Stolpersteine Ja, Nein, Vielleicht

Stolpersteine:
Es gibt Orte, an denen werden sie verlegt.
Es gibt Orte an denen werden sie nicht verlegt.
Jüngst gab es erneut eine Meldung aus München darüber, dass die Stadt eine Verlegung nicht wünscht. In so mancher Stadt sind erneut Diskussionen darüber entbrannt. Oft, weil Lokalzeitungen natürlich vor Ort geforscht haben, ob das Münchner Votum irgendetwas an der Haltung geändert haben könnte.

Hier ein paar Dinge, die man in der Diskussion darüber und vielleicht bei der Verlegung beachten sollte. Weil die Welt nicht Schwarz-Weiß ist, ist es diese Liste auch nicht. Falls also jemand nur Pro-Argumente abfischen will: Sorry.

  • Die Stolpersteine sind eine Form des Gedenkens, sie sind kein Projekt, welches andere Formen der Erinnerung ausschließt (»Aber wir haben doch schon Stolpersteine verlegt!«).
  • Die Stolpersteine sind aber auch nicht DIE Form des Gedenkens. Es werden im Laufe der Zeit sicherlich neue Formen entstehen.
  • Das Argument »Jude XY hat gesagt« oder »Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde XY-hausen ist auch dagegen« hat keinen Bestand. Kein Jude spricht für alle anderen. Während die Vorsitzende der Gemeinde München Charlotte Knobloch das Projekt vollständig ablehnt, hat die Jüdische Gemeinde Düsseldorf dem Vater des Projekts, Gunter Demnig, einen Preis verliehen (hier|hier).
  • Einwände von Angehörigen oder Verwandten derjenigen, deren Namen auf den Stolpersteinen stehen werden, sollten hingegen ohne jede Rückfrage respektiert werden. Das versteht sich vermutlich von selbst. Auch wenn man die Argumente für falsch hält.
  • Der Verleger der Stolpersteine ist kein Heiliger. Er hat, wenn man das so ausdrücken kann, eine Exklusivrecht auf diese Form des Gedenkens. Ob ein Stein verlegt wird oder nicht, liegt letztendlich auch an ihm. Es wäre sicherlich nicht schlecht, wenn eine demokratische Art des Gedenkens (siehe nächsten Punkt) nicht von einer Einzelperson abhängt. 2011 kündigte Demnig an, in Hannover keine Steine mehr verlegen zu wollen.
    Es ist nicht einleuchtend, warum die Öffentlichkeit dieses de facto Monopol nicht hinterfragt und nicht einen Bruch verlangt. Es soll sich ja auch um ein Kunstprojekt handeln und was ist das für eine Kunst, die nur ein Künstler schaffen darf?
  • Die Stolpersteine sind eine Form des Gedenkens, an deren Realisierung viele Einzelpersonen oder Gruppen mitwirken können. Es braucht keine übergeordnete Instanz, die eine Verlegung beauftragt. Wenn man so will, eine demokratisierte Form des Gedenkens – und eine dezentrale.
  • Die Stolpersteine werden von den Bewohnern eines Ortes (oder einem Teil der Bewohner verlegt) und regen damit auch einen kleinen gesellschaftlichen Prozess an. Man muss sich mit den Menschen, deren Namen auf den Steinen steht, beschäftigen.
  • Die Stolpersteine sollten aus der Gesellschaft kommen – deshalb sollten unter keinen Umständen die Nachfahren oder Verwandte derjenigen, deren Namen auf den Steinen stehen wird, für sie zahlen müssen – oder gar die Verlegung organisieren. Das ist Aufgabe der Gesellschaft.
  • Wo wir bei der Verlegung sind:
    Wenn diejenigen, deren Namen auf den Steinen stehen wird, nicht gerade aus Osteuropa stammen, ist Klezmermusik wirklich deplatziert. Klezmer ist nicht DIE jüdische Musik.
  • Wo wir gerade von Kitsch sprechen:
    Auch Paul Celans »Todesfuge« ist durch ihren übermäßigen Einsatz für derartige Zwecke nicht unbedingt zu empfehlen. »Jeder Mensch hat einen Namen – Lechol isch jesch schem« (Download hier) der Dichterin Zelda Schneersohn Mischkovsky passt in den Kontext schon eher. Man bringt mit den Stolpersteinen den Namen einer Person wieder zurück in die Öffentlichkeit.
  • Die Stolpersteine sind keine Grabsteine. Sie sind als solche dementsprechend auch nicht zu behandeln.
  • Ja. Man kann über sie hinweggehen und sie werden als Teil des Bodenbelags auch den gleichen Belastungen ausgesetzt. Sie können bespuckt werden oder Hunde können sich auf ihnen entleeren. Auf der anderen Seite: Man kann sie nirgends herunterreißen und nicht umstürzen.
  • Stolpersteine halten lange, aber nicht ewig. Die Messingplatte wird irgendwann abgewetzt sein. Der Text wird unleserlich etc.
  • Wer eine Erinnerungstafel schänden will, wird das tun. Ganz gleich wo sie hängt. Solchen Personen wird es auch gelingen, einen Stolperstein zu beschädigen.
  • Das sind einige Punkte zu den Stolpersteinen.
    Ein Ende wird die Diskussion erst dann haben, wenn auch das Projekt nicht weitergeführt wird. Vielleicht weil Gunter Demnig eines Tages nicht mehr weitermacht oder vielleicht, weil es eine neue Form geben wird, die einen breiten Konsens findet.

