Zitat

Fraenkelufer

»Keine Synagoge muss leer sein. Wo Leute die Initiative ergreifen, sich nicht bremsen lassen, dranbleiben, auch wenn es schwierig wird, da bewegen sie auch etwas. Und das spornt dann wieder andere an«, so Jonathan Marcus. Das sei der Schlüssel für ein lebendiges Gemeindeleben: aktiv sein von unten und nicht institutionalisiert von oben.

Jonathan Marcus zur Belebung der Synagoge Fraenkelufer in der Jüdischen Allgemeinen(hier)

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Ein unsichtbarer Rabbiner

ZEIT vom 18.03.2015

ZEIT vom 18.03.2015


Die Zeit vom 18.03.2015 brachte endlich einmal einen Beitrag aus einer kleinen Gemeinde. Das ist eine Abwechslung, denn Judentum passiert ja nicht nur in Berlin oder München.
Eine Dame aus Gelsenkirchen und ein Mädchen aus der gleichen Stadt sprechen, mutig und mit Foto, über ihre jüdische Identität und wie man damit im Alltag umgeht. Das Mädchen macht einen recht toughen Eindruck, sagt wo es in der Schule Probleme geben könnte und in welchem Ausmaß man zuhause jüdisch lebt. Beeindruckend. Die Dame die ebenfalls porträtiert wird, macht sich Sorgen um ihr Kind und denkt laut über dessen Zukunft nach. Beide Artikel sind eine gute Momentaufnahme aus einer kleinen Gemeinde. Das sind sehr persönliche Äußerungen und auch Entscheidungen. Schließlich muss jede und jeder für sich selbst entscheiden, wie er oder sie sein jüdisches Leben ausgestaltet.

Die beiden Artikel werden begleitet von einer Textbox mit der Überschrift »Mail des Rabbiners« (welcher Gemeinde wird nicht mitgeteilt), eher in einem persönlichen Ton gehalten, in dem eine Person um Verständnis darum bittet, nicht in der ZEIT erscheinen zu müssen. Er publiziere weniger als früher und trete nicht in der Öffentlichkeit auf. Seine Tochter hätte schon die Schule gewechselt und die Familie sei nicht besonders erpicht darauf, dass jemand über ihre Identität Bescheid weiß. Mit anderen Worten: Der Rabbiner würde lieber unsichtbar bleiben.
Das ist zu einem Teil eine private Entscheidung, zum anderen Teil eine öffentliche, denn in Deutschland sind Rabbiner ja weit mehr als nur halachische Ratgeber. Sie sind Aufbauhelfer und im gewissen Sinne auch Rollenvorbilder für die Gemeindemitglieder. Es ist heute Teil ihres Berufs, auch ein wenig öffentlicher Repräsentant zu sein. Wenn schon der Rabbiner nicht mehr als Jude in die Öffentlichkeit gehen möchte, dann ist das ein schlechtes Signal an die Gemeinde – vielleicht sogar ein sehr fatales. In der Öffentlichkeit wäre er unsichtbar und könnte für seine Gemeinde nicht Stimme erheben. Er müsste ein unsichtbares Leben führen, ein unauffälliges, vielleicht assimiliertes Leben, zumindest aber in Unfreiheit.
Damit ist viel gesagt über den aktuellen Zustand.

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Haggadah online

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Ausschnitt aus der Tegernsee Haggadah

Eine kleines Projekt, in dem schon ein paar Stunden Aufwand stecken: Eine Haggadah online. Diese gibt es nun eine vollständig (hoffentlich) online und in deutscher Sprache. Was eigentlich ein Novum sein sollte; wenn man über eine Haggadah mit hebräischem Text und einigen Illustrationen spricht.
Der eigentliche Beginn der Seite lag in ein paar Basisinformationen zur Haggadah und der Präsentation der Bilder aus einer Haggadah, die im 15. Jahrhundert entstanden ist. Aber dann kamen aber immer mehr Textabschnitte hinzu und schließlich machte es keinen Sinn mehr, den einen Text mit einer Übertragung vorzustellen, aber einen anderen nicht. Das Ergebnis ist also hier zu betrachten.
Schließlich wurde der Text auch unter eine Creative Commons Lizenz (Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz) gestellt. Vielleicht verwenden ja deutschsprachige Nutzer den Text als Startpunkt für eine eigene Haggadah und teilen diese ebenfalls (was sie tun müssten, laut Lizenz). Mal schauen, ob das jemand tut.

