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Sehbefehl: Masel Tov Cocktail

Dima

Spielfilme über Jüdinnen und Juden in Deutschland gibt es nicht extrem viele. Meist öffentlich-rechtlich gedreht, nur wenige davon haben alle glücklich gemacht – also innerhalb der jüdischen Community. Außerhalb natürlich schon. Wann immer es etwas stereotyp wurde, wurde dem Zuschauer warm ums Herz. Ja – so sind sie, die Leute im Film. Irgendwie immer liebenswert/schlau/intelligent/witzig – man kann sich etwas aussuchen.

»Masel Tov Cocktail« von Arkadij Khaet und Mickey Paatzsch (Drehbuch Arkadij Khaet und Merle Kirchhoff) gehen einen anderen Weg. Laut der Filmemacher gehören in den »Masel Tov Cocktail«

Zutaten: 1 Jude, 12 Deutsche, 5cl Erinnerungskultur, 3cl Stereotype, 2 TL Patriotismus, 1 TL Israel, 1 Falafel, 5 Stolpersteine, einen Spritzer Antisemitismus Zubereitung: Alle Zutaten in einen Film geben, aufkochen lassen und kräftig schütteln. Im Anschluss mit Klezmer-Musik garnieren. Verzehr: Vor dem Verzehr anzünden und im Kino genießen. 100% Koscher.

Der Film konzentriert die zahlreichen Erlebnisse, die jüngere Jüdinnen und Juden über die Zeit sammeln, auf einen Tag im Leben von Dima (gespielt von Alexander Wertmann), der mit vollem Namen Dimitrij Liebermann heißt und kurz vor dem Abitur steht. Dima hat Tobi in der Schule einen kräftigen Schlag verpasst und ihm die Nase gebrochen. Dafür soll er sich nun bei Tobi entschuldigen. Was er eigentlich nicht will. Man sieht schon warum. Also zieht Dima durch seine Gegend – endlich mal das Ruhrgebiet statt immer nur Berlin – und teilt seine Gedanken. Es wird nur wenige jüdische Zuschauer geben, die nicht nicken, denn sie sind alle dabei: Die verständnisvollen Betroffenen, diejenigen, die nicht »Jude« sagen können, der Schuldirektor, der sich einen dankbaren Juden wünscht, der Typ aus der Gemeinde der fragt, wann mal wieder kommt – aber ich will nicht alles ausplaudern. Alles großartig geschnitten. Der Film nimmt richtig Tempo auf.

Zwischendurch spricht Dima direkt mit dem Zuschauer. Hier gelingt tatsächlich der Kunstgriff, dass sich sowohl Jüdinnen und Juden wiederfinden, aber auch Nichtjuden abgeholt werden. Nichtjüdischen Leuten in Dimas Alter sollte der Film unbedingt gezeigt werden. Das wird funktionieren, weil Bildsprache und Dialoge hier voll aufgehen. Sogar kurze Einspieler mit »Bonusinformationen« sind unterhaltsam in den Kontext eingebracht. Wie viele Deutsche haben wohl tatsächlich ihren jüdischen Nachbarn zur Zeit der Schoah geholfen? In der Selbstdarstellung waren es sehr viele, das wird schon der oder die andere mal gehört haben. Aber in der Realität?
Unbedingter Sehbefehl an dieser Stelle.

Wo kann ich den Film sehen? Auf dem JFBB

Der Film »wandert« schon seit einiger Zeit durch das Land, doch nun hat man über das »Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg« die Möglichkeit, sich den Kurzfilm streamen zu lassen (hier). Das sollte ab dem 7. September 2020 für 7 Tage möglich sein.

3Sat hat einen kurzen Film zum Film produziert (hier zu sehen). Der ist eine interessante Mischung aus Interview (mit Regisseur und Hauptdarsteller) und Trailer. Interessant, dass 3Sat einen jüdischen Friedhof als Ort für das Interview ausgesucht hat…

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Hamburgs liberale Gemeinde

Wenn Rabbiner Walter Rothschild eine zusätzliche Superhelden-Identität hätte – ich bin mir nicht sicher, ob er nicht vielleicht eine hat – wäre er vermutlich »Machlojkes-Man«. 
Nicht weil er streitsüchtig wäre, sondern weil er jemand ist, der alles grundsätzlich hinterfragt. Wenn ihm jemand sagt: »Das ist der Status Quo«, wird Rabbiner Rothschild antworten: »Warum?«.Das ist eine hervorragende Eigenschaft für einen Rabbiner, aber eine unangenehme für diejenigen, die es gerne gemütlich und statisch haben. Es wäre euphemistisch zu behaupten, Rabbiner Rothschild wäre damit »angeeckt« (siehe etwa den Tagesspiegel). »Angekantet« oder »angepfostet« wären bessere Begriffe dafür.
In einer rabbinergeführten Gemeinde, wie es sie zuweilen außerhalb Deutschlands gibt, könnte er sein gesamtes Potential entfalten.

Zuletzt wurde er nach Hamburg ge- oder berufen. In die »Liberale Jüdische Gemeinde«, die sich als »Nachfolgegemeinde des Neuen Israelitischen Tempelverein(s) von 1817 (5578)« betrachtet (laut Homepage). 2017 zunächst als »Assistenz-Rabbiner« seines Reform-Amtskollegen Mosche Navon. In diesem Jahr dann als »Vertretung«.
Dieser war zu diesem Zeitpunkt noch Rabbiner dieser Gemeinde und wurde (ernsthaft) krank. Er musste ins Krankenhaus und zog Rabbiner Rothschild ins Vertrauen. Das könnte man durchaus als »verantwortungsbewußt« bezeichnen.
»Machlojkes Man« sollte also den Rabbiner vertreten. Er kam dann auch, allerdings nur für kurze Zeit, denn er erhielt Hausverbot in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg.
Ist das die ganze Geschichte?
Natürlich nicht. Wie in jeder Geschichte über Superhelden, treten sie dann auf den Plan, wenn ihr eigentliches Ich eine Ungerechtigkeit aushalten musste. Hier allerdings ohne einen großen Triumph.
Rabbiner Rothschild ließ nämlich nicht locker, obwohl es nicht mehr nur um ihn ging:

Noch während Navon im Krankenhaus war, meldete der Evangelische Pressedienst am 18. Juni, dass man einen neuen Rabbiner für Hamburg gefunden hätte.

Rabbiner Daniel Alter sei der Nachfolger von Navon bzw. von Rabbiner Rothschild. Das fand schnell den Weg auf »Welt«-Online. Zu diesem Zeitpunkt war die Nachricht allerdings so nicht ganz richtig. Es war wohl geplant, dass Rabbiner Alter die Krankheitsvertretung übernimmt. Irritierend daran war, dass sowohl die Gemeindevorsitzende, als auch Dritte, die es besser hätten wissen müssen, die Meldung über die sozialen Medien weiterreichten. Und zwar in der Form: Rabbiner Alter kommt nach Hamburg. Der Pressedienst hat die Meldung später übrigens geändert und daraus eine Krankheitsvertretung gemacht.

Unbeteiligte haben spätestens jetzt gemerkt: Hier stimmt etwas nicht.