Chajm

Chajm ist nicht nur Autor dieses Blogs und Bewohner des Ruhrgebiets, sondern auch Herausgeber von talmud.de und Organisator des Minchah-Schiurs im Ruhrgebiet. Einige seiner Artikel gibt es nicht nur im Internet, sondern beispielsweise auch in der Jüdischen Allgemeinen. Über die Kontaktseite kann man Chajm eine Nachricht senden. Man kann/soll Chajm auch bei twitter folgen: @chajmke. Chajms Buch »Badatz!« 44 Geschichten, 44 zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag, gibt es im Buchhandel und bei amazon.

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Stolpersteine.

    Die von G. Demnig geäußerte Absicht die “Steine” als “Kunstform” zu verlegen (dieses entnehme ich dem hier vorliegendem Text) ist meines Erachtens ein Argument gegen diese Form des “Gedenkens”. 

    Die brutale Verschleppung von Menschen, dh. ganzer Familien, in die Mörderlager als “Kunstform zu Gedenken” grenzt schon an ein perverses Verständnis des Umgangs damit.

    Daß viele Deutsche, wie auch immer, diese Form des Gedenkens ablehnen, obwohl der Günter einer von ihnen ist, spricht auch nicht für die Verlegung der Steine. 

    Daß viele Deutsche sich dafür einsetzen spricht auch nicht dafür, solange ihre Steuergelder in den Truhen diverser Mörderbanden (vulgo Terroristen, oder: Regierungen) verschwinden, die mit aller Sorgfalt daran arbeiten weiterhin Juden zu ermorden, am besten alle. 
    Kein Geheimnis diese Absicht, außer dem geneigten “Menschenfreund”, der das Judentum nicht so recht einzuordnen weiß. Also doch in den Gehweg?
    Meiner Meinung nach nicht.

    Ex-Nazis oder Neo-Nazis mag man so mit nekume die Konsequenz ihrer Taten (Gedanken) vorhalten; aber das ist ganz schlicht -meines Erachtens- kein jüdischer Umgang mit “Gedenken”. 

    Judentum, nebenbei, ist auch keine “Kunstform”, wo man mit einem Strich quer über die Leinwand einen neuen Pfiff hineinbringt um sich Aktionskünstler zu nennen.