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Die Wahlen und ihr Ausgang

Wahlplakat der Zionistischen Vereinigung »Wir oder er« - von Ranbar (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Wahlplakat der Zionistischen Vereinigung »Das sind Wir oder Er« – von Ranbar (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Mit dem Ausgang der Wahlen ändert sich scheinbar wenig, weil es so ausschaut, als bleibe Netanjahu an der Macht. Das ist die oberflächliche Betrachtung des Wahlausgangs. Tatsächlich hat die Zionistische Vereinigug (HaMachane HaZioni) durch ihr gemeinsames Auftreten kein schlechtes Ergebnis erzielt, auch wenn es nicht für eine Regierungsbeteiligung reichen dürfte. Dies zeigt recht gut, dass die Bevölkerung sehr verschiedene Interessensschwerpunkte hat. Einigen ist Sicherheit wichtig, anderen soziale Gerechtigkeit und die Aussicht, von eigener Arbeit auch (gut) leben zu können. Für die Juden der Diaspora dürften beide Themen nicht so sehr uninteressant sein – natürlich nur dann, wenn man sich über eine Auswanderung Gedanken macht.
Es hat der Mann gewonnen, der in den Augen der Öffentlichkeit hier in Europa, nicht gerade Wunschkandidat war – um das mal euphemistisch zu umschreiben. Fast schon egal, wer statt Netanjahu die Wahl gewinnt. Es dürfte seiner Popularität nicht gerade genutzt haben, in den letzten Stunden noch vor den arabischen Wählern zu warnen – was weder weise, noch akzeptabel war. Er hat sich schon zuvor mit Richter Salim Joubran angelegt, der aus einer arabischen Familie stammt und die Wahlen beaufsichtigt.
Das gute Abschneiden der arabischen Sammelpartei ist interessant und in gewisser Weise bedeutsam. Es zeigt nämlich zwei Dinge: Zum einen, dass Israel genau kein Apartheidstaat ist, in dem nichtjüdische Israelis keinerlei Rechte hätten und zum anderen, dass viele arabische Wähler sich irgendwie doch nicht in den anderen Parteien aufgehoben fühlen – wenngleich HaMachane HaZioni Zouheir Bahloul aufgestellt hat und Jisrael Beitejnu Hamad Amar (einen Drusen). Bei einer großen Koalition wäre übrigens der Spitzenkandidat der Vereinigten Arabischen Liste, Ayman Odeh, offizieller Oppositionsführer geworden.

Das israelische Fernsehen tweetete ein Bild von Ja’akow Herzog und Tzipi Livni vom Frühstück am Strand am Morgen nach der Wahl:


Da war schon klar, dass die Regierungsbeteiligung vermutlich vom Tisch ist. Aber auch für Netanjahu wird es kein Spaziergang. Er muss nun die potentiellen Koalitionspartner unter einen Hut bringen und eine Perspektive für eine Zusammenarbeit formulieren. Bei den vielen kleinen Interessen keine leichte Aufgabe.
Eine Präsidentschaft Netanjahus bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Friedensprozess endgültig begraben wurde, hoffentlich jedenfalls. Entgegen der Aussage, es werde mit ihm keine zwei Staaten geben, muss Netanjahu eine sichere Alternative vorstellen oder von seiner Aussage abrücken und es irgendwie in einen »Ja-Ja-das-war-vor-der-Wahl« Kontext bringen. Auf der anderen Seite war diese Lösung zunächst nur mehr eine schöne illusorische Idee, die aber immer unerreichbarer wurde. Nicht nur aus israelisch-innenpolitischer Sicht.

Langfristig wird große Rhetorik hier keine Lösung bringen und seine Position nicht absichern. Die sozialen Probleme wird seine Regierung angehen müssen. Tatsächlich ist vieles nicht so zementiert, wie es momentan ausschauen könnte.

Abschließend muss man erwähnen, dass ein anderer Wahlausgang bezüglich des Irans keine Änderung gebracht hätte. Es ist Konsens, dass eine iranische Regierung mit Atomwaffen für den Staat Israel eine Bedrohung darstellt.

