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Solidarität, Schmolidarität

Ein ordentliches Land ist das doch, oder nicht? Alles ist geregelt, festgelegt und kategorisiert. Straßenschilder haben festgelegte Größen, der Abstand zwischen den Streben eines Grillrostes ist festgelegt.
Abläufe sind normiert. Ein Land, dessen »Reinheitsgebot« seit Jahrhunderten dafür sorgt, dass man sauberes Bier trinkt. Ein Land, dass für jeden deportierten Juden auch ordentlich ein Ticket dritter Klasse abgerechnet und fein säuberlich festgehalten hat.

Aber bei einigen Themen ist man ungewöhnlich flexibel und lässt jene mediterrane Lockerheit erkennen, die man im Urlaub so bewundert, jedenfalls solange der Flughafenzubringer pünktlich fährt:
Eines von ihnen ist Antisemitismus.

Hier gibt es keine Norm und keine Handlungsanweisung. Wann ist er »schlimm« oder erfordert irgendein konkretes Handeln?

Hier wird von Fall zu Fall entschieden.
Die Bandbreite reicht von »ist nicht so schlimm« bis »wir stehen hinter euch«. Die höchste Eskalationsstufe ist die Zusicherung von »Solidarität«.

Was wäre eine rote Linie für die Freunde der Ordnung?

Ist sie überschritten, wenn die Aktion von Zuwanderern ausgeht?
Wenn eine Synagoge beschädigt wird?
Wenn Grabsteine beschädigt werden?
Wenn Juden mit Hatemail bedacht werden?
Wenn jemand körperlich bedrängt wird?
Wenn jemand verletzt wird?
Wenn jemand getötet wird?

Haben wir alles schon gehabt. Deutschland sucht weiterhin die rote Linie.

Am 27. Juli 2000 explodierte am Bahnhof Düsseldorf Wehrhahn eine Rohrbombe. Unter den 10 lebensgefährlich verletzten Menschen waren sechs jüdisch. Kurze Zeit später gab es einen Anschlag auf die Synagoge in Düsseldorf. Dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte man den Appell vom »Aufstand der Anständigen« zurechtgelegt. Das wäre die Ausbaustufe von »Solidarität«. Der Brandanschlag wurde zügig aufgeklärt. Einer der Beschuldigten wurde sogar zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Und jetzt?

Es gab zahllose Vorfälle. In »meiner« Stadt Gelsenkirchen war die letzte Beschädigung der Synagoge in der letzten Woche. Wieder ein eingeworfenes Fenster.

Eingeworfene Fenster, Pöbeleien auf der Straße, in der Stadt gab es bereits das ganze Programm. Der Friedhof der Gemeinde ist nur noch mit einem Schlüssel zugänglich.

Dann gibt es die kleinen Geschichten und die Unsicherheiten: finden die Nachbarn dich einfach so unsympathisch, oder weil du Jude bist?

Glück gehabt – es ist normaler Rassismus. Weil du schwarze Haare hast und manchmal Russisch sprichst. »Das können sie ja bei sich im Land machen – WIR hier machen das anders«.

Wie hat die Stadtgesellschaft reagiert?
Der jüdische Leser wird es ahnen: Man spricht Solidarität aus. »Man meint ja uns alle damit« – wohl wissend, dass das nicht stimmt. Gemeint war tatsächlich nur eine Gruppe.

Die Gemeindevorsitzende verbreitet Optimismus. Das ist ja auch ihre Aufgabe. Sonst kann man die Gemeinde gleich schließen. Immerhin gäbe es diese Solidarität und Leute, die sich melden.

Für die Solidarität kann man sich aber nichts kaufen. Solidarität, die »Normalität« herstellt gibt es nicht. Solidarität beschützt keine jüdischen Schüler in nichtjüdischen Schulen. Solidarität sorgt nicht dafür, dass Synagogen immer besser bewacht werden müssen. Jedenfalls nicht die Solidarität, die man hierzulande immer beschwört und die nur weitere Worte und Posten im politischen Betrieb hervorbringt und eine lange Kette von Unverbindlichkeiten.

Die SPD der Stadt hatte jedoch eine geniale Idee, wie man dem Antisemitismus begegnen kann: ein Programm gegen Rechts. Muss man noch dazu sagen, dass man nicht bekämpfen kann, was man nicht verstanden hat? Dass Antisemitismus mitnichten nur ein rechtes Phänomen ist? Dass die Israel-Boykotteure und »Juden ins Gas« Rufer (auch aus Gelsenkirchen) keine Anhänger rechter Gruppierungen sind?
Wir sprechen da über einen Querschnitt der Gesellschaft. Vielleicht sogar auch über das Mitglied des Stadtrats von Gelsenkirchen, das laut darüber nachdachte, ob vielleicht jemand, der die Herausgabe von Raubkunst fordert, diese vielleicht zu Geld machen will (Juden und Geld und so…). War natürlich alles nicht so gemeint.