    Wenn Angehörige sich solchen Stein wünschen, ihn jedoch nicht bezahlen können, dann könnte theoretisch die (Stadt-, Land-, …) Gemeinde dafür aufkommen. 
    Wenn diese nicht kann (oder will), weil die Gelder schon im Säckl der Hamas oder Fatach landeten, dann kann man die (Stadt-, Land-…) Gemeinde nicht dazu zwingen, es sei als amerikanische oder russische (oder sonstige) Besatzungsmacht. 

    Und ja, daß diese Steine nicht nur dem Wetter und dem menschausführendem Hund ausgesetzt sind, sondern auch dem verächtlichem Speichel (wenn’s zB Urin ist, dann ist es dennoch nicht der Stoff der zählt, sondern die Absicht der Tat) der Täter (-Gutheißer); 
    meines Erachtens schlicht widerlich.

    Nur das Argument im vorliegenden Text stimmt auch, wir -Juden- brauchen keine “Angriffspunkte” bieten, um ohnehin von Judenhassern verachtet zu sein. 
    Mit oder ohne Künstlers Hilfe.

    Eine kurze Geschichte aus Hamburg.
    Wo ich zu Besuch bei meinem Cousin mit ihm durch die Stadt flanierte. 

    An einem Stein hielten wir inne uns zu unterhalten zu eben jenem Thema.
    Eine Obdachlose, durchaus verwahrlost im Anblick, in der Ecke eines Hauseingangs eingerichtet, ließ uns ihren Frust spüren, als sie uns ansprach. Oder fauchte?
    Dieser arme Mensch nahm die Steine zum Anlaß, um sich verächtlich zu selben (und damit zur ganzen Angelegenheit an sich) zu äußern. 

    Mein Cousin, eher (im Verbalen) der ruppige Typ, feuerte zurück. 
    Aber hey, die Frau lebte bei Minusgraden draußen, wir trafen sie in ihrem Basislager in einem Hauseingang, in welchem einst Juden wohnten, die man verschleppte um sie zu ermorden. 

    Die Frau jedoch hatte andere Sorgen, und ich vermute, daß sie die Tragweite ihrer antisemitischen Frustäußerungen nicht begriff. Oder daß es ihr -gerade mal- egal war.

    Der Stein an solcher Stelle, denke ich mir jedoch persönlich, soll er (sarkastisch formuliert) jener Frau vermitteln, daß es ihr doch gut ginge im Vergleich zu…?

    Meinen Cousin zog ich da weg, nur weiter.
    Wir überließen also den Stein “dem Feind”. 

    Denn ich persönlich halte überhaupt nichts davon unsinnige (unnötige) Kämpfe zu führen. 
    Das ist gewissermaßen nicht nur der pure Luxus (bei allem Verständnis für uns und dem Tod unserer Familien), sondern zudem unnötig gefährlich, also unvernünftig.

    Auch glaube ich, daß der “feurige Israeli” (also lebender Jude im Judenstaat) ganz genau meine Haltung versteht, während so manch anderer meint, man müsse immer zurück feuern. 

    Nu, wenn das Feuer nur Metapher ist, mag es ein Spielchen bleiben. Aber die Energie dahinter (Frust Zorn, oder Verachtung…, usw?) ist nicht geeignet etwas gutes zu erzwingen. 
    Meine Meinung. 
    (Ende der Geschichte.)

    Meine Meinung: wenn es nicht Angehörige gäbe, die Demnings Idee für gut hießen, dann sollte man das Stolpern über Kunstprojekte lassen. Zumindest im Zusammenhang mit dem industriellem Massenmord an Juden (usw), denn wir reden nicht von einer Geschäftsform oder einer “intelligenteren Kunstform Menschen zu ermorden”.

    Wir reden von Menschen, Frauen, Kinder und hilflose Männer die ihre Familien gegen die Übermacht gut bewaffneter Menschenfeinde nicht verteidigen konnten. Alleine das schon der absolute Horror!

