Fraenkelufer

»Keine Synagoge muss leer sein. Wo Leute die Initiative ergreifen, sich nicht bremsen lassen, dranbleiben, auch wenn es schwierig wird, da bewegen sie auch etwas. Und das spornt dann wieder andere an«, so Jonathan Marcus. Das sei der Schlüssel für ein lebendiges Gemeindeleben: aktiv sein von unten und nicht institutionalisiert von oben.

Jonathan Marcus zur Belebung der Synagoge Fraenkelufer in der Jüdischen Allgemeinen(hier)

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  1. „Das sei der Schlüssel für ein lebendiges Gemeindeleben: aktiv sein von unten und nicht institutionalisiert von oben“

    So very much yes.

    Dieser Gedanke ist aber sicher nur umzusetzen in allen Gruppen ausserhalb der Orthodoxie wie Reform und noch leichter ohne Instutition überhaupt.

    Die im Beitrag geschilderte Synagoge ist wohl Teil der Gemeinde Berlin – da werden auch die Möglichkeiten letztendlich begrenzt sein (der Vorstand sagt das, die Gemeinde will dies und der Rabbiner will auch noch etwas). Basisdemokratie gibt es nur in grassrootsgroups, wo von vorne herein keine Hierarchie existiert.

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    • Das kann ich aus den Beobachtungen, die ich gemacht habe, nicht bestätigen. Ich würde sagen, es ist abhängig davon, ob es eine kritische Masse gibt, die eine Gruppe bilden kann. Das habe ich lokal für eine orthodoxe Gruppe beobachtet und eine liberale Gemeinde hier bewies das Gegenteil.
      Die liberale Gemeinde richtete zunächst Strukturen und eine Hierarchie ein – ohne liberale Juden und versucht jetzt, mit ein paar Ortsansässige Juden liberales Judentum zu erzeugen. Schwierig, wenn niemand etwas darüber weiß.
      Dir orthodoxe Gruppe hat sich hingegen aus Familien gebildet, die orthodox leben und deshalb gemeinsame Interessen haben. Ich halte diesen Ansatz für tragfähiger.

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  2. „Dir orthodoxe Gruppe hat sich hingegen aus Familien gebildet, die orthodox leben und deshalb gemeinsame Interessen haben“

    Du meinst die Gemeinde in Ostberlin?
    Ich habe gehört, da war (ist?) ganz stark ein Träger mit einigem Geld im Spiel (Lauder = Hierarchie von oben), der eine Yeshiva für junge Männer eröffnet hat und dann wurden diese jungen Männer u.a. mit jungen Frauen verheiratet, die in einer Midrasha – ebenfalls von Lauder eröffnet und finanziert – lernten. Soweit der Mundfunk stimmt, sind dann einige von den jungen Familien geblieben und haben Kinder bekommen, andere sind gegangen und wieder ein paar hinzugekommen. Wie überall gibt es anscheinend auch dort ein kommen und gehen.
    Spannend ist auf jeden Fall, inwieweit die dort weiterfunktionieren, wenn sie eines Tages nicht mehr unter einem Trägerschirm sind… und ob es, wenn es keinen weiteren Zuwachs (nicht Kinder, sondern Erwachsene) gibt, diese Gruppe in 10-20 Jahren überhaupt noch geben wird. Die sind ja anscheinend sehr fromm dort und werden ihre Kinder an Yeshivot und Seminare ins Ausland schicken, wenn die soweit sind. Die werden dann irgendwann überaltern oder auch weggehen.
    Die Yeshiva vor Ort und die Midrasha soll es übrigens schon gar nicht mehr geben, sondern nur noch kleinere Outreach-Programme, Studentenweekends und so.

    Das Beispiel mit der liberalen Gruppe finde ich ziemlich witzig … eine Gemeinde zu Gründen ohne Juden?!?
    Wie machen die das denn, konvertieren die Nichtjuden, um die Gemeinde aufzufüllen? 😉

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    • Adass Jisroel wäre vielleicht auch ein Beispiel. Da wurde auch einfach etwas gemacht und man hat jemanden, der das finanziell unterstützt. Was ist dagegen zu sagen? Besser, als Steuereinnahmen für aussichtslosere Vorhaben zu verschwenden.
      Ich meinte ein Projekt aus dem Ruhrgebiet. Bei der liberalen Gemeinde liegt der Fokus darauf: es geht darum, dass es keine Juden dieser Strömung dort gibt. Es gibt ein paar Menschen, die einfach jüdisch sind, aber in keinster Weise observant – weder orthodox noch liberal. Du hast also eine Infrastruktur für Niemanden.

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