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Die Maske vom Gesicht gerissen

Der Plan schien eigentlich gut zu sein und doch gibt es im Internet immer noch Menschen, die einen Tick intelligenter und besser informiert sind und so wurde einem geheimen Plan die Maske vom Gesicht gerissen und der Plan enttarnt, bevor er richtig lief.
Egal, wie geheim es ist, es gibt immer jemanden, der extrem gut recherchiert und die Wahrheit ans Licht bringt.
So ist es nun publik und deshalb können wir hier auch ganz frei darüber reden:

Die Flüchtlinge aus Syrien und allen anderen Kriegs- und Krisengebieten des Nahen Ostens und Afrikas kommen nämlich nicht einfach so nach Europa. Sie haben einen Auftrag. Sie wurden entsendet. Kommentatoren auf facebook wissen mehr:

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In dieser, nicht so ganz richtig recherchierten Fassung, wurden die Flüchtlinge von der Arabischen Liga befreit und auf Europa losgelassen.
Die Arabische Liga? Seien wir ehrlich – seid wann ist die Arabische Liga hinter den Kulissen aktiv und spinnt ausgefeilte Verschwörungen. Wir wissen doch, wessen Metier das ist:
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Natürlich sind es »SIE«, die das alles aus den USA aus steuern und vorantreiben. Also »wir«. Im ersten Schritt sind die es die USA und dann sind es die, die Medien kontrollieren.
Beweis gefällig? Die »New York Times«. Was ergibt »TIMES« rückwärts gelesen? Genau: »SEMIT«. Wir sind also ertappt. Leider wurde mein Derailing-Versuch vom gut informierten Facebook-Nutzer unterlaufen:
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Unterm Strich formt sich in den sozialen Netzwerken und den Kommentarfeldern der großen Medien blitzschnell ein geschlossenes Weltbild, in dem wirklich alle aktuellen Themen in einer Weltformel verschmelzen: Es tobt, hinter den Kulissen, ein Kampf gegen Europa und seine Einwohner.
Da kommt alles zusammen: Eine (vermeintliche) Islamisierung, die hohe Anzahl der Flüchtlinge und die aktuelle Finanzpolitik.
Abweichungen gibt es nur dort, wo man versucht, seinen Wahn zu erklären, indem man darauf verweist, Muslime (insgesamt und pauschal) würden die jüdische Bevölkerung bedrohen. Dieser Philosemitismus zeigt sich allerdings nur dann, wenn der Hass von Muslimen ausgeht.

Was wir im Augenblick erleben, ist nicht sehr überraschend. Der Verschwörungs-Antisemitismus sucht ständig nach Anlässen, die Zusammenhänge zu erklären und zu deuten.
Über die Kommentare und Posts, die das Schicksal der Flüchtlinge direkt betreffen, muss man gar nicht reden. Einige finden, 72 tote Syrer in einem LKW seien ein guter Anfang, andere kommentieren angeschwemmter toter Kinder im Mittelmeer mit »heute ist ein guter Tag«.

Überrascht von der fehlenden Empathie? Nur, wenn man in den letzten Jahren das Internet nur genutzt hat, um wissenschaftliche Fachartikel zu lesen.

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Ein jüdischer Kalender für vier Jahre

Jüdische Kalender-Apps regieren derzeit und das mit jeder Berechtigung.
Es ist einfach, sie zu verwenden und sie sind überall dabei und liefern meist die gewünschte Information.

Aber natürlich gibt es »noch immer« gedruckte jüdische Kalender auf dem Markt.
Auch auf dem deutschsprachigen. Es gibt (gute) Wandkalender, aber auch Taschenkalender.
Es gibt einen literarischen, einen liberalen und einen knappen gegen eine Spende.
Die beiden erstgenannten enthalten auch einen umfangreichen Serviceteil

Zu allem Überfluss kommt nun ein vierter hinzu.
Der inoffizielle Arbeitsname dieses Büchleins (164 Seiten) lautete »Jüdischer Kalender ohne Schnickschnack«.
Es ist ein kleines Buch geworden. Reduziert auf die wesentlichen Dinge:

