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Die Jakobsbücher

Jakob Frank ernannte sich selber zum Messias und führt keine kleine Bewegung an und weil Grenzüberschreiter wie er immer interessante Lebensgeschichten haben, ist es seltsam, dass es nicht viel früher schon einen großen Roman über sein Leben gegeben hat.
Als bekanntgegeben wurde, dass Olga Tokarczuk den Nobelpreis für Literatur erhalten würde, hatte ich bereits mit der Lektüre begonnen. Das beeinflusste die Rezension also nicht. Die Rezension kann auf den Seiten der Jüdischen Allgemeinen nachgelesen werden:

Jüdische Allgemeine Jakob Frank, der falsche Messias

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Buch aktuell – oder doch nicht so neu?

Rufus Beck ist ein ziemlich genialer Vorleser. Seine eingelesenen Fassungen von »Harry Potter« oder »Der kleine Nick« sind empfehlenswert. Jetzt hat Rufus Beck die »Bibel« eingelesen, also die christliche Bibel, also »Altes« und neues Testament – in der Übersetzung von Martin Luther. Die Teile die man hören kann, sind gut eingelesen. Ganze 98 Stunden kamen da zusammen.
Natürlich wird diese Ausgabe nun auch beworben und so ist es klar, dass das Buchmagazin »Buch Aktuell«, mit welchem die Buchhandlungen auf Neuerscheinungen hinweisen (erreicht nach eigenen Angaben 750.000 Leser), natürlich dieses Mammutwerk thematisiert hat. Der Text erklärt dem Leser zunächst einmal, was die Bibel eigentlich ist, aber dann wird es interessant:

Buch Akuell, Ausgabe 4/2019, Seite 12

Die Zuhörer werden Zeugen des Wandels vom strafenden Gott im Alten hin zum barmherzigen G-tt im Neuen Testament.

Hier wird also ein ziemlich altes Motiv des Antijudaismus aufgewärmt. Hier das Judentum mit dem zornigen, strafenden G-tt – dort, das Christentum des barmherzigen G-ttes. Auf der einen Seite stehen die friedliebenden Christen und auf der anderen Seite stehen die rachedurstigen Juden. Gerade die Formel Ajin tachat Ajin ~ Auge für Auge (Schemot 21,24) wird gerne in diesem antijüdischen Diskurs missbraucht und ausgeblendet, dass die Anwendung dieses Satzes einen materiellen Schadensersatz meint (Bava Kamma 83b-84a). Man sollte durchaus annehmen, dass sich das heute herumgesprochen hat. 2019 sollte dieser Klassiker eigentlich nicht mehr veröffentlicht werden.

Eine kurze Recherche hat dann ergeben, dass der redaktionelle Text von »Buch aktuell« in groben Zügen dem Beschreibungstext von »Der Audio Verlag« entspricht. Auch hier heißt es:

Vom Sündenfall im Garten Eden, über Moses Auszug aus Ägypten, bis hin zur Auferstehung Jesu – im Hörbuch mit Rufus Beck wird die Heilige Schrift hautnah erfahrbar. Die Zuhörer werden Zeugen der Schöpfung, der Leidensgeschichte Jesu Christi, dem Wandel vom strafenden Gott im alten -, hin zum barmherzigen Gott im neuen Testament.

Eigentlich ist der Text also durch mehrere Hände gegangen – es ist also noch viel Arbeit zu tun, wenn diese alt-tradierten Antijudaismen einfach so hingenommen werden.

Update 20.11.2019 »Der Audio Verlag« hat unmittelbar reagiert und den Satz von der Website gestrichen.
Update 03.12.2019 Die Deutsche Bibelgesellschaft hat sich ebenfalls dazu geäußert und sich von dem Text distanziert, der so nicht hätte erscheinen sollen.
»Buch aktuell« hingegen, hat sich nun ebenfalls entschuldigt und versprochen, den Text auf der Website und im Blätter-PDF zu aktualisieren.
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Oj-GH

Der Gerichtshof der Europäischen Union hat entschieden, dass die Herkunftsangabe »aus israelischen Siedlungen« weiterhin angebracht werden muss. Dagegen hatte ein israelischer Unternehmer geklagt und ihm wurde nicht Recht gegeben. Aus dieser Formulierung kann man erkennen, dass das bereits Praxis ist. Seit 2015 wird das nämlich langsam eingeführt und ist bereits auf Weinen zu finden. Keine gute Praxis. Aber es ist auch kein Grund für Hysterie und Populismus (»gelber Stern!«). Der Skandal ist nämlich nicht, dass die Waren gekennzeichnet werden.

Was ist nun also der Skandal?

Gut, gut. Bevor ungeduldige Leserinnen und Leser hyperventilieren: Der Skandal ist, dass es eine Reihe weiterer Länder gibt, die Waren in Gebieten herstellen, deren Status als »umstritten« gilt. Hier seien als Beispiele die »Autonome Republik Krim« oder Südmarokko genannt. Deren Waren werden derzeit nicht gekennzeichnet. Warum nicht? Vermutlich, weil es dafür keine politische Lobby gibt. Aber für die Kennzeichnung israelischer Produkte gibt es eine und das macht den Skandal ersichtlich: Doppelte Standards. Wird Israel selektiv für ein Verhalten kritisiert, das bei anderen Staaten ignoriert wird, dann ist das ein Doppelstandard und der ist ein recht guter Indikator dafür, dass ein Kritikpunkt antisemitisch sein könnte.

Also ist das Urteil antisemitisch?

Natürlich nicht. Das Urteil bestätigt eine Praxis, die sich eigentlich auf viele Länder beziehen sollte. »Andere dürfen das auch« ist hier nicht maßgeblich. Die Motivation derjenigen, die das für (oder besser »gegen«) Israel durchgesetzt haben, ist fraglich. Deshalb ist es überhaupt nicht hilfreich, den Europäischen Gerichtshof zu kritisieren.
Das Urteil ist auch kein Boykottaufruf. Den basteln erst diejenigen Gruppen, die diese Entscheidung politisch missbrauchen und direkt gegen Israel einsetzen.

Und jetzt?

Jetzt gilt es sich direkt dagegen zu wenden, dass die Kennzeichnung für Boykottaufrufe genutzt werden kann. Der »Diskriminierung« von Waren, die etwa nach Druck von antiisraelischen Organisationen, entsprechende Waren auslisten, muss entschieden, entgegengetreten werden. Das dürfte juristisch möglich sein. Die Kennzeichnung der Waren könnte man natürlich generell hinterfragen, wenn sie letztendlich nicht durchgesetzt wird. Aber das ist ein anderer politischer und juristischer Prozess.

Auf der anderen Seite: Wer die entsprechenden Firmen unterstützen will, die so oft auch Arbeitgeber für palästinensische Menschen sind und ihnen eine Perspektive geben, weiß, zu welchen Waren er greifen muss.
Also: Die »Golan Heights Winery« stellt ein paar gute Tropfen her: LeChajm.