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Es ist wieder soweit!

early-bird-2014

Auch dieses Jahr findet wieder das einzigartige, lebendige, intensive, fröhliche Limmud Festival statt: 29.5.-1.6.2014 am Werbellinsee bei Berlin.

Seit Monaten organisiert, diskutiert und trifft sich das Team, plant, textet, verwaltet, rauft sich die Haare, verhandelt, emailt, und freut sich darauf, dass ihr euch anmeldet!
Denn Limmud lebt vom Mitmachen, alle Teilnehmer sind herzlich eingeladen, selbst Sessions anzubieten. Auch aus eigener Erfahrung als Teilnehmerin und Referentin weiß ich, daß man Limmud so seine eigenen Note verleihen und zum ‚eigenen‘ Festival machen kann.

Zu wenig orthodox? Kein Problem! Bietet orthodoxe Inhalte an. Zu wenig liberal? Kein Problem, bietet liberale Inhalte an! Nichts ist unmöglich. Einen ersten Eindruck zum Programm kann man schon mal hier auf dem Limmud-Blog bekommen.

Zwischen dem, und rund um das Programm ist immer genug Zeit und Gelegenheit, sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen, einen Spaziergang zum See zu machen, oder einfach mit einem Kaffee draußen in der (hoffentlich!) Sonne zu sitzen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Ganz nebenbei kann man erleben, wie sich „jüdisches“ Leben anfühlt. Was ist eigentlich koscheres Essen? Na, das, was jeden Tag serviert wird! Was ist eigentlich ein Eruv? Na, das was am Freitag aufgebaut wird, fragt das Team und helft beim Aufbau!
Was ihr mit den Kindern machen sollt? Mitbringen! Es gibt ein tolles Kinderprogramm für Alle von ganz klein bis ganz groß (und Kinderermäßigung bis 17 Jahre).
Auch der Schabbat lebt vom Mitmachen, was zu einem großen Spektrum an Möglichkeiten führt. Die Gottesdienste werden von den Teilnehmern organisiert, also bringt mit, was man braucht, genug Räumlichkeiten gibt es.

Die Early-Bird-Anmeldung geht nur noch bis zum 15.2.!

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Limmud.de 2012

In der Kommandozentrale rauchen die Köpfe, es gibt Aufregung über Druckfehler, Änderungen in letzter Sekunde, Aufstellungen von Ausweich- und Notfallplänen, fröhliche Wiedersehen von alten Freunden, und das Madrichim-Team packt Bergeweise Bastelmaterial aus. Was ist los? Limmud in the City! Erstmals findet dieses nun schon traditionelle Lern-Festival in der Jüdischen Oberschule in Berlin statt, und nicht, wie bisher, auf dem Gelände der EJB Werbellinsee.
Das ist Berlin

