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Wieder fünfstellig

Mitgliederzahlen der Jüdischen Gemeinden 2015

Mitgliederzahlen der Jüdischen Gemeinden 2015

100.437 Mitglieder hatten die Jüdischen Gemeinden im Jahr 2014 – sechsstellig. Im Jahr 2015 wurde die Mitgliederzahl wieder fünfstellig mit 99.695 Mitgliedern.
2003 erreichte überschritt die Anzahl der Gemeindemitglieder die Marke 100.000 – 2007 dann der Höhepunkt mit 107.330. In nur 8 Jahren 7.635 Mitglieder weniger. Das entspricht schon einer sehr großen Gemeinde. Wir sind heute ungefähr auf dem Stand von 2002. Wie in den letzten Jahren muss man fragen, ob man nicht ernsthaft die Infrastruktur downsizen sollte. Vielleicht die Synagogen kleiner planen als heute notwendig, nämlich so, dass sie auch in 10 Jahren unterhalten werden können.

Heute sind 53% aller Gemeindemitglieder älter als 60 Jahre alt:

Altersstruktur der Mitglieder 2015

Altersstruktur der Mitglieder 2015

Schlechte Zeiten übrigens für Junge Männer und gute Zeiten für junge Damen: Bei den unter 30jährigen gibt es einen klaren Männerüberschuss. Werden diese jungen Männer ins Ausland gehen? Alle Männer über 30 müssten eigentlich auf ein Überangebot treffen.

Die wichtigsten Eckdaten seit 2013 im Vergleich:

2013 2014 2015
Geburten 250 243 277
Sterbefälle 1244 1335 1476
Übertritte 70 68 59
Austritte 418 528 422
Einwanderer 444 652 674
Auswanderer 150 169 142

Von den 422 Austritten entfallen 109 nur auf die Gemeinde Berlin.

Interessant wäre es nun, wenn man eine Übersicht über die Mitgliedszahlen der beiden Adass Jisroel Gemeinden in Berlin hätte und die Anzahl der Israelis in der Stadt irgendwo verlässlich ablesen könnte. Von ihnen dürften die wenigsten Mitglied der Jüdischen Gemeinde Berlin sein. Dort hat man aber zumindest in zwei Synagogen Erfolge verzeichnen können. In den Synagogen Rykestraße und Fraenkelufer scheint man die jüngeren Generationen ins Boot geholt zu haben. Die Synagogen scheinen also besser besucht zu sein, wohingegen die Mitgliederzahl der Gemeinde kontinuierlich sinkt. 2014 waren es noch 10.009 Mitglieder 2015 waren es nur noch 9.865. Zugänge aus dem Ausland sind für das Jahr 2015 mit 0 beziffert.

Alle Daten kann man in der Statistik der ZWST nachlesen.

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Abschalten

Vorbereitungen für Schabbat
Immer online. Dass man sich darüber überhaupt noch Gedanken macht, ist schon vollständig altbacken.
Das muss man jetzt gar nicht bashen. Informationen und Benachrichtigungen sind jederzeit und nahezu überall verfügbar. Das, was über facebook, twitter und feedly eintropft kann nützlich sein – wenn man die Quellen vernünftig zusammengestellt hat und nicht ständig Selfies in der Timeline hat.
Derartiges kann natürlich auch eine Verweigerungshaltung auslösen. Ein »Zurück-zum-Telefon-ohne-Zusatzfunktionen«. Kann man machen, aber es hält den Fortschritt nicht auf. Eine andere Seite dieser Medaille ist die Rückkehr zur Haptik. Die Vernetzung und die schnelle Übermittlung von Informationen, die Möglichkeit schnell Gleichgesinnte finden zu können, bringt neue Offline-Medien hervor. Der Markt mit Magazinen (also gedruckten) wird vielfältiger. Immer mehr spezielle Themen werden behandelt und immer aufwändiger wird die Produktion. Hochwertiges Papier, schöner Druck. Etwas für die Hand.

Man muss dem also nicht vollständig den Rücken kehren, wenn man das Gefühl hat, man muss mal raus aus der ganzen Geschi. Jüdinnen und Juden kommt es entgegen, dass man einmal in der Woche (von Freitagabend bis Samstagabend) die Möglichkeit hat, den Fokus ein wenig zu verschieben. Jetzt könnte man ein brennendes Plädoyer für den Schabbat schreiben, der eigentlich weniger ein Tag off ist, als vielmehr eine Erinnerung daran, dass G-tt der Schöpfer der Welt ist. Ein Plädoyer soll das hier aber nicht werden. Nur ein Satz dazu – von Abraham Jehoschua Heschel: Der Blickwinkel verändert sich von der »world of creation« zur »creation of the world«. Es geht an einem Tag nicht darum, selber produktiv zu sein.
Dass man offline geht, ist ein interessanter Nebeneffekt. Natürlich bedeutet das, dass man plötzlich ablenkungsfrei ist.
Dazu gibt es nun sogar ein Hilfsmittel für das Telefon. Die Friday App sagt dir am Vorabend des Schabbat Bescheid, nicht über eine religiöse Schiene, sondern eher säkularisiert. Die App scheint auszulesen, wann in der Umgebung des Besitzers die Sonne untergeht und erzeugt entsprechend 30 Minuten vor Sonnenuntergang eine Push-Nachricht.

