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Detmold und die israelischen Touristen

Freistehendes Synagogengebäude Detmold – Jan Mathys, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Bild oben zeigt den furchtbaren Zustand eines Gebäudes, das im 17. Jahrhundert in Detmold (in Westfalen) als Betraum fungiert haben soll (bis 1742 Details hier). Detmold hat übrigens eine interessante jüdische Geschichte – nach der Schoah gab es hier noch eine kleine Gemeinde und ein Elternheim (hier nachzulesen). Dass das Gebäude auf dem Foto eine besondere Geschichte hat, wurde jedoch erst 2010 bekannt – als ein Abbruch bevorstand. Die Geschichte schaffte es jedoch nie aus dem Bereich »Lokales« heraus. Im Mai 2022 wurde dazu (ebenfalls lokal) gebloggt (siehe hier, zeilenabstand.net).

Der Fall gelangte dann erst im Juli 2022 durch die tageszeitung (taz) zu überregionaler Bekanntheit. Die Geschichte um einen möglichen Abriss wird durch den heutigen Besitzer des Gebäudes noch etwas dramatischer (siehe den Bericht der tageszeitung). Diese Vorgänge sind schon recht bemerkenswert, aber vielsagend ist das Ende des Artikels.

Es geht nicht ganz klar aus der Formulierung hervor, aber vermutlich geht es um ein Zitat des Pressesprechers der Stadt Detmold, Marius Roll und nicht um eine Einschätzung des Autors Philipp Lenhard (Update: Diese Einschätzung hat der Autor mittlerweile bestätigt):

Was sollen israelische Touristen denken, wenn sie in Detmold zu Besuch sind und erfahren, dass so mit dem jüdischen Kulturerbe umgegangen wird? Dass diese möglicherweise die richtigen Schlüsse ziehen könnten, dass nämlich die Spuren jüdischen Lebens in Detmold noch immer nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen, will Roll nicht akzeptieren. Die Zukunft wird zeigen, was mit dem historischen Synagogengebäude passiert – es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

taz.de – vom 09.07.2022

Das bedeutet, die Meinung westfälischer Jüdinnen und Juden ist nicht von Interesse?
Es gibt übrigens eine jüdische Gemeinde für Herford und Detmold.
Jüdinnen und Juden aus der Region werden ausgeblendet?
Jüdinnen und Juden tauchen in einigen Köpfen vorwiegend als israelische Touristen auf, also als auswärtige Menschen? Vielleicht haben wir hier ganz zufällig erkannt, warum einige Stadtgesellschaften, so wie es anscheinend auch in Detmold ist, so große Probleme mit ihrem jüdischen Kulturerbe haben?
Es wäre doch schon einiges gewonnen, wenn Stadtgesellschaften erkennen, dass jüdisches Kulturerbe eben auch genau das Erbe der Stadtgesellschaft ist und nicht das anderer Menschen von weit weg. Vielleicht hätte man auch im Landesverband Westfalen-Lippe fragen können, wie die Vorgänge dort empfunden werden? Jüdinnen und Juden gibt es auch in Westfalen. Anscheinend kaum zu glauben

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Korach

Zum Wochenabschnitt Korach ist tatsächlich sehr viel geschrieben worden. Es ist eine anschauliche Geschichte, die viele einfache Botschaften zulassen könnte. Korach der Verführer, Korach der Demagoge etc. Mit einem Text in der Jüdischen Allgemeinen habe ich versucht, auch den Fokus auf die »Gemeinde« (oder die Gesellschaft) zu legen. Schlechtes entsteht nicht nur, weil eine Person das will. Es braucht dazu Unterstützer, Helfer, Mitwisser. Die Gedanken zu Korach sind hier im Volltext zu finden, juedische-allgemeine.de.

Übrigens: Es gibt nun einen Podcast zur wöchentlichen Torahlesung mit einer Zusammenfassung und einer kurzen Draschah anchor.fm/torah-der-woche/ »Torah der Woche«.