Alles Neu bedeutet auch Alles Anders. Es müssen technische Materialien überprüft, Steckdosen gefunden, und Raumplanungen über den Haufen geworfen werden. Auf dem Hof der Schule steht ein riesiges Zelt als Küche und Speisesaal, Bierzelt-Flair mit koscherem Catering. Vor der Schule hat sich eine Bar/Lounge materialisiert, ein Blick hinein übertrifft die kühnsten Erwartungen. Und der Kaffee wird professionell mit aufgeschäumter Milch und Herz-Verzierung vom Barista serviert. Sogar die Pappbecher für den regulären Kaffee zu den Mahlzeiten sind mit Limmud.de – Design. Das Team hat sich, wieder mal, selbst übertroffen! Es ist unglaublich, was diese Leute jedes Jahr auf die Beine stellen, und wie viel Herzblut in die Vorbereitung und Durchführung fliesst. Spätestens nach dem offiziellen Grand Opening lässt der Eröffnungsstreß langsam nach, und auch in der Kommandozentrale (Limmud-Büro in einem Klassenzimmer) wird die Betriebstemperatur etwas heruntergefahren.
Der Programm kommt im neuen Design (und in einer schicken Stofftasche, inclusive Notitzblock) daher, die über 500 Teilnehmer aus Berlin, Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Eine kurze Umfrage zeigt, daß viele neue Teilnehmer dabei sind, für die es das erste Limmud ist, aber eine recht große Anzahl ist bereits zum wiederholten Mal angereist ist. Limmudniks, sind, offenbar, Wiederholungstäter.
Dieses Jahr sind mehr und längere Pausen eingeplant als bisher, um die Diskussion unter den Teilnehmern zu fördern, sowie eine lange Mittagspause, was gleichzeitig auch die Entdeckung der städtischen Umgebung ermöglicht.
Inhaltlich gibt es wieder eine gute Durchmischung an Themen: Politik, Religion, Kultur, gesellschaftliche Themen, ebenso eine ekletische Auswahl an Filmen, unter Anderem ein inoffizielles Vor-Screening von Arnon Goldfingers Dokumentations-Film „Die Wohnung“ am Donnerstag.
Am Freitag stand eine Diskussion mit dem Präsident des Zentralrats der Juden Dr. Dieter Graumann auf dem Programm, der sehr offen auf alle Fragen des großen Publikums einging, die eine Vielzahl von Themen umfassten. Zentrales Thema war die Pluralität der Jüdischen Gemeinden Deutschlands, eine Pluralität, die bei Limmud.de bereits lange Tradition hat.
Das dieses Jahr zum zweiten Mal stattfindende Speed-Dating (ab dem zweiten Mal ist es schon Tradition!) war wieder sehr gefragt; mit Spannung wird erwartet, ob es, wie im letzten Jahr, zu weiteren Hochzeiten kommen wird. Ein Bericht über den Ablauf des Datings wird bald in der Jüdischen Allgemeinen erwartet, ein Reporter schlich sich ein, obgleich er schon lange nicht mehr zu haben ist, und wird brandheiß berichten.
An Schabbat wurden dieses Jahr die Synagogen Berlins mit einbezogen, zusätzlich zu vier verschiedenen Minjanim am Veranstaltungsort.
Es gab viel positives Feedback der Teilnehmer zum neuen Veranstaltungsort, es kamen einige Berliner spontan, auch tageweise, und das Angebot der Stadtführungen wurde gut angenommen. Das Flair war natürlich ganz anders, das dörfliche Insel-Gefühl wollte sich nicht so recht einstellen. Dieses Jahr war es eben urban. Mit Coffee-Bar und Lounge.

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Limmud.de 2011

Dieses Jahr größer denn je! Rund 500 Teilnehmer, mit vielen bekannten Gesichtern und vielen Neuen, und einem, objektiv gesehen, im Vergleich doch etwas gesenkten Altersdurchschnitt, tummeln sich bei strahlendem Sommerferienwetter in der EJB-Idylle am Werbellinsee. Intensiver Kiefernduft auf der großen Wiese, vom See weht ein laues Lüftchen. Aus den offenen Fenstern des Seminarhauses klingt es angeregt vielsprachig heraus, während mich die Verdauung des exzellenten Mittagessens zu einem Nickerchen in der Sonne verführt. Aus der Disko klingen smirot Schabbat, die für heute Abend schon mal geübt werden.
Die einmalige und so besondere Atmosphäre ist wieder da, die aus anfangs noch vorsichtig-erwartungsvollen Erstteilnehmern überzeugte Limmudniks und Wiederholungstäter macht.
Schon am Donnerstag, gleich nach der Anmeldung bei den fleißigen Freiwilligen und Organisatoren in den Limmud-T-Shirts, geht es direkt rein ins Vergnügen. Während eine musikalisch umrahmte Einführungsveranstaltung die Neulinge einstimmt, wird schon lebhaft gelauscht, gelernt und diskutiert.
Die Organisatoren haben sich wieder mal selbst übertroffen! Das Programm ist so vielfältig, dass es wirklich schwer fällt, sich für jeweils eine Veranstaltung pro Zeit zu entscheiden, und viele der Dozenten sind schon von vorigen Jahren bekannt und beliebt, so dass man allein schon auf Grund des Dozenten eine Entscheidung trifft. Die Kurse und Veranstaltungen in den Kategorien „Religion“, „Geschichte“, „Literatur/Kunst/Musik“, „Gesellschaft“, „Politik/Israel“ und „Ethik/Philosophie“ sind jeweils gut besucht. Interessenten, die des Deutschen nicht mächtig sind, finden eine große Auswahl an Shiurim in Englisch und Russisch, und die Dolmetscher der letzten Jahre sind auch wieder im vollen Einsatz.