Am 3. Juli, also nur etwa zwei Wochen später, sendet die Gemeinde, besser gesagt, die Vorsitzende, eine Mail aus:

» […] unsere Gemeinde hat heute nach 5-jähriger Tätigkeit den Landesrabbiner Dr. Moshe Navon in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Rabbiner Dr. Navon hat sein Rentenalter bereits im April 2020 erreicht, somit wurde laut Vertrag sein Dienst bei der LJGH e.V beendet.«

Rundmail an Mitglieder des Freundschaftsvereins

Zu diesem Zeitpunkt war Rabbiner Navon noch krankgeschrieben.

Im NDR erfahren wir von Rechtsanwalt Felix Meschenmoser, der Rabbiner Navon mittlerweile vertritt, dass dieser eine Kündigung erhalten habe und vier Monate rückwirkend durch die Gemeinde von der Krankenversicherung abgemeldet wurde – wir erinnern uns – Rabbiner Navon lag im Krankenhaus. Sicherlich kein günstiger Spaß.
Anwalt Meschenmoser berichtet auch, dass ihm eine Zusicherung aus der Vergangenheit vorliege, in der die Gemeindevorsitzende Galina Jarkova, dem Rabbiner verspricht, ihn auch nach dem Eintritt ins Rentenalter weiter zu beschäftigen. Dazu ist es dann aber doch nicht gekommen. Der Anwalt hält das für unzulässig.

Nahezu zeitgleich meldeten sich zwei Mitglieder des Vorstands und berichteten, dass sie von den Vorstandssitzungen ausgeschlossen worden seien. Am Anfang des Jahres seien sie zuletzt bei einer solchen Sitzung anwesend gewesen. Danach seien alle Beschlüsse, inklusive des Haushaltsplans, durch die Vorsitzende und einen Schatzmeister getroffen worden.

Rabbiner Rothschild hat sich also nicht zurückgezogen, sondern machte die Sache dann publik. Der NDR hat, wie beschrieben, darüber berichtet. Die Sache beschäftigt nun ein Gericht.
Offen dürfte noch sein, ob der oder die Vorstandsvorsitzende einfach andere Mitglieder des Vorstands abberufen kann. Wenn das in der Satzung steht, wäre das wohl zulässig, aber irgendwie natürlich eine seltsame Konstruktion.

Der Vorstand hat unterdessen Kontakt zu den Mitgliedern und den »Freundschaftskreis« (der Freundschaftskreis ist offenbar eine Gruppe nichtjüdischer Unterstützer) der Gemeinde aufgenommen: Es wurde deutlich gemacht, dass nur Mails von bestimmten Absenderadressen für die Gemeinde sprechen dürften. Andere seien nicht befugt, zu kommunizieren.

Einer dieser Rundbriefe enthielt ein bemerkenswert offenes Statement und eigentlich hätte man diesen Artikel nur auf dieses Statement herunterbrechen können:

»Es ist zu beachten, dass es in unserer Gemeinde noch immer einzelne Personen gibt, die von persönlichen Interessen geleitet sind, unterschiedliche Meinungen und Aussagen zulassen und damit Spannungen im Kollektiv erzeugen.«

Zitat aus einem Rundbrief

Augenblicklich ist noch alles offen. Machlojkes-Man hat also nicht gewonnen, aber dem Vorstand hätte vermutlich klar sein müssen (siehe etwa den Bericht in der Welt), auf was er sich da einlässt. Einer Auseinandersetzung geht er nicht aus dem Weg. Offenbar geht es Machlojkes-Man nicht um den Sieg, sondern irgendwie um Gerechtigkeit. Was Rabbiner Navon betrifft: Hier ist bis zur gerichtlichen Klärung alles offen. Vielleicht erklärt sich die Gemeinde zuvor noch öffentlich. Der Schaden geht über das hinaus, was Rabbiner Navon passiert ist.

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Eine liberal-chassidische Jeschiwa in Dresden

Die Auflistung der Strömungen ist eine nie versiegende Beschäftigungsquelle. Ständig tut sich etwas. Wobei in letzter Zeit beständig »Mikroströmungen« und Gruppen entstehen. Das ist natürlich auch eine Auswirkung der voranschreitenden »Individualisierung«, die immer speziellere Interessen erlaubt. Hier verschwimmen Grenzen beständig. Das könnte ein guter Trend, es sei denn, man denkt gerne in festen Schemata oder versucht das alles irgendwie darzustellen.
Jedenfalls tauchte kürzlich eine neue Bezeichnung auf: liberal-chassidisch.
Also eine Mischung aus liberalem und chassidischen Judentum? Vermutlich soll es das sein.

Der Kopf dahinter ist Rabbi Akiva Weingarten. Wer sich über ihn informiert, merkt schnell, dass Rabbi Weingarten sich gar nicht so übel findet. Seine »Über mich« Seite zeigt ihn auf smarten Fotos in smarten Posen. So ein keckes Bild eines Rabbiners im hölzernen Sessel habe ich bisher noch nicht so häufig gesehen.
Vor einiger Zeit kam Rabbiner Akiva Weingarten aus Israel nach Deutschland. Da hatte er schon mehrere (orthodoxe) Smichot in der Tasche. Zugleich ist er ein Aussteiger, denn er wurde in die Welt der Satmarer geboren – ja- wie Deborah Feldman. Die Popularität ihres Buchs erzeugt natürlich auch eine gewisse Aufmerksamkeit für Rabbiner Weingarten. So lag es doch nahe, dass die ZEIT einen Artikel über ihn betitelte mit »Der Unorthodoxe«. In Deutschland studierte er am Abraham-Geiger-Kolleg und ging dann nach Dresden. Dort und in Basel (bei der Liberalen Jüdischen Gemeinde Migwan) ist er Rabbiner. Also liberal-chassidischer Rabbiner. Ein liberaler Rabbiner mit Schtreimel. Das wird übrigens in der Berichterstattung nicht selten hervorgehoben.

Ein Rabbiner ohne Schüler? Nicht denbkar!

Nun kommt ein weiteres Betätigungsfeld dazu. Er hat eine Jeschiwa gegründet. Folgerichtig eine »liberal-chassidische«. Die Beschreibung des Curriculums der »Besht Yeshiva Dresden« liest sich derzeit noch wie eine Mischung aus Aussteigerprogramm und religiösem Support. Also Berufsvorbereitung, Integrationsunterricht und Selbstreflexion.

Die Website der »Besht Yeshiva Dresden«.

Laut Website möchte Rabbiner Weingarten das nicht alleine angehen. Es werden wohl zwei weitere Rabbiner nach Dresden kommen und ihn unterstützen. Ein wenig ist wohl auch der Plan dahinter, etwas mehr jüdisches Leben nach Dresden zu holen (Zitat von der Website: »Dresden hat großes Potenzial für die Wiederbelebung des jüdischen Lebens«).

Das jüdische Leben in Deutschland mag zahlenmäßig seine Grenzen haben, aber langweilig ist es in den letzten Jahren nicht geworden. Eine neue Strömung und eine neue Jeschiwa! Seien wir gespannt, was wir von dort hören werden. Uncharismatisch ist Akiva Weingarten nicht. Nachdem was man hört, kann er mit Menschen umgehen. Das dürfte es ihm leichter machen, etwas zu erreichen. Ein neuer Player ist auf dem Feld!