Man findet

den bzw. einen jüdischen Kalender
Den jüdischen Kalender für die Jahre 5776, 5777, 5778 und 5779. Geordnet nach den jüdischen Monaten mit einer Angabe des Wochentages und des Datums nach allgemeiner Zeitrechnung
alle Schabbatot mit Angabe des Wochenabschnitts
Der Name des Wochenabschnitts/der Paraschah ist jeweils zum Schabbat vermerkt. Besonderheiten sind direkt am jeweiligen Schabbat vermerkt.
Eine ausführliche Liste der Wochenabschnitte findet man im Anschluss an das eigentliche Kalendarium. Dort sind auch die Lesungen des Mafir vermerkt und natürlich die Lesungen der Haftarah.
Die Liste orientiert sich an den Erfordernissen in der Diaspora, Minhag Aschkenaz. Die Liste der Torah- und Haftarahlesungen umfasst jedoch wesentlich mehr Minhagim.
Besonderheiten für Beter
Wird Tachanun gesagt oder nicht? Fügt man die Brachah für den Tau ein, oder nicht? Derartige Dinge sind natürlich vermerkt.

Man findet keine

bunten Bilder
Der Kalender soll ein ablenkungsfreies Kompendium für das jüdische Jahr sein.
Wer ein bestimmtes Datum sucht, soll fündig werden,
wer wissen will, welcher Wochenabschnitt an diesem Schabbat in der Synagoge gelesen wird, soll diese Information auch möglichst schnell finden können.
Damit man das nicht in jedem Jahr erneut kaufen muss, gibt es vier Jahre zusammen.
Das Verzeichnis der Wochenabschnitte und Haftarot hat natürlich darüber hinaus Bestand.
Dieser Kalender könnte sogar am Platz in der Synagoge aufbewahrt werden.
Adressen aller Rabbiner in Deutschland
Es ändert sich viel und es sich ändert sich vieles schnell. Diese Informationen gibt es online.
Adressen aller Gemeinden
Diese Änderungen geschehen nicht so sehr häufig und nicht sehr schnell, aber die Informationen sind alle online verfügbar. Die wenigsten benötigt man jeden Tag.

Wo ist das Buch erhältlich?

Natürlich online (amazon, buecher.de, buch.de, ebook.de, buchkatalog.de)
Oder über die Angabe der ISBN natürlich auch im lokalen Buchhandel:
ISBN-10: 3738632484
ISBN-13: 978-3738632484

zum Preis von 7,50 Euro – immerhin nur ungefähr 1,88 Euro pro Jahr!

Hier ein paar Einblicke (anklicken um sie zu vergrößern)


oder bei google-books.

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Eine Liebesgeschichte aus Bosnien

Eine wahre und tragische Liebesgeschichte aus Tuzla in Bosnien:
Er kämpft im Widerstand gegen die Nazis und das von den Nazis installierte Regime, studiert eigentlich Jura und ist nebenher noch Musiker. Sie ist Jüdin und ebenfalls aktiv im Widerstand. Als der NDH (der »Unabhängige Staat Kroatien«) gegen diejenigen vorgehen will, die einen Aufstand gegen diesen organisiert hatten, gehören ihre Namen zu denen, die ganz oben auf der Liste der gesuchten Widerständler stehen – und das mit Anfang 20 (er wurde 1919 geboren, sie 1920).
Die beiden sind ein muslimisch-jüdisches Liebespaar. Frida Laufer und Enver Šiljak.

Der Widerstand plante, Partisanengruppen um Tuzla herum zu bilden – während Frida nach Doboj gehen sollte, um dort weiter für den Widerstand zu werben. Bevor es dann eigentlich losgehen sollte, verständigten sich die Partisanen, dass Frida und Enver sich noch einmal treffen sollten und so verbrachten sie eine gemeinsame Nacht in der Nähe von Doboj. Am Morgen darauf, am 18. Juli 1941 wurden sie in ihrem Versteck verhaftet, ins Gefängnis gebracht, gefoltert und verhört.
Der Frau, Frida Laufer wurde ihre Befreiung für Details zu den Namen der Widerstandsgruppe angeboten. Was sie ablehnte und am 18. August in das Konzentrationslager Jadovno gebracht wurde. Dort brachte sie dann ein Kind zur Welt. Von dort wiederum kam sie in das Lager Loborgrad in der Nähe Zagrebs und von dort nach Auschwitz. Dort wurden sie umgebracht. Ihr Kind scheint man in Jasenovac umgebracht zu haben. Ein Eintrag in der Liste der Opfer listet ein Kind ohne Namen dessen Vater Enver Šiljak war (hier nachlesbar). Allerdings stimmt dort das Geburtsjahr nicht.