Und was für Leute trifft man hier so? Alle Sorten!
Die bunte Mischung aus dem ganzen Spektrum jüdischen Lebens ist ein ganz besonders prägendes Merkmal von Limmud. Von orthodoxer Seite hörte ich schon wiederholt, dass Limmud ja eine liberale Veranstaltung sei, und dass man da lieber nicht hingehen sollte, weil man da sowieso nichts lerne, oder jedenfalls wenn dann nicht das „Richtige“. Das scheint diejenigen Orhodoxen, die hier her gefunden haben, nicht abgeschreckt zu haben, und entspricht auch keineswegs der Realität. Ohne hier eine Diskussion des ewigen Konflikts auslösen zu wollen: Limmud ist wirklich für alle da, und in der Durchführung (Kashrut, Schabbat) möglicherweise sogar deutlich orthodoxer, als manche das aus ihrem täglichen Leben kennen. Und so sind hier eben alle richtig, sowohl die Damen mit Hüten, Scheitels und langen Röcken, als auch die Mädels in hot pants und die Frauen mit Kippa. Und natürlich entsprechende männliche Äquivalente. Nur so kann ein lebendiger Dialog zwischen den Welten entstehen!

Jetzt noch schnell auf dem Weg zum Caf am Shuk vorbei (Bücher, Gummibärchen, Krimskrams), und dann ist auch schon Zeit für den nächsten Workshop!

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Limmud.de 2010 Berlin, Freitag, 2. Teil

In einem atemberaubenden Tempo nimmt uns David Solomon auf eine Zeitreise durch Jahrtausende jüdischer Philosophie mit. Die Simultanübersetzer hatten große Mühe, dem rasanten Tempo zu folgen, meisterten die Herausforderung jedoch bravourös.

Vom großen (jüdischen) Philosophen Philo, der das Konzept des „Logos“ erstmals beschrieb, welches weiterhin im Judentum keine herausragende Rolle spielen sollte, jedoch im Christentum zu einer zentralen Bedeutung wurde, über Saadia Gaon, der erstmals die religiösen Schriften auf rationale Inhalte untersuchte und feststellte, daß Offenbarung und Verstand in Einklang gebracht werden müssen und nicht getrennte Disziplinen sind, und daß die wörtliche Interpretation abgelehnt werden kann, wenn sie dem Sinn und Verstand widerspricht, zu Abraham ibn Daud, und weiter zu Moses ben Maimon (Moses Maimonides, Rambam), der die Philosophie des Aristoteles mit der Torah in Einklang brachte und dies in seinem Hauptwerk „Führer der Unschlüssigen“ (auch hier, Guide for the perplexed) niederlegte.

Hier kommt David Solomon zur zentralen Frage: Wenn Gott ALLES weiß, wo ist dann der freie Wille? Dieser Frage wurde später unter Anderem von Martin Buber in seinem Werk „Ich und Du“ auf den Grund gegangen.

Zurück im Mittelalter kommen wir nun zu Crescas, dem fast vergessenen Autor des Werkes „Or Adonai“ der wiederum die aristotelische Lehre und hiermit das Werk Maimonides‘ ablehnte, da es die Torah mit philosophischen Ideen verwässere (für Interessierte gibt es hier weitere Informationen, allerdings auf englisch), sowie einem seiner Schüler, Albo, der dieses Thema weiter verfolgte und noch grundlegendere, weiter gefaßte Thesen formulierte.

