarität die Rede, davon, dass man da eigentlich helfen müsse. Das ist tatsächlich so. Man muss helfen. Das ist keine Floskel.

Im inoffiziellen Deutschland ist davon nicht die Rede. Klar, man will irgendwie helfen, aber bitte nicht vor der eigenen Haustür, nicht in der eigenen Stadt und am besten gar nicht im eigenen Bundesland.
Man sei total überfordert mit den ganzen Flüchtlingen.

Hat jemand die Zahlen gesehen?

Bis September 2014 (seit 2011) hat Deutschland 57.912 Syrer ins Land gelassen (Angaben von hier).
Der Krieg in der Ukraine überschwemmte das Land zusätzlich mit Flüchtlingen. Die Zeit meldete im Sommer, die Zahl der Asylsuchenden sei in den ersten fünf Monaten des Jahres 2014 doppelt so hoch, wie im gesamten Jahr 2013! Das waren ganze, aufgepasst, 276 Menschen bis Juli 2014!

Wer meint, die Zahl wäre hoch und natürlich wären die Aufnahmestellen damit überfordert, der soll mal zurückblicken ins Jahr 1994:
Krieg in der Nachbarschaft. Flüchtlinge aus Bosnien kamen nach Deutschland – ungefähr 350.000 (Zahlen von hier). Das sind sechsmal soviele!
Hat es das Land umgekrempelt?
Hat es nicht.

Was machen die Menschen draußen also? Sie zeigen Empathie? Sie starten Hilfsaktionen?

Nicht ganz! Sie demonstrieren gegen Flüchtlinge aus islamischen Ländern und gegen eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands. Vordergründig jedenfalls.
Ausreichend viele Muslime gäbe es nicht für eine Islamisierung. Das würden übrigens auch viele, die als Muslime gelten, wohl gar nicht wollen.

Die Mischung die da in diesen Tagen zusammenkommt, ist jedenfalls putzig. Da sind diejenigen dabei, die gestern noch in Leserbriefen und Onlinekommentaren bekundet haben, man möchte bitte den Menschen im Nahen Osten helfen und deshalb müsse man etwas gegen den Staat Israel tun. Da werden auch einige von denen mitmarschieren, die sich auch schon leidenschaftlich gegen die Beschneidung eingesetzt haben. Nicht nur aus purem Humanismus. Vielleicht auch ein wenig, weil das oft Fremde (Juden gehören in deren Weltbild durchaus dazu) praktizieren.

Dann gibt es auch diejenigen, die sich rege (vordergründig) für den Staat Israel einsetzen und gegen Antisemitismus. Natürlich besonders, wenn er von muslimischer Seite kommt. Das einzige, was dadurch entsteht, ist der Eindruck, Juden wären Muslimen grundsätzlich feindlich gesinnt. Da wird also versucht, das Zusammenleben zu vergiften. Schlimm genug, dann gibt es sogar von jüdischer Seite Menschen, die auf der Welle reiten und die dadurch entstehende Popularität genießen. Auch ein paar Blogs, die man als proisraelisch bezeichnen könnte, reiten den »Er/Sie/Es ist ein Antisemit« Kurs. Das sorgt für reichlich neue Artikel, aber es ventiliert häufig die gleichen Argumente und letztendlich kommt man zu dem Schluss, dass doch nur der Islam das Problem ist.

Wir müssen das nicht mit einer rosaroten Brille betrachten. Natürlich gibt es Antisemitismus, gerade unter muslimischen Jugendlichen und der könnte auch gefährliche Formen annehmen.
Die Mehrheitsgesellschaft kümmert sich aber offenbar nur dann darum, wenn es ein Werkzeug gegen diese Minderheiten ist. Man muss sich um die Probleme tatsächlich kümmern. Aber es gibt keine einfachen Lösungen und Themen haben mehr als nur zwei Seiten.

Dr. Josef Schuster, der neue Präsident des Zentralrats, dürfte sich bei den – gerade beschriebenen – Menschen unbeliebt machen, denn er hat recht deutlich formuliert, wie er die Sache sieht:

»Wir alle sind jetzt aufgefordert, gegen die Stimmungsmache von Pegida vorzugehen und uns schützend an die Seite der bedrohten Menschen zu stellen.«
von hier: Jüdische Allgemeine

Politisch verpasst hat man in den letzten Jahren, wahrzunehmen, dass Vorbehalte gegen alles, was fremd erscheint, zugenommen haben. Das wabert immer wieder an die Oberfläche.