Nicht zu vergessen: In Berlin gibt es auch eine Besht-Gruppe. Diese geht auch auf die Initiative von Rabbier Weingarten zurück.

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In der deutschen Sprache zuhause – Dr. Lia Frank

Ihre Geschichte ist außergewöhnlich und »typisch« zugleich. 
Sie kam 1990 nach Deutschland. Das könnte eine Wende im Leben sein. Migration, Neubeginn.
Tatsächlich hat Dr. Lia Frank angeknüpft und das ist das außergewöhnliche an ihrer Geschichte.
Lange bevor sie 1990 nach Deutschland kam, veröffentlichte sie in deutscher Sprache und fühlte sich der Sprache »zugehörig«.
Und das wiederum ist das »typische« an der Geschichte: Die Uneindeutigkeit.
Sie beginnt schon beim Geburtsort von Dr. Lia Frank. Sie wurde 1921 in Kowno geboren. Die Stadt, die auch Kaunas hieß, gehörte in einer Phase der Geschichte mal zu Polen und dann wieder zu Litauen. Unklare Verhältnisse. Während die politischen Rahmenbedingungen sich beständig ändernten, lebte die jüdische Bevölkerung mittendrin. Vielleicht die ersten richtigen Europäer Europas.
Im Jahr 1900 waren 37% der Einwohner der Stadt Kowno/Kaunas jüdisch. Ein Teil von ihnen sprach Polnisch, einige Jiddisch, andere wiederum nutzten Deutsch als Sprache des Bürgertums. 
Weil der Vater die polnische Staatsbürgerschaft hatte, verließ er nach Verlust seiner Arbeit (Lehrer) Kowno-Kaunas und ging zunächst mit seiner Frau und seiner Tochter nach Berlin. Verwandte brauchten dort die Hilfe der Mutter. 
In Berlin wurde »natürlich« Deutsch gesprochen. 1929/1930, als sie 9 oder 10 war, zog die Familie dann mit einem Onkel nach Lettland. Der Vater fand in der kleinen Stadt Ludza eine Anstellung als Lehrer. Lia besuchte die jiddische Schule und lernte dort auch etwas Lettisch. Es kamen also weitere Sprachen dazu. Offenbar beherrschte sie diese so gut, dass sie später das lettische Gymnasium besuchen durfte.
Die Zulassung zum Jurastudium war eine Bewährungsprobe. Abschlussprüfung und Zulassungsprüfung wurden von den Behörden zusammengelegt. Später schilderte sie, dass es offenbar nicht erwünscht war, dass jüdische Jugendliche einen Studienplatz erhielten. Den Abschluss erhielt, wer auf eine Zulassung verzichtete. 
Sie erwirkte dennoch, dass sie an der Universität angenommen wurde. Statt des Studiums erwartete sie ein Umbruch. 

Die politischen Verhältnisse wechselten erneut. Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion.
Die Familie ging nach Swerdlowsk im Ural. Dort beendete sie ihr Studium und wurde tatsächlich Juristin. Russisch war hier natürlich die Sprache der Wahl. Einer ihrer beiden Söhne kam dort zur Welt. Wie sie berichtete, machte es ihr zu schaffen, dass man es am weitesten mit kleinen finanziellen Gefälligkeiten brachte. Sie kehrte ihrer Tätigkeit als Anwältin den Rücken und wandte sich der Vermittlung von Fremdsprachen zu.

Welche Sprache war ihre eigene Sprache, mag man sich hier fragen?

Nach Tadschikistan Fast ein Neubeginn

Dann wieder ein Umbruch. Raus aus dem Umfeld. In Duschanbe (in Tadschikistan) war eine neue Universität entstanden. Ein neuer Beginn ohne verkrustete Strukturen erschien denkbar. Eine neue Umgebung, aber etwas mehr zuhause.
Während sich also die äußeren Parameter ständig änderten, wandte sich Lia Frank der Dichtung zu. Ab 1963 nahezu ausschließlich in deutscher Sprache. Sie sah sich als »sowjetdeutsche« Schriftstellerin – fasste den Begriff also nicht »ethnisch« auf, sondern kulturell. 
Gut kann man das in einem Gedicht aus dem Jahr 1991 nachvollziehen (ein Ausriss aus dem Gedicht »Lebenslänglich«):

An euch gekettet
durch eure Sprache
eure Gedichte
und eure Lieder

[…] an denen ich zerre,
mich zerfleischend,
und die ich nicht lassen kann,
wie mein Leben.

Und sie war fleißig. Veröffentlichte zahlreiche ihrer Texte in der Sowjetunion. Das mag überraschen, aber deutschsprachige Publikationen gab es in der Sowjetunion. 1955 wurde die erste deutschsprachige Zeitung des Staates gegründet.  1957 folgte die Zeitung »Neues Leben« in der Lia Frank – unter anderem – veröffentlichte.

Sie wandte sich später sogar Haikus zu und veröffentlichte nach ihrer »Rückkehr« nach Deutschland, auch hierzu in deutscher Sprache. Die »deutsche Haiku Gesellschaft« veröffentlichte einen ihrer theoretischen Texte zu dieser besonderen literarischen Form. 

Nach Deutschland Ein Kreis schließt sich

1990 war dann das Jahr, in dem sich der große Kreis schloss. Duschanbe wurde im Zuge der Unabhängigkeitsbestrebungen zu einem ziemlich heißen Pflaster für »Russen«, also für alle Bewohner, die als Nicht-Tadschiken zu identifizieren waren. Ihr jüngerer Sohn begleitete sie nach Deutschland. Der ältere Sohn ging später nach Israel. Seine Familie, also Lia Franks Schwiegertochter und ihre Enkelin sollten später folgen. Die erste Station war die kleine Stadt Zittau. Schnell ging es von dort nach Berlin (mit einem kurzen Aufenthalt in Sigmaringen). Die Enkelin folgte tatsächlich etwas später. Es sollte sich zeigen, dass Lia Franks Entscheidung, schon in Duschanbe mit ihrer Enkelin Deutsch zu sprechen, hier nun natürlich mehr als hilfreich war. So begann die Enkelin nicht vollständig neu.

Dr. Lia Frank, Porträt

Das neue Kapitel beschreibt sie selber in ihrem Gedicht »Exodus Drei«:

Exodus Drei
Bin ich Gast? 
Bin ich heimgekehrt? 
Zeit rundet sich, läuft verkehrt –
auf den Anfang zu… 

Zum Andenken zwei Kieselsteine.
Ausgetreten auch 
dieser Brand … weshalb noch weinen? 

Ins Gestern 
tauche ich ein –
in die Sprache, 
die ich vermisste, 
die so fern war, 
wie jetzt mein Heim…

Ich weiß: 
beide dürfen 
nicht beisammen sein…
Berlin im September 1990.

Die Überschrift dieses Artikels »In der deutschen Sprache zuhause« müsste also eigentlich mit einem Fragezeichen versehen werden und führt zum Thema Uneindeutigkeit zurück.