Nun kommt schließlich Moses Mendelssohn zu Wort, der als einer der großen Aufklärer im Judentum gilt und in seinem Spätwerk „Jerusalem oder über religiöse Macht im Judentum“ über das Verhältnis von Religion und Staat sowie die Folgen des eigenen Verhaltens und die Freiheit in der Religion schreibt.
Das Schlußwort des gegen Ende aus Zeitgründen etwas gerafften Vortrages erhält Franz Rosenzweig, womit der Bogen zurück geschlagen wird zu Maimonides und der Philosophie als Kontrast und Ergänzung von Religion.

Auch wenn in diesem Vortrag mehr Fragen als Antworten gegeben wurden, so war er doch sicherlich ein guter Impuls und Leitfaden, sich näher mit jüdischer Philosophie zu beschäftigen.

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Limmud.de Berlin 2010, Freitag

Ja was denn nun, religiös oder sekulär? Interessiert, desinteressiert, anti-interessiert? Atheist gar? Eher individualistisch, oder eher traditionell? Normkonform oder Reform? In, out, oder dazwischen? Heiße Diskussionen bei der Podiumsdiskussion um die Frage, was denn nun das jüdisch-sein definiert, und wer das Recht der Definition dieser Frage hat. Eigentlich ging es hier weniger um die ewige, nicht schlüssig beantwortbare Frage, wer denn nun ganz genau, präzise und universal gesehen ein Jude ist, sondern eher darum, was jüdisch-sein ausmacht, und wie man sein jüdisch-sein lebt. Das Podium war besetzt mit Vertretern unterschiedlichster Meinungen und Ausprägungen, und das Publikum gab sein Bestes, anhand teils sehr persönlicher Beispiele seine Meinungen zu diesem Thema mitzuteilen. Einerseits kam zur Sprache, wie sehr die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands (ORD) die Einheitsgemeinden prägt und hierdurch eine deutliche Gewichtung zugunsten traditioneller Werte und Religiosität setzt, andererseits was das bedeutet für Menschen, die sich zwar durchaus in sozialer, geschichtlicher, kultureller und emotionaler Weise als jüdisch fühlen, sich aber von der orthodox gelebten Religiosität nicht angesprochen oder repräsentiert. Diese Problematik rührt, wie Barbara Spectre (Paidea, Schweden) erläutert, unter Anderem daher, daß das Judentum eine Kombination aus Religion und Nation ist, die weltweit einzigartig ist. So ist es zwar möglich, ein atheistischer Jude zu sein, jedoch, definitionsgemäß, nicht möglich, ein atheistischer Muslim oder Christ.

Durch Ismar Schorsch (Jewish Theological Seminary, New York) wurde als Vergleich die Situation in den USA geschildert, wo es durch eine vollständige Trennung von Religion und Staat eben keine offiziellen religiösen Organisationen mit so ausgeprägtem Einfluß gibt wie die ORD, was zu einer sehr lebendigen Vielfalt an religiösen Ausprägungen führt mit einem großen Spektrum, von der nontheistischen Society for Humanistic Judaism, Renewal, Reconstrucionist, Conservative Judaism, Modern Orthodox, bis zu Charedim und ultraorthodoxen Sekten.
Er betonte, daß Synagogen als Orte des Lernens den Hauptimpuls geben zum Erhalt jüdischer Identität, und daß durch Jugendbildung sowie durch Programme wie Taglit Birthright ein nicht zu unterschätzender Einfluß gegen vollständige Assimilation gegeben wird. In den USA seien etwa 50% aller Juden sekulär, was er mit Desinteresse an religiösen Inhalten sowie organisierter Religion begründete. Hier widersprach Judith Kessler, die sich als sekulär, jedoch durchaus interessiert beschrieb und aussprach gegen die Monopolstellung der Orthodoxie als definierende Richtung jüdischer Identität. Da in Deutschland viele jüdische Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen leben sollte es auch für areligiöse bzw sekuläre Juden Möglichkeiten geben, sich im jüdischen Sinne weiterzubilden und weiter zu entwickeln. Dank iPod, so Judith, könne man sich heutzutage auch auf dem Fahrrad weiterbilden und so zum Beispiel den Tanach als Hörbuch herunterladen.

