Zuckerberg und die Holocaustleugnung

»Warum macht eigentlich Mark Zuckerberg nix gegen Antisemitismus auf Facebook? Der ist doch selber Jude« könnte der einfältige Nutzer von Facebook sagen und damit liegt er falsch. Ja klar, Mark Zuckerberg ist Jude, aber in erster Linie ist er Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Facebook und als solcher daran interessiert, sein Unternehmen profitabel zu halten.

Das erreicht man nur, wenn die Plattform von vielen Menschen besucht wird, die viel Zeit dort verbringen. Deshalb werden sie ständig mit neuen Nachrichten gefüttert. Wer sagt, dass das immer angenehme Nachrichten sein sollen? Eine gute Nachricht lese ich, like sie und teile sie vielleicht. Andere sehen das möglicherweise. Das entscheidet ein Algorithmus.
Mehr Zeit verbrennen die Nutzer, wenn sie sich aufregen, den Post melden, sich vielleicht noch andere Beiträge der Gruppe oder des Nutzers durchlesen, den Beitrag anderen zusenden mit dem Ziel, den Beitrag ebenfalls zu melden, oder sich auch darüber aufzuregen. Das ist Aufmerksamkeitsökonomie.
Dazu kommt: Die Gruppen und Seiten, auf denen man sich mal richtig austoben und auskotzen kann, werden rege frequentiert. Warum also sollte man die entfernen?

Deshalb überrascht es wenig, dass Mark Zuckerberg nicht begeistert über die Löschung von Beiträgen ist, die den Holocaust leugnen. Jedenfalls kann man das einem Interview entnehmen, das Zuckerberg in diesen Tagen dem Technikblog recode gegeben hat.

»I’m Jewish, and there’s a set of people who deny that the Holocaust happened.
I find that deeply offensive. But at the end of the day, I don’t believe that our platform should take that down because I think there are things that different people get wrong.«

Später fügte er hinzu (weil das Feedback auf sein Interview wohl nicht nur positiv war):

»I personally find Holocaust denial deeply offensive, and I absolutely didn’t intend to defend the intent of people who deny that.«

Er fügt weiterhin hinzu:

I personally find Holocaust denial deeply offensive, and I absolutely didn’t intend to defend the intent of people who deny that.

Our goal with fake news is not to prevent anyone from saying something untrue — but to stop fake news and misinformation spreading across our services.

Er führt dann aus, dass man die Inhalte nicht löschen möchte. Sie werden anscheinend nur durch »gute« Inhalte überflügelt:

»These issues are very challenging but I believe that often the best way to fight offensive bad speech is with good speech.«

Man kann jetzt viel dazu sagen oder schreiben, aber eines sollte klar sein – auch Mark Zuckerberg, wenn er ein empathischer Mensch wäre: Die Leugnung des Holocausts ist nicht nur offensive (das Wort erscheint mir viel zu klein), sondern sie verfolgt konkrete Ziele. Zudem ist es unerheblich, ob er oder seine Mitarbeiter das für eine zulässige »Meinung« halten: In Deutschland ist die Leugnung des Holocaust strafbar – auch wenn das nicht immer so gehandhabt wird. Das gilt eigentlich für die gesamte europäische Union, aber auch für andere Länder wie Israel. Derartige Beiträge werden aktuell in Deutschland übrigens genau deshalb entfernt, aber eben nicht weltweit.

Zudem ist die Leugnung der Schoah keine »Meinung«. Die Schoah, der Holocaust, ist eine Tatsache. Dass die Addition von 1 und 1 das Ergebnis 2 hat, steht auch nicht zur Debatte. Die Leugnung dessen, ist keine historische »Debatte«, sondern verfolgt ausschließlich andere Ziele.

Zuckerbergs Einlassungen haben gezeigt, wenn man die »Meinungsfreiheit-Nebelkerzen« weglässt: Ob Facebook das nun unterstützt oder nicht, ist keine moralische Entscheidung, sondern eine rein ökonomische. Es geht darum, ob sich eine Entscheidung rechnet oder nicht.
Offenbar rechnet sich Antisemitismus aber.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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