Wer sich für harte Fakten interessiert, dem seien die statistischen Erhebungen der entsprechenden Behörden ans Herz gelegt, siehe hier und hier. Ohne Einwanderung sähe es übel aus für die Bevölkerungsentwicklung.

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Juden und Muslime in Frankreich liefern ab

Ein Schlag ins Gesicht aller, die so gerne hätten, dass sich Muslime und Juden nicht mögen (es soll da bestimmte nichtjüdische Strömungen geben, die das herbeifantasieren). In Frankreich entstanden jetzt unabhängig voneinander zwei Projekte mit jeweils zwei Künstlern. Einem jüdischen und einem muslimischen:

Der algerische Rapper l’Algerino gemeinsam mit Tal (Benyerzi):

Der marokkanische Rapper La Fouine zeigt sich zusammen mit Patrick Bruel.
Das Video scheint so gut anzukommen, dass die GEMA es schon geschafft hat, es den deutschen Zuschauern vorzuenthalten. Wer nicht aus Deutschland kommt (oder sonst an die Clips kommt), kann also hier das entsprechende Video sehen:

Natürlich kann man einwenden: »Das sind doch nur zwei Projekte!« Aber die beteiligten Rapper sind keine Unbekannten und gehen mit gutem Beispiel voran. Eventuell werden ein paar Fans mächtig sauer sein, aber das Signal ist nicht das schlechteste.

Zitat

Fremde Sicht auf die Beschneidung

Es handelt sich dabei auch nicht um irgendein Gebot, sondern um eines der zentralen. Wenn jüdische Eltern ihre Jungen beschneiden lassen, folgen sie diesem Gebot, loben sie G-tt. Können wir Christen uns anmaßen, Juden dies abzusprechen? Sie daran hindern zu wollen, diesem Gebot G-ttes zu folgen? Oder noch schlimmer, ihnen erklären zu wollen, wie sie G-tt zu loben, seine Gebote zu befolgen haben? Haben wir uns nicht vielmehr mit aller unserer gesellschaftlichen Kraft an ihre Seite zu stellen?
Aus einer evangelischen Predigt zum Israelsonntag

als Beitrag zur unendlichen Debatte über die Beschneidung.

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An allem sind die Juden schuld!

Eine Polemik

Hoch ging die Diskussion im deutschen Blätterwald! Endlich wieder ein Aufregerthema! Vorbei die Diskussion um Ministerpräsidenten, die ihr Land schädigen und das Parlament ausschalten, um eine Politik, deren Nutzen, in Zweifel gezogen werden darf, contra legem durchzusetzen. Vorbei die Aufregung um (nutzlose) Rettungspakete:

Die Juden lassen ihre Kinder beschneiden! Kein anderes Thema hat im Gefolge des un- und (nach Meinung des Verfassers) blödsinnigen Urteils einer Kammer des LG Köln die deutschen Gemüter so sehr bewegt wie die Frage: Dürfen die das?
Solange ich als Jurist beruflich tätig war, waren Termine am LG die Ausnahme, und ich wußte warum die Oberlandesgerichte die Bühne waren, auf der ich aufgetreten bin! Das klingt hochmütig, ist es auch, denn ich habe erleben müssen, daß deutsche Landrichter nur dann bereit sind, nachzudenken wenn jedes ihre Urteile am OLG aufgehoben wird, weil Polemik und Vorurteile kein rechtlich sauberes Denken ersetzen.
Was macht nun die deutsche Öffentlichkeit aus dem Urteil der Landrichter? Zunächst einmal dieses: Das Urteil des LG entfaltet Gesetzeskraft, wer dagegen opponiert oder das nicht anerkennt, dem wird nahegelegt, das Land zu verlassen, nötigenfalls, indem Goethe zitiert wird. Niemand kennt den Rechtssatz, nachdem das Gesetz des Landes unser Gesetz (Recht) ist, aber: Haut die Juden!
Das alles hatten wir schon einmal. Heute werden wir nicht mehr vergast, das ist durch, aber man arbeitet daran, uns klar zu machen, daß wir hier unerwünscht sind. Wir sind an allem schuld, am Sozialismus, am Kapitalismus, am Kommunismus, an dem Bürgerkrieg in Syrien und nun auch an der Beschneidung! Die erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung.
Wie diffus dieser Begriff ist, mag eine Begebenheit aus meinem Leben verdeutlichen. 1988 war ich zur Kur in einer Fachklinik für Stoffwechselkrankheiten. Selbstverständlich wurden zur genauen Diagnose Blutproben benötigt und (freiwillig) gegeben. Zwei Tage später wurde mir mitgeteilt, ich hätte kein Aids. Daran hatte ich keinen Zweifel, denn ich hatte nur meine Frau erkannt, die ich damals seit 24 Jahre kannte. Gleichwohl habe ich dem Chefarzt eröffnet, daß er sich der Körperverletzung schuldig gemacht habe und (damals) mit Wonne seiner Verurteilung beigewohnt. Heute denke ich differenzierter!
Beschneidung ist bei den Muslimen Brauch, bei uns conditio sine qua non. Wer medizinische, kinderschützende, rechtliche, historische oder sonstige Gründe dagegen ins Feld führt, will jüdisches (und muslimisches) Leben in Deutschland unmöglich machen. Selten sind sich orthodoxe und liberale Rabbiner einig, hier schon, denn wer an der Beschneidung rüttelt, rüttelt an den Grundfesten unserer Religion. Es fällt uns Männern schwer genug, anzuerkennen, daß der Umstand, daß die Frau nach dem Mann geschaffen wurde, ein Wertigkeitaussage enthält. Entsprechendes gilt für die Beschneidung. Die Frau ist, so wie sie geschaffen ist, in Seinem Bilde geschaffen, bei uns Männern besteht Korrekturbedarf, erfüllt durch die brith!