Weiteres zum Thema der jüdischen Identität wurde durch Alex und Julia in einem Workshop web 2.0 zu jüdischen blogs und Webseiten diskutiert. Ja, Chajm, auch diese Seite wurde vorgestellt! Vieles spricht dafür, daß gerade für jüngere Generationen das Internet eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Identitätsbildung bei Juden spielt, durchaus auch bei religiösen, die Gleichgesinnte ihren Alters zum Austausch suchen, diese aber nicht in ihrer Gemeinde finden.

Zu weiteren Freitagsthemen folgt ein weiterer Beitrag….

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Limmud.de Berlin 2010, Donnerstag

Es ist wieder soweit, ein neues Jahr, ein neuer Limmud, am alten Ort, mit alten und neuen Gesichtern, mit alten und neuen Geschichten!
Durch den frühlingsgrünen Mai, quer durch Deutschland angereist nach Werbellinsee, im Gepäck viel Vorfreude und den Schirm. Dieses Jahr ist es etwas kühler, aber nur das Wetter! Das Programm ist eher noch dicker, noch vielfältiger, und die Wärme kommt von innen.
Es ist spannend, wie schnell man mit Menschen in ein Gespräch kommt, hier bei Limmud, und wohin diese Gespräche dann führen können. Zwar sind rund 400 Menschen hier, in diesem idyllischen Pionierlager nordöstlich von Berlin, doch scheint es ein sehr familiärer Rahmen zu sein, in dem man allen irgendwann wieder begegnet, und in dem man leicht gemeinsamen Gesprächsstoff findet. Als Wiederholungstäter hat es sich schnell eingelebt, die lange Anreise ist vergessen (und überhaupt ist Limmud jede Anreise wert, das muss hier mal gesagt sein!), das Zimmer gefunden, die Tasche ausgepackt.
Bereits vor und während des wieder mal sehr leckeren Abendessens können erste Vorträge und Workshops besucht werden, ein egalitärer und ein orthodoxer Minjan finden statt, und der erste Abend klingt aus mit einem Filmabend, der open stage, und der Limmud-Bar.
Da man ja (als Muggle), wie bereits letztes Jahr bemerkt, anders als Hermione in Hogwarts, eben nicht zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten sein kann, kann man entweder, wie manche, Limmud-hopping machen und von Kurs zu Kurs gehen, von allen ein Bisschen mitnehmen, aber keinen ganz, oder sich für das verlockendste Angebot entscheiden. Ein Film schien genau das Richtige an diesem kühlen, müden Abend. Als Bonus gabe es zusätzlich zum geplanten Arranged den oskargekrönten Kurzfilm West Bank Story. Beide sind uneingeschränkt empfehlenswert.
Arranged erzählt die Geschichte zweiter junger Frauen in New York, die so nur dort hätte stattfinden können. Eine als Kind eingewanderte syrische Muslima und eine orthodoxe Jüdin freunden sich an, als sie gemeinsam in einer Schule als Lehrerinnen arbeiten. Beide kommen aus traditionellen, religiösen Familien, und beide sollen heiraten. Der Film zeigt die Gemeinsamkeiten, die Unterschiede, die Möglichkeiten, das Dilemma, und die Vorurteile, die traditionelle, religiöse Lebenseinstellungen und arrangierte Ehen mit sich bringen. Sicher ein komplexes Thema, das nicht erschöpfend mit einem Film beantwortet werden kann, aber auch gar nicht beantwortet werden soll.
Die Diskrepanz zwischen religiösem und sekulärem Leben, zwischen traditionellen und modernen Werten, zwischen Glaube und Unglaube, wird in den nächsten Tagen immer wieder zum Thema.

