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Über den Verlust der Mitglieder reden

von links nach rechts: Marat Schlafstein, Chajm Guski, Laura Cazés, Anja Olejnik und Marc Grünbaum.

Der Gemeindetag des Zentralrates fand am Wochenende direkt vor Chanukkah in Berlin statt. In zahlreichen Sessions wurde viel über die große Politik und die Gemeinden diskutiert. Eine Diskussionsrunde widmete sich dem Thema »Die Gemeinde, ein Platz für alle? #claimyourspace« und stellte die Frage, wie man Gemeinden zu Orten machen könnte, an denen sich alle Generationen und Gruppen wohlfühlen. So wurde, vermutlich stellvertretend für viele Gruppen, die lgbtqi* Gruppe eingeladen bzw. der stellvertretende Vorsitzende von Keschet Deutschland Professor Leo Schapiro. Für die Gruppe der Studierenden nahm Avital Grinberg, von der Jüdischen Studierendenunion teil. Die Diskussion oszillierte zunächst zwischen der Frage, ob queere Juden in den Gemeinden willkommen wären und was Gemeinden für die jüngere Generation im Angebot hätten. Und tatsächlich gab es eine Diskussion und kein wechselseitiges Bedauern, was alles noch nicht optimal funktionieren würde. Es wurden sachlich, aber engagiert Standpunkte ausgetauscht und von guten und schlechten Erfahrungen berichtet. Die Perspektive der Gemeinden verteidigte Daniel Neumann vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Irgendwo zwischen »die Jugend kommt nur zu BBQs« und »die Jugend braucht einen Platz« wurde nach Möglichkeiten gefragt, wirklich »alle« in die Gemeinde zu holen. Wer hat die Hol- und wer die Bringschuld? Müssen die Leute auf die Gemeinde zugehen, oder die Gemeinden auf die Leute? Als Konsens ließ sich festhalten, dass die Gemeinden sich natürlich allen öffnen müssten, aber das »wie« noch ausgestaltet werden müsste.
Das hat recht viel mit der Entwicklung der Gemeinden zu tun. Wie sieht die Gemeinde in x Jahren wohl aus? Wer wird das gestalten?

Im Grunde genommen, war das indirekt Thema einer Runde unter dem Motto »Der letzte macht das Licht aus?« über die sehr ungute Entwicklung der Mitgliedszahlen. Hier diskutierten Marat Schlafstein, Jugendreferent beim Zentralrat, Anja Olejnik, Programmmangerin beim American Jewish Joint Distribution Committee in Deutschland, Marc Grünbaum, Kultur- und Jugenddezernent und Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und meine Wenigkeit als »Beobachter« der Situation, der das Thema Demographie und Gemeindestatistik immer wieder aufgreift. Laura Cazés, Beraterin der Zentralwohlfahrtsstelle (ZWST) moderierte das Thema. Die ZWST veröffentlicht jährlich tapfer die Mitgliedszahlen der Jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Licht aus? Konstruktiv

Die Diskussion zeigte schnell, dass die Beobachtungen geteilt werden, aber die Schlussfolgerungen im Detail voneinander abweichen. Muss das Licht tatsächlich ausgemacht werden? Ich vertrete die Meinung, dass dies für eine Reihe von Gemeinden gelten wird. Vor allem Kleinst- und Kleingemeinden. Ich nannte das in der Diskussion den »Umzug« des Lichts, wenn Gemeinden zusammengelegt werden müssen. Immerhin ist die demographische Entwicklung nicht zu ignorieren. Würde man die Gemeinden mit 10 Personen abbilden, dann wären dies 5 Senioren, 4 Erwachsene und lediglich eine Person ein Kind/Jugendlicher. Hier zeigt sich, wo der Fokus liegen muss.

Marat Schlafstein verwies darauf, dass man etwas falsch gemacht haben müsse, wenn es dazu kommen sollte. Er legte aber den Finger schnell direkt in die Wunden. Die Kommunikation der Gemeinden sei oft unpersönlich und es werde mehr verwaltet, als mit Menschen gearbeitet. Wer schon zu einer Gemeinde käme, um sich etwa anzumelden, der solle dann schon freundlich empfangen werden.
Marc Grünbaum hob den Faktor »Religion« hervor, die ihn ein wichtiger Bestandteil der Gemeindearbeit sein sollte: Eine klare jüdische Struktur. Seine Schilderung der Gemeinde Frankfurt (am Main), als eine der Gemeinden, in der vieles (oder alles?) funktioniere, wurde mir übrigens von Mitgliedern der Gemeinde nahezu begeistert bestätigt. Das, was man für die Kultussteuer erhalte, müsse dementsprechend auch kommuniziert werden. Anja Olejnik erzählte von ihren guten Erfahrungen mit ihrer Heimatgemeinde und das Bewusstsein dafür, was die Gemeinde für Menschen in schwierigen Situationen tue. Das stärke auch die Verbindung mit der Gemeinde. Mir schien, solche Geschichten müssten jedoch auch andere Gemeindemitglieder erreichen. Was sollten aber kleine oder Kleinstgemeinden kommunizieren, die keinen Kindergarten, keine Grundschule und auch sonst wenige Einrichtungen unterhalten können? Könnte das die Zahl derjenigen reduzieren, die aus den Gemeinden austreten? Weshalb machen sie diesen Schritt überhaupt? Marc Grünbaum hielt das Motiv »Geld sparen« für denkbar – es liegt sehr nahe, aber gesicherte Daten liegen dazu nicht vor. Aus meiner Sicht ist das Gemeindebarometer ein guter Schritt in Richtung »Evaluation«, also fortwährende Betrachtung der Daten und Fakten. Sowohl Vorsitzende, als auch »Opposition«, sehen die eigene Gemeinde immer aus einer Perspektive, die keinen unbefangenen Blick zulässt. Genau dafür wären Daten hilfreich.

