Ergebnisse der Umfrage zum jüdischen Deutschland – wer war dabei? Wie ist die religiöse Zugehörigkeit?

Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Deutschland

An der Befragung zum jüdischen Leben in Deutschland haben 173 Personen teilgenommen. Zunächst also ein großer Dank an alle, die sich die sich die Zeit genommen haben, die Fragen zu beantworten. Möglich gemacht haben diese Befragung alle diejenigen, die sie in den sozialen Netzwerken, per Mail und über persönliche Ansprachen geteilt haben.
Zugleich gibt das einen wichtigen Hinweis zu den erfassten Daten. Natürlich wird hier nicht der Anspruch erhoben, repräsentativ für alle Juden in Deutschland zu sein.
Es sind zahlreiche Punkte zusammengekommen, so dass die Präsentation der Ergebnisse in mehrere Teile geteilt wird und hier nacheinander veröffentlicht wird.
Schauen wir uns also die Ergebnisse dieser Umfrage an und beginnen damit, wer sich gemeldet hat und wie es grundsätzlich mit der religiösen Zugehörigkeit ausschaut.

Repräsentativ sind die Daten nicht, aber ein kleiner Einblick.
Die Teilnehmer dieser Befragung

  • sind Jüdisch
  • Nutzer des Internets
  • interessieren sich grundlegend für jüdisches, besuchen also jüdische Informationsangebote oder sind entsprechend online vernetzt

Die Teilnehmer dieser Befragung sind nicht notwendigerweise Mitglieder einer jüdischen Gemeinde, wir werden sehen, wie viele das sind. Ein Ziel war es, herauszufinden, wie viele dieser oben beschriebenen Personen vielleicht keine Gemeindemitglieder sind und ob man aus dem Prozentsatz eine Tendenz ablesen kann. Für diese Auswertung sollten wir diese Gruppe die »Aktiven« nennen, auch wenn sie sich vielleicht nicht in den Gemeinden und Gruppen direkt engagieren. Sie sind interessiert, aber nicht unbedingt festgelegt. Die Passiven und uninteressierten erreicht man natürlich durch eine Webumfrage nicht. Vielleicht nicht einmal durch eine Umfrage innerhalb der Gemeinden.
Zu einigen Punkten konnten die Befragten selber Angaben machen. Diese werden an dieser Stelle nicht kommentiert, weil es hier zunächst um eine Präsentation der Ergebnisse geht.

Grundinformationen

Die Frage nach dem Alter haben 153 Personen beantwortet. Wir lernen, dass wir nicht von den digital natives unter 30 sprechen, sondern von ganz anderen Altersstrukturen:

Altersstruktur der Antwortenden

Altersstruktur der Antwortenden

Altersgruppe Prozent
16-20 3
21-30 16
31-45 43
45-60 27
>60 12

Jüngere Juden (unter 20) machen nur rund 3 Prozent der Antworten aus.

170 Personen beantworteten die Frage nach dem Geschlecht:
Frauen und Männer

Woher stammen die Befragten? Ein Großteil der Befragten (164 Personen haben die Frage beantwortet) wurde in Deutschland geboren:
Geburtsland

Von den Befragten (162 Antworten) haben etwas weniger als die Hälfte (42 Prozent) einen jüdischen Partner. Wichtig wäre das 68 Prozent (164 Antworten):

Ich habe einen jüdischen Partner

Ich habe einen jüdischen Partner

Jüdischer Partner ist wichtig?

Zur Religion

172 Personen haben die Frage beantwortet, ob sie von Haus aus religiös aufgewachsen sind. Man konnte auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht religiös) bis 10 (sehr religiös) einschätzen, wie viel religiöse Bildung und Praxis man zuhause erlebt hat. Die wenigsten stammen aus voll observanten Haushalten:

Religiöse Erziehung zuhause

Religiöse Erziehung zuhause

Interessant sind natürlich religiöse Ausrichtung und die damit verbundenen Fragen. Wie religiös sind die Aktiven?

Die Frage nach der religiösen Ausrichtung haben 170 Personen beantwortet – und das Ergebnis zeigt, dass die Aktiven religiös schon irgendwie gebunden sind:

Die religiöse Ausrichtung

Die religiöse Ausrichtung

Ausrichtung Prozent
Orthodox 15,3
Chabad 1,2
Konservativ 17,1
Liberal 22,9
Reform 8,8
Rekonstruktionistisch 1,2
Nicht festgelegt aber es wird etwas gemacht 20
Nicht religiös 9,4
Sonstige 4,1

Unter Sonstiges wurde eingetragen:

  • Agnostiker
  • zwischen liberal und konservativ
  • Mitglied einer Reform Gemeinde, vielleicht aber eher Masorti.… oder irgendwas zwischen allen Stühlen
  • Traditionell (mehrfach)

Konservativ kann natürlich bedeuten, dass jemand traditionell lebt oder der Masorti-Bewegung angehört. Die Frage bezog sich ursprünglich jedoch nur auf Masorti. Erst Rückmeldungen zu der Umfrage haben gezeigt, dass sich gerne traditionelle Juden, die zwar religiös leben, aber sich nicht unbedingt als orthodox bezeichnen würden, so bezeichnet werden würden. Ein paar von ihnen wären theoretisch also auch der Orthodoxie zugeneigt. Wenn man dies annimmt und die Orthodoxie, Chabad und ein paar konservative Juden hinzurechnet, dann kommt dieser Block auf etwa 16 bis 20% der aktiven Leute. Es dürfte interessant sein, diesen Wert zu beobachten.
Besonders interessant sind diejenigen, die weder orthodox noch liberal sind, sondern einfach eine Reihe von Dingen machen, aber sich nicht auf eine Strömung festlegen lassen.

Etwas grundsätzliches: Wer würde sein Kind beschneiden lassen? 169 Personen haben geantwortet. 87 Prozent der Antwortenden würden ihr Kind beschneiden lassen, 13 Prozent dementsprechend nicht.

171 Personen haben die Frage danach beantwortet, wo sie koscher einkaufen. Nur 39% der Befragten antworteten, dass sie dies nicht benötigen (Mehrfachnennungen waren hier möglich):

Wo man koscher einkauft

Wo man koscher einkauft

Unter dem Tag »Fakten zu Juden in Deutschland« folgen unmittelbar weitere Ergebnisse.

Download der Rohdaten

Download_ Jüdisch in Deutschland (Antworten) Im Idealfall fügt jemand andere Sichtweisen hinzu oder arbeitet andere Zusammenhänge heraus. Eine Adaption von Gemeinden oder Organisation für eigene Zwecke wird ausdrücklich begrüßt. Es wäre natürlich fantastisch, wenn auch diese ihre Daten teilen würden.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

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