    Wir reden von Frauen (beschreibe ich jetzt nur ein abgekürztes Bild!), die an ihren Haaren aus den Wohnungen über die Straße zu den Fahrzeugen geschliffen wurden, von wo aus es gleich weiter Richtung Mörderlager ging. 
    Vorbei an ausgespuckter Zustimmung der Gaffer (die verstummten hat man nicht gehört).
    Wir reden von den weinenden Kindern jener Mütter, die absolut nicht begreifen, was da überhaupt vorgeht. 
    Die in kindlichem Gemüt nicht begreifen können!
    Das Kind: ein Menschensack voller “gefrorenem” Blut und Hilflosigkeit, vor allem aber eines: SCHMERZ – SCHMERZ – SCHMERZ. 
    Seelenqual, Herz zerrissen.

    Und der Tod, der kommt dann erst viel später, nach viel Schmerz, Qual, Pein und Nichtbegreifen dessen, was tatsächlich passiert. 
    Zu derlei Unfähigkeit in solchen Zeiten braucht man nicht Kind sein.

    Nur mal versuchsweise beschrieben, damit man “industriellen Massenmord” nicht mit Teddybären auf den Regalen eines gut gehenden Kaufhauses verwechseln möge.

    Gedenken daran soll also Kunst sein? 
    So wie ein künstliches Lächeln, oder kunstvoll dargestellte Trauer? 
    Wer’s mag…

    (Nur, es ist -meine Meinung- nicht im Dienst unserer, der Ermordeten nicht, und nicht der schwer traumatisierten und oftmals noch körperlich für den Rest des Lebens schwer beeinträchtigten Überlebenden. 
    Nur mal so erwähnt, falls einige meinten, daß die Ermordeten ach so schreckliche Qual noch hätten, wenn sie Teil des Grabs in den Lüften wurden…

    Manche streiten bis heute über die genaue Anzahl der Ermordeten durch Nazi-Mordmaschine.
    Aber wer redet eigentlich von den Leuten, die überlebten?
    Man tut so, als seien sie davon gekommen. 
    Ala: “Puh, gerade nochmal gut gegangen!
    Daß ich jetzt blind, entmannt und zudem in Seele gebrannt bin? Boj, nur ein ein Kratzer! Lächerlich! Die Familie ermordet? Leute, wir sterben alle irgendwann!!”
    Oder was?!

    Zum Glück, trotz aller Pein, etliche haben’s geschafft ins Leben zurückzufinden; andere, nu, andere haben die Qual nicht überwunden, und an Kinder wie Kindeskinder weiter “vererbt”, nicht absichtlich selbstverständlich. 
    Und was das genau für Konsequenzen für die Leben der Nachkommen hat, es ist mir an dieser Stelle zuviel, um es zusätzlich zu umschreiben (und bin ich doch nur einer, von vielen vielen!)
    So bleibt das Leben, aber die Familie hatte nie mehr eine Chance.

    (ps/ was mich am Umgang mit dem Wort “Kunst” auch anstößt, nicht daß ich stolperte: im Privatleben betreibe ich sogenannte “Kampfkunst”. 
    Hat nichts mit Gedenken zu tun, aber das Wort “Kunst” hat doch eine eigenartige Beliebigkeit, nicht wahr?)

    – – –

    OT.
    Apropos Familien:
    was die EU an Gesetzen erläßt, es betrifft nicht nur jüdische Familien, muß man zugeben.
    Hier das pdf zu einem baldigst umzusetzenden Gesetzesentwurf, ich nenne es frei interpretierend: “Toleranz-Erzwingungsgesetz”.
    Es definiert “Toleranz”, gibt vor “Hate-Speech” im Internet strafrechtlich zu verfolgen, stellt ua. Antisemitismus auf die selbe “Hate-Speech”-Stufe, wie die iranische Definition, die die sogenannte “Islamophobia” erfand.

    “Islamophobia”, auch so ein Stolperstein, wie?
    Vom (Mullah-) Iran direkt in die zu bildene EU-Gesetzgebung, das hat was.
    http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/libe/dv/11_revframework_statute_/11_revframework_statute_en.pdf

    (Sind “nur” 12 Seiten, aber in diesem Fall ist es wohl nicht falsch, jede Seite dreimal zu lesen. Soweit bin ich aber noch nicht, kostet eben trotzdem Zeit und Mühe. 🙄

    Nur ein (weiterer) Stolperstein der Geschichte?