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Von Rehen und Hirschen

Der talmudische Artikel dieser Woche (für die Jüdische Allgemeine) führte mich eigentlich zu einem Thema, das zunächst wenig spektakulär klingt, aber in das kulturelle Gedächtnis eingegangen ist: Rotwild. Im Machsor von Worms (aus dem 13. Jahrhundert) findet man eine Jagdszene als Illustration: Ein Jäger bläst das Horn und lässt einen Hund auf ein Reh oder eine Hirschkuh los. Ähnliche Abbildungen findet man auch in anderen jüdischen Handschriften aus jener Zeit. Heute wird angenommen, dass diese Szene eine Metapher für die Judenverfolgung und das Vorgehen gegen die Tora ist. Angelehnt an Psalm 22,17: »Mich umringen Hunde, gleich Löwen umkreist mich an Händen und Füßen eine Rotte Bösewichter.« Wie diese Zuweisung zustande kam, kann man im Artikel nachlesen.

Aber der Artikel könnte uns helfen, hilft er, weitere Bilder zu deuten – diese tauchen (aus Gründen des Platzes) nicht im Artikel auf:

Zum einen hätten wir die, recht berühmte, »Vogelkopf-Haggadah« (ein Ausschnitt unten), in der alle menschlichen Akteure als Vögel dargestellt werden. Es heißt, weil die Illustratoren sich dafür gefürchtet hätten, Menschen abzubilden. Die beiden letzten Sätze sind allerdings nicht richtig. Es tauchen sehr wohl menschliche Menschen im Manuskript auf, etwa Ägypter. Und: Einige Experten sind sich nicht so sicher, ob es sich tatsächlich um Vögel handelt. Aus welchem Grund sollte man Vögel gewählt haben? Die Figuren haben einen Schnabel. Das ist es aber auch schon. Der Rest des Kopfes könnte aber auch von einem Löwen stammen. Eine kleine Erinnterung an die Mischna Awot, die »Sprüchen der Väter«, hilft: »Jehuda ben Tema sagte: Sei mutig wie ein Leopard, behänd wie ein Adler, schnell wie ein Hirsch und heldenhaft wie ein Löwe, den Willen des Vaters im Himmel zu vollbringen.« Eine Charakterisierung derer, die den Willen des Vaters vollbringen. Was läge also näher, als diejenigen, auch so abzubilden?

Ausschnitt aus der Vogelkopf-Haggada (entstanden um 1300) – der ältesten erhaltenen illuminierten aschkenasischen Pessach-Haggada.

Ein weiterer, etwas unerwarteter Aspekt ist »Bambi«. Das Buch, aus dem später der berühmte Film von Disney wurde, stammt von Felix Salten. Er hat es 1922 herausgebracht. Felix Salten hieß eigentlich Siegmund Salzmann, ein Jude aus Pest, der in Wien aufwuchs und dort Journalist wurde und als Felix Salten mehr Chancen sah. Salten war niemand, der die Jagd verabscheute und deshalb vielleicht »Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde« schrieb. Salten war begeisterter Jäger. Anlässlich einer neuen englischen Übersetzung des Buches (hier als Volltext) fragte sich Donna Ferguson vom Guardian (Volltext hier, theguardian.com), ob die Geschichte vielleicht nicht eher eine Metapher für den Antisemitismus der 1920er Jahre sei. Wenn wir in unserer Rotwild-Metaphorik bleiben, dann liegt das vielleicht recht nah.

Auch Art Spiegelmann hat in seinen »Maus« Comics Tiere für die Darstellung von Menschen gewählt. Jüdinnen und Juden sind Mäuse, Nazis Katzen. Die Wahl dieser Zuweisung kann er erklären und die Leser von heute nachvollziehen. Ähnlich könnte es bei der »Reh-Metapher« gewesen sein.