Kind ohne Namen, Vater Enver

Kind ohne Namen, Vater Enver

Am 5. September 1941 wurde Enver in Tuzla zum Tode verurteilt und erschossen. Auf dem Weg zur Erschießung soll er laut das Lied »Jel ti žao što se rastajemo – Tut es Dir leid, dass wir uns trennen« gesungen haben – für Frida. Das Lied gehört nicht zu den unbekanntesten Liedern Bosniens.

Der Bürgermeister von Tuzla Jasmin Imamović (der gerade erst in Deutschland in den Medien war) machte das Schicksal des Paares in seiner Stadt publik und später auch darüber hinaus:
In Tuzla erinnert heute, durch seine Initiative, eine Brücke (hier Bilder von der Einweihung 2010) an die beiden, die »Most narodnog heroja Envera Šiljka i Fride Laufer – Brücke der Nationalhelden Enver Šiljak und Frida Laufer« oder einfach »Liebesbrücke«.
2011 legte Fridas Nichte Frida Čaušević Blumen am Mahnmal für die Opfer der Schoah in Tuzla ab und sprach darüber, dass das Schicksal ihrer Tante nicht vollkommen klar sei. Man habe gehört, sie sei nach Auschwitz gebracht worden. Doch das Engagement von Jasmin Imamović sorgte dafür, dass Frida nicht vergessen werden würde.

Jasmin Imamović ist nämlich nicht nur Bürgermeister, sondern auch Schriftsteller. Er verarbeitete diese Geschichte zu einem Roman namens »Slana zemlja« »salziges Land«. Dazu sollte man wissen, dass sich der Städtename Tuzla vom türkischen Wort Tuz (Salz) ableitet. In Tuzla gibt es Salzvorkommen. Dies wiederum inspirierte den Sänger Halid Bešlić (der in Bosnien bekannt ist). Er hatte nach Lektüre des Romans die Idee, das Lied »Jel ti žao« neu aufzunehmen und es in den Kontext der Geschichte von Frida und Enver zu stellen. Das Video dazu ist nun auch auf YouTube verfügbar:

Auf der YouTube-Seite des Songs gibt es eine beachtliche Anzahl von Kommentaren von Menschen die aus dem Schicksal der beiden gar nichts gelernt haben.

Das Video wird jedenfalls geteilt und man spricht über die beiden, nicht nur vor Ort in Tuzla.

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Rabbiner wechseln die Städte

Nicht nur mit Bundesligastart gab es ein paar interessante Transfers. Auch einige Rabbiner auf dem deutschen Markt haben die Gemeinden gewechselt, oder sind neu:

  • Schlomo Freyshist wechselt von Kassel in die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg (hier). Die Gemeinde Kassel habe mit nur 900 Mitgliedern keine finanziellen Mittel für eine Weiterbeschäftigung. In dem entsprechenden Zeitungsartikel heißt es übrigens, die Gemeinde beschäftige zwei Türsteher. Vermutlich meint Autorin zwei Personen, die für die Sicherheit verantwortlich sind und Einlasskontrollen durchführen.
  • 800 Mitglieder hat die Gemeinde Lübeck und stellte nun einen neuen Rabbiner ein: Dr. Yakov Yosef Harety (zuvor Fürth und Hannover; Artikel hier).
  • Schon seit vergangenem Jahr ist Rabbiner Teitelbaum Rabbiner in Bremen (etwa 900 Mitglieder; Artikel hier). Rabbiner Teitelbaum war früher in Köln tätig und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Orthodoxen Rabbinerkonferenz. Derzeit wird er auf der Website der ORD allerdings noch nicht als Mitglied geführt.
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Stolpersteine Ja, Nein, Vielleicht

Stolpersteine:
Es gibt Orte, an denen werden sie verlegt.
Es gibt Orte an denen werden sie nicht verlegt.
Jüngst gab es erneut eine Meldung aus München darüber, dass die Stadt eine Verlegung nicht wünscht. In so mancher Stadt sind erneut Diskussionen darüber entbrannt. Oft, weil Lokalzeitungen natürlich vor Ort geforscht haben, ob das Münchner Votum irgendetwas an der Haltung geändert haben könnte.

Hier ein paar Dinge, die man in der Diskussion darüber und vielleicht bei der Verlegung beachten sollte. Weil die Welt nicht Schwarz-Weiß ist, ist es diese Liste auch nicht. Falls also jemand nur Pro-Argumente abfischen will: Sorry.