Noch etwas zur »Rezeption« der Wahlen in den deutschsprachigen Blogs und Facebook-Accounts:
Genausoviel, wie die Europäer wollten, dass Benjamin Netanjahu unter allen Umständen nicht gewählt wird, wollten einige populistische Blogger, dass Benjamin Netanjahu unbedingt wieder gewählt wird.
Warum?
Nicht aus der Erkenntnis heraus, dass Netanjahu dieses oder jenes bewegt hätte, oder weil man vergessen hätte, wie lange er vor einer Antwort auf den Raketenbeschuss aus Gaza im Sommer 2014 gezögert hat. Nein.
Offenbar nur, damit man nun sagen kann: »Bäh, bäh, Bäh – Israel kann selber bestimmen, wer gewählt wird.«
Das wird aber dem Wahlergebnis nicht gerecht und der Komplexität der Situation auch nicht.

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Judas

Buchcover Amos Oz: Judas
Buchcover Amos Oz: Judas

Es ist Winter in Jerusalem.
Ein nasser, kalter, unfreundlicher Winter zwischen den Jahren 1959-1960.
Jerusalem ist von drei Seiten umschlossen von Feindesland.
Hin und wieder fallen Schüsse.
Schmuel Asch, ein bärtiger, sozialistischer, zionistischer, asthmatischer und etwas nachlässiger Student wird direkt zu Beginn des Buches seiner Umgebung entrissen. Einige Sätze reichen, um dem jungen Mann auf ein leeres Spielbrett zu stellen.
Seine Freundin heiratet einen anderen, seine Eltern verlieren ihr Geschäft und können so das Studium von Schmuel nicht mehr bezahlen. Seine Arbeit zum Thema »Jesus in der Perspektive der Juden« kann er nicht mehr fertigstellen.
Die Geschichte führt ihn aber dann in das »Haus Abrabanel« Bejt Abrabanel.

Dort hat er die Aufgabe, sich um den alten Gerschom Wald zu kümmern und ihn an langen Abenden mit Gesprächen zu unterhalten. Dieser lebt mit einer Frau namens Atalja im Haus Abrabanel. Wer Atalja eigentlich ist und warum sie im Haus Abrabanel lebt, wird erst im Verlauf der Geschichte deutlich. Die Geschichte des Hauses Abarbanel und seiner Bewohner wird nämlich eine Erzählebene des Buches sein. Langsam entfalten sich die Schicksale der Bewohner vor den Lesern. Diejenigen der lebenden Bewohner, wie Atalja und Gerschom Baum, und diejenigen der toten Bewohner.
Auf der »Haus Abrabanel Ebene« lernt Schmuel Asch durch die Erzählungen von Gerschom Wald den früheren Besitzer des Hauses Schealtiel Abrabanel kennen. Einem Zionisten, der allerdings als einziger in der Jewish Agency gegen die Gründung eines jüdischen Staates war. Schealtiel Abrabanel wollte gemeinsam mit den arabischen Bewohnern in Palästina leben und eine partnerschaftliche Beziehung anstreben. Am Ende seines Lebens galt er als Verräter und vereinsamte. Wir lernen über Gerschom Wald auch seinen Sohn kennen, der für den neu gegründeten Staat in den Krieg zog.

Auf einer anderen Ebene wird die Geschichte von Jesus und Judas erzählt. In seinen Gesprächen mit Baum entwickelt Asch seine ganz eigene Theorie von Jesus und Judas – die nicht so ganz seine eigene ist – aber innerhalb des Buches natürlich schon.
Einem Jesus, von dem Schmuel Asch begeistert ist und den er verehrt, obwohl er kein Christ ist.
Schmuel Asch ist überzeugt, dass sich Juden zu wenig mit der Botschaft Jesu beschäftigt hätten, was vor allem an der Verfolgungsgeschichte lag und die Welt Judas nicht verstanden habe. Tatsächlich sei Judas der »der erste und einzige Christ« gewesen. Der einzige unter den Jüngern Jesu, der dessen Botschaft verstanden habe und deshalb die Kreuzigung mit seinem Freund Jesus herbeiführen wollte. Alle sollten sehen, was passieren würde, wenn man versucht, Jesus am Kreuz zu töten. Nach dessen tatsächlichem Kreuzestod hätte Judas sich vor Gram umgebracht. Diese Erzählebene verbleibt zunächst im Gespräch zwischen Schmuel und Wald oder Atalja, wandert später jedoch etwas in Vordergrund und wird dem Leser ohne Einbettung angeboten. Kurz verschwimmen die Ebenen. Auf dieser Erzählebene wird der Tod von Jesus sehr eindrücklich schildert – wobei natürlich nicht klar ist, ob wir es mit Schmuel Aschs Schilderung zu tun haben, oder mit der von Oz.

