Die Zeiten sind rau. Dieser Beitrag handelt nicht von den Problemen »draußen«, sondern von den Errungenschaften »innen«. Denn es gibt erfreuliche Dinge zu berichten, die dazu gedacht sind, jüdische Inhalte zu vermitteln.

Auf talmud.de werden (natürlich) kontinuierlich neue Inhalte zur Verfügung gestellt und die Publikation der meisten Artikel erscheint auf der Hauptseite als Hinweis. In letzter Zeit waren das vermehrt Texte, die für das Netz digitalisiert oder neu übersetzt wurden. Seit einiger Zeit läuft die Seite talmud.de/torah neben der »Hauptseite«. Jetzt lohnt es sich jedoch, darüber zu sprechen. Rabbiner Mendel Itkin gab den Impuls für etwas, das ich auf bsky in einem Kommentar den »Herbst der Publikationen« nannte: Die Digitalisierung einiger historischer Werke des Judentums in Deutschland (ja, wir greifen in die Bedeutsamkeitskiste)! Er schuf ein Verfahren, das es erlaubte, effizient auch gemischte Texte (Deutsch-Hebräisch) mit OCR zu erfassen und dann auch strukturiert weiterzugeben.

Zunächst erschien recht still auf talmud.de/torah der hebräische Originaltext der Torah (nach der Massorah), die deutsche Übersetzung von Rabbiner Samson Raphael Hirsch, der Raschi-Kommentar und die Onkelos-Übersetzung. Später kam dann der bahnbrechende Kommentar von Hirsch hinzu. Ermöglicht hat das Marina Struse (Berlin), die Kommentar und Übersetzung mit viel Aufwand digitalisiert hat. Beides ist auch über das Sefaria-Projekt zu erreichen.

Im Oktober folgte aber auch die erste (jüdische) Übersetzung der Torah von Moses Mendelssohn ins Hochdeutsche. In lateinischer Schreibweise (»Da ward Abend und ward Morgen, der dritte Tag.«) und in der ursprünglichen Schreibweise in hebräischen Lettern: »דא ווארד אבענד, אונד ווארד מארגען, דער דריטטע טאג.«. Dazu die Premiere der ersten digitalisierten Version des Kommentars (»Biur«), der seinerzeit unter der Übersetzung erschien. Der Kommentar stammt aber nicht von Mendelssohn allein, auch andere Gelehrte seiner Zeit waren daran beteiligt. Wohl Salomon Dubno (Anfang Bereschit), Mendelssohn selbst (Schemot), Naphtali Herz Wessely (Wajikra), Aaron Jaroslaw (Bamidbar) und Herz Homberg (Dewarim). Dieses eigenständige Werk steht seit Oktober digital (also als kopierbarer Text, nicht nur als Bild) zur Verfügung und wird nun in andere Datenbanken übernommen. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass Übersetzungen von Teilen davon, jederzeit in die Seite eingearbeitet werden können.

Für einige Bücher der Torah kam auch ein Kommentar zum Torahtext von Rabbiner Joseph Herman Hertz, dem Oberrabbiner des Britischen Empire (1913–1946), hinzu. Zudem wurde der Raschikommentar vollständig in deutscher Sprache hinzugefügt.

Damit hätte man es bewenden lassen können. Wären wir sendungsbewusster, hätten wir wochenlang darüber gesprochen und gefeiert.

Stattdessen folgte die Digitalisierung von Jakob Levys Neuhebräischem und Chaldäischem Wörterbuch (Leipzig 1876–1889) zu den »Talmudim und Midraschim« mit seinen 19.503 Einträgen – nicht immer sehr kurz. Dieses Wörterbuch ist unter talmud.de/milon zu finden. Und weil an dieser Stelle die Frage aufkam, wie es mit einem hebräischen Wörterbuch zum Tanach stünde, haben wir auch das »Hebräische und aramäische Handwörterbuch« von Wilhelm Gesenius digitalisiert (die Ausgabe von 1915). Dieses Wörterbuch ist unter talmud.de/gesenius erreichbar. Wer hier Stellen aus der Torah anklickt, landet natürlich auf den Torahseiten.

War es das? Marina Struse hat die »Neunzehn Briefe über Judenthum« von Rabbiner Hirsch digitalisiert und sie werden in Kürze veröffentlicht.

Rabbiner Itkin arbeitet derzeit an »Safran« (Bibliothekar), einer App, die Texte von Sefaria, talmud.de und weitere Elemente auf den Desktop bringt und die Offlinenutzung ermöglicht. Andere Texte folgen hoffentlich bald.