Erstaunlich, daß die Richter am LG Putzke gefolgt sind, dessen Arbeit daran krankt, daß sie nur die Argumente berücksichtigt, die er hören will. Entgegenstehende Statistiken und Empfehlungen wurden schlichtweg ignoriert. So verstehe ich wissenschaftliches Arbeiten nicht, frage mich viel mehr nach den Motiven!
Schade, daß die Grünen in dieser Frage gekniffen und sich im Parlament enthalten haben. Lag das daran, daß eine Führungspersönlichkeit den Namen Cem trägt und daher Abgrenzung opportun schien? Egal, das finden wie nie heraus.
Wichtig ist und bleibt nur das: Wir treten für die Beschneidung ein und lassen nicht zu, daß Deutschland endlich judenfrei ist. Vor einigen Jahren habe ich diese Schlagzeile im Archiv der Zeitung meiner Heimatstadt ausgegraben und geschworen Nie wieder!

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Die Sache mit den Totentaufen

Vielleicht hat es mit dem Wahlkampf in den USA zu tun, dass die stellvertretende Taufe für Verstorbene (sog. Totentaufe die in Tempeln der Mormonen durchgeführt wird) plötzlich wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät (siehe etwa Spiegel Online). Einer der Kandidaten ist Mormone.
Man könnte von mangelndem Fingerspitzengefühl sprechen, wenn plötzlich Opfer der Schoah getauft werden, weil dies eine herablassende Haltung ausdrückt: Wir haben die Wahrheit ihr nicht. Aber das war es auch schon. Das ist kein Aufreger. Juden sollte das wenig kratzen.
Warum? Wichtig wird die Taufe erst dann, wenn ich ihr irgendeine Bedeutung beimesse und dieses Ritual als verbindlich betrachte. Das tun Juden jedoch nicht.
Ende der Diskussion.

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Noll ist gedanklich noch in Essen

Während die meisten observanten Juden den Monat Elul und die Hohen Feiertage dazu verwendet haben, introspektiv tätig zu werden und noch einmal das eigene Tun kritisch zu hinterfragen und zu schauen, wo man den Nebenmenschen verletzt haben könnte, geht der Schriftsteller Chaim Noll lieber mit anderen ins Gericht. Über die Achse des Guten wiederholt er seine Polemik gegen den Islam, die er auch schon in der Alten Synagoge Essen an den Mann bzw. die Frau bringen durfte und einen wichtigen Beitrag zur Diskussion Wie man nicht über Antisemitismus im Islam spricht leistete. Gar mitten in Brennpunkt wie dem Ruhrgebiet. Hier ist die Frage, ob und wie man gegen Antisemitismus vorgeht, der sich ein religiöses Mäntelchen überstreift, keine theoretische, die man in feuilletonistischen Texten abhandeln kann, sondern eine ganz reale. Hier vor Ort haben wir es mit Jugendlichen zu tun, die durch arabischsprachige Fernsehsender mit Antisemitismus geimpft werden und für die Jude schon Schimpfwort an sich ist. Im Mai kritisierte ich die Veranstaltung, vor allem aber ihre Platzierung. Wenig glücklich damals auch die (Über-)Reaktion des muslimischen Vertreters in der ganzen Geschichte.