Oberflächlich betrachtet, ist es kein umfangreiches Buch und die »Geschichte« wird nicht von den Ereignissen getrieben, sondern einigen kleinen Einblicken in die Biographien der Romanfiguren. Wenn man das Buch jedoch wach liest, dann ist es das intertextuellste Buch, welches Amos Oz jemals geschrieben hat. Das Buch berstet vor Anspielungen, Zitaten und Anlehnungen aus vielen Jahrhunderten der hebräischen Dichtung und Überlieferung. Zuweilen ganz offen, zuweilen fein versteckt im Text. Die Arbeit, welche die Übersetzerin Mirjam Pressler geleistet hat, kann man kaum ermessen.

Die Intertextualität ist der Schlüssel zum Buch von Amos Oz. Selbst der Titel, im Deutschen »Judas«, im Hebräischen aber »הבשורה של יהודה – Das Evangelium nach Judas« ist eine Anspielung auf die gleichnamige Schrift, die 2006 übersetzt vorlag. Gleich zu Beginn des Buches, wenn wir lernen, in welcher neuen Situation Schmuel steckt, begegnen wir Dr. Schiwago von Boris Pasternak und »Die Tage des Ziklag« von Yzhar. Bereits hier werden die Weichen für ein zentrales Thema gestellt: Pasternaks Buch geht recht roh mit den Mythen der bolschewistischen Revolution um, der (israelische) Bestseller »Die Tage des Ziklag« schildert die Erlebnisse einer Gruppe von Soldaten im israelischen Unabhängigkeitskrieg. Allerdings ist auch dies kein Heldenepos, sondern schildert recht schonungslos auch das Innenleben der Soldaten (warum gibt es von dem Buch eigentlich keine Übersetzung?).
Wir treffen also direkt zu Beginn von »Judas« auf zwei Texte, die kein idealisiertes Bild zeichnen wollen, sondern das Innenleben von Menschen. Im Prinzip Dekonstruktionen von Mythen – sehr populäre.
Interessant sind zahllose Zitate, die nicht als solche markiert sind und die einem Leser mit einer, sagen wir jüdischen Leseerfahrung, sich besser erschließen. Wenn Gerschom Wald sagt »von Nathan bis Nathan gab es keinen wie Nathan«, dann weiß ein Leser, der sich in den traditionellen Texte auskennt, dass hier ein populäres Sprichwort über Mosche Rabbenu und Maimonides Verwendung findet. Oder indirekte. Schmuel ist einsam und elend, jedenfalls teilweise. Natürlich kann man an ein Zitat aus Tehillim (den Psalmen) denken (25,16): »Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn einsam und elend bin ich.« Das umfangreiche Spiel mit den Zitaten stößt natürlich an sprachliche Grenzen. Wenn Schmuel und Atalja in das Tal Ben Hinnom hinabsteigen (Tal Gehenna) und er zu ihr sagt »Jetzt sind wir in der Hölle«, dann wissen vielleicht nur die Leser mit angesprochener Leseerfahrung, dass die Bezeichnung dieses Tals traditionell für die Hölle steht.
Abrabanel ist übrigens ebenfalls so ein Schlüsselbegriff. Natürlich kann es hier ein sefardischer Familienname sein, aber Abrabanel steht im Schrifttum auch für Rabbiner Jitzchak Abrabanel (1437–1508). Man denkt an seinen Sohn Schmuel (!) den man zwischenzeitlich auch als Verräter bezeichnen könnte. Immerhin ließ er sich zwischendurch taufen und kehrte dann wieder zum Judentum zurück. Oder man denkt bei Schmuel Asch an Schalom Asch, den jiddischen Schriftsteller, der sich – überraschend – auch mit Figuren des Christentums befasst hat und dafür kritisiert wurde.
Mancher wird das als sehr massiven Wink mit dem Zaunpfahl sehen, manchem wird dieses Spiel vielleicht nicht auffallen. Ich sehe darin ein Spiel von Oz mit der Intertextualität religiöser Texte. Diese Texte man auch durchlesen, aber mehr schöpft man aus ihnen, wenn man die Zitate oder Anspielungen in ihnen erkennt und interpretieren kann.
Der Talmud wäre DER intertextuelle Text par excellence. Bei einem Text unter der Überschrift »Evangelium nach Judas« erscheint, ist es offensichtlich, dass wir es mit einem religiösen Text zu tun haben. Aber es ist ja auch ein Roman.
Am Ende ist Schmuel jemand, der aus dem Bejt Abrabanel kommt. Ähnlich wie die Schüler des Bejt Hillel oder des Bejt Schammaj…

