Überraschende Statistik aus der Schweiz

Die Synagoge in Zürich (Löwenstrasse) – Roland zh, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Dden Blick auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen nicht nur auf Deutschland zu richten, kann hilfreich sein, um Vergleiche zu ziehen und allgemeine Trends erkennen zu können. Es kann jedoch auch hilfreich sein zu schauen, was in anderen Ländern getan wird, um Mitgliederrückgänge vielleicht zu verhindern. Ein Blick in die Schweiz scheint da interessant zu sein. Der Blick in die Schweiz hält jedoch eine Überraschung bereit.

Ohne spoilern zu wollen: Im Gegensatz zur Schweiz, ist Deutschland viel weiter. Zumindest mit Blick auf die Zahlen. Der SIG (Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund) hat nämlich keine demographischen Daten. Das berichtete Tachles am 16. Oktober 2020 unter der Überschrift »Gemeindejudentum und seine Grenzen«. Fest steht lediglich, dass es zwei Dachverbände gibt: Den SIG und die Plattform der Liberalen Jüdischen Gemeinden der Schweiz (PLJS) – beide gemeinsam würden etwa 35 Prozent der rund 50.000 Juden der Schweiz vertreten und auch diese Zahlen stammen aus dem Jahr 1997. Nur ein Drittel der Juden in der Schweiz gehören also den Dachverbänden an. Bei einer Volkszählung im Jahr 2000 hätten 17.914 Personen angegeben, jüdisch zu sein.

Und wie sieht es innerhalb der Gemeinden des Dachverbandes aus? Auch hier unklare Zahlen: Die gibt es nicht. Der Dachverband kann darüber keine Auskunft erteilen. Denn die Gemeinden zählten unterschiedlich: Für einige Gemeinden zählten Einzelpersonen ohne Familie, aber auch Ehepaare jeweils als ein Mitglied, bei anderen würden ganze Familien als einzelne Mitglieder aufgeführt. Grob kann man also sagen, dass viele Gemeinden die »Haushalte« erfassen.

Kein Wachstum wohl eher Rückgang

Der Tachles-Artikel zieht aber einen weiteren Bogen und berichtet von Ralph Weill, der auch externe Zahlen betrachtet hat, um herauszufinden, was in Deutschland die ZWST recht sicher erfasst. So fragte man beim israelischen Büro für Statistik an, wie viele Jüdinnen und Juden aus der Schweiz nach Israel eingewandert sind und erfuhr, dass es seit 1990 etwas etwa 1.500 Personen Personen waren.

Er berichtet weiter, dass 60 Prozent der Eheschließungen von Jüdinnen oder Juden mit einer nichtjüdischen Person geschlossen werden würden. Die Gemeinde die Israelitische Gemeinde Basel schrumpfte im laufenden Jahrhundert um ein Drittel (! und das obwohl die Gemeinde offensiv um Mitglieder wirbt), die Israelitische Gemeinde Kreuzlingen löste sich gar auf. Wachstum hingegen gäbe es bei der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich und der Communauté Israélite de Genève (Genf). Zürich bliebe stabil mit 2.500 Mitgliedern (Haushalte? Personen?).

Die Situation scheint also der deutschen zu ähneln, allerdings gibt es in Deutschland mehr Zahlen (überhaupt verlässliche), um Maßnahmen zu begleiten oder überprüfen zu können. Vermutlich sollte man das auch in der Schweiz ins Auge fassen und betrachten, wie überhaupt die demographische Situation ausschaut.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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