In Deutschland wirkte Dr. Frank weiter und verstarb letztendlich im April 2012 in Berlin. Gewürdigt wurde ihr Wirken immer einmal von Interessierten kleinerer Zielgruppen, wie der Deutschen Haiku-Gesellschaft (siehe hier).

Die Enkelin, Jana Frank, die heute in Berlin lebt und ebenfalls eine Künstlerin (wie ihr Vater und ihre Mutter) ist (und das offenbar recht »erfolgreich« – ihr russischsprachiger Blog hat 45.000 Abonnenten) hat Dr. Frank in ihrem letzten Lebensabschnitt weiter begleitet und berichtet, dass es offenbar noch unveröffentlichte Texte gibt. Ein Manuskript mit der autobiographischen Beschreibung der Lebensgeschichte ist der Familie verloren gegangen.

Möglicherweise findet sich jemand, der das literarische Erbe von Dr. Frank in der Ausführlichkeit würdigt, das es verdient hat. Dieser Blogeintrag ist vielleicht nur ein (sehr) kleiner Beitrag dazu, aber es ist einer.
Mehr Lesematerial gibt es in diesem kasachischen Sammelband (in deutscher Sprache natürlich).

Ich danke der Familie von Dr. Lia Frank, vertreten durch die Enkelin Jana Frank für die Erlaubnis, Texte und Bilder zu verwenden.

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Das Ende der Causa Mbembe

Neigt sich die »Causa Mbembe« etwa ihrem Ende zu?

Dann wäre ein Text von Lea Rosh mit dem Titel »Er ist unser Wächter« in der FAZ der skurrile Schlusspunkt dieser ganzer Angelegenheit. Eine solche »Verteidigung«, in der Rosh von einem »wir« spricht (von wem ist da überhaupt die Rede?) und zurückweist, bedauert und wirbt, hat diese gesamte Angelegenheit nicht verdient.

Die »Causa« hat uns mehr erzählt.

Natürlich, die Ruhrtriennale fand letztendlich nicht statt und man könnte behaupten, es eine Diskussion »L’art pour l’art« gewesen. Oder es ging allein um den guten Ruf von Achille Mbembe.

Achille Mbembe legte viel Pathos in die Diskussion. Seine Stellungnahme in der »taz« begann er mit der Versicherung, dass es ihm gut gehe. Schließlich gäbe es ja auch Grund zur Sorge. Als spräche da nicht Achille Mbembe, sondern Salman Rushdie. Natürlich – um was geht es? Den langen Arm des Weltjudentums? Wir alle kennen ja in der jüngsten Geschichte Fälle von Persönlichkeiten, die nach Antisemitismusvorwürfen ein Leben im Untergrund führen mussten. Mel Gibson, Dieudonné oder Jakob Augstein. Karrieren am Ende. Oder die Antisemiten, die es erwiesenermaßen waren: Nehmen wir mal Richard Wagner. Nachdem sein Antisemitismus bekannt wurde, wurde seine Musik in Deutschland ja bekanntlich nicht mehr gespielt und die Person geächtet.

Kant, für den Juden »Vampyre der Gesellschaft« waren – wer spricht heute noch über Kant? Ich denke, es ist klar, was gesagt werden sollte. 

Mikrovorwürfe Eine effektive Methode

Diese kleinen eingebetteten Vorwürfe, nennen wir sie »Mikrovorwürfe«, haben sich in der Diskussion und den Köpfen der Menschen festgesetzt und werden kaum noch wahrgenommen. Sie bleiben deshalb unwidersprochen: Israel ein Apartheidstaat, Israel als Kolonialstaat, Israel habe einen fanatischen Zerstörungswillen, wer Israel kritisiert, müsse sich fürchten, Israel beziehe seine Legitimation aus religiösen Ansprüchen und einige mehr.

Im Fokus der Diskussion um Achille Mbembe standen zwei Vorwürfe. Sie waren recht schnell in der Welt, als angekündigt wurde, Mbembe würde auf der Ruhrtriennale auftreten. Ein angeblicher Holocaustvergleich wurde entdeckt und der Vorwurf geäußert, der zukünftige Redner stünde »BDS« nahe. 

Diese wurden mit Sicherheit etwas zu früh geboren und es riecht danach, als habe man sich irgendetwas bei google zusammengesammelt, um Mbembe zu überführen. Aktivismus schlug hier Besonnenheit. Hätte man sich zwei Tage mehr Zeit genommen, um Mbembes Haltung anhand seiner Texte zu analysieren und sich mit Kennern der Materie ausgetauscht, wäre man zu dem Ergebnis gekommen, dass der gefeierte, ja geliebte, Historiker blumig an den Tisch der Verständigung einlädt, aber doch eigene Probleme mit Jüdinnen und Juden vielleicht nicht analysiert hat. Dass seine Haltung zu BDS bewusst ambivalent ist, hätte man vielleicht ebenfalls schon im Vorfeld erkennen können. Der mutmaßliche Holocaustvergleich war zu vernachlässigen gegenüber anderen Dingen, bei denen er sich aus dem Repertoire eines klassischen europäischen Antisemitismus bedient hat: »Pharisäer und Zeloten« sind für ihn Heuchler und das Prinzip »Auge um Auge, Zahn um Zahn« bemüht er ebenfalls. In »Politik der Feindschaft« lässt sich Mbembe über das »göttliche Existenzrecht« Israels aus und der Topos von der »Exklusivität« Israels (als auserwähltes Volk) bemüht. Einem Textarbeiter, wie Mbembe einer ist, kann durchaus zugetraut werden, dass er Herkunft und Absicht der sprachlichen Mittel kennt.

Ein Beispiel  seiner bewussten Ambivalenz war in der ZEIT zu lesen (siehe Artikel dazu). In seinem Text schrieb er, er befasse sich nicht mit Israel, spricht aber dann »über Bande« natürlich doch über den Staat Israel – indem er nämlich über die Situation der Palästinenser spricht. So hält er es auch mit BDS. Äußerungen sind zum Teil etwas vage. So hat er an einer Konferenz an der Universität Stellenbosch 2018 erst dann teilgenommen, als sichergestellt war, dass Professorin Schifra Sagy von der Ben Gurion Universität nicht kommen würde (siehe dazu welt.de). In Interviews positioniert er sich aber nicht unbedingt in der BDS Bewegung.

Streiten über BDS Warum?

Darüber wurde aber viel zu wenig diskutiert. Wir haben uns rückwärts bewegt. Es wurde wieder über BDS gestritten – dabei gibt es schon einen Beschluss des Bundestages der BDS deutlich einordnet. Und nun müssen wir wieder neu beginnen? 

Wer schon gehört hat, wie Anhänger von BDS ein Zeitzeugengespräch mit einer Schoahüberlebenden niedergeschrien wird, nur weil die Dame heute israelische Staatsbürgerin ist, wird sich fragen, ob da Diskussionsanspruch angemeldet wird, oder schon Totalitarismus am Werk ist. Die Fürsprecher werfen dem Staat Israel gerne vor, er kontere jede Kritik mit der Schoah, so ist man dort ebenso schnell mit entsprechenden Vergleichen unterwegs. Wer erinnert sich noch an das verhunzte Logo von Israels Gastgeberschaft des Eurovision Song Contests mit den SS-Runen? Oder Proteste gegen Personen, nur weil sie israelische Staatsbürger sind, wie eben die Überlebende Dvora Weinstein. Verteidiger raunten über den Bundestagsbeschluss zu BDS, er »trage antisemitische Züge«.