  • Die Stolpersteine sind eine Form des Gedenkens, sie sind kein Projekt, welches andere Formen der Erinnerung ausschließt (»Aber wir haben doch schon Stolpersteine verlegt!«).
  • Die Stolpersteine sind aber auch nicht DIE Form des Gedenkens. Es werden im Laufe der Zeit sicherlich neue Formen entstehen.
  • Das Argument »Jude XY hat gesagt« oder »Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde XY-hausen ist auch dagegen« hat keinen Bestand. Kein Jude spricht für alle anderen. Während die Vorsitzende der Gemeinde München Charlotte Knobloch das Projekt vollständig ablehnt, hat die Jüdische Gemeinde Düsseldorf dem Vater des Projekts, Gunter Demnig, einen Preis verliehen (hier|hier).
  • Einwände von Angehörigen oder Verwandten derjenigen, deren Namen auf den Stolpersteinen stehen werden, sollten hingegen ohne jede Rückfrage respektiert werden. Das versteht sich vermutlich von selbst. Auch wenn man die Argumente für falsch hält.
  • Der Verleger der Stolpersteine ist kein Heiliger. Er hat, wenn man das so ausdrücken kann, eine Exklusivrecht auf diese Form des Gedenkens. Ob ein Stein verlegt wird oder nicht, liegt letztendlich auch an ihm. Es wäre sicherlich nicht schlecht, wenn eine demokratische Art des Gedenkens (siehe nächsten Punkt) nicht von einer Einzelperson abhängt. 2011 kündigte Demnig an, in Hannover keine Steine mehr verlegen zu wollen.
    Es ist nicht einleuchtend, warum die Öffentlichkeit dieses de facto Monopol nicht hinterfragt und nicht einen Bruch verlangt. Es soll sich ja auch um ein Kunstprojekt handeln und was ist das für eine Kunst, die nur ein Künstler schaffen darf?
  • Die Stolpersteine sind eine Form des Gedenkens, an deren Realisierung viele Einzelpersonen oder Gruppen mitwirken können. Es braucht keine übergeordnete Instanz, die eine Verlegung beauftragt. Wenn man so will, eine demokratisierte Form des Gedenkens – und eine dezentrale.
  • Die Stolpersteine werden von den Bewohnern eines Ortes (oder einem Teil der Bewohner verlegt) und regen damit auch einen kleinen gesellschaftlichen Prozess an. Man muss sich mit den Menschen, deren Namen auf den Steinen steht, beschäftigen.
  • Die Stolpersteine sollten aus der Gesellschaft kommen – deshalb sollten unter keinen Umständen die Nachfahren oder Verwandte derjenigen, deren Namen auf den Steinen stehen wird, für sie zahlen müssen – oder gar die Verlegung organisieren. Das ist Aufgabe der Gesellschaft.
  • Wo wir bei der Verlegung sind:
    Wenn diejenigen, deren Namen auf den Steinen stehen wird, nicht gerade aus Osteuropa stammen, ist Klezmermusik wirklich deplatziert. Klezmer ist nicht DIE jüdische Musik.
  • Wo wir gerade von Kitsch sprechen:
    Auch Paul Celans »Todesfuge« ist durch ihren übermäßigen Einsatz für derartige Zwecke nicht unbedingt zu empfehlen. »Jeder Mensch hat einen Namen – Lechol isch jesch schem« (Download hier) der Dichterin Zelda Schneersohn Mischkovsky passt in den Kontext schon eher. Man bringt mit den Stolpersteinen den Namen einer Person wieder zurück in die Öffentlichkeit.
  • Die Stolpersteine sind keine Grabsteine. Sie sind als solche dementsprechend auch nicht zu behandeln.
  • Ja. Man kann über sie hinweggehen und sie werden als Teil des Bodenbelags auch den gleichen Belastungen ausgesetzt. Sie können bespuckt werden oder Hunde können sich auf ihnen entleeren. Auf der anderen Seite: Man kann sie nirgends herunterreißen und nicht umstürzen.
  • Stolpersteine halten lange, aber nicht ewig. Die Messingplatte wird irgendwann abgewetzt sein. Der Text wird unleserlich etc.
  • Wer eine Erinnerungstafel schänden will, wird das tun. Ganz gleich wo sie hängt. Solchen Personen wird es auch gelingen, einen Stolperstein zu beschädigen.
  • Das sind einige Punkte zu den Stolpersteinen.
    Ein Ende wird die Diskussion erst dann haben, wenn auch das Projekt nicht weitergeführt wird. Vielleicht weil Gunter Demnig eines Tages nicht mehr weitermacht oder vielleicht, weil es eine neue Form geben wird, die einen breiten Konsens findet.