Und richtig wurde erkannt, dass es eine massive Differenz zwischen den Menschen gibt, die aus Gemeinden wegziehen und denjenigen, die sich in anderen Gemeinden anmelden. Es gibt eine recht große Gruppe von Menschen, die sich nicht in der neuen Stadt in der Gemeinde anmelden. Was müsste diesbezüglich unternommen werden?

Die Zuhörer, die von Moderatorin Laura Cazés direkt gebeten wurden, ihr Statement abzugeben, statt dieses kompliziert in eine Frage zu verpacken, bestätigten das Bild. Eigentlich war niemand mehr der Meinung, der abnehmende Trend werde sich aufhalten lassen. Ein Mitarbeiter einer Gemeinde zeigte sich genervt davon, dass man nicht schneller zum Schritt »Aktion« übergehe und weiter darüber spreche, was gemacht werden müsste. Der konstruktive Ansatz gefiel mir gut – aber für die Strategien war am Ende zu wenig Zeit. Hier konnten die Teilnehmer nur die wichtigsten Punkte aufzählen. Einige meiner Vorschläge (die Liste kann nur unvollständig sein) habe ich bereits hier aufgeschrieben.

Bei Twitter und der Jüdischen Allgemeinen

Die Jüdische Allgemeine hat ebenfalls über die Session berichtet, hier.

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Buch aktuell – oder doch nicht so neu?

Rufus Beck ist ein ziemlich genialer Vorleser. Seine eingelesenen Fassungen von »Harry Potter« oder »Der kleine Nick« sind empfehlenswert. Jetzt hat Rufus Beck die »Bibel« eingelesen, also die christliche Bibel, also »Altes« und neues Testament – in der Übersetzung von Martin Luther. Die Teile die man hören kann, sind gut eingelesen. Ganze 98 Stunden kamen da zusammen.
Natürlich wird diese Ausgabe nun auch beworben und so ist es klar, dass das Buchmagazin »Buch Aktuell«, mit welchem die Buchhandlungen auf Neuerscheinungen hinweisen (erreicht nach eigenen Angaben 750.000 Leser), natürlich dieses Mammutwerk thematisiert hat. Der Text erklärt dem Leser zunächst einmal, was die Bibel eigentlich ist, aber dann wird es interessant:

Buch Akuell, Ausgabe 4/2019, Seite 12

Die Zuhörer werden Zeugen des Wandels vom strafenden Gott im Alten hin zum barmherzigen G-tt im Neuen Testament.

Hier wird also ein ziemlich altes Motiv des Antijudaismus aufgewärmt. Hier das Judentum mit dem zornigen, strafenden G-tt – dort, das Christentum des barmherzigen G-ttes. Auf der einen Seite stehen die friedliebenden Christen und auf der anderen Seite stehen die rachedurstigen Juden. Gerade die Formel Ajin tachat Ajin ~ Auge für Auge (Schemot 21,24) wird gerne in diesem antijüdischen Diskurs missbraucht und ausgeblendet, dass die Anwendung dieses Satzes einen materiellen Schadensersatz meint (Bava Kamma 83b-84a). Man sollte durchaus annehmen, dass sich das heute herumgesprochen hat. 2019 sollte dieser Klassiker eigentlich nicht mehr veröffentlicht werden.

Eine kurze Recherche hat dann ergeben, dass der redaktionelle Text von »Buch aktuell« in groben Zügen dem Beschreibungstext von »Der Audio Verlag« entspricht. Auch hier heißt es:

Vom Sündenfall im Garten Eden, über Moses Auszug aus Ägypten, bis hin zur Auferstehung Jesu – im Hörbuch mit Rufus Beck wird die Heilige Schrift hautnah erfahrbar. Die Zuhörer werden Zeugen der Schöpfung, der Leidensgeschichte Jesu Christi, dem Wandel vom strafenden Gott im alten -, hin zum barmherzigen Gott im neuen Testament.