Echte Verantwortung ist gefragt. Eine Träne bei Schindlers Liste abzudrücken, reicht nicht aus. Fototermin mit Vertretern einer Gemeinde. Kurz lächeln oder betroffenes Gesicht machen. Leben geht weiter. Sorry. Das ist nicht ausreichend.

Es wäre also gut, auch bei diesem Thema die innere Pickelhaube zu entdecken und das Thema mit der gebotenen Ernsthaftigkeit anzugehen. Was ist die rote Linie?
Alles andere hieße, dass man eigentlich keinen Bock auf seine »jüdischen Mitbürger« hat und sich mit der Solidarität nur Zeit verschafft.

Eines sei euch aber versichert: Selbst wenn die Synagoge eines Tages schließt, weil zu viele Juden nicht mehr in der Stadt leben (wollen): Das Klima bleibt vergiftet, die Gesellschaft bleibt beschädigt. Da nützen auch die schönsten Normen nichts mehr, wenn es niemanden gibt, der sie durchsetzen könnte.

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Traurig – aber es zeigt eine Richtung

Alte Synagoge von Deventer – von Martie Ressing, User :Ressing [Public domain], vom Wikimedia Commons

Eine jüdische Gruppe (die Masorti-Gemeinde Beth Shoshanna) muss eine alte Synagoge verlassen. Nach 8 Jahren dort musste die Gruppe nun in dieser Woche das Gebäude aufgeben. Dem voran gingen Sammelaktionen und ein wenig Öffentlichkeitsarbeit. Man wollte bleiben. Nun wurde aber doch verkauft. Möglicherweise zieht ein Restaurant in das Gebäude (erbaut 1892) ein.
Die Gemeinde hätte tatsächlich die Möglichkeit, in dem Gebäude zu bleiben – wenn sie die Miete bezahlen könnte. Aber das Gebäude ist sehr groß und die Gemeinde sehr klein. Das passt nicht zusammen.
Damit reiht sich die Synagoge in eine lange Reihe von ungenutzten Synagogen ein: Harderwijk, Zaandam oder Tilburg. Es gibt zahlreiche mehr. Kleine oder winzige Synagogen ohne Gemeinde – oder mit winzigen Gemeinden. Diese sind nicht in der Lage, sich den Unterhalt zu leisten. Das liegt zwar zum einen an der Schoah, aber auch an einer voranschreitenden Säkularisierung. Auch Kirchengemeinden fusionieren und Kirchen schließen in Ballungsgebieten.

In der Hauptstadt Amsterdam gibt es in der großen Portugiesischen Synagoge kaum noch einen erweiterten Minjan. Selbst die Wochentagssynagoge dort ist nicht mehr gut gefüllt. Die meisten Jüdinnen und Juden sind in Amsterdams Vororte gezogen. Besonders nach Amstelveen. Interessanterweise brummt aber derzeit eine modern-orthodoxe Gemeinschaft, die Amos-Sjoel.

Zurück zur Synagoge Deventer: Auch wenn die Geschichte teilweise durch die sozialen Medien geisterte (»Jüdische Gruppe muss Synagoge verlassen!«), so ist dies die Richtung in die wir in Europa gehen – auch in Deutschland. In Deutschland haben wir aber den Luxus, dass die Ausgaben teilweise durch Staatsverträge gedeckt werden. Aber kann das zukunftsweisend sein? Wie viel Geld soll man in Infrastruktur investieren? In die gediegene Atmosphäre einer großen Synagoge?

Fraglich könnte die weitere Verwendung sein. Hier müsste vielleicht gesichert werden, dass die Geschichte des Gebäudes nicht einfach vergessen wird.

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Schöne Ausgabe der Tehillim/Psalmen

Die Tehillim, die Psalmen, begleiten den observanten Juden durch den Tag. Sie sind Teil der täglichen Gebete. Zitate kommen selbst im Tischgebet vor. Zudem gibt es in einigen Strömungen des Judentums die Tradition, die Tehillim im Verlauf einer Woche vollständig zu lesen oder zu sprechen.

Die 150 poetischen Texte stehen dabei für menschliche Erfahrungen und Erlebnisse mit G-tt: Es kann eine Klage sein oder ein Dank. Es können Wohltaten gepriesen werden oder es kann um Rettung oder Erlösung gebeten werden. Das gesamte Spektrum menschlicher Erfahrungen wird abgedeckt. Aus diesem Grund auch Tehillim, die man traditionell zu verschiedenen Situationen im Leben sprechen kann. Einige Siddurim, Gebetbücher, zählen diese dementsprechend auf.
Manchmal ist es fast zu schade, dass man sie während des Gebets recht schnell spricht und sich vielleicht nicht intensiv mit ihnen auseinandersetzt.

Blick in den Innenteil – die deutsche Übersetzung mit kommentierenden Anmerkungen.