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Eindrücke von Limmud.de Berlin 2009, Samstag

Der Shabbat fing mit einer solchen Auswahl an Gottesdiensten an, daß als erstes eine Entscheidung zu treffen war, welchen man nun den anderen vorziehen sollte. Schwierige Frage. Einige entzogen sich diesem Dilemma durch Ausschlafen oder gemütliches Frühstücken in der Sonne. Zur Auswahl für motivierte Aufsteher standen ein egalitärer – (Rabbinerin Ederberg), ein orthodoxer (Chabad), ein liberaler (Rothschild), und ein Familiengottesdienst (Katz), sowie, in der Mongolen-Jurte, ein experimenteller Gottesdienst. (Hierzu versuche ich noch einen Erfahrungsbericht zu erhalten).
Kiddusch nach Schacharit fand überwiegend im Rahmen der einzelnen Gottesdienste statt, da aus Kapazitätsgründen nicht alle Limmudniks gleichzeitig in den Speisesaal passten – es waren erfreulicherweise einfach viel zu viele. Nachmittags konnte dann wieder ausreichend Gehirnjogging betrieben werden. Im Bibliolog wird ein neuer Ansatz der Textinterpretation gesucht, nicht zu verwechseln mit Bibliodrama. Hier war das Thema In die Wüste geschickt, Hagar und Ismael. Die etwas gewöhnungsbedürftige Herangehensweise der Analyse von Emotionen einzelner Protagonisten ist wohl dozentenabhängig sehr unterschiedlich, einige Teilnehmer fühlen sich sehr angesprochen von dieser Art, mit persönlich liegt die direkte Diskussion doch eher. Das Thema als solches allerdings fand ich spannend, und gerade im Rahmen eines Limmud durchaus diskussionswürdig. Spannend auch war eine Analyse (nun in eher klassischer Diskussion des tatsächlichen Textes) der Geschichte von Rabbi Akiva und seiner Frau, Rachel (Ketuvot 62b, Nedarim 50a) als Bild einer Liebesbeziehung und daraus eventuell abzuleitende Erkenntnisse und Erklärungen (Yael Unterman), sowie eine Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit des Moses Mendelsohn und seinem Religionsverständnis (Adina Shoulson; beide Workshops auf Englisch). Dieses Thema, Verständnis der Religion, wurde am Sonntag wieder aufgegriffen in einem Vergleich der Offenbarungsgeschichte (Exodus 24/3-7) mit talmudischen Zitaten (Shabbat 88a), sowie der Wiederholung der Offenbarung in Deut.5/20-27, Yael Unterman). In englischsprachigen Workshops waren interessanterweise (natürlich?) vollkommen andere Teilnehmer anzutreffen als in deutschsprachigen, und mir fiel eine ausgeprägt andere Diskussionskultur in diesen englischsprachigen Workshops auf. Hier war ein lebendigerer Dialog anzutreffen. Ist das wohl kulturell bedingt, oder lag es an den Dozenten? Zu russischen Veranstaltungen (hier auch eine beeindruckende Auswahl mit vielfältigen, interessanten Themen!) reichte mein Wortschatz nicht aus…
Einer der am meisten kontroversen und daher, für mich, mit am spannendsten Vorträge wurde vom Gründungsmitglied der Halachic Organ Donor Society gehalten, Robby Berman. Interessenten dieses Themas muß ich an diese Webseite verweisen, dort ist der Inhalt des Vortrages insgesamt recht gut repräsentiert. In Kurzfassung läßt sich dazu nur sagen: es gibt keine halachisch (auch bei strengster Auslegung) haltbaren Gründe gegen Organspende. Robby Berman teilte mit, er würde auch bei Interesse sehr gerne jederzeit zu Vorträgen in Gemeinden kommen, wenn dieses gewünscht werde und noch Klärungsbedarf sei.
Gil Yaron, Journalist, hielt einen sehr gut besuchten Vortrag über die geschichtliche Entwicklung der Stadt Tel Aviv sowie der Gegend Tel Aviv Jaffa und die nicht unbeträchtliche und meistens kaum wahrgenommene Rolle der Deutschen (Templer) an dieser Entwicklung sowie der Entwicklung wesentlicher Infrastruktur im damaligen Palästina im Allgemeinen. Im Anschluß an das dicht gepackte Nachmittagsprogramm war wiederum die Qual der Wahl der Hawdala gegeben. Mehr durch Zufall gerieten wir in einen (Fußgänger-) Stau, verursacht durch eine Gruppe um Chabad, die auf dem Weg vor dem Haus im Licht der Straßenlaterne Ma’ariv beteten, um dann im Hausflur in schöner Stimmung und wunderbar improvisiert mit einigen Kiefernzweigen (Besamim) und zwei Feuerzeugen Hawdala zu machen. Bei der Weiterreise auf der unbeabsichtigten Hawdala-Tour erlebten wir im Anschluß noch die egalitäre Hawdala in der Turnhalle, hier mit frischem Basilikum und drei (!) Hawdala-Kerzen. Wirklich ein sehr interessanter Kontrast zum Ausgang dieses kontrastreichen Shabbat.