Wenn es nach Omar Barghouti geht, einem Mitbegründer der BDS Bewegung, dann hätten Juden überhaupt keinen Platz auf dem geographischen Gebiet den es heute einnimmt. »Nicht in Palästina« ist seine Haltung. Palästina ist überall da, wo auch Israel heute ist. Und damit sind wir beim »Zionismus« angekommen. Laut BDS ist der Zionismus, der »ideologischer Pfeiler des israelischen Besatzungsregimes, Siedler-Kolonialismus und Apartheid.« Das sind Begriffe, die sich auch bei Mbembe finden. Er schrieb in seinem Vorwort zu »Apartheid Israel«, die »Besatzung Palästinas ist der größte moralische Skandal unserer Zeit«. Schon das allein ist, wenn man Mbembe ernstnimmt, ein Skandal. Der Genozid an den Rohingya, die Massenerschießungen von Srebrenica, die Vorgänge im Süden des Sudan, der Genozid an den Jeziden durch den islamischen Staat oder der Konflikt in Darfur, bei dem, nach einigen Schätzungen, bis zu 500.000 Menschen getötet worden seien, sind nach Mbembe nichts dagegen. Das ist kein Whataboutism, sondern die Argumentation von Achille Mbembe konsequent weitergedacht.

Wenn Besatzung das gesamte Staatsgebiet meint, dann geht es somit um den Fortbestand Israels, nicht um die Kritik an einer Regierungskoalition des jüdischen Staates. Diese ist ja durchaus fortwährend angebracht. In Israel geschieht das recht schonungslos.

Wer also ernsthaft in Deutschland mit Staats- oder Landesmitteln eine solche Bewegung fördern möchte, hätte ein Problem. Das Parlament hat das verstanden und eine entsprechende Initiative unternommen. Wie ernst es dem Parlament damit ist, sollte sich an der »Causa Mbembe« zeigen.

Seine pathetische, aber letztendlich dechiffrierbare Haltung, die es ihm erlaubt, sowohl bei BDS zu punkten, als auch bei denen, die weiterhin am Weltverbesserer festhalten wollen, gilt es intellektuell zu begegnen. Man muss keinen Clubausweis von BDS besitzen, um die Ziele auch publizistisch zu unterstützen. 

Das muss offengelegt werden. Allein: die Gesellschaft ist nicht bereit dazu. Zu tief haben sich Vorbehalte gegenüber dem jüdischen Staat, der letztendlich der »Jude unter den Völkern« ist und »den Juden« festgefressen.

Jüdinnen und Juden wissen dies, jedenfalls dann, wenn sie als solche erkennbar den öffentlichen Raum »stören«, bekommen sie das zu spüren. Es kann nicht schaden, ihnen zuzuhören. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, hat das gemacht und wurde dafür gerügt – aus dem Ausland.

Wenn etwas der Diskussion zuträglich wäre, wären das Ehrlichkeit und Empathie. Nehmen wir doch Mbembe endlich beim Wort! Denken wir seine elegant formulierten Sätze bis zum Ende – oder besser: Warum befragt ihn niemand dazu? Sieht er diese Punkte nicht in seinem Werk, oder, schlimmer, will er sie nicht sehen?

Die Anhänger von BDS werden in Deutschland nicht zum Schweigen gebracht, nur weil sie nicht gefördert werden. Sie werden nicht verfolgt, nicht niedergeschrien, nicht physisch attackiert. Sie dürfen überall sprechen, diskutieren oder demonstrieren. Aber man darf (oder soll) ihnen auch widersprechen und mit ihnen streiten. Das gilt nur noch eingeschränkt für Jüdinnen und Juden. Nicht der Staat verhindert es, aber Antisemiten greifen sich immer mehr Raum. Schräge Vergleiche, die Verwendung von Mythen und die Dämonisierung Israels betonieren das Fundament dafür.

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Schlechte Idee plus Zeit gleich schlechte Idee

Und was macht Ihr so mit den abgetragenen Feiertagen?
Man könnte sie an andere religiösen Gruppen durchreichen. Das lässt einen gönnerhaft wirken und der arbeitsfreie Tag geht nicht verloren.
Im Dezember 2019 machte (Prof. em. Dr. Dr. h.c.) Friedrich Wilhelm Graf den launigen Auftakt und schrieb in der Frankfurter Allgemeinen »Macht Jom Kippur zum Feiertag« (Link zu FAZplus). Der Artikel war ein Musterbeispiel dafür, wie man ein jüdisches Fest gründlich missverstehen kann, wenn man sein Gegenüber als Forschungsobjekt versteht und nicht als gleichberechtigten Partner, der etwas zu sagen hat.
So lernte ich aus dem Artikel, dass es an Jom Kippur speziell der Toten gedenkt und dass es in den USA die Sitte gäbe, dass viele junge Juden zur »Feier des großen Versöhnungstages in ihr Elternhaus zurückkehren.«
Die Kirchen, die einen Feiertag opfern, könnten so demonstrieren, dass »dass sie um der Gleichberechtigung der jüdischen Bürger willen dazu
bereit sind, die von ihnen erwünschte Präsenz des Jüdischen in der deutschen Gesellschaft in deren Zeitordnung sichtbar zu machen.«
Überraschung! Das Grundgesetz sichert Jüdinnen und Juden Gleichberechtigung zu. Professor Graf könnte also gemeint haben, dass er erkannt hat, dass sich das gesellschaftlich noch nicht umfassend durchgesetzt hat. Oder er meinte es genau so, wie er es schrieb: Die Kirchen müssen das Judentum in Deutschland erlösen.
»Gesellschaftliche Akteure wie die Kirchen seien in der moralischen Pflicht, ihren eigenen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus zu leisten.«

Feiertag getauscht. Thema erledigt.

Der überflüssige Feiertag war übrigens der Montag von Pfingsten. Deshalb wurde das Thema pünktlich zu diesem Tag wieder aufgegriffen. Die Theologin Christiane Thiel erzählte Deutschlandfunk Kultur von dem Vorschlag erneut. Ein richtig großes Echo fand die Geschichte dann in einem Artikel auf ZEIT online: »Theologin schlägt Tausch von Pfingstmontag gegen Jom Kippur vor«.
Hier wurde der Text noch mit einem Bild von charedischen Juden versehen, die vor einer Mauer stehen. Unter einem hebräischen Schild. In der Bildunterschrift heißt es: »Männer beim Taschlich-Ritual am Vorabend von Jom Kippur.« Je weiter die Kreise sind, die diese Idee zieht, desto mehr mutiert Jom Kippur.

Und jetzt? Was wäre ein Vorschlag

Zuerst: Nehmt einfach den Islam und das Judentum ernst. Die Feiertage der beiden Religionen muss man nicht mitfeiern, es reicht schon, wenn man denjenigen, die feiern wollen, das auch problemlos zugesteht (was laut Grundgesetz eigentlich möglich sein sollte, siehe oben). Wo wir schon dabei sind: Jüdinnen und Juden müssen die Freiheit haben, am Schabbat/Samstag keine Prüfung schreiben zu müssen.

