Jüdisches Erbe in Borken (Münsterland)

Jüdischer Friedhof Borken – Am Kuhm – Wilbecke. Dies war der alte Friedhof der Gemeinde. Die Nutzung soll bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen. In der Nähe lag eine Mühle. Durch deren Tor wurden die Toten der Gemeinde auf den Friedhof gebracht.

Rabbiner Baruch Babaev ist der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Dortmund, der größten Gemeinde im Ruhrgebiet. Hin und wieder besucht er das weitere Umfeld und setzt sich mit dem jüdischen Erbe der Region auseinander. Kürzlich besuchte er die Stadt Borken im westlichen Münsterland und dokumentierte seinen Besuch in Bildern. Es lohnt sich durchaus, sich auch mit dem jüdischen Leben außerhalb der großen Metropolen zu beschäftigen. Spuren jüdischen Lebens findet man heute noch in vielen kleinen Orten des Münsterlands.

Jüdisches Leben in Borken kann bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Ein Gerichtsprotokoll aus dem Jahr 1552 ist ein erster Hinweis Juden, die sich in Borken aufhielten.

Der erste Friedhof dieser Gemeinde lag unweit einer Mühle, an der Stadtmauer und geht wohl auch bis ins 16. Jahrhundert zurück. Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein an ihn (oben zu sehen). In die Mauer ist heute eine Gedenktafel eingelassen. Der Zustand der Tafel, die im Jahr 1992 aufgestellt wurde, ist offensichtlich nicht mehr optimal.

Jüdischer Friedhof Borken – Am Kuhn. In der Mauer des alten jüdischen Friedhofs ist heute eine Gedenktafel an die Opfer der Schoah.

1890 war der Friedhof voll belegt. Begrenzt durch den kleinen Fluß Aa und die Stadtmauer konnte er nicht erweitert werden. Deshalb wurde etwas außerhalb der Innenstadt ein weiterer Friedhof angelegt. Ihn sieht man auf den folgenden Bildern:

Jüdischer Friedhof Borken – Replingsfunder, Schild mit einem Hinweis über die Erstnutzung

Schild am Jüdischen Friedhof Borken – Replingsfunder

Jüdischer Friedhof Borken – Replingsfunder

Eine Synagoge existiert heute nicht mehr. An sie erinnert nur eine Tafel an einem Parkplatz.

Gemen

Gemen ist ein Stadtteil von Borken. Dieser Teil liegt etwas weiter nördlich und war früher eigenständig. Auch hier lebten Juden seit spätestens 1560 (in diesem Jahr wurden Juden aus Münster ausgewiesen). Auch in Gemen wurde die Synagoge 1938 zerstört, erbaut wurde sie erst 1912. Zuvor hat man das Haus der Familie Löwenstein auch als Betraum genutzt. Dieses Haus ist heute erhalten und mit ihm eine Mikwe erhalten ist. Sie wurde wohl im 17. Jahrhundert errichtet.

Schild an der Mikwe von Borken-Gemen

Mikwe in Borken-Gemen

Schild am Jüdischen Friedhof Borken-Gemen

Borken-Gemen – Den Friedhof gibt es wohl seit dem 18. Jahrhundert.

Borken-Gemen – Der Friedhof Landwehr von der Seite betrachtet

Mein Dank geht an Rabbiner Baruch Babaev (facebook.com/rabbiner.babaev) für die freundliche Erlaubnis, die Bilder zu verwenden. Alle Rechte an den Bildern liegen bei ihm.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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