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Eindrücke von Limmud.de Berlin 2009, Freitag

Bei kritischem, differenziertem Denken werden meistens heuristische Muster verwendet, werden Vorurteile und Kategorien verwandt, die man schon lange erfolgreich zu Denkprozessen und Beurteilungen anwendet. Ein Workshop zu diesem Thema bringt nach einer kurzen Nacht das Denken in Gang. Mit dieser Information im Gepäck fällt mir im Laufe des weiteren Tages auf, daß unter den Teilnehmern der jeweiligen Workshops und Vorträge überwiegend die Menschen sind, deren eigene Meinungen und Ideen vom jeweiligen Thema bestätigt werden. Das ist wohl meistens so und auch logisch. Wir suchen ja immer Bestätigung unserer Überzeugungen. In gewisser Weise ist das natürlich auch ein Verlust, da auf diese Art inmitten von Vielfalt wieder Einseitigkeit entstehen kann. Eines der leider nur spärlich besuchten Highlights des Vormittags war eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde zum Thema jüdische Identität und Integration in Gemeinden, anhand eines fiktiven Beispiels, Katja. Sonja Güntner von der liberalen Gemeinde in Köln, Mirjam Marcus (Berlin), Rabbinerin Geza Ederberg (Berlin) sowie Rabbiner Avichai Apel aus Dortmund diskutierten über eine Katja, wie sie im wirklichen Leben sicherlich mehrfach vorkommt, gebürtig in der Sowjetunion, Vater jüdisch, Mutter nicht. Aufgewachsen in einem antireligiösen Umfeld, mit dem Stigma des jüdisch im Pass. Katja hat ein ausgeprägt jüdisches Selbstverständnis, ist mit einem jüdischen Mann verheiratet, und einige Kinder, die eine jüdische Identität bekommen sollen, deren jüdischer Status allerdings halachisch problematisch ist. Anhand dieses hypothetischen Falls wurde mit den Anwesenden diskutiert, was für Möglichkeiten es für eine solche Familie geben könnte. In diesem Rahmen wurden auch die Anforderungen an einen Übertrittsprozess diskutiert. Einigkeit herrschte in allen Lagern über die halachischen Anforderungen der Matrilinealität. Interessant waren die oberflächlich in Details gleichartig beschriebene Anforderung an einen Übertritt, wobei die Realität eine ganz andere Sprache spricht als die schön formulierten Grundsätze. Rabbiner Apel vertrat eher den Standpunkt, daß nicht alle Menschen Juden sein müssen, und ein Übertritt nicht unerlässlich sei, die Kinder nicht notwendigerweise an Machane teilnehmen sollten, um ihre (halachisch nicht vorhandene) jüdische Identität nicht noch zu stärken. Frau Güntner betonte den integrativen Ansatz, daß Kinder auch aus patrilinealen Familien am Gemeindeleben und allen Angeboten für Kinder teilnehmen könnten und sollten, wenngleich sie keine Mitglieder sein könnten, und zu einem späteren Zeitpunkt immer noch über einen Übertritt der Mutter oder der Kinder selbst nachgedacht werden könnte. Frau Rabbinerin Ederberg betonte, daß ein alleiniger Übertritt der Kinder zu interfamiliären Schwierigkeiten führen würde, da diese dann alleine z.B. nicht in der Lage seien, Kaschrut zu halten. Insgesamt ein spannender Dialog, der sicher noch viele Fragen offen gelassen hat, gerade auch bei der religiösen (nicht sachlichen) Anerkennung eines Giurs in einer anderen als der Übertrittsgemeinde. Und auch hier zeigt sich, das kritisches, differenziertes Denken unter Miteinbeziehung des gegenätzlichen Standpunktes ganz Wesentlich für weiteren Erkenntnisgewinn ist.