Der Artikel auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen: »Von Rehen und Hirschkühen« juedische-allgemeine.de

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Schawuot – das Fest der Torah. Warum?

Schawuot steht vor der Tür. Allgemein bekannt als das Fest der Torahgebung. In der Torah ist selber ist es das aber nicht. Dort ist Schawuot Chag HaKatzir, das »Fest der Ernte« (2. Buch Mose 23,16), Chag HaSchawuot, das »Fest der Wochen« (34,22) oder Jom HaBikkurim, der »Tag der Erstlingsfrüchte« (4. Buch Mose 28,26).
Wie könnte es also dazu gekommen sein, dass es das heute ist? Ein Blick in den Talmud – den Artikel gibt es als Volltext bei der Jüdischen Allgemeinen (hier).

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Bären

Bären sind stark und der hebräische Vorname Dow scheint auf diese (gute) Stärke zu verweisen. Ein Blick in die klassischen Texte des Judentums zeigt jedoch, dass der Bär nicht immer für eine Mischung aus Kuschligkeit und Kraft steht. Eine (verstörende) Episode mit dem Propheten Elischa zeigt das recht eindrücklich.

Den gesamten Text gibt es in der Jüdischen Allgemeinen, hier online.

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Nachgetreten – 115 Sekunden – der SPIEGEL zu Gil Ofarim

Der SPIEGEL 115 Sekunden

Der SPIEGEL hat Ende März (hier online, Print Heft 14/2022 vom 31.03.2022) den Fall Gil Ofarim nachgezeichnet. Gil Ofarim erzählte in einem Instagram-Video davon, in einem Leipziger Hotel antisemitisch beleidigt worden zu sein. Das erzeugte eine Welle der Solidarität, aber auch offene antisemitische Kommentare in den sozialen Medien. Zu erwähnen, dass es absurd ist, auf Antisemitismus-Vorwürfe mit Antisemitismus zu reagieren, ist eigentlich überflüssig. Die SPIEGEL-Autoren Jörg Diehl, Peter Maxwill und Steffen Winter beschreiben in ihrem Artikel eben jene 115 Sekunden, in denen der Vorfall, den Gil Ofarim auf Instagram beschrieb, stattgefunden haben soll. Nach Lektüre des Artikels hält man es für denkbar, dass es sich anders abgespielt haben mag. Weniger bekannte Menschen als Gil Ofarim halten sich für wichtige Persönlichkeiten mit einem Anspruch auf Vorzug. Doch verblüffend an dem Artikel ist, dass er sich anscheinend in einem leeren Diskursraum entfaltet und das Problem Antisemitismus überhaupt nicht als solches erkennt – auch wenn er Gil Ofarim in dieser Situation wahrscheinlich nicht begegnet ist. Nicht nur Jüdinnen und Juden haben das Video geteilt, aber sie haben online von ähnlichen Situationen berichtet:
Die Situation, die Gil Ofarim in seinem Instagram-Video geschildert hat, kennen viele Jüdinnen und Juden in schwächerer Ausprägung aus Deutschland durchaus – jedenfalls dann, wenn sie als solche erkennbar sind, sei es durch eine Kette mit Davidstern, oder durch die Kippah. Die verbale Ablehnung ist offener geworden und auch physische Angriffe sind nicht selten geworden.
Auch aus diesem Grund haben viele Leute aus der Community den Vorfall durchaus als glaubhaft betrachtet. Die einhellige Meinung war »nun hat es jemanden mit Reichweite erwischt«. Dass dieser Aspekt vollkommen ausgeblendet wurde, ist ein wesentlicher Schwachpunkt des Artikels, denn er erklärt die Dynamik nicht. Formal kann man natürlich argumentieren, es sei ausschließlich um die 115 Sekunden gegangen.
Die Einbeziehung jüdischer Ansprechpartner hätte dieser Sichtweise vielleicht etwas entgegengesetzt. Die Reaktion von Politikern (auf den mutmaßlichen Vorfall) in den sozialen Netzwerken wurde deshalb von einigen Jüdinnen und Juden auch mit gemischten wahrgenommen: Warum wird hier gesagt, man möchte nicht in einem Land leben, in dem so etwas möglich sei – aber bei anderen Vorfällen nicht. Derer gab es 2020 und 2021 ja genug.