Friday App - Sonnenuntergang

Friday App – Sonnenuntergang

Öffnet man die App, hat man die Möglichkeit, sich mit einem Text auseinanderzusetzen:
Unplug
Ein Archiv der Texte gibt es übrigens hier.

Anschließend wird der Bildschirm schwarz und das Telefon schläft (man kann es natürlich jederzeit wecken). Rund wird die Sache aber nur, wenn man die Datenfunktion seines Telefons deaktiviert oder es gleich vollständig ausschaltet.

Ein nettes Werkzeug, wenn man sich vorgenommen hat, mal etwas kürzer zu treten, aber es dann doch nicht macht weil der Impuls fehlt. Hier also zunächst eine ausdrückliche Empfehlung. Für beides: Einmal ein paar Stunden offline zu bleiben und es sich vielleicht mit der App etwas einfacher zu machen. Erschreckend ist es dann, wenn man nach einem Tag wieder online geht und das Gefühl hat, man habe nichts verpasst. Das ordnet vielleicht viele kleine Dinge wieder etwas anders ein…

Nichtjuden könnten den Sonntag wählen – allerdings ohne smarte App…

Bild oben: Vorbereitung zum Kiddusch im Haus des Baal haBlog. Mit Rödelheim-Siddur – der heute eine besondere Nostalgie ausstrahlt, wird er heute doch kaum noch verwendet.

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Bejt Din für Nordrhein-Westfalen

Seit Januar gibt es in (und für) Nordrhein-Westfalen ein Bejt Din (ein rabbinisches Gericht). Eine entsprechende Mitteilung wurde heute (10. April 2016) veröffentlicht. Allerdings ist dieses Bejt Din kein Bejt Din von Gemeinden oder Organisationen, sondern mit Rabbinern mit verschiedenen Hintergründen besetzt sein. Einer von ihnen ist Rabbiner Chaim Barkahn, der in Düsseldorf Chabad aufgebaut hat. Derzeit dürfte er der dienstälteste Rabbiner in Düsseldorf sein. Seine Kollegen aus der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wechselten in den letzten Jahre einige Male. Wer die anderen Rabbiner sind, wird wohl nach Pessach offiziell bekannt gegeben.
Das Bejt Din hat angekündigt, sich mit allem zu beschäftigen, was ein Bejt Din so zur Aufgabe hat:
Scheidungen, Klärungen des jüdischen Status, Kaschrut-Aufsicht, monetäre Angelegenheiten sowie Konversion zum Judentum.
Die Neueröffnung eines neuen koscheren Restaurants in Düsseldorf in diesen Tagen (Rimon) steht schon unter der Aufsicht dieses Bejt Din.
Die 30.000 Juden des Bundeslandes könnten sich also nun an eine zentrale Anlaufstelle in Düsseldorf wenden und wären theoretisch nicht mehr darauf angewiesen, sich durch die Gemeinden und Gemeinderabbiner zu fragen – zumal nicht alle Gemeinden einen eigenen Rabbiner haben. Die Zusammensetzung soll wohl auch sicherstellen, dass kein Geschmäckle entsteht, wenn Gemeinderabbiner X sich mit seinem Gemeindemitglied Y beschäftigen soll, oder Jude X kein besonders gutes Verhältnis mit der Gemeinde hat, bei der Rabbiner Y angestellt ist. Das soll schon vorgekommen sein.

Ob die Gemeinden begeistert reagieren, wird sich zeigen. Jedenfalls müsste kein ad hoc Bejt Din mehr zusammengerufen oder organisiert werden – wenn Bedarf ist.
Gespannt darf man sein, welche Namen nach Pessach dann noch genannt werden und wie das die Entwicklung der Gemeinden insgesamt beeinflussen wird.

Praktische Information: Anfragen werden in deutscher, russischer, hebräischer, englischer und jiddischer Sprache entgegen genommen.
Zu erreichen wäre der Bet Din NRW Telefon 0211 – 514 4191, Fax 0211 – 514 4190 oder unter der Emailadresse bet.din.nrw@gmail.com