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Der Leiner

Die Auseinandersetzung mit den Wochenabschnitten der Torah gehört für diejenigen, die aktiv jüdisch leben, zum jüdischen Alltag dazu. Es wird, auch wenn man das vielleicht annehmen könnte, niemals langweilig (behaupte ich jetzt mal), die Torah im Herbst wieder »erneut« zu beginnen.
Zum einen, weil der Leser des Textes sich in dem einen Jahr verändert hat. Hat man im letzten Jahr etwas beiläufig überlesen, so kann es im aktuellen Jahr die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So ging es mir jahrelang so, dass ich die nüchterne Erzählung vom Verkauf Josefs zur Kenntnis genommen habe – bis sie dann plötzlich eine Emotion auslöste:
Da hat jemand gerade ein Kind verloren. Was macht das mit dieser Person? Ist das nicht eine furchtbare Nachricht?

Zum anderen aber gibt es zahlreiche Kommentare aus allen Jahrhunderten zur Torah (Raschi ist der bekannteste Vertreter). In zahlreichen Torahausgaben sind Kommentare mit abgedruckt (der von Raschi meist). Einige bieten eine ganze Reihe von Kommentaren an. Oder Kommentare zu Kommentaren. Oder auch Kommentare zu Kommentaren die Kommentare kommentieren.
Da man nicht alle kennen und kombinieren kann, gibt es, vor allem für den hebräischen und englischen Markt zahlreiche Bücher über die Wochenabschnitte in denen vollständige Abschnitte oder einzelne Sätze aus diesen analysiert und besprochen werden. Jüdische Zeitungen bieten in der Regel ebenfalls ein paar Worte zum Wochenabschnitt an (siehe ein Beispiel auf englisch hier, ein aktuelles Beispiel in deutscher Sprache hier).
Auf dem deutschsprachigen Markt sieht es jedoch dünn aus. Sowohl bei den kommentierten Torahausgaben, als auch bei den Büchern mit ausführlichen Texten zu den Wochenabschnitten. Zu groß vielleicht auch das verlegerische Wagnis, mit einem solchen Buch an den Start zu gehen. Die Zielgruppe ist ja übersichtlich. Das ist natürlich ein Markt für diejenigen, die kleine Auflagen produzieren können – on demand. Also Bücher, die dann gedruckt werden, wenn sie bestellt werden. Für jüdische Bücher in Kleinstauflage ist das eine Chance – für die Herausgeber und die Leser. Sie müssen nicht so produziert werden, dass sie auch einem großen nichtjüdischen Publikum gefallen müssen.
Bei immer mehr Büchern dieser Art kommt es zu dem Glücksfall, dass Inhalt und Gestaltung gelungen sind.

Das trifft bei Arieh Bauers»Der Leiner« Büchern nicht zu: Diese Bücher sind nicht gelungen, sondern großartig. Der Wiener Kaufmann schreibt großartige und kurzweilige Texte zu den Wochenabschnitten. Zugleich mindert die lockere Sprache nicht den Ernst und Respekt vor den großen Kommentatoren, von denen viele zitiert werden. Von Raschi zu Ibn Esra zum Chatam Sofer in wenigen Sätzen. Zahlreiche andere Kommentatoren werden natürlich ebenfalls zitiert. Alle verwoben in einen neuen Dialog über einen Abschnitt aus der Torah.

Blick in den Innenteil

Blick in den Innenteil

Ein kurzweiliges, intelligentes Werk zum Wochenabschnitt zu dem nun der zweite Teil erschienen ist. Es ist klar, dass an dieser Stelle ein Lesebefehl erfolgen muss!
Alle Informationen gibt es auf der Seite derleiner.com

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Was ist ärgerlich an der UN-Resolution gegen Siedlungen?

Auf die sozialen Netzwerke ist Verlass. Wenn man es etwas hysterisch hochkochen kann, dann wird es auch hysterisch hochgekocht. Die neueste Resolution der UN, die sich gegen einen israelischen Siedlungsbau richtete, führte zu heftigsten Reaktionen. Sowohl bei Befürwortern, als auch bei Gegnern. Die einen feierten insbesondere Präsident Obama, die anderen verteufelten ihn. Im Grunde, weil sich die USA dieses Mal enthalten haben. Frank-Walter Steinmeier lobte die Resolution.