Eigentlich ist der Text also durch mehrere Hände gegangen – es ist also noch viel Arbeit zu tun, wenn diese alt-tradierten Antijudaismen einfach so hingenommen werden.

Update 20.11.2019 »Der Audio Verlag« hat unmittelbar reagiert und den Satz von der Website gestrichen.
Update 03.12.2019 Die Deutsche Bibelgesellschaft hat sich ebenfalls dazu geäußert und sich von dem Text distanziert, der so nicht hätte erscheinen sollen.
»Buch aktuell« hingegen, hat sich nun ebenfalls entschuldigt und versprochen, den Text auf der Website und im Blätter-PDF zu aktualisieren.
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Erste große Umfrage zum jüdischen Deutschland

Wie sehen die Gemeindemitglieder ihre Gemeinden heute?
Wie sehen potentielle Gemeindemitglieder die Gemeinden und warum kommen sie nicht in die Gemeinden?
Gibt es eine Entwicklung in irgendeine Richtung?

Dazu haben viele Menschen, verschiedene Meinungen. Hört man einigen Gemeindevorsitzenden zu, sind alle ganz glücklich und alles läuft gut. Fragt man jemanden von der »Opposition«, dann ist alles ganz furchtbar und alle sind unglücklich. Irgendwo dazwischen bewegen sich die Meinungen der Mitglieder – den Anspruch, die »Realität« abzubilden, kann man nicht mehr ernsthaft erheben wollen, wenn jemand Dinge sagt wie »er habe den Eindruck«, oder »für mich sieht es so aus«. Diese Bauchmeinungen können auch nicht dazu herangezogen werden, eine Entwicklung nachzuvollziehen. Das wäre dann von gut zu hervorragend, oder von sehr schlecht bis ganz schlecht. Abhängig davon, wen man fragt. Eines sei aber an dieser Stelle festgehalten: Wenn jemand behauptet, das Gemeindeleben sei vollständig harmonisch, dann könnte das ein Indikator für Stillstand sein. Neue Ideen entstehen zuweilen durch Reibung und die Tatsache, dass man einen Mangel erkannt hat.

Diesem Bauchwissen kann man nachvollziehbare Daten entgegensetzen. Als ich das im Rahmen dieses Blogs gemacht habe (das war 2016), war ich überrascht darüber, dass es tatsächlich Resonanz gab. Es wurde viel diskutiert und die Ergebnisse waren sehr interessant. In einem größeren Maßstab wurden bisher Gemeindemitglieder nur 2002 in Berlin befragt.

Jetzt überrascht der Zentralrat der Juden in Deutschland mit einer großen Umfrage die feststellen will, wie die allgemeine Lage ist. OK. Genau genommen geschieht das in Zusammenarbeit mit dem Jewish Joint Distribution Committe (JDC) und den Profis von infas.

Und dafür zielt man nicht nur auf die Bestandsmitglieder.
Man wirft auch einen Blick auf Leute, die keine Gemeindemitglieder sind und auf Menschen, die einen jüdischen Vater haben und keine Möglichkeit zur Mitgliedschaft in einer jüdischen Gemeinde haben. Die Fragen decken einen großen Bogen ab und sind nicht nur so gestellt, dass man seine Zufriedenheit irgendwie ausdrücken kann. Dabei gibt es eine Umfrage, die sich für jede Zielgruppe unterschiedlich gestaltet. Die Umfrage ist in deutscher, englischer, russischer und hebräischer Sprache verfügbar – sollte also die Hauptsprachen des jüdischen Deutschlands abdecken.
Ohne Untertreibung kann man behaupten, dass dies ein riesiger Meilenstein ist. Es ist der Willen und die Absicht da, sich den nackten Fakten zu stellen. Das sollten alle, die es betrifft, auch durch Rückmeldungen unterstützen.

Am Ende werden richtige und wichtige Daten vorliegen und wenn man diese irgendwann in Zukunft erneut erhebt, könnte man sogar Entwicklungen nachvollziehen. Man könnte also überprüfen, ob bestimmte Maßnahmen sinnvoll waren.

Richtig richtig richtig gespannt dürfen wir dann auf einen Einblick in die Ergebnisse sein.

