Schnellrezension – Basiswissen Theologie: Das Judentum

2016. Basisinformationen zum Judentum kann man sich zügig zusammenklicken und wenn man Glück hat, dann gerät man an seriöse Quellen. Wenn man Pech hat, sitzt man Falschinformationen aus einer unseriösen Quelle auf. Was für ein Glück, dass es da Experten gibt, die für uns im Meer des Wissens die richtigen Zusammenhänge beleuchten und uns die relevanten Informationen zur Verfügung stellen. Das passiert gerne in Buchform. Für dieses Expertenwissen zahlen die Leser dann auch gern. Das gilt nicht nur für den breiten Markt.

An ein spezielles Publikum, nämlich an Theologen scheint sich das Buch Basiswissen Theologie: Das Judentum von Klaus Dorn zu richten und auf dieses sei an dieser Stelle zwischen all den Einleitungen in Judentum speziell hingewiesen. Es ist im Mai frisch erschienen und zeichnet sich durch ein paar Punkte besonders aus.
Da dies hier eine Kurzrezension ist, kann man leider nicht alles im Detail beschreiben.

Vorweg: Es ist vollkommen in Ordnung, ein Buch aus katholischer Sicht (Paschafest) auf das Judentum zu schreiben, aber es dürfen durchaus einmal Rückgriffe auf Literatur aus erster Hand sein. Der Autor zitiert gerne Hans Küng, der ebenfalls aus zweiter Hand berichtet und arbeitet sich Themen wie Sabbat, Kaschrutvorschriften, Sabbatgebote, Schulchan Aruch, Geographie und Geologie Israels/Palästinas. Gerne wird innerhalb dieser Kapitel andere beschreibende Literatur verwendet und zitiert.

Ein paar Höhepunkte:

  • Das letzte Kapitel über die Geographie und Geologie Israels/Palästinas auf Seite 171 bringt vollkommen unkommentiert auf der ersten Seite des (achtseitigen) Kapitels die (berüchtigte) Karte »Palestinian Loss of Land 1946 to Present« die vorwiegend von BDS-Supportern und Antizionisten zirkuliert wird. Ohne Angabe einer Quelle übrigens.Blick ins Buch Anhand dieser Karte soll in der Regel gezeigt werden, dass Israel eine Politik der ethnischen Säuberung betreibe. So ist sie als Mittel der Propaganda historisch auch nicht besonders aussagekräftig. Von 1948 bis 1967 zeigt die Karte einen palästinensischen Staat der aus dem Gazastreifen und Judäa und Samaria besteht. Der Gazastreifen war aber seit 1948 von Ägypten besetzt und Ostjerusalem, Judäa und Samaria waren noch von Jordanien besetzt. (Siehe auch hier »Antizionistischer Kartentrick«). Von der Bedeutung Israels für das Judentum im Laufe der Jahrhunderte wird hingegen kaum berichtet und die Karte nur lapidar mit »Palästinensische und Israelische Gebiete zwischen 1946 und 2000« unterschrieben. Eine gleiche Karte wurde kürzlich von einem amerikanischen Schulbuchverlag versehentlich abgedruckt und anschließend zurückgezogen.
  • Das Kapitel aus der Beschneidung ist kurz gehalten. Zur Bedeutung für das moderne Judentum erfährt der angehende Theologe kaum etwas. Dabei gäbe es einiges dazu zu sagen. Dafür enthält das Buch einen Verweis auf die jüngste deutsche Diskussion darüber und endet mit dem Bild eines »türkischen Jungen am Tag seiner Beschneidung« auf dem ein, etwa 12 Jahre alter Junge in einer Moschee gezeigt wird. Der Zusammenhang zur Beschneidung am achten Tag erschließt sich dem Leser hier nicht direkt. Es wird nur eine gewisse Gemeinsamkeit angedeutet – jedenfalls könnte der Leser auf die Idee kommen, auch im Judentum beschneide man derartig spät.
  • Im Kapitel über die historische Entwicklung des Judentums begegnet dem Leser eine »Karte der Diadochen« und als Quelle wird »Captain Blood, 2015« angegeben. Was möchte der Autor uns damit sagen? Wer ist Captain Blood?
    Vermutlich wollte der Autor damit eigentlich sagen, dass er eine Karte von Wikimedia Commons verwendet (diese hier). Darauf wird jedoch nirgends verwiesen. An dieser Stelle ein klarer Verstoß gegen das Urheberrecht. Die Karte wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz »Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert« veröffentlicht. Das bedeutet eben nicht, dass es ausreicht, den Urheber zu nennen, sondern man muss (deutlich) auf die Weiternutzbarkeit hinweisen. Studenten wären vermutlich dazu angehalten, hier genauere Angaben zu machen. Vom Verlag könnte man verlangen, dass er sauber angibt, woher das Bildmaterial stammt.
  • Auch die Erwähnung der modernen Orthodoxie wird auf den Namen Soloveitchik heruntergebrochen. Ansonsten kaum eine Information zum Hintergrund. Dabei könnte man annehmen, dass gerade Theologen sich vielleicht für die Positionen der einzelnen Gruppen und Strömungen interessieren.