Auseinandersetzung Mit existierendem Antisemitismus?

Hätte man das Gespräch oder die Auseinandersetzung mit dem existierenden Antisemitismus gesucht, hätte das Autorenteam vielleicht den folgenden Satz vermieden: »Wie kann es sein, dass von all den Zeugen in der Lobby niemand einen antisemitischen Ausruf bemerkt?«
Für jüdische Ohren kann das wie Hohn klingen. Denn das fragen sich Opfer von (tatsächlichem) Antisemitismus »draußen« auch häufig – in der Straßenbahn, auf der Straße oder irgendwo anders in diesem Land. Wie kann es sein, dass es so häufig toleriert oder nicht als Antisemitismus erkannt wird? Wie kann das sein, dass antisemitische Sätze im Fernsehen gesagt werden können und es erst Monate später jemandem auffällt? Oder dass jemand einen antisemitischen Artikel in einer großen deutschen Tageszeitung veröffentlicht und es niemand bemerkt?
Diese Frage der Autoren ist also kein Maßstab für Glaubwürdigkeit und zeigt eine erstaunliche Sorglosigkeit.
Die Recherche war (vermutlich) technisch einwandfrei, aber an Empathie für das Thema wurde leider etwas gespart.

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Was wir gelernt haben

Ukrainische Zivilisten und Soldaten schützen sich unter eine Brücke in der Nähe von Kyiv. Mvs.gov.ua, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Dieser Text wird keine Analyse des Krieges. Dieser Text ist ein Blick darauf, wie der Krieg in der Ukraine und die Menschen dort in westeuropäischen Augen betrachtet werden. Um eines direkt zu sagen: Der Befund ist nicht sonderlich aufbauend.

Was wir bisher von (vielen) »Experten« (Strategie, Verteidigung, Politik) im TV, im Radio und auf Twitter lernen konnten: Eine tiefsitzende antislawische Haltung und ein fundamentales Unverständnis davon, was in den Nachbarstaaten tatsächlich passiert. Wie bitte?!

Haltung?

Diese Haltung drückt sich unter anderem dadurch aus, dass man paternalistisch den Durchblick hat, während man es den Ukrainern nicht zutraut, die gleichen Fakten zu beurteilen:
Schon in der ersten Woche des Krieges hat man beobachten können, dass die ukrainische Armee anscheinend gut mit Informationen versorgt wird. Die Staatsführung der Ukraine ebenso.
Auf der anderen Seite lautete ein häufiger Satz »Die russische Führung hat nicht mit dem Widerstand der Ukrainer gerechnet.« Wer das noch an Tag 12 in ein Mikrofon sprach, hätte eigentlich direkt »off air« genommen werden müssen. Natürlich hat die russische Führung die Situation nicht »falsch eingeschätzt«! Das ist auch nur Ausdruck einer herablassenden Haltung. Die Menschen dort sind nicht weniger intelligent als die westlichen »Experten«. Sie sind tun aber genau das, was auch in Westeuropa in Management-Seminaren gelehrt wird: »Sei nicht dumm, schätze das Projekt bloß nicht realistisch ein! Sonst wirst Du nicht weiterkommen!« (siehe hier als gut verkauftes Beispiel, YouTube). Diese Haltung muss man dann in ein autokratisches System hochskalieren und kann sich dann vorstellen, dass »oben« nicht die Realität ankommt, sondern eine stark geschönte Situation.
Ein besonders schönes Beispiel für eine paternalistische Fremdeinschätzung der konkreten Situation wurde im Radio gesendet. Auf Deutschlandfunk Kultur durfte der Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat am 25. Februar seine »Expertise« unter Beweis stellen. Am Tag nach der Invasion sagt er, die ukrainische Armee hätte (gar) keine Chance und spinnt fleißig weiter das Märchen, es ginge Russland um die NATO. Was nicht gesagt wurde: Harald Kujat lobte das Handeln Russlands 2015 und 2016 in Syrien und war seit jeher Gegner des NATO-Beitritts der Ukraine. Anderes a.D. Personal der Bundeswehr tauchte in verschiedenen Brennpunkten im Fernsehen auf und durfte dort seine Einschätzungen mitteilen. Woher sie ihre Gewissheiten nahmen? Sie galten und gelten als »Experten«. Punkt. Auf der Welt gibt es sehr viele ausgebildete Ökonomen, viele werden als »Experten« auf ihrem Feld gesehen. Die Krise von 2008 hat nur Nassim Taleb vorhergesagt. Wie kann man auf die Idee kommen, Funktionäre des Bundeswehr – die ja in der Öffentlichkeit nicht gerade als Musterbeispiel für Effektivität und Effizienz gilt – die also Teil dieses Prozesses waren, hätten ausgerechnet auf diesem Gebiet eine großartige und prophetische Expertise?