Die Umfrage ist ab sofort online unter: gemeindebarometer.de

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Ratsentscheidung gegen Antisemitismus

Natürlich ist jeder irgendwie gegen Antisemitismus. Selten begegnet man jemandem, der sagt, er würde einen gepflegten Antisemitismus schon schätzen. Vielmehr würde man auf jemanden treffen, der Sachen sagt, wie »Den Antisemitismus haben die Juden erfunden um die Menschen zu kontrollieren.« Aber das ist natürlich nur hypothetisch.
Nach einigen Vorfällen in Gelsenkirchen, hat nun die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (Gelsenkirchen) eine »Erklärung zum Antisemitismus« geschrieben, die von der Stadt Gelsenkirchen unterstützt werden sollte. Das war ein Tagesordnungspunkt der Ratssitzung vom 11. Juli 2019.
Die Erklärung (hier zu finden) ist sehr allgemein gehalten und mündet in keinerlei Aktion. Deshalb wirkt es wie ein Kommentar, wenn unter der Vorlage steht: »Finanzielle Belastungen: keine«. So heißt es etwa:

Wir stellen klar: Wer Jüdinnen und Juden und jüdisches Leben in Deutschland – in welcher Form auch immer – angreift, der greift die Grundlagen unserer Gesellschaft an, der tritt die Menschenwürde und Grundrechte aller mit Füßen.

Beschlussvorlage 14-20/7492

So weit, so harmlos.

Die Ratsfraktion der Partei »DIE LINKE « in der Stadt, will das nicht so allgemein stehenlassen und den Beschluss um folgenden Satz ergänzen:

Der Rat bekräftigt zugleich, dass sachbezogene Kritik an der israelischen Regierung oder ihrer Politik weiterhin zulässig und möglich sein muss und nicht per se als antisemitisch abgestempelt werden darf.

War denjenigen, die diese kleine Vorlage formuliert haben, eigentlich klar, dass schon die Behauptung, man dürfe den Staat Israel oder seine Regierung, nicht kritisieren, schon ein winzig kleiner Antisemitismus ist?
Was sagt das über den Antragsteller, wenn man bei diesem Thema sich nicht einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann und sofort sicherstellen will, dass man den Staat Israel weiterhin kritisieren darf, so wie man das auch regelmäßig mit Russland, Finnland oder Brasilien tut – ach so, stimmt, das macht man ja nicht. Also Gratulation! So sieht entschlossenes Handeln aus… nicht.

Ein paar Sätze aus dem vergangenen Jahr zu Gelsenkirchen findet man hier. Im Juni hat es ein Vorfall in die Lokalzeitung geschafft, weil es ein Gymnasium nicht geschafft hat, irgendeine Haltung zu antisemitischen Beleidigungen zu finden (siehe hier).

Nachtrag: Die »Entscheidung« zur Erklärung fiel einstimmig aus. Die Fraktion der Linken enthielt sich – ebenso drei Ratsmitglieder, die früher bei »Pro Deutschland« waren.

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Mittelmeer und Rettung

Wer einen einzigen Menschen rettet, dann ist es, als würde er eine Welt erretten.
Dieses Zitat aus dem Talmud (Sanhedrin 37a) wird in diesen Tagen viel zitiert, wenn es um Carola Rackete, die deutsche Kapitänin, geht, die den Hafen von Lampedusa ohne Erlaubnis der italienischen Behörden anlief – mit Flüchtlingen, die sie aus dem Mittelmeer gerettet hat. Carola Rackete verstieß mit ihrer Entscheidung, in den Hafen mit den Passagieren einzulaufen, gegen Seerecht. Das scheint unstrittig zu sein. Die Frage bleibt, ob dies tatsächlich verfolgt werden sollte – angesichts der Rettung der Menschen aus dem Mittelmeer und der Tatsache, dass die Menschen andernfalls vermutlich gestorben wären. Entweder im Meer, oder an der libyschen Küste. Die Kommentare bei Facebook und Twitter bieten hier keinen großen Mehrwert, es sei denn, man schätzt den Blick in den Abgrund.

Schauen wir also, was über das »ein-einziges-Leben«-Zitat hinausgeht.
Der Talmud ist an anderer Stelle aber etwas expliziter und wir brauchen unseren, doch vielleicht ein wenig überstrapaziertem, Spruch, nicht unbedingt.
Ebenfalls in Sanhedrin heißt es:

»Woher wissen wir, dass, wenn jemand seinen Nächsten in einem Fluss ertrinken sieht, wie ein wildes Tier ihn wegschleppt oder wie Räuber ihn überfallen, er dazu verpflichtet ist, den anderen zu retten? Weil die Torah sagt: ›Du sollst nicht neben dem Blut deines Nächsten stehen‹«

Talmud, Sanhedrin 73a

Das Zitat aus der Torah lautet tatsächlich:

Du sollst nicht neben dem Blut deines Nächsten stehen

Auch Maimonides greift es in seinen »Vorschriften vom Totschlagen und den Vorkehrungen gegen Lebensgefahr« (1,14) auf und hier wird das Meer auch als typisches Beispiel genannt:

Wer retten kann und nicht rettet, übertritt das Verbot: »Du sollst nicht gleichgültig beim Blut deines Nächsten stehen« (3. B.M. 19,16).
Das Gleiche gilt auch von demjenigen, der seinen Nächsten im Meer ertrinken, der Räuber und wilde Tiere über ihn herfallen sah, und im Stande gewesen wäre, entweder selbst oder mittelst bezahlter Leute ihn zu retten, dies aber nicht tat, ferner von demjenigen, der in Erfahrung bringt, dass Feinde gegen jemanden Böses im Sinne führen, oder ihm eine Falle zu legen beabsichtigen und er es ihm nicht anzeigt, noch ihn davon in Kenntnis setzen lässt, schließlich auch auch von demjenigen, welcher weiß, dass sein Feind oder ein Gewalttätiger einen Streich gegen seinen Nächsten auszuüben beabsichtigt, den er in Güte abzuwenden im Stande wäre, ohne dass er dies jedoch getan hätte. Alle diese nämlich, und ebenso ihres Gleichen, überschreiten ebenfalls das Verbot »Du sollst nicht gleichgültig beim Blut deines Nächsten stehen.«

Von den Gegnern dieser Arbeit wird immer sofort darauf hingewiesen, man dürfe nicht helfen, weil man dadurch andere, motiviere, es ebenfalls zu versuchen. Tatsächlich reicht das Benzin, welches die Schlepper den Menschen zur Verfügung stellen, bis in internationale Gewässer. Aber entbindet das von der Pflicht, den Menschen zu helfen?
Wohl kaum. Es ruft uns aber dazu auf, den Blick zu weiten. Sobald wir wissen, dass Menschen sich auf den Weg machen und vermutlich sterben werden, sind wir eigentlich gefordert dafür zu sorgen, das genau dies nicht passiert. Das muss jedoch nicht erst an der Küste beginnen. Nicht wenige beginnen ihre Reise ja nicht an der Küste des Mittelmeers, sondern sogar südlich der Sahara (siehe diesen Artikel im »New Yorker« dazu) und sterben schon auf dem Weg zur Küste in der Wüste. Die Wüste unterscheidet sich im Risiko wenig vom Mittelmeer. Aber sie ist weiter weg und die Körper der Toten werden nur von denen gesehen, welche ebenfalls die Wüste durchqueren. Seit 2014 beobachtet Frankreich übrigens mitten in der Wüste, in Madama, die Migrationsbewegungen. Ganz ahnungslos sind wir also alle nicht. Ein Nebenaspekt: Es gibt auch Fotografien von deutschen Flugzeugen in Madama.

Es kann kaum eine erzieherische Maßnahme sein, Menschen ertrinken zu lassen – zumal es den Schleppern egal sein dürfte, wie viele Menschen das Mittelmeer am Ende lebend durchqueren. Härtere Maßnahmen sorgen für höhere Passagepreise (siehe den Artikel von Sarah Stillman aus dem Jahr 2013 dazu), aber sie beenden nicht den Umstand, dass Leute in das Mittelmeer geschickt werden. Nachdem, was wir bisher gesehen haben, scheint es, als seien wir verpflichtet, Menschen zu helfen und wenn wir das selber nicht können, jemanden damit zu beauftragen (siehe Maimonides). Aber das soll natürlich nicht erst und nur im Mittelmeer beginnen. Diese Arbeit muss auch dort gemacht werden, wo die Menschen aufbrechen. Aber wie begegnet man Perspektivlosigkeit? Fluchtursachen bekämpfen heißt es oft. Aber was bedeutet das konkret? Ist Europa bereit für eine geregelte Einwanderung? Möglicherweise ja. Die Populisten sind es nicht. Aber ohne Regelung wird es mehr illegale Versuche geben, sich nach Europa zu bewegen.

Solange dies nicht geklärt ist, gilt natürlich »Du sollst nicht neben dem Blut deines Nächsten stehen«.

Zu diesem Thema gibt es übrigens derzeit keine Verlautbarung der Allgemeinen oder der Orthodoxen Rabbinerkonferenz – jedenfalls soweit ich das überblicken kann. Eine halachische Einordnung wäre vielleicht hilfreich. Warum gibt es sie bisher nicht? Es scheint für einige Leute nicht auf der Hand zu liegen, Leben zu retten.

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Der Read-On Skandal

Gibt es eigentlich den Begriff »Blogosphäre« noch?

Wenn es ihn noch gäbe, dann könnte ich prima schreiben »Ein Geist geht um in der deutschsprachigen jüdischen Blogosphäre und sogar in der gesamten deutschsprachigen«. DER SPIEGEL hat einen Beitrag über die Bloggerin, die über »Read on my dear, read on« bloggte, veröffentlicht.
Um es ganz kurz zu machen: Die Angaben über ihren jüdischen Familienhintergrund seien falsch. Geschichten über Verwandte etwa, die sich über die Schoah austauschten, einfach nur ausgedacht. Es gäbe überhaupt keine jüdische Identität, außer eine »behauptete«. Im Laufe der Zeit habe die Bloggerin sogar falsche Opfer an Yad Vashem gemeldet – um ihre eigene Geschichte zu untermauern. Damit wurde natürlich die Grenze des Erträglichen überschritten.
Für den normalen Mitleser relativierte diese Enthüllung auch die kleinen Schnipsel, wie das so ist, wenn man mit einer jüdischen Identität nahezu allein irgendwo lebt.