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Eindrücke von Limmud.de Berlin 2009, Donnerstag.

Erfolg. Als einführenden Vortrag in dieses Limmud-Wochenende eine Lehrstunde mit Rabbiner Steinsaltz zum Thema Erfolg Success scheint kein Zufall zu sein. Von Anfang an verspricht es ein Erfolg zu werden. Aber was genau ist das eigentlich? Gute Anreise, gutes Wetter, Zimmer gefunden, nette Leute getroffen, sich an der Vielfalt der Teilnehmer gefreut, und schon gespannt im sehr umfangreichen Programm gestöbert. Ist das ein Erfolg? Oder glücklicher Zufall?
Hierzu stellt R. Steinsaltz den folgenden Denkauftrag: „What do I really want to achieve? And are those things really worth the effort?“ Glückliche Zufälle und scheinbar mühelos erreichtes, objektiv erfolgreiche Menschen, die sich als erfolglos wahrnehmen, weil sie ihr persönliche Ziel, ihren persönlichen Wunsch nicht wahr werden lassen konnten. Kulturell unterschiedliche Wichtung von Erfolg anhand von Erwartungen und Normen. Und die Erkenntnis, daß Erfolg nicht unbedingt zum Glück führt, denn nach Erreichen eines Zieles stellt man möglicherweise fest, daß es den Aufwand nicht wert war.
Bezeichnenderweise findet dieses erfolgversprechende Limmud in einem Grenzland statt, einem Ort, der allein schon historisch interessant ist, und der für sich gesehen auch schon ein Bild für Erfolg sein kann. Die Reise nach Werbellinsee nordöstlich von Berlin führt (falls man aus dem Westen Deutschlands anreist) durch das ehemalige deutsch-deutsche Grenzgebiet, als Mahnung und Erinnerung erhaltene Grenzanlagen und Wachtürme im Bereich des ehemaligen Grenzübergangs erinnern mit einem leicht beklemmenden Gefühl an ein verschwundenes Land; die Tatsache daß es ein Mahnmal ist, und keine Wirklichkeit, verscheucht den Schatten der Vergangenheit. Bei der Ankunft in Werbellinsee verwischen sich die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart schnell wieder. Die gesamte Anlage ruft geradezu eine nostalgische Stimmung hervor, an Klassenfahrten, Pionierlager. Selbst der Geruch in den Gästehäusern ist authentisch. Volksnaher sozialistischer Neoklassizismus. Ein weitläufiges Gelände, parkähnlich begrünt, wunderschön malerisch mitten im Wald gelegen. Auf dem Weg zum Speisesaal oder zu einem der Veranstaltungsräume kann man sich schon mal verlaufen. Und die mehreren hundert bunten Teilnehmer verteilen sich erstaunlicherweise so, daß man nicht unbedingt jemandem begegnet bei seinen Irrungen. Leider kann man ja zu einer Zeit jeweils nur an einem Ort sein, daher muß schweren Herzens eine Auswahl getroffen werden. Im Anschluß an Steinsaltz‘ Erfolgsgeschichten wird (unter anderem) ein cineastischer Workshop angeboten. Zunächst zum Thema „Unbesungene Helden“, bei dem die sehr bewegende Geschichte von Anna erzählt wird, die das Kind Danny ihrer jüdischen Freundin mit viel Dreistigkeit und Mut rettete. Anna wird auf ihrer letzten Reise begleitet, die sie nach Israel führt, zu einem letzten Wiedersehen mit Danny. Im Anschluß zu nun nächtlicher Stunde zwei Filme der religiösen Filmschule Ma’ale in Jerusalem zum universellen Problem des Dating in der religiösen Welt. Und den verschiedenen Wegen zum Erfolg.
Bleibt an diesem Abend nur zu wünschen, daß morgen ebenso erfolgreich wird! „Success is when you wake up in the morning and have a happy day“.