Was ist ärgerlich an der UN-Resolution gegen Siedlungen?

Auf die sozialen Netzwerke ist Verlass. Wenn man es etwas hysterisch hochkochen kann, dann wird es auch hysterisch hochgekocht. Die neueste Resolution der UN, die sich gegen einen israelischen Siedlungsbau richtete, führte zu heftigsten Reaktionen. Sowohl bei Befürwortern, als auch bei Gegnern. Die einen feierten insbesondere Präsident Obama, die anderen verteufelten ihn. Im Grunde, weil sich die USA dieses Mal enthalten haben. Frank-Walter Steinmeier lobte die Resolution.

Eine UN-Resolution gegen Israel und alle sind überrascht? Leute, jetzt mal ehrlich?!

Hinzu kommt: Um die Wirksamkeit zu verstehen, reich doch ein Blick auf die Konflikte, welche die UN in den letzten Jahren erfolgreich befriedet hat. Da wären Bosnien, Darfur, Ruanda, Syrien – im Osten Europas herrscht noch immer Krieg (der Krieg in der Ukraine hat nicht aufgehört, nur weil wir nicht mehr darüber sprechen)…

Man kann jetzt ausführlich darüber streiten, ob die »Siedlungen« nun gegen internationales Recht verstoßen oder nicht. (Siehe dazu auch den Beitrag »Populäre Nicht-Fakten über Israel«)
Aber haben wir schon einmal den Blick auf eine andere, relativ simple Tatsache gelenkt?

Nämlich den Verbleib der jüdischen Bewohner (ich schreibe hier absichtlich nicht »israelische«) in den Gebieten, die im Westjordanland (Judäa und Samaria?) liegen.
Einige Siedler sind nationalreligiös und möchten natürlich, dass ihr Land auf dem Staatsgebiet Israels (Medinat Israel) liegen wird. Dann gibt es andere, denen ist es wichtiger, in Eretz Israel (dem Land Israel) zu leben. Ihnen ist der Staat, der auf diesem Land errichtet wurde, nicht primär wichtig. Im Augenblick erlaubt die Sicherheit dieses Staates es, dass sie dort wohnen können, wo sie wohnen wollen. Ein solcher Vertreter war Rabbiner Menachem Froman (1945 – 2013). Er gehörte zur Gruppe Gusch Emunim, die sich die jüdische Besiedlung des Landes Israel zum Ziel gesetzt hatte. Für Gusch Emunim ist das Land Israel das Gebiet, dessen Grenzen durch die Torah überliefert wurden. Rabbi Froman war Rabbiner von Tekoa, südlich von Jeruschalajim. Einer Siedlung. Von vielen als »illegal« betrachtet. Aber Froman war überzeugter Bewohner von Eretz Israel, er setzte sich für jüdisch-islamischen Dialog ein. Seine Überzeugung war es, dass Frieden durch interreligiösen Austausch möglich wäre.
Er war überzeugt davon, auch in Tekoa leben zu können, wenn die Stadt sich in einem Staat Palästina befände. Das würde er einem Umzug in den Staat Israel vorziehen.

Und das ist der eigentliche Punkt, den man vielleicht in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken sollte:
Es ist undenkbar (jedenfalls derzeit), dass diejenigen, die die Überzeugungen Fromans teilen, in einem Staat Palästina verbleiben könnten. Sie würden das wollen, aber für die Verantwortlichen auf palästinensischer Seite ist das undenkbar.
Wie oft wurde das Grab Josefs in Nablus bereits verwüstet? Weil es ein Zeichen jüdischer Präsenz, nicht israelischer Präsenz ist?

Eine jüdische Präsenz ist generell nicht erwünscht. Zugleich wird aktiv dagegen gearbeitet, die historische Verbindung des Judentums mit dem Land Israel zu verwischen. Das sind die Punkte, auf die man sich konzentrieren sollte und auf die man eine Antwort erbitten sollte.
Dass dies nicht immer wieder thematisiert wird, das ist das eigentlich ärgerliche.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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