Eine UN-Resolution gegen Israel und alle sind überrascht? Leute, jetzt mal ehrlich?!

Hinzu kommt: Um die Wirksamkeit zu verstehen, reich doch ein Blick auf die Konflikte, welche die UN in den letzten Jahren erfolgreich befriedet hat. Da wären Bosnien, Darfur, Ruanda, Syrien – im Osten Europas herrscht noch immer Krieg (der Krieg in der Ukraine hat nicht aufgehört, nur weil wir nicht mehr darüber sprechen)…

Man kann jetzt ausführlich darüber streiten, ob die »Siedlungen« nun gegen internationales Recht verstoßen oder nicht. (Siehe dazu auch den Beitrag »Populäre Nicht-Fakten über Israel«)
Aber haben wir schon einmal den Blick auf eine andere, relativ simple Tatsache gelenkt?

Nämlich den Verbleib der jüdischen Bewohner (ich schreibe hier absichtlich nicht »israelische«) in den Gebieten, die im Westjordanland (Judäa und Samaria?) liegen.
Einige Siedler sind nationalreligiös und möchten natürlich, dass ihr Land auf dem Staatsgebiet Israels (Medinat Israel) liegen wird. Dann gibt es andere, denen ist es wichtiger, in Eretz Israel (dem Land Israel) zu leben. Ihnen ist der Staat, der auf diesem Land errichtet wurde, nicht primär wichtig. Im Augenblick erlaubt die Sicherheit dieses Staates es, dass sie dort wohnen können, wo sie wohnen wollen. Ein solcher Vertreter war Rabbiner Menachem Froman (1945 – 2013). Er gehörte zur Gruppe Gusch Emunim, die sich die jüdische Besiedlung des Landes Israel zum Ziel gesetzt hatte. Für Gusch Emunim ist das Land Israel das Gebiet, dessen Grenzen durch die Torah überliefert wurden. Rabbi Froman war Rabbiner von Tekoa, südlich von Jeruschalajim. Einer Siedlung. Von vielen als »illegal« betrachtet. Aber Froman war überzeugter Bewohner von Eretz Israel, er setzte sich für jüdisch-islamischen Dialog ein. Seine Überzeugung war es, dass Frieden durch interreligiösen Austausch möglich wäre.
Er war überzeugt davon, auch in Tekoa leben zu können, wenn die Stadt sich in einem Staat Palästina befände. Das würde er einem Umzug in den Staat Israel vorziehen.

Und das ist der eigentliche Punkt, den man vielleicht in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken sollte:
Es ist undenkbar (jedenfalls derzeit), dass diejenigen, die die Überzeugungen Fromans teilen, in einem Staat Palästina verbleiben könnten. Sie würden das wollen, aber für die Verantwortlichen auf palästinensischer Seite ist das undenkbar.
Wie oft wurde das Grab Josefs in Nablus bereits verwüstet? Weil es ein Zeichen jüdischer Präsenz, nicht israelischer Präsenz ist?

Eine jüdische Präsenz ist generell nicht erwünscht. Zugleich wird aktiv dagegen gearbeitet, die historische Verbindung des Judentums mit dem Land Israel zu verwischen. Das sind die Punkte, auf die man sich konzentrieren sollte und auf die man eine Antwort erbitten sollte.
Dass dies nicht immer wieder thematisiert wird, das ist das eigentlich ärgerliche.