Journalisten, Talkmaster, Aktivisten, Multiplikatoren

Journalisten, Talkmaster, Aktivisten oder Multiplikatoren hatten die Situation offenbar schnell »analysiert« und dabei übersehen, dass die Menschen keine Anweisungen oder Besserwisserei von Personen brauchen, die nicht einmal Russisch (oder Ukrainisch) verstehen. Die Menschen in der Ukraine brauchen stattdessen konkrete Hilfe und sie dürfen auch verbalisieren, wie diese ausschauen soll. So wies Markus Lanz (nicht nur er) in einer Sondersendung den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk für dessen Ton zurecht. In der ARD-Sendung »Wir helfen« zeigte sich, dass die ukrainische Musikerin und Komponistin Mariana Sadovska nicht ausreichend »Opfer« war und schnell für einen Auftritt von Peter Maffay Platz machen musste (hier noch einsehbar, etwa ab Minute 18). Das war ein schönes Beispiel für die Rollenverteilung: Ukrainische Menschen dürfen passive Hilfsempfänger sein, aber ihre Zukunft nicht aktiv selber gestalten wollen oder sich gar dazu äußern.
Kommen wir zu einem anderen Beispiel für Journalisten und Multiplikatoren, die auch in diesem Konflikt wahrgenommen werden wollen, aber einen anderen Arbeitsschwerpunkt haben und deshalb eigentlich keine Relevanz haben. Leute die sich für Israel interessieren kennen die »Nahost-Experten« ohne Hebräisch- und/oder Arabischkenntnisse und sind genervt von deren Einschätzungen zur Lage. Richard Schneider ist tatsächlich Nahost-Experte, aber kein Experte für Osteuropa. Aber im Moment ist das kein Brennpunktthema. Deshalb muss man Ball bleiben und leider geht es nicht ohne »Weltenbrand« (siehe hier und hier):

Man sollte sich keine Illusionen machen: Für #Kiew gibt es kaum Chancen. #Putin wird wenig Rücksicht auf “Empfindlichkeiten” dee Westens nehmen. Wer könnte ihn stoppen? Die Wahrheit: niemand. Wahrscheinlich nicht einmal der ukrainische Widerstand

@rc_schneider auf twitter am 13. März 2022

Auch Michael Wolffsohn kümmert sich um sein Stück vom Kuchen und formuliert Forderungen: »Historiker Wolffsohn plädiert für eine Bundesrepublik Ukraine« (siehe hier) und sagt: »Es gibt eindeutig das Bedürfnis der Bevölkerung oder Bevölkerungsteilen auf der Krim und im Osten der Ukraine, näher an Russland zu rücken.« Schöner könnte es die Presseabteilung des Kremls nicht formulieren. Leider scheint er die Situation vor Ort nicht zu kennen.