Seit 1959 stehen und schweigen alle Menschen in Israel für zwei Minuten. Sie gedenken der Opfer der Schoah. Dieser Einschnitt in den Alltag ist das deutlichste Zeichen dieses Tages, aber nicht das einzige. Längst ist der »Jom haSchoah – der Tag der Schoah« auch ein Gedenktag in den jüdischen Gemeinden der gesamten Diaspora.

In Deutschland, dem Land, von dem die Vernichtung des europäischen Judentums ausging, gibt erst seit 1996 den 27. Januar als gesetzlich verankerten Gedenktag. Es gibt eine Gedenkstunde des Bundestages, lokale Veranstaltungen und Kranzniederlegungen und viele Gelegenheiten, den Tag zu ignorieren, wenn man möchte. Das Gedenken ist denjenigen überlassen, die eine Veranstaltung aufsuchen oder zufällig darüber stolpern.

Was es in Deutschland noch immer nicht gibt, ist ein kollektiver Akt des Gedenkens. Ein Tag, an dem das Alltägliche unterbrochen wird und an dem sich der Staat und seine Bürger vor den Opfer der Schoah verbeugen. Ähnliches kennt man heute nicht nur aus Israel. Auch aus den Niederlanden. Dort steht das gesamte öffentliche Leben für 2 Minuten am 4. Mai für das »Nationale Dodenherdenking« still. Seit einiger Zeit sind auch die Opfer der Schoah in das Gedenken ausdrücklich eingebunden. Wer es also wirklich ernst meint, der lässt die Leute nicht an einem weiteren Tag ausschlafen, sondern triggert sie mit der unangenehmen Realität. Könnte sein, dass das Schmerzen verursacht.

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Schrödingers Antizionist

Die Ruhrtriennale ist für 2020 abgesagt. Der Planet hat eine Diskussion beendet, bevor sie so richtig aufkam. War der Fall 2018 sehr offensichtlich, so war es 2020 etwas komplexer gelagert. Als 2018 die schottische Band Young Fathers auftreten sollte, konnte man recht einfach argumentieren. Die Verbindung der Band mit der BDS-Bewegung war offensichtlich. Die Bewegung setzt sich für den wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Boykott des Staates Israel ein. Das muss man hervorheben: Des Staates Israel. Nicht der Organe der aktuellen Regierung, es gibt also keinerlei Einschränkung. Die Bewegung stört auch in Deutschland regelmäßig Kulturveranstaltungen mit Bezug zu Israel. 2017 störte die Bewegung eine Zeitzeugen-Begegnung mit einer Schoah-Überlebenden an der Berliner Humboldt-Universität. Die deutsche Politik hat sich größtenteils gegen die Bewegung gestellt; insbesondere der Bundestag hat BDS verurteilt.

Schnell geriet 2018 die Intendantin Stefanie Carp in die Kritik und sie machte bei der ganzen Angelegenheit kein besonders gutes Bild, um hier einen Euphemismus zu verwenden. Allen Beteiligten war klar, dass Stefanie Carp das vielleicht nicht wiederholen sollte. Als Achille Mbembe eingeladen wurde, hatte man schnell Textfragmente von ihm aufgetrieben und eine Unterschrift unter einem Boykottaufruf gegen eine israelische Universität. Das ventilierte etwas und machte sich schnell selbständig. Mbembe habe die Schoah relativiert. Kann man so machen, ist aber am Ende nicht besonders hilfreich. Wäre der Vorwurf der Schoahrelativierung vom Tisch (und er war sehr dünn formuliert), wären die Vorwürfe entkräftet.

Mbembe ist ein recht beliebter und eloquenter Intellektueller mit großer Fanbase. Seine Arbeiten zum Postkolonialismus haben viele bewegt und einige Kommentatoren scheinen richtiggehend verliebt in den Mann zu sein, der an der Pariser Sorbonne promoviert hat – im Fach Geschichte übrigens.

Textschnipsel mit Bezug zu Israel oder BDS im Internet zu finden, war kein geeignetes Mittel, um Achille Mbembes Standpunkt genau zu verorten. Man müsste sich also etwas genauer mit Mbembes Texten auseinandersetzen, um seinen Standpunkt zu verstehen. Die ZEIT hat nun einen Text von ihm veröffentlicht, in dem er auf die »Kritik« reagiert und es lohnt sich, diesen Text zu lesen, denn das erspart uns einen Streifzug durch seine Publikationen.

Mbembes Kompetenzen Die Welt der Philosophen

Man merkt recht schnell, auf welchem Gebiet Mbembes Kompetenzen liegen: Er ist in der Welt der französischsprachigen Philosophen zuhause. Aber wenn man seinen Argumenten sorgfältig folgt, kommt man zu dem Schluss, dass Mbembe ein Problem mit dem Staat Israel hat und irgendwie auch mit dem Judentum. Nur, dass er das so nicht schreiben würde, sondern etwas mäandernd argumentiert. Für unaufmerksame Leser bleibt Schrödingers-Antizionismus. Er ist da und er ist nicht da. Wenn man Mbembe »entlasten« möchte, kann man durchaus Ansatzpunkte dafür finden. Aber das scheint seine Art der Argumentation zu sein. Schauen wir uns das gemeinsam an:

»Die Welt reparieren« ist der Titel des Textes. Das könnte man als Reverenz an das Prinzip des »Tikkun Olam« deuten, insbesondere weil Mbembe einleitend darüber schreibt, wie seine ideale Welt ausschaut:

»… die Hoffnung auf die Herausbildung einer wirklich universellen menschlichen Gemeinschaft, von deren Tisch niemand ausgeschlossen wird.«

(Aus »Die Welt reparieren«, ZEIT Nr. 18, vom 23. April 2020, Seiten 43 und 44)

Da muss dem empathischen Leser doch das Herz aufgehen. Achille Mbembe weiß, wie er seinen Leserinnen und Lesern das Herz erwärmt. Man könnte das auch als Gemeinplatz betrachten. Aber er hat einen weiteren cleveren Move in der Hand, um die deutsche Leserschaft hinter sich zu bringen. Die Bestätigung, »gut« geworden zu sein, kommt gut an.
Es geht um Deutschland:

»Ob in der nie endenden Arbeit des Erinnerns oder in der Verpflichtung zu Gerechtigkeit und Wiedergutmachung, das Land hat jeder Versuchung widerstanden, den Kampf gegen den Antisemitismus mit fremdenfeindlichen Regungen zu vermischen, und sich so mutig seiner Verantwortung gestellt.«