Zur »Enthüllung« kam es offenbar, als historische Fakten nicht ganz sauber dargestellt wurden und Leser darauf aufmerksam und skeptisch wurden. Letztlich scheint dann jemand aus der Blogleserschaft den SPIEGEL darauf aufmerksam gemacht zu haben. Übers Wochenende war dann die deutschsprachige jüdische Blogwelt um einen Blog ärmer – dabei gibt ohnehin kaum jüdische Blogs. Über Schabbat passierte einiges auf twitter, der Hashtag #readonmyfake zog Kreise. Nahezu jede und jeder, so fühlte es sich an, fühlte sich berufen, den Fall zu kommentieren.
Meine Lieblingskommentare begannen mit »Habe ich nicht gelesen, aber…«. Die üblichen Namen wurden gedroppt: Da gäbe es ja auch den Fall »Binjamin Wilkomirski« und »Misha Defonseca« und und… Aber auch der »Fall« Wolfgang Seibert wurde genannt. Nicht ganz uninteressant in diesem Zusammenhang. Denn wenn es stimmt, was wir zu Seibert gelesen haben, dann verwundert es mich, warum dieser Fall im Vergleich zur Causa »Read On« so wenig Aufmerksamkeit erzeugt und nur zu einem halbherzigen Rückzug vom Vorstandsamt gereicht hat.

Aber zurück zu »Read on«.
Ein wichtiger Aspekt wurde mir in einem Gespräch mit einem Journalisten klar. In diesem Gespräch habe ich gelernt: 
Der Betrüger spiegelt oft auch das, was die Betrogenen sich wünschen.
Ja, gibt es einen »Markt« für den sanften Schauder, wenn auf die Familiengeschichte zurückgeblickt wird. Es gibt auch einen »Markt« für diejenigen, die ohne Schranke an dem teilhaben wollen, was sie für jüdisches Leben halten. Die Projektion wird angenommen und genau das geliefert, was man sich wünscht.
Vielleicht kann man enttäuschte Erwartungshaltung auch in einem Text von Caroline Fetscher vom Tagesspiegel wahrnehmen. Der Text zur »Read On« Geschichte zeigt recht eindrucksvoll, mit welchen Konstrukten im Kopf die Leserinnen und Leser etwas »jüdisches« lesen. Aus den Zeilen scheint viel Enttäuschung zu sprechen. Statt zu thematisieren, dass es vielleicht um das süße Nektar »Aufmerksamkeit« geht, worum es natürlich immer geht, wenn man einmal davon gekostet hat und Blogger nun einmal Teil einer Aufmerksamkeitsökonomie sind, wird das ganze theoretisiert und künstlich aufgeladen.

Dabei geht es eigentlich um das unbelastete Thema »Brot«. Die Read-On Autorin hat nämlich auch ein Buch mit dem Titel »Kunstgeschichte als Brotbelag« herausgebracht. Mit Fotos von Instagram und twitter. Nutzer bauten mit ihren Butterbroten berühmte Bilder nach. Das ist unverdächtig. Nicht, wenn es um Juden im weitesten Sinne geht. Fetscher schreibt über das Vorwort des Buches:

 „Brot und die Deutschen, das ist die Geschichte einer ganz besonderen Beziehung“ heißt es im Vorwort. Juden und Deutschland, das wird oft als die Geschichte einer ganz besonderen Beziehung bezeichnet, und ohne dass der Vergleich hier gezogen wird, kann er sich aufdrängen.

tagesspiegel.de

Dieser Vergleich drängt sich überhaupt nicht auf – bis jemand zwischen dem Satz »Brot und die Deutschen, das ist die Geschichte einer ganz besonderen Beziehung« und der Schoah einen künstlichen Zusammenhang herstellt. Es dürfte doch bekannt sein, dass es in Deutschland die meisten Brotsorten überhaupt gibt? Der Verlag GU titelt etwa: »Die Deutschen und ihr Brot – Ein unschlagbares Team«.