Chabad, einem einfache Zugang zu grundlegenden Informationen über das Judentum verpflichtet, legt mit »Ohel Josef Jizchak« genau für den Zweck des wöchentlichen und monatlichen Sprechens und Lernens der Tehillim eine kommentierte deutschsprachige Ausgabe vor.

Titelblatt der Tehillim

Die deutsche Ausgabe wiederum wiederum basiert auf einer Ausgabe, die mit einer englischen Übersetzung in den USA erschienen ist. Beide beziehen sich auf eine hebräische Ausgabe. Alle drei wären nebeneinander nutzbar – durch die gleichen Seitenzahlen an den gleichen Stellen. Diese »Standardisierung« erlaubt es Chabad, ungeübte Beter mit unterschiedlicher Herkunft ohne große Probleme neben- und miteinander beten zu lassen, ohne auf die Eigenschaften jeder individuellen Ausgabe eingehen zu müssen. Auf der anderen Seite bedeutet das natürlich auch, dass die Übersetzer und Herausgeber jede Entscheidung des ursprünglichen Herausgebers mitgehen müssen, auch wenn diese ein wenig »aus der Zeit« zu sein scheinen.

Der hebräische Text erscheint, wie das lange Zeit üblich war, als Blocksatz, ohne jegliche Einteilung in Absätze oder Zeilen. Hier könnte man natürlich sagen: Das wäre Interpretation.
In der Vergangenheit war es jedoch nicht üblich, die Tehillim anders darzustellen. Der Platz war knapp und irgendwann haben sich viele Beter an dieses »Layout« gewöhnt. Aber mit »Ohel Josef Jizchak« sucht man mit der zeitgemäßen Übersetzungen und Anmerkungen zu einigen Textteilen einen Kompromiss.

Der hebräische Text der Tehillim

Die Übersetzung des hebräischen Textes hat Miriam Magall (sel. A.) vollständig neu erarbeitet. Wie bei dem, kürzlich erschienenen, Gebetbuch Tehillat HaSchem blieb sie dabei recht nah am Text (zuweilen auch mit einem Seitenblick auf die Übersetzung in der Ausgabe Hebräisch-Englisch) und hat vielleicht auch Formulierungen verwendet, die weniger Nachdichtungen sind, als vielmehr Darstellungen des Textinhalts. Gewisse Zugeständnisse an das, was der Leser gewohnt ist, werden dabei durchaus gemacht. Der Name G-ttes wird mit »der Ewige« übertragen, und die Angaben der Schriftstellen folgen der lateinischen Bezeichnung. Bereschit ist dementsprechend »Genesis«. Das Buch richtet sich also nicht nur an Insider, sondern ausdrücklich auch an Neueinsteiger. Die Anmerkungen konzentrieren sich auf Bereiche, die sich dem Leser nicht unbedingt selber erschließen. So erfährt man, was ein Maskil ist, oder dass ein »Schlauch« eine gängige Aufbewahrungsart von Wasser und Getränken war. Im Anhang findet man zudem noch ein erklärendes Glossar zu wichtigen Begriffen die mehrfach vorkommen.

Glossar der Tehillmausgabe

In der Einleitung und im Anhang (hier meist ohne Übersetzung in Jiddisch und Hebräisch) wird viel auf die speziellen Bräuche und Anforderungen von Chabad eingegangen, die Gruppe derjenigen, die von dem Buch profitieren können, dürfte aber über Chabad hinaus gehen.
Wer sich also lernend mit den Tehillim auseinandersetzen möchte, findet hier einen guten Startpunkt.

Das gesamte Vorhaben wurde offenbar ohne öffentliche Gelder finanziert – einfach weil der Bedarf vorhanden war. Dazu wurden private Spender herangezogen und so entstand ein schönes neues Buch. Ein gutes Beispiel auch für andere.

Hier im Schnelldurchlauf als Video:

Was fehlt?

Eingangs wurde es erwähnt: In einigen Siddurim gibt es Auflistungen der Tehillim für verschiedene Situationen und eine Zuordnung zu den verschiedenen Schabbatot des Jahres – aber vielleicht ist dies kein Brauch von Chabad und fehlt deshalb hier?

Wo gibt es das Buch?

Es wurde von Chabad Berlin herausgegeben. Im Zweifelsfall bitte zunächst dort erfragen. Sobald ich genauere Informationen zu Preis und Bezug habe, werde ich diese hier veröffentlichen.

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Zuckerberg und die Holocaustleugnung

»Warum macht eigentlich Mark Zuckerberg nix gegen Antisemitismus auf Facebook? Der ist doch selber Jude« könnte der einfältige Nutzer von Facebook sagen und damit liegt er falsch. Ja klar, Mark Zuckerberg ist Jude, aber in erster Linie ist er Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Facebook und als solcher daran interessiert, sein Unternehmen profitabel zu halten.