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Radiointerview zu Chanukka

Holzschnitt Chanukkah aus einem Frankfurter Minhagim Buch

Holzschnitt Chanukkah aus einem Frankfurter Minhagim Buch

Chanukka steht kurz bevor! In diesem Jahr fällt das Anzünden der ersten Kerze mit dem Beginn von Weihnachten zusammen. Das kann man idealisieren, romantisieren oder einfach ganz praktisch sehen: Mehr Zeit für Chanukka. Während der Zeit zwischen Weihnachten und Sylvester wird das öffentliche Leben ja ganz ordentlich zurückgefahren. Dafür beginnt in den Innenstädten die Zeit des Umtauschs und der Hektik.
Weihnachten und Chanukka: Zwei Feste, die etwas mit »Licht« zu tun haben, aber darüber hinaus inhaltlich eher weniger. Bei Chanukka geht es ja eben nicht um »Wiedergeburt« oder »Geburt«, sondern um die Bewahrung von Traditionen, letztendlich auch um die Lehre, dass es nicht auf den Effekt ankommt, also das Licht der Menorah, sondern auch um das, was dahinter steht: Man brauchte nach der Befreiung des Tempels koscheres Öl (mit dem Siegel des Kohen Gadol, des Obersten Priesters) und legte nicht einfach mit dem los, was irgendwo verfügbar war (siehe im Talmud Schabbat 21b). Tatsächlich fand man nur einen kleinen Krug. Die Makkabäer hätten zu diesem Zeitpunkt auch sagen können: »Komm, lass. Reicht sowieso nur für einen Tag.« Statt dessen haben sie zunächst das eingesetzt, was sie verwenden konnten. Auch auf die Gefahr hin, dass es vielleicht nicht ausreichen würde. Das Wunder ist, dass es funktioniert hat! Es brannte die gesamten acht Tage – bis neues Öl verfügbar war. Ein Wunder sind, genau genommen, die sieben überzähligen Tage. Aber es konnte erst zum Wunder kommen, weil jemand den ersten Schritt gemacht hat und gesagt hat: »Wir können etwas richtig machen, auch wenn wir noch nicht wissen, wohin uns das führt.«
– Wer jetzt die Metapher dahinter nicht bemerkt hat, kann ja darüber nachdenken, während er den flackernden Kerzen zuschaut.

Der WDR hat mich gefragt, wie ich bzw. wir (als Familie) Chanukka feiern. Natürlich mit dem Zünden der Kerzen, mit Ma’oz Tzur, der Erzählung der Geschichte von Chanukka, Latkesessen und Dreidelspielen, aber es gibt auch Geschenke. Wie das gemacht wird und was der Hintergrund (im Groben) von Chanukka ist, wird ebenfalls erzählt. Nebenbei erzähle ich auch, warum man die Menorah (den siebenarmigen) Leuchter in jüdischen Haushalten eben nicht verwendet, sondern nur anschaut. Natürlich wird auch auf die zeitliche Nähe von Weihnachten eingegangen. Für nichtjüdische Zuhörer/Leser ist es noch immer schwer nachvollziehbar, dass man an Weihnachten wirklich gar nichts weihnachtliches macht. Chanukka ist kein Ersatzfest (»das jüdische Weihnachten«).

Aber nun zur Radiosendung/zum Podcast:

Direkten Zugriff auf die mp3 hat man hier | mehr zur Sendung und eine Abspielmöglichkeit gibt es hier.

Um die Homestory abzurunden, hier noch ein paar Bilder vom Chanukka des Ba’al haBlog…

Chanukkah im Haus des Ba'al haBlog

Chanukkah im Haus des Ba’al haBlog

Chanukkah im Haus des Ba'al haBlog

Chanukkah im Haus des Ba’al haBlog

Chanukka-Lichter

Chanukka-Lichter

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Alle Haftarot!

Die Haftarah, also die Lesung aus den Propheten nach der Lesung der Torah, ist häufig der Anhang von gedruckten Torahausgaben für die Synagoge. Die Funktion wird natürlich auch erfüllt: Man kann die Haftarah mitlesen, aber die Haftarah bleibt hier – in der Präsentation – ein Anhang und ist deshalb, bezogen auf den Umfang, limitiert. Als ich 2014 eine kommentierte Torah als ebook und gedrucktes Buch herausgab, stand ich vor der Entscheidung, die Haftarot aufzunehmen und den Umfang der Ausgabe auf 700 Seiten auszudehnen. Dann stellte sich die Frage: Welche Haftarot sollen gezeigt werden? Nur die aschkenasischen? Auch sefardische? Warum weichen Angaben zu Haftarot von Chumasch zu Chumasch ab? Gibt es nicht noch andere Minhagim (Bräuche)? Dass es die gibt, war klar. Wie stark sie voneinander abweichen wurde deutlich, als es darum ging, sie noch in den Umfang einer Torahausgabe zu quetschen. Es war schlicht unmöglich. Dann erschien die Torahausgabe mit einer Liste der Haftarot für die meisten Minhagim. Es war geplant, die Haftarot schnell danach zu veröffentlichen. Dann aber explodierte der Aufwand. Anscheinend gab es bisher kein Buch mit allen Haftarot auf dem Markt oder den Bibliotheken. Der Aufwand sei zu groß, das Interesse zu speziell, erklärte man mir. Da Verleger ja auch ein wirtschaftliches Interesse haben, wagte das niemand. Also ein Projekt für jemanden, der kein wirtschaftliches Interesse verfolgt, sondern an der Thematik interessiert ist und versuchen möchte, auch andere dafür zu begeistern. Mit anderen Worten: Ein Projekt für mich. Für dieses Projekt gab es Zilliarden Anfragen an Rabbiner aus der ganzen Welt, an Bibliothekare, kleinere Reisen zu Archiven die nichts online stellen und alte und spezielle Torahausgaben aufbewahren.