Wir erfahren also durch solche Sätze ein wenig über die Autorin und verstehen auf diese Weise vielleicht ihre grenzenlose Empörung.
Dabei ist Empörung eine Emotion, die man hier nur kurzfristig walten lassen darf. Langfristig sollte man sich fragen, was man selber beigetragen hat. Welche Erwartungen hat man da spiegeln lassen?
Weiter heißt es:

Auf alle Fälle lässt das groteske Spiel der Verzerrung und Vergröberung der sich plump und absichtlich als Fälschung zeigenden Brotbilder Rückschlüsse auf den Spieltrieb zu, mit dem Hingst ihrer Groteske konstruierte, indem sie künstliche Geschichten als Broterwerb betrieb.

tagesspiegel.de

Das ist natürlich eine groteske Konstruktion. Dabei irrt Fetscher schon in der einleitenden Überschrift: »Bloggende Hochstaplerin Marie Sophie Hingst«. Hier bloggt keine Hochstaplerin. Der Blog war oder ist die Hochstapelei. Semantisches Mimimi vielleicht, aber es gibt diese Hochstapelei ja nur wegen des Blogs und es ist keineswegs nur eine Begleitung einer Hochstapelei irgendwo im Real Life.


Eines kann man sich für die Zukunft merken: Wenn das Geschriebene geiler ist als die eigene Realität, dann ist es – sehr wahrscheinlich jedenfalls – nicht die Realität, sondern eine sehr dringlich herbeigesehnte Fiktion. Das beginnt im ganz kleinen, etwa in den zahllosen »Stolz-auf-mein-Kind-Tweets« – hier ein fiktives Beispiel – (erzählt mir nicht, dass alle diese Tweets wahr sind)

»Die kleine Joeline (2. Jahre) hat einen Obdachlosen gesehen und zu mir gesagt: Mama, wenn Leute wie Carsten Maschmeyer mehr Steuern zahlen würden, dann müsste der Mann nicht draußen schlafen. Ich bin soooo stolz.«

geht weiter bei modifizierten Darstellungen der Realität. Selbst im Abschlussbericht zum »Fall Relotius« wird klar, dass »Verdichtung« zur Verbesserung einer Reportage durchaus gehören durfte.
Das hört bei den großen Geschichten auf. Wenn dir jemand ständig Geschichten über seine spannenden Begegnungen erzählt, die er hat, wenn er mit Kippah durch die Gegend reist. Voller ungeahnter Wendungen und Zufälle. Dann könntest Du ahnen, dass sie vielleicht ein wenig ausgeschmückt sind. Es soll auch Menschen geben, bei denen einfach gar nichts passiert, oder nicht immer auf belesene, eloquente Menschen treffen.

Der Read-On Skandal erzählt viel darüber, wie draußen jüdisches gesehen wird, er erzählt vieles über das Verhältnis von Bloggern die es weit bringen wollen, zu ihren Lesern.
Er erzählt aber keine Geschichte darüber, wie ausschließlich ein Mensch alleiniger »Täter« war und alle anderen die arglosen Opfer.

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Dieser Samstag ist »Trag eine Kippah-Samstag«

Gibt es keinen Kommentar zum Ausnahmsweise erscheint ein Kommentar zur Äußerung von Dr. Felix Klein, dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, in der Öffentlichkeit keine Kippah zu tragen? Doch natürlich.
Aber ausnahmsweise einmal nicht in diesem Blog, sondern im englischsprachigen Blog bei der Times of Israel – hier.

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Mitgliederstatistik 2018

Entwicklung 1955 – 2018

Die Zahl der Gemeindemitglieder geht, wie erwartet, in größeren Schritten zurück. 1.596 weniger Mitglieder hatten die Gemeinde im Jahr 2018 als noch 2017. Das wäre ein Rückgang von 1,7 Prozent. In den Vorjahren lag der Rückgang rund um die »Ein-Prozent-Marke«. Eine Überraschung gibt es jedoch. Die wird erst weiter unten enthüllt.

Jahr Anzahl
2009 104.241
2010 104.024
2011 102.797
2012 102.135
2013 101.338
2014 100.437
2015 99.695
2016 98.594
2017 97.791
2018 96.195

Verlassen etwa so viele Juden das Land? Nein. 151 Mitglieder von jüdischen Gemeinden haben 2018 das Land verlassen.

Auswanderer 2009 – 2018

In der Übersicht erkennt man, dass Auswanderungen weniger ins Gewicht fallen als Austritte und Sterbefälle.

Verluste der Gemeinden 2018

Im Detail. Die Anzahl der Geburten geht weiter zurück und die Zahl der Sterbefälle steigt leider:

Geburten im Vergleich

Jahr Sterbefälle Geburten
2008 1038 171
2011 1195 212
2012 1282 199
2013 1244 250
2014 1330 241
2015 1476 277
2016 1498 265
2017 1505 251
2018 1572 227

Die größte jüdische Gemeinde in Deutschland – Überraschungen

Die Zahlen für die Stadt Düsseldorf aus dem Jahr 2017 müssen leider revidiert werden. Hier gab es wohl auch ein Problem bei der Erstellung oder der Vorlage der Zahlen. Im Jahr 2017 gewann die Gemeinde Düsseldorf, laut Statistik, massiv an Mitgliedern. Das hat sich leider als falsch erwiesen. In diesem Jahr erhalten wir korrigierte Zahlen. Dafür hat Köln massiv an Mitgliedern gewonnen (warum?). Dennoch bleibt Düsseldorf eine Top 6 Gemeinde.