Das erreicht man nur, wenn die Plattform von vielen Menschen besucht wird, die viel Zeit dort verbringen. Deshalb werden sie ständig mit neuen Nachrichten gefüttert. Wer sagt, dass das immer angenehme Nachrichten sein sollen? Eine gute Nachricht lese ich, like sie und teile sie vielleicht. Andere sehen das möglicherweise. Das entscheidet ein Algorithmus.
Mehr Zeit verbrennen die Nutzer, wenn sie sich aufregen, den Post melden, sich vielleicht noch andere Beiträge der Gruppe oder des Nutzers durchlesen, den Beitrag anderen zusenden mit dem Ziel, den Beitrag ebenfalls zu melden, oder sich auch darüber aufzuregen. Das ist Aufmerksamkeitsökonomie.
Dazu kommt: Die Gruppen und Seiten, auf denen man sich mal richtig austoben und auskotzen kann, werden rege frequentiert. Warum also sollte man die entfernen?

Deshalb überrascht es wenig, dass Mark Zuckerberg nicht begeistert über die Löschung von Beiträgen ist, die den Holocaust leugnen. Jedenfalls kann man das einem Interview entnehmen, das Zuckerberg in diesen Tagen dem Technikblog recode gegeben hat.

»I’m Jewish, and there’s a set of people who deny that the Holocaust happened.
I find that deeply offensive. But at the end of the day, I don’t believe that our platform should take that down because I think there are things that different people get wrong.«

Später fügte er hinzu (weil das Feedback auf sein Interview wohl nicht nur positiv war):

»I personally find Holocaust denial deeply offensive, and I absolutely didn’t intend to defend the intent of people who deny that.«

Er fügt weiterhin hinzu:

I personally find Holocaust denial deeply offensive, and I absolutely didn’t intend to defend the intent of people who deny that.

Our goal with fake news is not to prevent anyone from saying something untrue — but to stop fake news and misinformation spreading across our services.

Er führt dann aus, dass man die Inhalte nicht löschen möchte. Sie werden anscheinend nur durch »gute« Inhalte überflügelt:

»These issues are very challenging but I believe that often the best way to fight offensive bad speech is with good speech.«

Man kann jetzt viel dazu sagen oder schreiben, aber eines sollte klar sein – auch Mark Zuckerberg, wenn er ein empathischer Mensch wäre: Die Leugnung des Holocausts ist nicht nur offensive (das Wort erscheint mir viel zu klein), sondern sie verfolgt konkrete Ziele. Zudem ist es unerheblich, ob er oder seine Mitarbeiter das für eine zulässige »Meinung« halten: In Deutschland ist die Leugnung des Holocaust strafbar – auch wenn das nicht immer so gehandhabt wird. Das gilt eigentlich für die gesamte europäische Union, aber auch für andere Länder wie Israel. Derartige Beiträge werden aktuell in Deutschland übrigens genau deshalb entfernt, aber eben nicht weltweit.

Zudem ist die Leugnung der Schoah keine »Meinung«. Die Schoah, der Holocaust, ist eine Tatsache. Dass die Addition von 1 und 1 das Ergebnis 2 hat, steht auch nicht zur Debatte. Die Leugnung dessen, ist keine historische »Debatte«, sondern verfolgt ausschließlich andere Ziele.

Zuckerbergs Einlassungen haben gezeigt, wenn man die »Meinungsfreiheit-Nebelkerzen« weglässt: Ob Facebook das nun unterstützt oder nicht, ist keine moralische Entscheidung, sondern eine rein ökonomische. Es geht darum, ob sich eine Entscheidung rechnet oder nicht.
Offenbar rechnet sich Antisemitismus aber.

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929.org.il

929.org.il

Jeden Tag ein Kapitel aus der Torah »lernen«, oder aus dem Tanach?
Würde man gerne.
Kommt man nicht zu.
Wo fängt man da an?

929.org.il übernimmt die Beantwortung dieser Fragen, na ja, zum Teil jedenfalls. Eine Website, die jeden Tag ein Kapitel aus dem Tanach/der Torah präsentiert, haufenweise Kommentare oder Videos, oder zusätzliche Materialien. Es gibt sowohl eine Website, als auch eine App.
Man kann sich den Originaltext (auf Hebräisch mit Kommentar von Rabbiner Adin Steinsaltz) anzeigen lassen, oder mit einem eigenen Tanach folgen. Der Charme an der Onlineversion ist, dass man sich Kommentare im Text ein- oder ausblenden kann. Über einen Knopf kann man auch zu sefaria.org »abspringen« und noch mehr Kommentare lesen.

Über den Link 929.org.il/today landet man direkt im Kapitel des Tages, kann aber auch vorherige, oder zukünftige Kapitel über eine Zeitleiste auswählen. Die Fülle des Materials wird gebändigt von einer guten Benutzeroberfläche. Die Verschiedenheit der Beiträge auf der hebräischen Website ist bemerkenswert. Man findet Beiträge der Herausgeberin Gal Gabbaj, dem früheren Oberrabbiner Jisrael Me’ir Lau (sein Neffe, Rabbiner Benjamin Lau hat die Seite mit initiiert), aber auch von Etgar Keret, Naftali Bennett und Meretz-Politikern. Einmal quer durch das Spektrum von »nicht religiös« bis »sehr orthodox« und allem, was dazwischen liegt.