List der Haftarot in der Encyclopedia Talmudit

List der Haftarot in der Encyclopedia Talmudit

Ich habe gelernt, dass kaum eine Gemeinde ihre Minhagim bezüglich der Haftarot aufgezeichnet hat und dass diejenigen Städte in Deutschland, die auf eine lange Geschichte zurückblicken, die überlieferten Minhagim heute nicht mehr einhalten. Dieser Effekt trat in einigen Gemeinden schon mit dem Auftauchen der ersten gedruckten Exemplare eines Chumasch auf. Die Herausgeber hielten sich natürlich an den Minhag, den sie kannten, oder den, der von den meisten Lesern befolgt wurde. In einigen Fällen wurden dadurch Fehler oder falsche Zuordnungen tradiert. Ein interessantes Arbeitsfeld. Ein großes Hilfsmittel war eine, nahezu legendäre, Liste in der Encyclopedia Talmudit mit unfassbar vielen Minhagim. Die ist schwierig zu lesen, enthält ein paar Druckfehler, ist aber wahnsinnig umfassend. Für den wöchentlichen Einsatz kaum zu verwenden.

Aber bevor es zu nerdig wird, etwas mehr zum Buch. Wie auch die Torahausgabe, basiert die Übersetzung auf der von Leopold Zunz und seinen Mitarbeitern. Sie wurde grundlegend auf Basis klassischer Kommentatoren überarbeitet und wird begleitet von Kommentaren. Diese weisen auf Besonderheiten bei der Übersetzung hin. Bei zeitlichen Besonderheiten einer Haftarah, wird in einer Einleitung darauf Bezug genommen und erklärt, unter welchen Umständen, welche Haftarah gelesen wird, so dass dieses Buch als »Kompendium« allen dienen kann, die sich mit der Haftarah beschäftigen wollen. Wann liest man was? Was liest man am Schabbat zwischen Rosch haSchanah und Jom Kippur? Die Antwort ist etwas komplexer, als man vielleicht vermutet.
Wie das ausschaut, kann man hier sehen:

Erklärung der wichtigsten Punkte

Im Anschluss an die Haftarot findet man diejenigen Anweisungen aus dem »Kitzur Schulchan Aruch«, welche die Lesung der Haftarah in der Synagoge betreffen und eine Auflistung der Textstellen mit Zuordnung zur Haftarah – auch das dürfte es nicht so häufig in anderen Werken geben. Man kann also etwa ablesen, wann ein Abschnitt aus Jeschajahu (Jesaja) gelesen wird.

Den Abschluss bilden die Brachot (Segenssprüche) vor und nach der Haftarah für verschiedene Traditionen.
Hier handelt es sich also nicht nur um ein Zusammenschrauben der Zunz-Übersetzung, sondern um eine vorsichtige Übertragung der Übersetzung von Zunz mit einem, hier darf mal ein Superlativ angedeutet werden, bisher noch nicht so häufig angebotenen Umfang.

Das Buch wird es zunächst nicht als ebook geben, nur als richtiges Buch. Das Buch hat 404 Seiten. Der Preis liegt bei 15 Euro. Es ist über mit der ISBN 9783743115453 über den Buchhandel erhältlich, oder über diese Kanäle:

Buchhandel Buchhandel.de
Auf der verlinkten Seite kann man das Buch in den Einkaufswagen legen
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Berachot über die Haftarah

Berachot über die Haftarah

Auszug aus dem Schulchan Aruch

Auszug aus dem Schulchan Aruch