Aus »Die Welt reparieren«, ZEIT Nr. 18, vom 23. April 2020, Seiten 43 und 44

Das ist sind interessante Worte von jemandem, der viel zu Kolonialismus geforscht hat. Man kann vieles sagen, aber nicht, dass Deutschland vorbildlich mit dem Völkermord an den Herero und Nama vorgegangen ist. Oder es ist ihm klar und er unterstreicht, dass Deutschland gegenüber dem jüdischen Volk und dem Staat Israel ein besonderes Verhältnis hat.
In einem Nebensatz wird das vielleicht etwas deutlicher. Er schreibt, er befasse sich nicht mit Israel und der Soziologie seines Staates. Auch nicht mit Israels Recht auf Existenz und Sicherheit. Dann heißt es: »[…] auch nicht damit, wofür es den Holocaust in Anspruch nehmen kann.« Dennoch schließt er den Abschnitt mit »das Existenzrecht Israels ist grundlegend für das Gleichgewicht der Welt.« Ein Satz der sich schön anhört, aber eigentlich nicht viel aussagt. Die Welt ist nicht im Gleichgewicht. Nichts ist derzeit in Ordnung.
Ein beliebter »Trick« fehlt nicht:

»Was viele nicht wissen: Diese Hoffnung auf eine Aussöhnung der Menschlichkeit mit der Gesamtheit alles Lebendigen in einer nahen Zukunft, die doch kaum vorhersehbar ist, ist für mich weitgehend durch bestimmte Traditionen des jüdischen und des afrodiasporischen Denkens inspiriert.«

Aus »Die Welt reparieren«, ZEIT Nr. 18, vom 23. April 2020, Seiten 43 und 44

Welche Traditionen das genau sind, verrät er nicht. Aber er sagt irgendwie: Leute, ich beziehe mich auf jüdische Traditionen. Die »jüdischen Freunde« auf die so oft verwiesen wird, lassen grüßen:

»Vielen eiligen Lesern ist die Bedeutung gewisser jüdischer Strömungen des jüdischen Denkens für meine Arbeit nicht bewusst. Sie sehen nicht, wie weitgehend Denkrichtungen. für die Autoren wie Hermann Cohen, Franz Rosenzweig, Ernst Bloch Emmanuel Levinas und viele andere stehen, als Grundlage für meine Beziehung zum Holocaust im Besonderen…«

Aus »Die Welt reparieren«, ZEIT Nr. 18, vom 23. April 2020, Seiten 43 und 44

Was genau, außer der Tatsache, dass die genannten das Judentum philosophisch durchleuchtet haben – mit teils unterschiedlichen »Ergebnissen« (Levinas widersprach Hermann Cohen in bestimmten Punkten), seine Grundlage für die Beziehung zum Holocaust gebildet hat, erfahren wir nicht. Aber wir können daraus eine Top-Four der jüdischen Philosophen ableiten.
Wir haben gerade von ihm gelernt, er befasse sich nicht mit Israel. In seinem Artikel wendet er sich nun aber Palästina zu:
»Palästina hingegen nimmt einen wichtigen Platz in meinem Nachdenken über die ,andere Seite der Welt’ ein, das heißt über die kolonialen Formen der Aufteilung der Erde und des Lebens.« Dann folgt ein kurzer Exkurs über die »Herrschaft« über Palästina. Als würde er damit nicht indirekt oder direkt über den Staat Israel sprechen. Palästina diene ihm dazu, über Fragen nachzudenken »was wir mit denen tun sollen, die mit uns oder neben uns leben, mit denen wir aber keine andere Beziehung als eine der Abspaltung haben wollen.« Dieser Vorwurf an die israelische Seite wird hier als Feststellung verkauft.
»Ich bin gegen jede Form von Kolonialismus« schreibt er. Er bezeichnet Israel – und das wird behandelt, als sei das Konsens – als Kolonialstaat bzw. als Kolonialmacht. Teilt man diese Prämisse nicht, hat Mbembe sowieso ein Problem. Man kann und darf sie nicht teilen, denn sie ist gefährlich und zeigt die Unkenntnis der komplexen Geschichte des Landstrichs zwischen dem Toten- und dem Mittelmeer. Juden wird vorgeworfen ihre eigene Heimat zu kolonialisieren. Was wäre die Konsequenz daraus, wenn man diese Form der Kolonialisierung auflösen möchte?
Aber auch hier wieder der Griff in die Trickkiste: Der israelische Kronzeuge. »Wenn aber die Tatsache, dass man den Kolonialismus nicht unterstützt, ein Verbrechen oder ein Beweis für Antisemitismus wäre, dann würden zweifellos viele Israelis selbst diesen Test nicht bestehen.« Es gibt Israelis, die bestimmte Formen der »Besatzung« missbilligen. Aus finanziellen oder moralischen Gründen. Da gibt es zahlreiche Misch- und Zwischenformen. Derzeit liegen mir keine Statistiken darüber vor, wie viele Israelis tatsächlich die Auflösung des Staates heute befürworten.

Gedanken- und Gewissenfreiheit Was ist das deutsche Dogma?

Im letzten Schritt des Artikel bemüht er die Gedanken- und die Gewissensfreiheit. Sie seien Gegenmittel gegen »Tyrannei und Dogmatismus«. In einer liberalen Gesellschaftsordnung habe der »Vorwurf des Abfalls vom Glauben keinen Platz.« Er erinnert an einen Brief von Kant an Moses Mendelssohn, in dem Kant schreibe, das Subjekt, welches eigenverantwortlich denke, urteile und handele, sei keinem Dogma unterworfen. Bevor wir darauf eingehen, was Mbembe als »Dogma« bezeichnet, erinnern wir daran, dass Kant tatsächlich Antisemit war. Zwar hatte er eine gewisse Form der Beziehung zu Mendelssohn, aber das Judentum verachtete Kant. Unter den Juden schien Mendelssohn für ihn eine Ausnahme zu sein. Mbembe wird das wissen.
Das Dogma scheint die Ablehnung von BDS zu sein:
»Für mich gehört die Verweigerung einer Zusammenarbeit mit Personen und Institutionen, die an der kolonialen Besatzung eines Volkes durch ein anderes Volk beteiligt sind, zur Ausübung von Gewissensfreiheit.« Damit wäre eigentlich alles gesagt: Israel ist ein Kolonialstaat und der Boykott dieses Staates gerechtfertigt.

Aber er legt noch nach: »All jene, die die koloniale Besetzung kritisieren, in trivialer Weise des Antisemitismus zu bezichtigen leistet dem allgemeinen Kampf gegen den Antisemitismus hingegen einen Bärendienst.«

Da die »besetzten Gebiete« Palästinas geographisch nicht eingegrenzt werden, kann er den gesamten Staat Israel meinen, aber auch Bereiche des Westjordanlandes, oder das gesamte Westjordanland, die gesamte Stadt Jerusalem, oder nur den Osten. Da ist er wieder: Schrödingers Antizionismus.

Nehmen wir einen Satz aus »Politik der Feindschaft« hinzu: »wo das Blut das Gesetz macht, in expliziter Anwendung des alten Diktums der Vergeltung, des Aug-um-Auge […]«

Die Auseinandersetzung muss genau so geführt werden! Jemand muss Mbembe auf seinem Feld begegnen und seine Argumente schrittweise zerpflücken und die schützenden Wortwolken, mit denen er sich umgibt, auf harte Fakten reduzieren. Die Unterkomplexität der Auseinandersetzung hat uns bisher nicht weitergebracht. Vielleicht wird auch seinen Fans klar, dass er auf diesem Gebiet gewisse Defizite aufzuweisen hat.