Die Höhepunkte sprechen für sich. Nicht nur das Internet hält Informationszusammenstellungen unterschiedlichster Qualität bereit.

Basiswissen Theologie: Das Judentum
von Klaus Dorn
192 Seiten
utb, 2016
19,99 Euro

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, das Feedback vom Verlag würde mich auch sehr interessieren, denn es gibt noch weitere Punkte, die die Frage aufwerfen, ob es kompetent lektoriert wurde. Z.B. folgende:
    Was steht hinter dem Eintrag “Christen in Israel” im Glossar? Ganz abgesehen davon, ob eine solche Erläuterung in dieses wissenschaftliche Buch gehört, hätte der Autor das, was ihm ‘glaubhaft versichert’ wurde, auch durch Quellen belegen können.
    Auf Seite 180 (Glossar zu ‘Gottesfürchtige und Proselyten’) wird postuliert: “Das Judentum zur Zeit Jesu war im Gegensatz zu heute missionarisch ausgerichtet” und dabei auf die polemische Stelle in Mt 23,15 verwiesen. Dass diese Frage umstritten ist und Mt 23,15 der einzige (?) und daher sehr problematische Beleg für eine aktive Missionstätigkeit der Juden zur Zeit Jesu ist, wird verschwiegen. Die Formulierung: “Nun ist ja der Wechsel zum Judentum mit einem gewissen Eingriff beim Mann verbunden.” tönt auch etwas verklemmt, und gehört nicht in ein wissenschaftliches Buch.
    Dass das jüdische Gebetbuch auf Seite 186 “Sidur Sefar Emet” (statt: “Sefat”) heisst, wirft auch die Frage auf, ob er diesen Text von einer Webseite kopiert hat, ohne ihn am Original zu überprüfen.

    Andreas Rusterholz

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  2. Der Fokuswechsel in einem Buch über das »Judentum« vom Judentum auf den Staat Israel als politische Einheit ist interessant.; denn eigentlich fehlt eine stabile Überleitung zwischen den Themen. Was dann die Situation der religiösen Minderheiten im modernen Staat Israel betrifft: Da finde ich direkt keine Verbindung.

    »Sidur Sefar Emet« lässt sich schnell überprüfen: http://buber.de/cj/judaica/18bitten

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  3. Das Buch enthält erstaunlich viele Fehler und fehlende Angaben. Schau mal auf http://www.utb-shop.de/autoren/dorn-klaus/basiswissen-theologie-das-judentum-8898.html dort sind Lesern auch schon Dinge aufgefallen. Lustig: Die Quran-Essener statt die Qumran-Essener.

    Minjan – der kommt nicht aus der Mischna sondern aus dem Talmud. Da irrt der Professor
    Katz steht nicht für Kohen Tzadik sondern für Kohen tzedek.
    Die Mehrzahl von Kohen ist nicht Kohenim
    Teffilin sind keine Lederriemen. Es sind die kleinen Kästen auf Kopf und Arm.
    Responsen hat man an die Führer in Babylon gerichtet. Nein. Hat man nicht . Responsen gibt es heute immer noch.
    Ein Kiddusch leitet den Schabbat nicht ein etc. etc.

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