Nach diesem Durcheinander übergab man praktischerweise den Schlüssel an Uri Kaufmann, der neue Leiter der Alten Synagoge. Der fasste die Aktionen, die zwar nach seiner Einstellung, aber vor Amtsantritt stattfanden, ganz unaufgeregt aber pointiert in einem Interview zusammen und zeigte, dass man einen Satz wie einen Torpedo einsetzen kann. Wenig Lärm und dann Treffer:

Wenn jemand über den Koran spricht, sollte er schon eine gewisse fachliche Kompetenz mitbringen, zum Beispiel Arabisch, und den Koran lesen können. Dazu reicht eine Sozialisation in Ostdeutschland nicht aus. von hier

Chaim Noll hingegen meint,

Inzwischen hat die Stadt Essen das Problem auf ihre Weise gelöst, durch Appeasement der militanten muslimischen Funktionäre. Da die Leiterin der Alten Synagoge Edna Brocke nach 23 Jahren in den Ruhestand ging, lag es in der Logik des Oberbürgermeisters, einen anschmiegsameren neuen Leiter zu suchen. Er fand ihn in dem Schweizer Historiker und Ausstellungsmacher Uri Kaufmann
von hier

Etwas weiter vorher schreibt er im seinem Text:

In diesem Sinne war offenbar auch sein Brief gemeint. Über meinen Vortrag hinaus zu dem Herr Balaban eingeladen war, aber nicht erschien versuchte er Einfluss auf die künftige Arbeit der Alten Synagoge zu nehmen.
auch von hier

Das ist schön polemisiert. Geht aber an den Fakten vollständig vorbei. Die Stadt Essen schrieb die Stelle von Kaufmanns Amtsvorgängerin bereits Ende 2010 aus und stellte Kaufmann schon zu Beginn des Jahres 2011 ein und keinesfalls nach der Noll-Lesung im Mai. So extrem wichtig war der Auftritt Nolls wohl doch nicht. Eine Podiumsdiskussion mit Noll und richtigen Experten in diesem Themenfeld wäre vielleicht ein interessanter Ansatz gewesen.
Nicht, dass etwa der Eindruck entsteht, man müsste den selbsternannten Kritikern per se den Mund verbieten.
Chaim Noll sollte vielleicht auch mal loslassen können. Andere Themen gibt es genug.

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Aufgepasst Klezmer-Menschen

Wann hat man die nichtjüdischen Deutschen eigentlich zur Seite genommen und ihnen erklärt, dass Klezmer die jüdische Musik sei?
Deshalb hier noch einmal auf den Punkt gebracht: Es ist die Musik der osteuropäischen Juden. Keinesfalls zogen Klezmorim früher durch deutsche Städte und besuchten die Synagogen. Vermutlich hätten die Besucher des Tempels von Hamburg sich eher gewundert über die seltsame Musik.
Es ist vermutlich nicht falsch zu behaupten, dass man das Klischee vom osteuropäischen Klezmermusiker im westeuropäischen Judentum vor der Schoah rundherum ablehnte. Heute scheint Klezmermusik zum festen Bestandteil von (durch Nichtjuden organisierten) Gedenkveranstaltungen geworden zu sein. Insbesondere die Veranstalter von Stolpersteinverlegungen haben Klezmer als dramaturgisches Instrument entdeckt, siehe etwa hier, hier, hier, hier, hier oder etwa hier. Das ist noch interessanter, wenn man bedenkt, dass die Musiker sich doch eigentlich mit ihren Stücken und der Art der Musik auseinandergesetzt haben sollten. Meinen sie wirklich, sefardische Juden, oder Juden aus Marokko würden Klezmer hören oder mögen? Chassidische Juden würden sich schön ärgern, wenn man bei einem Anlass zu Ehren eines chassidischen Juden Musik von Komponisten aus der Reformbewegung spielen würde. Ist doch jüdisch? Nicht zufällig heißt ein Kapitel aus Michael Wuligers Koscherknigge: Kein Klezmer bitte, wir sind schon jüdisch.

In Deutschland scheint es anders zu sein. Mit wir meinen es gut räumt man den Einwand zur Seite, man brächte hier osteuropäische Folklore zur Aufführung, wenn es jedoch um etwas ganz anderes geht. Einfach weil man meint, für Juden gehöre sich das so. Ein Vorurteil also. Stereotype die man hegt und pflegt.

Bitte weitersagen und damit aufhören. Danke.