Nach Tischa beAw (22. Juli 2018) wird die Seite auch in englischer Sprache an den Start gehen und sich damit noch größere Nutzerkreise erschließen. Jetzt hat jeder die Möglichkeit, ab der »ersten Stunde« mit dabei zu sein.
Ob auch lokale Studiengruppen gebildet werden, so wie es in Israel der Fall war, steht in den Sternen. Bisher war dazu nichts zu hören. Das wäre aber ein interessanter Aspekt.

Hier ein kleiner Einblick, statt vieler Bilder:

929.org.il kurz vorgestellt from Chajm Guski on Vimeo.

Die Eckpunkte: 23. Juli 2018, 929.org.il.

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Erst heiraten und dann Tora lernen – oder umgekehrt?

Die Weisen des Talmuds waren Männer. Doch wir erfahren auch etwas über ihre Frauen – oder aber auch, warum man keine haben sollte, bevor man mit dem Studium fertig ist – je nach Sichtweise. Für die Jüdische Allgemeine habe ich die Sichtweisen kurz erläutert:

Talmudisches – Erst heiraten und dann Tora lernen – oder umgekehrt?

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Adah und Schimon

Schabbat 13a – unten

An den Tagen, an denen der Wind aus dem Süden Sand und Hitze durch das Tal drückte, wartete Adah mit Wasser vor dem Haus. Wenn Schimon kam, küsste er sie auf die Stirn, nahm ihre rechte Hand und lächelte sie an.
Er trank und sie erzählte von ihrem Tag und wer in die Schneiderei gekommen war. Und üblicherweise blickte Schimon auf den Boden und sagte »Wenn ich ein Rabbi bin, dann musst du das nicht machen. Dann handele ich mit Stoffen, so wie mein Vater. Du sollst es gut haben. Nicht mehr lange. Aber wenn ich mich bemühe, werde ich vielleicht eines Tages so gut, wie du es bist.«
Und Adah antwortete »Ich habe nicht gedacht, jemanden wie dich zu finden.«

Er ging früh aus dem Haus, half den jüngeren Studenten, diskutierte mit den Rabbinern und bemühte sich, ebenfalls Vorbild zu sein. Dann kehrte er schnell zurück zu Adah.
Sie gingen dann gemeinsam ins Haus und aßen. Schimon sprach immer gemeinsam mit Adah das Tischgebet. Und oft ging Schimon noch zur alten, fast blinden, Hannah und bereitete ihr Feuerholz vor. Erst nachdem er das getan hatte, sprachen Adah und er über das, was er während des Tages diskutiert hatte. Dann küsste er sie sanft und sie liebten sich. An den Tagen, an denen sie Niddah war, stellte sie das Wasser auf einen Tisch vor dem Haus und beide wussten, dass sie einander nicht berühren würden und warteten ungeduldig auf die Zeit nach der Mikwe.
Dann kam die bleibende Hitze des Sommers und die Regenfälle des Winters. Schimon ging zum Lehrhaus und wurde am Abend von Adah empfangen. Dass sie noch kein Kind hatten, bedauerten sie nicht. Sie hatten einander und genossen die Zeit. Dann kam der Frühling und aus dem Süden kam der Wind auf und Adah wartete vor dem Haus. An einem Tag, an dem der Wind sich legte, kam nicht Schimon den Weg zum Haus herauf.

Als Schimon aus dem Lehrhaus kam, hatte der Wind sich gelegt und alle genossen den kurzen Moment der Entspannung. Die anderen Studenten, die Rabbiner, Kinder liefen wieder umher, die Bäume standen still und man konnte das Wasser des nahen Baches hören. Eine gute Idee, sich hier kurz aufzufrischen, um nicht vollgeschwitzt zuhause anzukommen.
Es war leicht, sich kurz neben den Bach zu knien. Der Boden war fest.
»Schmeckt dir das Wasser mein Freund?«
Schimon wollte sich umschauen, konnte aber nicht, weil ihm die Stimme eine Hand auf den Rücken drückte. Die Stimme erwartete keine Antwort:
»Das Wasser kostet nichts. Aber ich brauche auch etwas zu essen. Gib mir eine Münze mein Freund! Wo ist dein Geldbeutel?«
»Ich habe keinen. Ich war im Lehrhaus.«
»Im Lehrhaus? Wandelt auf dem Pfad des Friedens. Gut ist, wer Torah verbindet mit richtiger Arbeit. Hättest du eine ehrliche Arbeit, dann hättest du mir eine Münze geben können.«

Nicht Schimon stand vor der Tür, sondern zwei seiner Studienfreunde. Sie trugen ein Bündel bei sich. Wortlos reichten die beiden ihr das Bündel. Sie brauchte nicht hinzusehen. Adah wusste, was in dem Bündel war. Sie erinnerte Schimon jeden Tag daran, es nicht zu vergessen.