    Seid wachsam, chasak weemaz.

    A.mOr.

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    • Kunst? Es gibt doch natürlich Kunst mit Bezug zur Schoah und vieles, was sich mit Erinnern etc. auseinandersetzt. Auch in Literatur, Musik und Film.
      Das halte ich für unproblematisch.
      Das Finanzamt Köln betrachtet die Steine übrigens nicht als Kunst, sondern als »Massenproduktion« und die wird anders versteuert. Erst durch politische Intervention wurde der Mehrwertsteuersatz für Kunstwerke wieder angesetzt. Der liegt bei 7%. Der Staat verdient also mit.

      Antworten

      • Nu, im Prinzip sage ich doch auch nur, daß ich die Haltung von Charlotte Knobloch (zB) nachvollziehen kann, genauso aber nachvollziehen kann, wenn andere Jiddn diese Form des Gedenkens gutheißen und befördern.
        Ja, nein, vielleicht, nu. 😉

        Allerdings, und sicher ohne Neid, finde ich es bedauerlich, wenn dieses Gedenken einem Nichtjuden (der’s zwar erfand und konsequent ausführt) übertragen ist. 
        Nicht persönlich gegen den Günter gerichtet. 
        Wenn so mancher Deutsche meint, daß es zuviel sei etwa mit Stolpersteinen (schon stolpert einer), dann wird Günter “zum Juden”, wenn Juden sich dagegen aussprechen, dann finden wir wieder berüchtigte “jüdische Undankbarkeit”.

        Es bleibt also beim status quo, so ist anzunehmen. Annehmend, daß Günter das alles sehr ernst nimmt (oder auf dem Weg es erlernte ernstzunehmen?) wünsche ich auch ihm gutes Leben ad mea weesrim.

        Nur im Herzen, ungesehen als nur B’H, dort ist nichts verborgen, in jedem von uns, einzeln, und zusammen.

        Beste Grüße. 😉

        Hey, ich bin doch auch Künstler! 😃

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      • Ja, ich habe mich gegen meinen Eindruck erwehrt, daß Kunst und Schmerz in Gedenken gemischt sein könnten, dabei weiß ich zu genau genauer.
        Danke, Chajm, für die Steuererklärung. 😉

        Oh, hätte meinen Text wohl auch bündeln sollen, wie verfahren! 🙂

        Und wohl bekomm’s dem Staat, der hat sich Gedenken-Steuer sicher redlich gedankt. 😛

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  2. Mich stört an den Stolpersteinen als Gedenkform recht wenig, zumal diese Form des Gedenkens an die Opfer der Schoa im öffentlichen Raum älter ist als das bekannteste Beispiel der kleinen Messingplatten.
    Dies berührt zugleich aber auch meinen einzigen Kritikpunkt an den Stolpersteinen Gunter Demnigs. Diese hat er sich – wenn ich recht informiert bin – als Kunst- und Gedenkform patentieren lassen, was meines Erachtens nach den Ansprüchen eines öffentlichen, von den Menschen getragenen und gestalteten Gedenkens nicht gerecht wird und bei mir einen bitteren Beigeschmack hinterlässt.

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  3. Weiß denn eigentlich jemand mehr über die Gemengelage in der IKG München diesbezüglich?
    Es bleibt oftmals – womöglich zu Unrecht – der Eindruck hängen, dass die Ablehnung der Stolpersteine vor allem ein persönliches Projekt von Frau Knobloch sein könnte, die sich in der Frage verständlicherweise der Unterstützung der Stadtpolitik sicher sein kann.

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  4. “Stolpersteine” hin, “Holocaust-Mahnmal” her! Holy Moses! Ich frage mich, wieviele Gedenkstätten und Mahnmale braucht es denn noch? Schon jetzt gibt es davon ja reichlich! Auf der ganzen Welt im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen!

