Die jüdische Buchhandlung Jarden in Düsseldorf – ein Besuch

Düsseldorf – hier hat sich in den letzten Jahren eine große, aktive, jüdische Gemeinde gefestigt. Und wo es aktive Jüdinnen und Juden gibt, da muss es zwangsläufig auch jüdische Buchläden geben. Buchläden für Seforim.
Jarden ist so eine Buchhandlung.
Hinein kommt man, nachdem Doniel, der Besitzer, auf einen Knopf drückt und die Tür freischaltet. Sichtkontrolle. Das wars, leider notwendig.
In der Buchhandlung sitzen zwei jüngere Männer, trinken Tee aus Pappbechern und fragen, ob man Interesse hätte, am Minchah teilzunehmen. Keine Frage! Natürlich.

Auf meine Frage, was ein Tee kostet, winkt Doniel, der übrigens selber noch weit unter 40 ist, ab. Der Tee kostet nichts. Man könnte eine Münze in das Fach neben dem Behälter mit dem heißen Wasser werfen. Das sei eine Serviceleistung für Kunden.
Neben dem Tee gibt es natürlich noch Bücher.

Auf der rechten Seite des Ladens neue Bücher von Artscroll, Koren, Wagschal, Oz veHadar oder Mishor. Auf der linken Seite des Ladens gebrauchte Bücher, ein Antiquariat mit Bänden, die man sonst selten erhalten kann. Oder man kann günstig an ein Siddur gelangen. Siddurim (Gebetbücher) sind nach Nussach geordnet. Die Auswahl ist unglaublich. Sfardisch, Sefardisch, Aschkenasisch, Edot haMisrach oder Chabad. Alles auf Lager. Wenn kleinere Büchlein für Feiern gewünscht sind, bietet Doniel personalisierte Heftchen an. Die macht er in Eigenregie.
Den Talmud findet man mit englischer Übersetzung, ohne Übersetzung. Im antiquarischen Bereich sogar die Goldschmidt-Übersetzung.
Halachische Literatur bietet Doniel ebenfalls an und zu jedem Buch könnte er offenbar etwas erzählen. Eine Tafel neben der Kasse (bares Geld nimmt er gerne, aber auch Kreditkarten und Paypal) informiert über Veranstaltungen am Abend. Ein Kurs um Hebräisch lesen zu lernen, eine Einführung in die Gebete, eine Lesung oder auch eine Einführung in die Geschichte des Talmuds.

In kleiner Menge hält Jarden auch Teffilin, Tallitot, Kippot und andere Gegenstände für den täglichen Bedarf vor.

Doniel sagt, das Publikum sei sehr gemischt. Aus dem Ruhrgebiet kämen Jüdinnen und Juden, aus Köln ebenfalls. Aber auch Durchreisende, die einfach mal schauen wollen, welche Bücher es aktuell gibt. Dann gäbe es da noch die Gruppe der Christen, die am Judentum interessiert seien. Die kauften ebenfalls bei Doniel ein.
Online würde er nicht handeln, sagt Doniel. Das sei das Spezialgebiet anderer. Das könnten die großen Händler besser. Er habe sich komplett auf die persönliche Betreuung der Kunden fokussiert und sei froh, dass praktisch ständig Kunden bei ihm im Geschäft ins Gespräch kämen und eine Weile blieben. Das sei sein Alleinstellungsmerkmal. Bereits am Morgen kämen Leute, die in der Stadt arbeiten, zum Morgengebet vorbei. Man schätze, dass man nicht erst raus zur Gemeinde müsse, sondern direkt zum Arbeitsplatz weiterpendeln könnte. Einige Gesichter würde man gar nicht in der Gemeinde sehen, aber seitdem der Zugang so unkompliziert sei, lassen Leute sich auch häufiger blicken. Manchmal nimmt man dann auch noch ein Buch mit oder erzählt weiter, dass es das bei Jarden gibt. Wird man damit reich?
Doniel lächelt. Vermutlich nicht. Er sei ein Bücher-Nerd und habe Spaß daran, andere für sein Gebiet zu begeistern. Wenn er seinen Lebensunterhalt damit bestreiten kann, würde das zunächst einmal ausreichen. Wenn er eine stabile Community aufbauen kann, dann wäre zumindest dieser gesichert und damit auch die Versorgung mit jüdischer Literatur in der Region.

Wo man die Buchhandlung findet

Die Buchhandlung kann man derzeit überhaupt nicht finden. Es gibt sie (noch?) nicht. Obwohl es zwischen Dortmund und Köln durchaus Nachfrage geben könnte, hat sich bisher niemand getraut (auch in größeren Städten nicht), eine zu eröffnen. In Berlin und München gibt es die Literaturhandlung. Die führt Literatur zum Judentum und jüdische Literatur und ist ein guter Anlaufpunkt, aber eben keine lokale Anlaufstelle. Ein niederschwelliger religiös-kultureller Treffpunkt fehlt einfach, denn lokale Geschäfte für genau eine spezielle Zielgruppe sind genau das.

Bild: Unter Verwendung von »Schaufenster mit Gardine« von André, auf Flickr. Lizenz: Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schalom alechem Chajm, wo ist den der Buchladen in Düsseldorf ? Würde ja gerne mal hinfahren , da Amazon zwar viel bietet an Literatur aber ich liebe Buchläden. Übrigens ich habe mir deine Übersetzung von der Thora gekauft und finde diese einfach großartig !! Liebe Grüße aus Hagen
    Guiod

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.