Die Stimme drückte etwas fester auf den Rücken von Schimon. Er konnte dem Druck nicht lange standhalten. Die Stimme musste nun mit dem gesamten Körper auf Schimons Rücken drücken. Er versuchte, dagegen zu drücken. Seine Arme schmerzten und zitterten und schließlich lag sein Oberkörper auf dem Boden. Wasserspritzer kühlten sein Gesicht. Schimon konnte die Augen nicht geöffnet halten, kleine Wassertropfen drangen in sein Auge. Es fiel ihm schwer zu atmen. Die Stimme musste sich auf seinen Rücken gesetzt haben.
»Mein Freund – du wirst ja ganz nass. Dabei ist der Bach nicht einmal tief. Jonah, mein Freund. Jonah. ›Ströme umgeben mich, all deine Brandungen und deine Wogen, sie fahren über mich her‹ – wie wird sich Jonah wohl gefühlt haben?«
Jetzt schrie Schimon mit der Kraft, die ihm noch geblieben war. Aber sein Schrei endete in einem Gurgeln. Schimon versuchte seinen Kopf mit aller Gewalt nach oben zu drücken, aber hielt nicht lange durch. Er schluckte Wasser.

Adah starrte die beiden an und drückte das Bündel gegen ihren Körper. An den Äderchen ihrer Arme konnte man erkennen, wie fest sie es an sich presste.
»Wir haben einen Schrei gehört – als wir am Bach ankamen, haben wir Schimon gefunden.«

An das, was folgte, konnte sich Adah nur noch schwach erinnern. Daran, dass sie die beiden ihr hilflos zusahen, wie sie sich vor Schmerz auf dem Boden krümmte. Daran, dass Schimon am gleichen Abend noch beerdigt wurde. Daran, dass Frauen zu ihr kamen um sie zu trösten und dass sie immer wieder geschrien hatte, als wollte sie das ganze Tal mit ihrem Schmerz füllen.
Tagelang aß sie nichts, wartete vor dem Haus, ging spät schlafen. Wachte in der Nacht auf, weil sie hoffte, er käme doch wieder. So vergingen Tage und in die Trauer mischte sich Wut. Das Bündel, das sie seit der Nachricht ständig bei sich trug, brachte sie nun ins Lehrhaus.

Als Adah eintrat, saßen um die beiden Rabbiner ein paar Studenten herum. Sie diskutierten lebhaft und niemand bemerkte sie, bis sie in die Mitte trat und sie ansah. Kaum war sie im Blickfeld, verstummten die Stimmen der Studenten und die Rabbiner suchten mit ihren Augen nach Halt irgendwo an der Rückseite des Raums. Die Blicke der Studenten waren auf das Bündel gerichtet. Adah griff hinein und zog die Tefillin ihres Mannes heraus.
»Steht nicht geschrieben, dass derjenige, der Tefillin anlegt, ein langes Leben hat? Steht nicht geschrieben, dass derjenige, der sich mit der Torah beschäftigt, ein langes Leben haben wird?«
Niemand antwortete.
»Mein Mann hat mit euch studiert, er hat Torah gelernt, er hat die Mischnah gelernt, er hat den Rabbinern geholfen – warum ist er also so früh gestorben? Habt ihr eine Antwort für mich?«
Noch immer antwortete niemand. Die Rabbiner sahen in die Leere. Die Studenten ebenfalls. Einer sah sie voller Mitleid und Tränen in den Augen an und lief hinaus. Sie folgte seinem Beispiel und ging ohne eine Antwort in ihr Haus zurück.

»Das, meine Damen und Herren, ist die Tragik einer Geschichte aus dem Traktat Schabbat. Im Talmud hat sie nur wenige Verse, aber sie verdient es erzählt zu werden. Es ist nämlich nicht nur die Geschichte von Adah und Schimon. Es ist auch meine Geschichte. Auch mein Mann hat studiert, hat mich und die Familie geliebt. Er hat das Judentum ebenso so unerbittlich geliebt und keine Kompromisse gemacht. Und dennoch wurde er in seinen besten Jahren umgebracht. Ich kenne die Wut dieser Frau und ich kenne die Wut und die Trauer der Generationen zwischen ihr und mir. Ich befürchte, es wird auch in folgenden Generationen Frauen und Männer geben, die sich die gleichen Fragen stellen.
Warum ist das Versprechen der Torah nicht wahr?
Ist es nicht wahr?
Warum leiden gute Menschen?«