Ist es aber ein Roman über die Liebe, wie der Klappentext ihn ankündigt?

Weniger. Es ist vielmehr eine Art Thriller über die Auseinandersetzung von Ideologien.
Von der Utopie, einen jüdischen Staat zu gründen und was es bedeutet, diese Utopie wahr werden zu lassen.
Wie viel will man, kann man, darf man opfern, um dieses Ziel zu erreichen? Wer legt das fest?
Und es geht natürlich um das Thema »Verrat«. Wer definiert wen als Verräter?

Judas, als Verräter, derjenige der die Konventionen der Gesellschaft verlässt und sie voranbringen will?
Derjenige, der dann stellvertretend für alle Juden stand? Die »Verräter«, die Jesus verraten haben sollen. Ohne diesen Verrat es aber heute keine Kirche gäbe?

Schealtiel Abrabanel als Verräter der zionistischen Idee – oder als einziger, der an der eigentlichen Idee festhielt?

Man mag es nicht schreiben, denn ein Buch im Hinblick auf den Autor zu interpretieren, widerstrebt mir stets ein wenig:
Geht es vielleicht auch um Amos Oz? Amos Oz der die zionistische Idee jederzeit verteidigte, aber nicht immer mit den Ideen übereinstimmt, die von der Politik formuliert werden. Das wäre ein schlechtes Zeichen für die Stimmung in einer Demokratie, wenn einer der angesehensten Schriftsteller die Not fühlt, sich derart verteidigen zu müssen.
Muss man das so lesen? Nicht unbedingt.
Amos Oz erzählte einmal, er könnte auch eine Geschichte über das Taschengeld eines kleinen Mädchens schreiben und man würde darin einen Kommentar zur Wirtschaftskrise erkennen. Ist es hier so?

Ein Buch, auf dessen Rezensionen außerhalb der jüdischen Presse ich gespannt bin.
Was liest wer aus diesem intertextuellen Feuerwerk?
Unterm Strich ist es ein Buch, dem man seine Meisterschaft nicht sofort anmerkt. Sie reift erst im Leser. Eine ungewöhnliche Lektüre, aber keine schlechte.


Amoz Oz »Judas«
Erscheint heute, am 07.03.2015
Suhrkampverlag
335 Seiten
ISBN: 978-3-518-42479-7

Eine Leseprobe gibt es hier.

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Die Schöpfung des Menschen – in Kassel

Adam im Chumasch

Adam im Chumasch

Am 10. März (2015) wird in Kassel eine Veranstaltung stattfinden, in der ein jüdischer Autor und ein evangelischer Pfarrer über die Schöpfung des Menschen in der Torah zu sprechen:
Ist der Text heute überhaupt noch interessant?
Was sagt er unserer Generation?
Hat sich diese Geschichte nicht durch die Evolutionstheorie und geologisches Wissen nicht überholt?

Der Leser mag es ahnen, der eine Part wird vom Ba’al haBlog übernommen.
Offiziell kann man also vermelden:
Pfarrer Sven Pernak und Chajm Guski werfen einen Blick auf die zwei Berichte über die Schöpfung des Menschen. Damit sich das Ganze ein wenig so anhört, wie ein Witz (treffen sich ein evangelischer Pfarrer, ein Rabbi/Jude und ein Priester), wird das moderiert von Martin Nitsche – Katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel e.V. Hoffentlich wird es kurzweilig, aber sicher auch interessant.
Wer also in Kassel oder Umgebung lebt, fühle sich eingeladen:

Dienstag, 10. März
19:30 Uhr im
Haus der Kirche
Wilhelmshöher Allee 330, 34131 Kassel

(Organisator ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel e.V.)