In einigen Medienberichten wurde auf russische Meldungen zum Fortschritt Bezug genommen. Übersehen wurde dabei, dass auch ukrainische Quellen vertrauenswürdig sein können. Jede Nachricht müsste eigentlich auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden.

Was tun?

Deshalb muss hier der Appell lauten: Hört Leuten mit Orts- und Landeskenntnissen zu! Also nicht wie der Stern, der einfach keine Ukrainer dazu befragt, sondern Alice Schwarzer (»Warum ich Putin verstehe«), Richard David Precht, Diana Kinnert und einige andere.
Achtet auch auf die Sprache und den Blickwinkel: Bombardierte Städte sind kein »Schlachtfeld«.

Übrigens: Die Menschen bekommen durchaus mit, dass wir hier den Energiepreis der Tatsache vorziehen, dass man durch Verzicht von Gas und Öl vom Aggressor aktiv etwas tun könnte.

Und: Ja, ja, ich weiß schon, man hat natürlich keine Vorbehalte gegen Menschen aus Osteuropa…

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Judentum und Soziale Medien

Oft wurde ich gefragt, warum ich nicht etwas rustikaler auftrete. Sowohl im Blog, als auch bei Twitter oder in anderen sozialen Medien. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Zunächst bemühe ich mich immer so über andere zu sprechen, als seien sie dabei (das gelingt natürlich nicht immer) und als bestünde die Möglichkeit, dass wir einander begegnen. Der zweite Punkt, der mit dem ersten durchaus Verbindungen hat: Es gibt eine »jüdische Ethik« (an die sich natürlich nicht alle halten, aber was wäre das schon für eine jüdische Sache, an die sich alle halten) der Sprache und der Kommunikation. Bei dem Versuch, daraus einen Blogeintrag zu basteln, ist mir aufgefallen, dass dieser extrem umfangreich werden würde und dass es kein Standardwerk (mit Bezug zur Kommunikation im Netz) gibt, an dem ich mich orientieren könnte. Jedenfalls nicht im jüdischen Bereich. So ist das Büchlein »Tzipporim« entstanden. Dabei habe ich versucht, es für ein breites Publikum zu formulieren, also sowohl für diejenigen, die sich schon auskennen, als auch für diejenigen, die sich noch (noch) keine häufigen Leserinnen und Leser halachischer Literatur sind.
Warum das Büchlein »Tzipporim« heißt, wird natürlich im Text selber verraten und der erzählt auch, welche Werkzeuge die jüdische Tradition entwickelt und bewahrt hat, die uns heute helfen könnten, umsichtig in den sozialen Medien zu kommunizieren.
Wie gehe ich mit meinem Gegenüber um?
Welche Art der Sprache sollte ich anderen gegenüber verwenden?
Wieviel Zeit sollte ich aufwenden?
Tzipporim verknüpft eine Betrachtung der Mechanismen mit konkreten Lösungsvorschlägen aus den Quellen des Judentums. Der Anspruch ist natürlich nicht, dass das alles einfach so übernommen wird. Es ist ein bescheidener Vorschlag.
Begriffe wie Laschon haRa (wird oft genannt, zuweilen falsch verwendet), Rechilut, Niwul Peh werden eingeführt und erklärt – wie gesagt, auch für diejenigen, denen diese Begriffe (noch) nichts sagen.

Eine Übersicht über die Quelltexte (Wer ist wer?), ein Literaturverzeichnis und ein Index der jüdischen Quellen sollen es ermöglichen, noch mehr zu lernen und zu erkunden.

Das Büchlein ist sowohl gedruckt, als auch als ebook erhältlich – eigentlich überall, wo es Bücher gibt. Hier eine Auswahl an Bezugsquellen:

Das gedruckte Buch

212 Seiten
ISBN: 9783755748045

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Die ebook-Version:

ISBN: 9783755747703

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