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Deutschsprachige jüdische Streams – ein Stundenplan

Diese Liste sollte eigentlich fortgesetzt melden – ich gehe davon aus, dass die meisten nun das Angebot ihrer Wahl gefunden haben. Aber nicht nur Jüdinnen und Juden nutzten diese Angebote, sondern auch Störer mit antisemitischer Motivation. Deshalb nun kein Service mehr für die Störer. Leider auch nicht für diejenigen, die es wirklich brauchen können.

Es hat sich innerhalb weniger Tage recht viel getan – es gibt (nun) mehrere Angebote, online an einem Gebet teilzunehmen, oder einen Schiur zu hören.

  • Schacharit (Morgengebet) mit Rabbiner Zsolt Balla (Leipzig) – An Werktagen (Sonntag bis Freitag) um 08:00 Uhr über zoom oder die facebook-Seite von Rabbiner Balla (man muss nicht mit ihm befreundet sein, um den Stream zu sehen)
  • Minchah und Ma’ariw (Nachmittags- und Abendgebet) mit Rabbiner Zsolt Balla (Leipzig) – An Werktagen (Sonntag bis Freitag) um 18:00 Uhr über zoom oder die facebook-Seite von Rabbiner Balla

Fehlt etwas? Einfach bitte kurz melden.

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Online-Minjan revisited

Corona hat zu ziemlich strikten Maßnahmen geführt und auch ohne staatliche Intervention haben viele Menschen verstanden, dass social distancing dazu führen könnte, Menschen vor dem Virus zu schützen. Verantwortungsvolle jüdische Gemeinden haben ohne Druck von außen schnell entschieden, nicht unbedingt ein gemeinsames Gebet anzubieten. Schnell gab es wieder die Frage nach Online-Minjanim. Wäre das keine Alternative?

Würde das also funktionieren? Also über eine Videokonferenz zu beten und einen Minjan zu bilden? Natürlich nicht am Schabbat, das würde ganz andere Probleme aufwerfen.
Die Frage ist leider nicht so leicht zu beantworten. Die Quellenlage ist dünn. Zwar findet man einige Hinweise, aber nichts konkretes.
Rabbi Shraga Simmons von Aish haTorah lehnte es komplett ab, schreibt aber nicht aus welchem Grund.
Ein Minjan wird eben nicht nur aus zehn Personen gebildet, sondern erfordert auch einige andere äußere Einflüsse. So müssten die einzelnen Personen sich im gleichen Raum aufhalten, oder wie Maimonides in den Hilchot Teffilah schreibt, können sie sich in angrenzenden Räumen aufhalten, wenn sie sich in Hörweite befinden.
Der Schulchan Aruch bestimmt (Orach Chajim 55) dagegen, dass die Minjanmenschen sich im gleichen Raum aufhalten müssten. Dort heißt es aber auch, dass eine Person auf der anderen Seite eines Fensters mitgezählt werden dürfe. Später wurde gesagt, man müsste sich sehen (Mischnah Berurah).

Eine gewisse räumliche und physische Nähe scheint also erforderlich zu sein. Die Größe des Raums scheint dabei übrigens keine Rolle zu spielen. Die Gemarah von Sukkah 51b erzählt von einer Synagoge in Alexandria, die so groß gewesen sei, dass denjenigen, die hinten saßen, per Fahne angezeigt bekommen mussten, wann man Amen sprechen musste.
Physische Nähe muss aber dennoch gegeben sein. Jetzt wäre die Frage, ob die elektronische Repräsentation meiner Person, gleichbedeutend mit meiner physischen Anwesenheit (wo überhaupt?), praktisch wie eine Person am Fenster ist. Dies würde jedoch bedeuten, dass sich zumindest ein Teil der Gruppe irgendwo gemeinsam in Mehrzahl befinden müsste. Mein elektronischer Repräsentant ist aber nicht ein Blick durch das Fenster, denn das wäre ja eine überwindbare physische Hürde (um das Haus herumgehen, Tür auf, hinein). Der elektronische Repräsentant kann auch nicht zur Torah aufgerufen werden.

Was nun aber geht Vieles ist möglich!

So smart die Idee eines virtuellen Minjans also ist, es scheint kein Minjan zu sein.
Das bedeutet aber nicht, dass man nicht gemeinsam beten könnte! Rabbiner Zsolt Balla von der jüdischen Gemeinde Leipzig hat am 16. März 2020 damit begonnen, Gebete zu streamen und so für etwas mehr Gemeinschaft gesorgt (hier müsste der Stream erreichbar sein – zur passenden Uhrzeit). Im Augenblick ist es wichtig, den Anschluss an die Gemeinschaft nicht zu verlieren. Man kann nur alle, denen es möglich ist, dazu aufrufen, ein solches Angebot zu schaffen, oder zu unterstützen.

Update!

Die Website kipa.co.il meldete, dass es einen interessanten Kompromiss gäbe. Rabbiner Benjamin (Benni) Lau hätte Rabbiner Elieser Melamed (Autor von Peninei Halakha und Oberhaupt der nationalreligiösen Jeschiwah Har Bracha) vor einem Gebet via »Zoom« (siehe unten auf dieser Seite) zu Regelungen diesbezüglich gefragt. Die Antwort bleibt in Grundzügen die gleiche, aber (!) es gibt ein paar Neuigkeiten: Für Kaddisch Jatom und Kaddisch DeRabban reiche der elektronische Minjan aus. Barechu zu sagen, sei auch in Ordnung. Benni Lau wird im Artikel mit dem Hinweis darauf zitiert, dass der Verzicht auf das tägliche Sprechen des Trauerkaddischs tatsächlich einen intimen Punkt treffe.
Zum Artikel bei kipa.co.il

Womit? Eine Miniliste

Einige Dienste und Werkzeuge sind bekannt, aber nicht die beste Wahl für Streaming oder »Konferenzen«.

  • Skype dürfte das bekannteste Werkzeug zur virtuellen Begegnung sein. Man kann auch in Gruppen miteinander reden. Skype ist für die meisten Geräte verfügbar.
  • Google Hangouts ist ähnlich zu Skype, erlaubt aber das Versenden eines Links zu einem Gruppengespräch. Man müsste also nicht alle Teilnehmer manuell hinzufügen. Hangouts läuft auch über den Browser ohne zusätzliche Software. Auf Smartphones mit Apps von Google. Man benötigt übrigens ein Googlekonto.
  • Zoom wird derzeit häufig verwendet. Zoom kann in einer Gratisversion bis zu 100 Personen »hosten«, Konferenzfunktionen anbieten und Gespräche auch durch einen Moderator steuern lassen. Hier wird aber temporär auf Rechnern eine Software installiert. Für Smartphones gibt es Apps.
  • WhatsApp erlaubt auch Gruppengespräche, allerdings nur für maximal vier (!) Teilnehmer. Das dürfte in den meisten Fällen nicht ausreichen.

Auch wenn also ein Minjan nicht möglich ist, so gibt es ohne großen Aufwand möglich, sich online zu treffen, miteinander zu beten oder zu lernen.

2011 erschien bereits ein Beitrag zum Online-Minjan im Zusammenhang mit google-plus. Dieses soziale Netzwerk gibt es mittlerweile nicht mehrder Kern ist natürlich noch aktuell. Deshalb heißt dieser Artikel »revisited«…