Hadar sah in den Raum. Ihr Vortrag war beendet. Sie hatte keine Antwort auf ihre eigene Frage und wollte die Zuhörer mit dieser Frage hinausschicken. Nachdem das Publikum brav applaudierte und alle sich auf den Weg machten, hielt sie ein junger Mann auf.
»Wissen Sie, dass die Geschichte im Talmud noch einige Zeilen mehr hat?«
»Ja. Ich weiß, der Prophet Elijahu persönlich kümmert sich um die Frau.«
»Warum erzählen sie das den Leuten nicht?«
»Weil Elijahu sich hier nicht kümmert, sondern eine halachische Diskussion führen wird.«
Hadar konnte im Gesicht ihres Gegenübers ablesen, dass er keine Frage gestellt hatte, sondern nur sich selber aufforderte, ihre Ausführung zu kommentieren.
»Wissen sie, der Prophet fragt die Frau, ob sich das Paar an die Reinheitsgesetze gehalten haben und die Frau stimmte zu. Wissen sie das? Dann fragt der Prophet, ob sie sich auch nach der Periode an die Reinheitsgesetze gehalten haben?«
Er räusperte sich beim Wort »Periode« ein wenig. Offenbar war ihm das unangenehm. Aber er fuhr fort:
»Nein und ein klares Nein. Sie gibt dann zu, dass die beiden gemeinsam gegessen und getrunken haben, ja sie haben sogar nah beieinander geschlafen!«
Hadar versuchte einzulenken:
»Sie sagt aber, dass sie sich nicht berührt haben, bis die sieben Tage nach der Menstruation vorüber waren.«
»Ja, ja das kann sein. Aber sie wissen doch, was Elijahu sagt? Er sagt daraufhin ›Gepriesen ist der G-tt der ihn tötete – er zeigte der Torah gegenüber keinen Respekt‹, die Torah hat ja verboten, sich der Frau zu nähern.«
Zum Ende des Satzes wurde der junge Mann ein wenig energischer und auch ein wenig lauter.
Hadar kannte den Text natürlich, war aber schockiert, dass jemand das mit einer solchen Inbrunst verteidigte:
»Sie meinen, Schimon hat seine Strafe erhalten? Ich meine, hier soll nur die Auslegung von Rabbi Akiwah verteidigt werden, denn nur er war der Ansicht, man dürfe in dieser Zeit seiner Frau nicht nahekommen. Wissen Sie, was Raschi schreibt? Ein wahrhaftiger Gelehrter braucht keinen physischen Schutz vor Übertretung eines Gebots. Er hat sich im Griff. Ich wünschte, sie hätten das auch. Haben sie vielleicht daran gedacht, dass Elijahus Antwort auch abschreckend gemeint sein könnte, oder dass er die Frau vielleicht verletzt?«
»So steht es aber geschrieben« sagte ihr Gegenüber und verließ den Raum.

Nach Schabbat 13a/13b
Der Text im Talmud ist knapp gehalten und so liest man ihn schnell herunter und macht sich vielleicht nicht klar, welche Emotionen eigentlich auf den handelnden Personen lasten müssen. Dieser Text ist der Versuch, das zu schildern und es vielleicht ein wenig eindrücklicher zu machen. Ausnahmsweise also keine satirische Geschichte. Feedback ist dementsprechend besonders erwünscht.

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Nackt

Königin Schabbat mit einer Torah im Arm von Moses Ephraim Lilien – auch sie war ein kleiner Skandal.

Ein Nacktmodel posiert auf einem Plastikstuhl.
Die Haltung auf dem Plastikstuhl sieht recht unbequem aus.
Im Hintergrund, so schräg unten, sieht man die Westmauer und den Platz davor (und einen Baukran). Man hat fast den Eindruck, als seien die Bilder auf dem Dach der Einrichtungen von Aish haTorah gemacht worden, oder natürlich einem Haus dahinter. Davon gehe ich einfach mal aus.
Das ist auch schon alles.
Dennoch wird hartnäckig versucht, das zu skandalisieren – vor allem in den sozialen Medien. Häufig begegnet mir die Formulierung: »Wenn man das mit den heiligen Stätten des Islams gemacht hätte…«. Da steckt auch ein wenig Neid dahinter: »Seht her, mit denen traut sich das niemand zu machen – aber mit uns…«. Man unterstellt also eine unentspannte Haltung, weil man selber gerne unbequem unentspannt wäre. Übrigens hat die Dame anscheinend auf einem anderen Bild auch so posiert, dass man die Al-Aksa Moschee sehen kann. Aber egal.
Letztendlich zeigen die Bilder aber nur eine nackte Frau mit Orten im Hintergrund.
Seit wann haben wir so ein unentspanntes, ja katholisches, Verhältnis zur Körperlichkeit? Niemand hat jemanden gezwungen hinzusehen. Man hat die Bilder nicht auf dem Vorplatz der Westmauer gemacht, auch nicht in einer Synagoge.
Ist es kein Sakrileg?
Ein Sakrileg wäre es, in Europa die Beschneidung verbieten zu wollen, dem Menschen kein Respekt mehr entgegen zu bringen (immerhin wurde er ja nach dem Bilde G-ttes erschaffen) oder leichtfertig Menschenleben aufs Spiel zu setzen. Vielleicht wäre es sogar ein Sakrileg, sich auf dem Platz vor der Westmauer mit Plastikstühlen zu bewerfen. Aber die Westmauer im Hintergrund zu haben?