    Schauen wir doch statt dessen lieber einmal nach vorne und wenden wir uns gezielt den Problemen der Gegenwart zu. Auch davon gibt es mehr als genug! Wenn wir nur halb so oft zurückblicken würden, dann könnten wir doppelt so lang nach vorne sehen!

    Shalom

    Miles

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    • Hi Miles,
      kenne deine Vergangenheit, erkenne den Morgen, heute. 
      Bin auch der Meinung, daß man Symbole des Gedenkens nicht als Götzen verehren sollte. 
      Ist jedoch mehr so ein Thema von Nichtjuden, oder?
      Jedoch das Thema an sich ist doch bedenkenswert, so zwischen morgen und gestern, nein?

      Nu, die Gedenksteine von gestern, deuten sie nicht auf die Gedenksteine von morgen? 
      So gesehen hast Du recht.

      Schalom schalom, A.mOr.

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    • @Miles: Das ist ja kein Thema, welches die Gemeinden sich ausgesucht haben.
      Ja – man soll/muss (Sachor! heißt es doch) gedenken, aber auch nach vorne schauen und nicht im Blick nach hinten erstarren (geschickte Anspielung meinerseits auf die Torah, was?) – das ist schon korrekt. Trotzdem muss man manchmal den Blick wagen, damit man das, was kommt, besser einordnen kann.

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  5. Hi A.mOr,

    recht hast Du! Trotzdem, wie wäre es in D zur Abwechslung mal mit einem “Mahnmal” mit Themen wie diesen: ‘Juden gegen Krieg’ / ‘Juden pro Flüchtlinge’ / ‘Juden gegen Diskriminierung von Schwulen und Lesben’ / ‘Juden für die Menschenrechte’, oder so ähnlich. Ich würde mir das sehr wünschen und für ein solches Mahnmal auch gerne spenden.

    Shalom

    Miles

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    • Moinsen Miles, 

      also “Mahnung pro statt contra”?
      Für die Lebenden anstelle den Verstorbenen?

      Nu, ich denke, das schaffen wir nur indem wir weitermachen. 
      ZB *schmunzel* wie Chajm
      hier…
      Braucht es dazu ein Denkmal? 
      Will nicht pessimistisch klingen, aber wer würde das wollen? Und von unserer Seite doch auch niemand. Kaum jemand (außerhalb) würde es ernsthaft anerkennen wollen, und von unserer Seite ist’s nicht gerade der -äähm- “Protz”, der gewollt ist, wie?

      Hast mich mit dieser Fragestellung nun doch überrascht. 😉
      Darüber hatte ich vorher keinen Gedanken, mal abgesehen von meiner Einleitung hier, meine Frage an Dich.
      Und da stimme ich Dir zu. 🙂

      Schawua tow beschalom.

      Hey, (PSsst) noch ein bisschen böse? 😳
      Wie wäre es mit “Juden gegen die Aufhebung der Sanktionen der Schweiz für das Mullah-Regime!”?

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  6. Zur Lage in München: Fr. Knobloch wurde 11 Jahre von den Stolperstein Lobbyisten und Anhängern gebashed und gemobbed und als Hauptstörenfried isoliert. Das entspricht nicht der Wahrheit, es gibt in München viele Juden und Nichtjuden die gegen Stolpersteine sind auch in der Reform Beth Shalom Gemeinde gibt es welche trotzdem da der HauptLobbyist der STSteine entspringt. Die Vorsteände der IKG haben 2x geschlossen udn gemeinsam gegen die Stolpersteine abgestimmt. Der Stadtrat hat mit 53 von 81 Stimmen gegen die Stolpersteine gestimmt und auch dies zum 3ten Mal abgestimmt. Die Stolperstein Lobby hat aus Marketinggründen für Alles demokratisch gewordben Stelen Steine und Tafeln doch an+ls gegen die Steine abgestimmt wurden sah man das die Demokratie bei ihnen bei den Stolpersteinen aufhört und sie wolen gegen den Stadtratsbeschluß klagen denn eine demokratische Abstimmung wollen sie nicht akzeptieren. Viele Stolpersteine werden geschöndet und geklaut von Nazis dies wird versucht unter denm tisch zu halten ebenso das viele Angehörige nicht gefragt werden ob sie die Steine verlegt haben möchten. Täglich werdn Stolpersteine durch Fußtritte geschändet unachtsam und durch Zigattenkippen, Kaugummis, drüber fahren etc. derlei Schändungen können mit Gedenkafeln nicht passieren. Nazis übergiessen sie mit Teer, Lack, Farbe und Säure, beschmieren sie mit Hackenkreuzen , den wöertern Schweine und Lüge etc. ud sie werden oftmals herausgerissen und geklaut, dies abischtlichlich, mutwillieg da man diese Steine serviert regelrecht. Es muss endlich eine inhaltliche, würdige Diskussion über eine Erinnerungskultur geführt werden für die Zukunft, denn respektvolles Gedenken findet nur in Augenhöhe statt.