Allerdings ist spannend zu sehen, welche Gemeinde die größte in Deutschland ist.

Berlin?

Nein. Seit 2018 nicht mehr. 152 Austritte und 160 Todesfälle. Aber nur insgesamt 108 Zugänge, davon nur 15 Geburten (!) und 77 Zuzüge aus dem Ausland, hinterlassen Spuren.
München hat Berlin abgelöst. München wächst zwar nicht, aber schrumpft nicht so stark wie Berlin.

In Berlin gab es 2018 1,6 Austritte pro 100 Gemeindemitglieder zu verzeichnen. In München waren es hingegen »nur« 0,3 pro 100 Gemeindemitglieder. In Berlin sind 49 Prozent der Mitglieder älter als 60 Jahre. In München sind es 43 Prozent. Aber dennoch: In Berlin passiert eine Menge jüdisches Leben. Zahlreiche Gruppen und Initiativen senden Impulse aus. Oft außerhalb der Gemeinden. Aus München liest oder hört man weniger von kleinen Gruppen außerhalb der Gemeinde. Es kann auch sein, dass diese nicht so sehr stark wahrgenommen werden.

Hier in der Übersicht:

2015 2016 2017 2018
München 9507 9485 9365 9316
Berlin 9865 9735 9526 9255
Düsseldorf 6800 6713 6713 6695
Frankfurt am Main 6604 6503 6464 6428
Köln 4077 4026 3970 4100
Hamburg 2445 2447 2422 2383

(In der Übersicht habe ich für das Jahr 2017 bei Düsseldorf den Wert des Vorjahres eingetragen, da er für 2017 nicht stimmte)

Rekorde?

Die (liberale) jüdische Gemeinde Pinneberg hat sich innerhalb eines Jahres halbiert. Hatte sie 2017 noch 250 Mitglieder, so hatte sie 2018 nur noch 112 Mitglieder.
Das bedeutet für den entsprechenden Landesverband, dass dieser im vergangenen Jahr 13 Prozent seiner Mitglieder verloren hat. Wir erinnern uns, dass die Gemeinde Pinneberg im vergangenen Jahr einen kleinen Skandal hatte.
Der gesamte Landesverband dieser Gemeinde lohnt einen Blick. Das ist der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein. Der Gegenpart zum einheitsgemeindlichen »Landesverband Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein«. Die Judäische Volksfront und die Volksfront von Judäa lassen grüßen.
Dieser Landesverband verzeichnete nicht nur die meisten Austritte, er hat auch keine Geburten zu verzeichnen. Hier stehen 12 Zugänge 566 Abgängen gegenüber.

Seit 2011 sieht das so aus:

2011 2018
Ahrensburg-Stormarn 18 20
Bad Segeberg 216 183
Elmshorn 49 43
Kiel 133 208
Pinneberg 256 112

Altersstruktur

Altersstruktur 2017/2018

Baden-Baden fällt auf. 61 Prozent der Gemeindemitglieder sind älter als 60 Jahre. Die Gemeinde verliert weiterhin Mitglieder. Für alle Gemeinden Deutschlands gilt übrigens, dass 48 Prozent der Gemeindemitglieder älter als 60 Jahre sind. Die Gemeinde hatte 2011 1.001 Mitglieder. 2018 waren es 999. Hier scheint es ein paar günstige Faktoren zu geben.

Im Februar 2019 wurde in Regensburg eine neue Synagoge eröffnet. Hier sind 38 Prozent aller Mitglieder über 60 Jahre.

Überlegungen zu Schlussfolgerungen habe ich bereits hier angestellt – aber man kann es nicht häufig genug wiederholen – die Infrastruktur muss auch abwärts skalierbar sein, damit die Einrichtungen auch in fünf Jahren noch betrieben werden können. Ressourcen, sowohl menschliche, als auch finanzielle, müssen für Projekte eingesetzt werden, die sich in die Gemeinden hinein richten.

In Ballungsräumen wären möglicherweise »Fusionen« ein gutes Mittel, um Kosten für Infrastrukturen zu senken. Fusionen bedeuten allerdings auch, dass sich zwei Vorstände für ihre Gemeinden einigen müssten und am Ende einer die Gemeinde leitet. Da sind Leute gefragt, deren Sorge in erster Linie der Fortbestand der Gemeinde ist.

Die Statistik der ZWST gibt es hier, auf zwst.org. An dieser Stelle einen Dank an die ZWST für die Transparenz.