Tefillin

1982 erschien in der Literaturzeitschrift »Iton 77« das Gedicht Tefillin der Schriftstellerin Jona Wallach. Aus heutiger Sicht Expertin für Erotik und Blasphemie. Illustriert wurde der Text mit dem Foto eines Mannes, der nur Tefillin trug (und Jona Wallach), also nur und ausschließlich die. Das Gedicht hatte es aber auch in sich und der anschließende Skandal war »saftik«. Wegen der Bilder und wegens des Textes. Der erzählte aus der Sicht einer Frau, man kann es raten, wie Tefillin in sexuelle Handlungen eingebunden werden. Auch nichtreligiöse Israelis empfanden die Verwendung von Tefillin in einem sexuellen Kontext als etwas zu heftig.
Auch eine spätere Ausstellung mit den Bildern konnte nicht zustande kommen. DAS war ein Skandal. Hier ging es um die religiösen Gefühle von Menschen und es ging hitzig zur Sache. Was wäre ein solcher Skandal in Zeiten von Facebook! Aber auch hier gilt: Man muss es nicht gut finden, man wird nicht dazu gezwungen, es sich anzuschauen, oder zu lesen. Aber man wird irgendwie dazu gezwungen, Position zu beziehen. Das ist Kunst.

Auch oben gezeigte Königin Schabbat war ein kleiner Skandal, obwohl sie nur das zeigt, was ansonsten gesagt wird: Königin Schabbat, die sich mit dem Volk Israel vereinigt.

Und die Westmauer als Hintergrund für eine Nacktaufnahme? Das ist gar nichts.
Der Talmud erwähnt Geschlechtsverkehr und Torah (Jewamot 92a) in einem Satz und hier werden Halsschlagadern dick wie Gartenschläuche, wenn sich eine Frau so fotografieren lässt, dass man sie und die Westmauer im Hintergrund sieht?

Wer sich unbekleidete Damen nicht anschauen will oder darf, sollte nicht hinsehen oder auf den entsprechenden Artikel bei facebook klicken, schließlich wird er (oder sie) auch nicht dazu gezwungen.
Der Skandal ist einfach keiner.
Die Aktion war möglicherweise als Provokation gedacht, aber man darf ruhig ein wenig selbstbewusster sein und darüber hinweggehen.

Übrigens erscheint auch hier der Name des Models nicht, ist ja keine Werbeveranstaltung.

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Bock auf Provokation oder Prosa?

Kajo Lang das ist ein Schriftsteller, dessen Namen einem nicht sofort etwas sagt. Dabei ist er Autor, Journalist, Drehbuchschreiber, Dichter und jemand, der Schreibworkshops anbietet.
Aber er ist dabei, das zu ändern. Nicht nur durch einen Artikel in der Wikipedia zu ihm (siehe hier), der anscheinend aus erster Hand, also von ihm selbst stammt. Das Pseudonym des Artikelerstellers lautet jedenfalls »kreatief« – was ganz gut zu seinem Workshop »kreatief & schreiben« passt – und dieses hat 2010 den Artikel angelegt (siehe hier).
Das könnte man als deutlichen Hinweis darauf werten, dass da jemand um »Sichtbarkeit« kämpft und bemüht ist, ein wenig Eigenwerbung zu machen. Was nichts verwerfliches ist. Als Künstler ist man zuweilen auf »Sichtbarkeit« angewiesen.

Auch das Buch »Die Blöße des Tschadors«, in dem jemand bei einem Scherenschnitt-Kurs eine Muslima mit »Tschador und Gesichtsschleier« kennenlernt und mit ihr auf eine sexuelle Entdeckungsreise geht, hat den großen Durchbruch noch nicht ganz gebracht – obwohl das Setting natürlich plausibel ist.

Eine vollkommen neue Followergruppe erschließt sich Kajo Lang nun mit seinem Gedicht »Wie hältst du’s mit dem Jud‘?« und das dürfte – zumindest für ihn – schon etwas vielversprechender sein. Oder es ist mehr als reine Provokation und ein Einblick ins Seelenleben des Dichters.
Da ist alles drin, was man als »Israelkritiker« benötigt:
Formulierungen wie »Schuldenstand des Holocausts«, »wie hältst du‘s aus im ewigen Schuldkäfig?« oder »bis alle Morde Israels dich freisprechen von etwas, was du nie getan?« (Zitate von hier).

Das Gedicht schließt damit ab, dass man über den »Juden«, hier aber in deutscher Tradition »Jud’« genannt, nichts sagen darf, außer zur eigenen »Schuldigkeit«.
Die Litanei, die sich offenbar als Auseinandersetzung mit »Israelkritik« versteht, die weder originell noch besonders neu ist, dürfte die Frage, wie Kajo Lang es mit »dem Jud’« hält, schnell beantworten.

Das Gedicht ist hier zu finden.