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    • Eine würdige Diskussion würde bedeuten, man wirft nicht stets die gleichen Argumente ab. Beide Sichtweisen (Steine werden beschmiert etc. – Steine werden nicht häufiger beschmutzt als andere Steine in Augen- oder Kopfhöhe) sind ja oben im Text wiedergegeben.
      So, wie es keine Ausschließlichkeit der Stolpersteine gibt, gibt es auch keine Ausschließlichkeit anderer Formen. Man wird immer Juden finden (steht auch im Text) die eine der beiden Formen besser finden oder eine dritte oder gar keine. Das muss zunächst einmal klar sein und dann kann jeder für sich sprechen und für sich Argumente abwägen.

      Antworten

      • Chajm, 
        was mir hier besonders heraussticht ist dieser Satzteil:
        “…ebenso das viele Angehörige nicht gefragt werden ob sie die Steine verlegt haben möchten.”

        Also (letztlich) gegen den Willen der Angehörigen werden solche Stolpersteine gelegt?
        Wenn das so ist, dann ist es falsch.

        Alle weiteren Argumente sind uns (nun) zwar bekannt, trotzdem weiterhin berechtigt. 

        Gabriella Meros,
        merßí für die Info zu München.

        Antworten

    • Auch wenn ich – wie geschrieben – die Gemengelage in München nicht kenne und auch gern glaube, das dort zuweilen unschöne Sachen in dieser Angelegenheit abgelaufen sind, halte ich es wie Chajm und setze lieber auf Differenzierung.

      Sicher ist der Marketing-Aspekt ein großes Problem. Auch dass Steine geschändet oder ohne Rücksprache mit Nachfahren verlegt werden, ist nicht von der Hand zu weisen und dennoch nur eine Facette eines vielfältigen Gedenkdiskurses, wie er einer jeden Erinnerungskultur vorausgehen muss.

      An meinem alten Wohnort wurden die Stolpersteine bspw. sehr wohl nach Rücksprache mit Nachfahren der Vorkriegsgemeinde verlegt. Auch entstand daraus ein Schulprojekt, das u.a. in Kooperation mit der Gemeinde nicht nur Steine verlegte, sondern überdies publizierte und eben die Kontakte zu den Nachfahren herstellte. Schändungen sind mir aus der Stadt auch nicht bekannt.

      Wir sehen, das Problem ist vielfältig und es gibt auch positive Beispiele.

      Antworten

  7. Jitzchok.
    Klar gibt es positive (und negative) Beispiele, und ich persönlich lehne nicht pauschal solche Steinverlegung ab, zumal sie anspielen auf unsere „Grabstein-Tradition“.
    Aus „meiner“ Stadt ist mir auch kein Beispiel konkreter „Stolperstein-Schändung“ bekannt, aber leider mehrere Angriffe gegen die Schul.
    Ob’s auch „Gedenksteine“ traf? Nicht unmöglich, so sehr bin ich nicht im Bilde.
    Nu, di welt is a drejdl. Schabat schalom.

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